Weiterführendes Material zu dieser Folge
Vertiefe dieses Studium. Denke über die Fragen nach, die du unter der Überschrift „Jetzt wird’s persönlich“ am Ende dieses Textes findest.
Lea Köster: Hallo. Schön, dass du wieder dabei bist. Herzlich willkommen bei Belebe unsere Herzen. Letzte Woche hat Nancy DeMoss Wolgemuth eine Serie über das Hohelied begonnen. Sie heißt: „Der Geliebte meiner Seele – Jesus im Hohelied“.
Nancy DeMoss Wolgemuth: Eines meiner liebsten Andachtsbücher ist The Valley of Vision, auf deutsch: Gebete der Puritaner. Ich las darin diese Woche, und eine Zeile hat mich wirklich getroffen, besonders im Zusammenhang mit dieser Serie über das Hohelied. Es hieß da: „Meine Liebe ist wie Frost und Kälte, wie Eis und Schnee – möge seine (das heißt Gottes) Liebe mich wärmen!“
O Herr, wenn wir jetzt in diese Serie über das Hohelied einsteigen, möchte ich einfach bekennen, dass meine Liebe zu Dir, meine Liebe zu anderen viel zu oft kalt und frostig ist, Eis und Schnee. Und deshalb bete ich, Herr, dass Deine Liebe mein Herz erwärmt. Hilf uns, wenn wir Deine Liebe in diesem wunderbaren alttestamentlichen Text sehen, dass sie unsere Herzen wärmt und erfüllt. Und mögen wir sie anderen weitergeben, dass auch ihre Herzen erwärmt werden, die eiskalt sind und Deine Liebe dringend brauchen. Wir beten in Jesu Namen. Amen.
Lea: Du hörst Belebe unsere Herzen mit Nancy DeMoss Wolgemuth, gesprochen von Annette Schorre mit der zweiten Folge von Serie „Der Geliebte meiner Seele – Jesus im Hohelied“.
Nancy: Als ich Robert Wolgemuth näher kennenlernte und dann seine Frau wurde, habe ich viel über Liebesgeschichten nachgedacht.
Wir hatten zu Hause keinen Fernseher, als ich aufwuchs. Auch im Laufe der Jahre habe ich mich nicht viel mit romantischen Geschichten beschäftigt – weder im Fernsehen noch in Büchern oder Filmen. Und als Robert und ich dann eine tiefere Freundschaft entwickelten, weißt du, welches Vorbild für eine Liebesbeziehung ich in meinem Kopf und in meinem Herzen hatte? Ob du es glaubst oder nicht, in meinem Kopf war das verankert, was ich durch mein jahrelanges Studium des Buches Hohelied gelernt hatte. Und als meine Liebe zu Robert wuchs, erkannte ich, dass dieses Buch eine perfekte Vorlage war, an der ich mich orientieren konnte.
Nun, vielleicht befindest du dich gerade nicht mitten in einer romantischen Geschichte, aber ganz gleich, in welcher Lebensphase du bist – ich bin überzeugt, dass auch du viel aus diesem Studium mitnehmen kannst. Denn es geht hier um die ultimative Liebesgeschichte: um die Liebe zwischen Christus und seiner Braut, der Gemeinde. Also lasst uns zu dieser erstaunlichen Liebesgeschichte zurückkehren, die wir im Buch Hohelied finden.
Wir beginnen mit einer neuen Serie über das Buch Hohelied oder – wie der hebräische Titel lautet – Das Lied der Lieder. Diese Überschrift stammt aus Kapitel 1,1. Wir erwähnten bereits, dass mit dieser Ausdrucksweise „Lied der Lieder“ in der hebräischen Sprache gesagt wird, dass dieses Lied das Beste ist, dass es ausgezeichnet und unvergleichlich ist. Es gibt nichts darüber hinaus.
Das Hohelied ist also ein Lied, das allen anderen Liedern, die jemals geschrieben oder gesungen wurden, überlegen ist. Es ist das Lied der Lieder, es ist das erhabenste Lied in der ganzen Schrift. In der ersten Folge haben wir gesehen, dass es ein Liebeslied ist, denn Liebe ist das größte Thema. „(…) Die größte aber von diesen ist die Liebe“ (heißt es in 1. Korinther 13,13).
Und wir sahen, dass dieses Buch von der Liebe zwischen einem Ehemann und einer Ehefrau handelt – von der Schönheit der ehelichen Liebe und Romantik, einschließlich der Freude und Reinheit der sexuellen Intimität in der Ehe – von Gottes Perspektive aus gesehen. Diese Perspektive der menschlichen Liebe, der menschlichen Romantik und Sexualität im Hohelied steht im starken Kontrast zu den Extremen, die wir in der Welt haben – einerseits sexuelle Perversion, Gier, Untreue und Freizügigkeit, und andererseits die asketische Vorstellung, dass Sex etwas sündhaftes sei.
Die Schrift führt uns in diese schöne, reine, heilige, herrliche Denkweise hinein – Gottes Denkweise über Ehe und Sex. Das erinnert mich an Hebräer 13,4: „Die Ehe soll von allen in Ehren gehalten werden und das Ehebett unbefleckt (…).“
Gott hat eine reine, gesunde, gute, ehrbare Denkweise über Ehe und Sexualität, eine Denkweise, die es wert ist, bewahrt zu werden. Und in dieser Richtung werden wir aus dem Buch Hohelied viel lernen können.
Im Zentrum dieses Liedes steht die Liebe eines treuen Gottes, der sein Volk mit einer erstaunlichen Bundesliebe liebt. In diesem Lied geht es um die Beziehung zwischen Christus und seiner Braut und um die Beziehung zwischen Christus und dem einzelnen Gläubigen.
Ich gebe freimütig zu, dass dies heute nicht die gängige Auffassung von diesem Buch ist. Doch in mehr als 1600 Jahren Kirchengeschichte gab es Übereinstimmung darüber, dass es in diesem Buch in erster Linie um die Liebe Gottes – um göttliche Liebe geht. Denn unsere menschliche Liebe ist im besten Fall ein schwacher Abglanz der Liebe Gottes. Es ist Gottes Liebe, die die Quelle ist. Menschliche Liebe kommt von ihr, erhält von ihr die Kraft, wird durch sie ermöglicht.
Die Verbindung zwischen Gott und seinem Volk ist das Vorbild für die menschliche Ehe. Die Ehe war dazu geschaffen, um sie darzustellen. Als irdisches Bild weist die Ehe auf die ewige, geistliche Realität von Gottes Bundesliebe hin.
Viele zeitgenössissche Bibellehrer und Prediger haben in den letzten Jahrzehnten betont, dass das Hohelied sich auf die menschliche Liebe, Sex und die menschliche Ehe bezieht. Sie haben darüber Bücher geschrieben und Predigten gehalten. In den kommenden Wochen werden wir den Schwerpunkt aber hauptsächlich darauf legen, was dieses Buch über unsere Beziehung zu Christus zu sagen hat. Deshalb trägt diese Serie auch den Titel „Der Geliebte meiner Seele – Jesus im Hohelied“.
Und ich glaube, dass dies das zentrale und höchste Anliegen dieses Buches ist. Aber nebenbei werden wir auch Anwendungen auf die menschliche Liebe, Ehe und sexuelle Beziehung machen. An ein paar Stellen werden sich einige meiner verheirateten Freundinnen einklinken und ihre Erkenntnisse zum Thema Ehe, Romantik und Sex, vom Buch Hohelied ausgehend, weitergeben, und zwar auf eine schöne und gesunde und reine Weise, so wie Gott das bestimmt hat.
Manche haben diese Auslegung des Buches Hohelied, für die ich mich entschieden habe, zu unhaltbaren Extremen getrieben. Wenn man bestimmte Bücher dazu liest, scheint es, als gäbe es zu jedem Detail eine geistliche Parallele. Doch ich glaube nicht, dass man auf diese Weise das Hohelied lesen sollte. Das Genre ist schließlich Poesie, hebräische Poesie.
Und sie ist dazu da, gefühlt und erfahren und nicht so sehr in ihre Einzelheiten zerlegt zu werden. Wir sollten sie lesen und beim Lesen ein Gespür dafür bekommen, worum es bei wahrer Liebe geht. Deshalb möchte ich dich einladen, dieses Buch in den nächsten Wochen immer und immer wieder zu lesen.
Du kannst es zum Beispiel in der Schlachter-Übersetzung 2000 tun oder eine andere Übersetzung verwenden – wie du möchtest. Aber bitte versuche, beim Lesen einen Begriff von dieser Art von Liebe zu bekommen, die in diesem Buch beschrieben wird. Diese Liebe ist…
- leidenschaftlich,
- intensiv,
- ungehemmt,
- frei im Ausdruck,
- berauschend,
- ausdrucksstark,
- exklusiv,
- die Liebe, die in diesem Buch beschrieben wird, ist lieblich,
- sie ist rein,
- sie ist einfach.
Es ist eine Liebe, die gibt – und nicht nimmt. Eine Liebe, die bewahrt und genährt werden muss. Dieses Buch zeigt uns, dass wahre Liebe nicht statisch ist. Sie wächst ständig, und zu Zeiten wird sie auf die Probe gestellt. Zu Zeiten lässt sie nach. Sie kommt und geht.
Manchmal lieben wir Christus mehr als zu anderen Zeiten. Manchmal schwindet unsere Liebe zu anderen, doch seine Liebe zu uns ist immer dieselbe. Sie ist treu und loyal und hingebungsvoll. Dieses Buch weist auf Gottes erstaunliche Liebe zu seinem Volk hin. Es offenbart sein Herz und seine Wege. Und wir sehen, dass die „(…) Gnadenerweise des HERRN (…) nicht zu Ende [sind], ja, sein Erbarmen hört nicht auf“ (Klagelieder 3,22 ELB).
Wir sehen die Heilsgeschichte, die erlösende Liebe Christi.
Und dann ist dieses Buch ein Aufruf zur Intimität. Es enthält so viele wertvolle Erkenntnisse darüber, wie wir eine vertraute Liebesbeziehung zu Christus pflegen können. Und genau diese Beziehung – deine Beziehung zu Christus – ermöglicht es, auch in der Ehe die größtmögliche Vertrautheit zu erleben.
Ein Autor bemerkte zu diesem Thema, und ich fand es so hilfreich:
Gegenmittel [also das Heilmittel, oder die Lösung] für unmoralische, voreheliche Beziehungen und für den Bruch des Eheversprechens unter bekennenden Christen [die Lösung für all diese Probleme] sind nicht mehr Sex- und Ehehandbücher oder Seelsorgegespräche, sondern die Rückkehr zu unserer ersten Liebe. [Anmerkung des Übersetzers: John Piper, This Momentary Marriage: A Parable of Permanence]
Weißt du, wenn du Christus liebst und wenn du in deiner Liebe zu ihm wächst, wird dich das befähigen, auch in deiner Liebe zu deinem Partner und zu anderen Menschen zu wachsen.
Das also ist das Hohelied. Im ersten Vers erfahren wir, dass es „das Lied der Lieder, von Salomo“ ist. Salomo war das menschliche Werkzeug, das Gott gebrauchte, um dieses Buch zu verfassen. Nun, wir wissen nicht genau, zu welchem Zeitpunkt in seinem Leben er es schrieb. Es könnte in den frühen Jahren seiner Herrschaft entstanden sein, als er dem Herrn treu nachfolgte. In 1. Könige 3 lesen wir: „Salomo aber liebte den HERRN, sodass er in den Ordnungen seines Vaters David wandelte (…)“ (Vers 3).
Und die Braut in der Geschichte könnte seine erste Frau gewesen sein. Es ist aber auch möglich, dass Salomo dieses Buch erst später in seinem Leben schrieb, nach den Jahren seines geistlichen Rückfalls und nachdem er vielleicht wiederhergestellt worden war.
Salomo wird in der Schrift wiederholt als eine typologische Figur auf Christus hin gesehen. Lasst uns uns einmal überlegen, in welcher Hinsicht das so ist. Er war der Sohn Davids, er besaß beispiellosen Reichtum, Verstand und Weisheit. Denke daran, dass die Königin von Saba zu Salomo kam und staunend ausrief: „(…) Und siehe, es ist mir nicht die Hälfte gesagt worden; du hast mehr Weisheit und Besitz, als das Gerücht sagt, das ich vernommen habe!“ (1. Könige 10,7). Das könnten wir auch von Jesus sagen, nicht wahr? In diesem Sinne ist Salomo ein Typus von Christus. Auch was die Pracht seines Königreichs angeht, ist Salomo ein Typus von Christus und seinem ewigen Reich.
Der Name Salomo bedeutet tatsächlich „Frieden“. Dieser Name ist eng mit dem Wort „Schalom“ verwandt. Während sein Vater David ein Mann des Krieges war, war Salomo der Friedensfürst. So deutet Salomo in diesem Sinn auf das Kommen des Christus hin, der als letztendlicher Friedensfürst herrschen wird.
Salomo war in vielerlei Hinsicht ein großartiger Mann, aber wie du weißt, war er auch in vielerlei Hinsicht zutiefst fehlerhaft.
Und in jeder Hinsicht ist derjenige, auf den Salomo als Typus hinweist, größer. Jesus sagt in Matthäus 12: „(…) Hier ist einer, der größer ist als Salomo!“ (Vers 42). Christus! Er ist unser Salomo, unser König des Friedens. In der Schrift heißt es also: Dies ist das „Lied der Lieder, von Salomo.“
Nun, wir haben gesagt, dass dieses Lied ein Liebeslied ist, es ist das größte Liebeslied. Und Salomo kannte sich aus mit der Liebe. In der Tat lernte er vieles davon auf die harte Tour, richtig? Angesichts dessen, was wir über Salomo wissen, finde ich es irgendwie erstaunlich, dass Gott gerade ihn als menschliches Werkzeug erwählte, um dieses Lied niederzuschreiben.
Salomo – der unzählige Ehefrauen und Nebenfrauen hatte, darunter viele heidnische, die sein Herz vom Herrn abwandten. Salomo, der in bestimmten Momenten seines Lebens seinen Bund mit Gott verriet. Hättest du aus menschlicher Sicht Salomo ausgewählt, um das erhabenste Liebeslied aller Zeiten zu schreiben?
Er war sicherlich nicht würdig, um von Gott dazu gebraucht zu werden, das Lied der Lieder zu schreiben. Doch genau hier kommt die Gnade ins Spiel – für Salomo und auch für uns –, wenn Gott seine Geschichte der Liebe in unserem Leben schreibt.
Interessanterweise war der Name, den Salomo ursprünglich bei seiner Geburt durch den Propheten Nathan erhielt, Jedidja. Das ist ein hebräisches Wort, das „vom Herrn geliebt“ bedeutet. Gott wusste, dass Salomo in seiner Liebe zu ihm manchmal schwanken würde, und doch wurde Salomo dieser Name gegeben, „von Gott geliebt“ – nicht auf der Grundlage von irgendetwas, was er geleistet hätte, sondern nur auf der Grundlage der Gnade.
Schon dieser erste Name Salomos „Jedidja“ erinnert daran, dass Gott uns liebt, und zwar nicht, weil wir etwas Besonderes wären oder getan hätten oder ihn so lieben, sondern einfach deshalb, weil Gott Liebe ist. Darum liebt er uns.
Und als ich darüber nachdachte, dass Gott Salomo auserwählte, um dieses Meisterwerk zu schreiben, dieses erhabene Werk über seine unaufhörliche, unerschütterliche Liebe, wurde ich daran erinnert, dass Gott fehlerhafte Menschen erwählt und gebraucht – uns, Menschen, die ihn und andere unvollkommen lieben – er erwählt und gebraucht uns als Boten seiner vollkommenen Liebe an andere.
Ein Ausleger aus dem 17. Jahrhundert sagte es so: „Die Gnade hat schon so manchen knorrigen Baum für das Werk des Herrn passend und nutzbar gemacht.“ Wenn Gott etwas aus unserem Leben macht, dann ist das immer Gnade, oder? Vielleicht sagst du: „Ich bin es nicht wert, dass Gott mich gebraucht. Ich habe es vermasselt, ich habe versagt. Wie kann ich über die Liebe Gottes sprechen? Ich habe versagt, wenn es um Liebe geht.“ Genau dafür ist die Gnade da – für Versager. Und die Tatsache, dass Gott Salomo erwählte und gebrauchte und ihn dieses Buch schreiben ließ, ist wirklich erstaunlich.
Vor nicht allzu langer Zeit erhielt ich eine E-Mail von einer Freundin, deren Mann Ehebruch begangen hatte. Ich war die ganze Zeit an ihrer Seite, als dies ans Licht kam und danach. Der Mann war zerbrochen und hatte ein bußfertiges Herz. Doch Monate später kämpfte er noch mit dem überwältigenden Eindruck, er habe sein Leben weggeworfen und Gott könne ihn nie mehr gebrauchen.
Seine Frau schrieb mir das, und ich antwortete ihr in einer E-Mail, die ich hier in Auszügen vorlesen möchte:
„Ich bin sicher, dass der Feind will, dass dein Mann nach seinem Versagen in gewissem Sinn unter einem Berg von Schuld und Scham begraben bleibt; aber Gott will, dass er in der Gnade lebt, in dem Bewusstsein, dass keiner von uns es verdient, dem Herrn zu dienen, dass Christus allein unsere Gerechtigkeit ist und dass sein Blut vollständig jede Sünde gesühnt hat, die wir jemals begangen haben oder jemals begehen werden.“
Ich sagte ihr: „Der Feind will deinen Mann glauben lassen, dass er nie, nie wieder wirklich brauchbar für Gott sein kann. Aber Gott möchte, dass er erkennt, dass es bei ihm keine Grenze dafür gibt, wie er diejenigen gebrauchen kann, die zerbrochen sind und über ihre Sünden Buße tun und seine erstaunliche Gnade annehmen.“
Und ein großes Beispiel für diese Wahrheit, denke ich, ist, dass Gott Salomo erwählte, der alles andere als ein treuer Liebhaber war. Er verteilte seine eheliche Zuneigung auf Hunderte von Frauen. Gott erwählte diesen Mann, um seinem Volk das Lied der Lieder zu geben, welches das größte Lied ist, das je über die Liebe Gottes geschrieben wurde.
Und dann fuhr ich fort:
„Ich glaube, dass Gott dich und deinen Ehemann zur richtigen Zeit gebrauchen wird, um das, was der Feind zum Bösen gedacht hat, zu etwas sehr Guten zu wenden, und damit ihr anderen von der überragenden, ewigen, unerschütterlichen Liebe und Barmherzigkeit Gottes erzählen könnt.“
Vielleicht fühlst du dich wie dieser Ehemann – als hättest du alles vermasselt und jede Chance vertan, jemals von Gott gebraucht zu werden. Du hast ihn so erbärmlich enttäuscht. Du hast deinen Bund mit dem Herrn gebrochen. Du hast den Bund mit deinem Partner gebrochen. Lass mich dir sagen, Gott kann die Sünde deiner Vergangenheit nicht gutheißen, aber er kann und wird ein zerbrochenes, bußfertiges Herz, ein zerschlagenes Herz, segnen. Das sind Menschen, die Gott erwählt und gebraucht. Er will durch sie wie durch einen Kanal seine Liebe, Gnade und Barmherzigkeit zu anderen fließen lassen.
Also, wir sind nun in der zweiten Folge zum Buch Hohelied. Und wir haben gerade einmal einen Vers behandelt – eine Zeile, und das Buch hat acht Kapitel und 117 Verse. Das erinnert mich an den britischen Pastor John Gill, der im 18. Jahrhundert lebte und 122 Predigten über das Buch Hohelied hielt, die er anschließend in einem gigantischen Kommentar zusammenstellte.
So lange werden wir nicht brauchen, aber wir werden uns Zeit nehmen, um durch dieses Buch zu gehen. Und hier ist ein Grund – es steckt einfach so viel darin, und ich möchte diese Schätze auskosten. Aber ich weiß auch, dass es so viele Frauen gibt, die sich damit schwertun zu glauben, dass Gott sie liebt. Und ich glaube nicht, dass sich das durch ein paar kurze Lektionen über die Liebe Gottes ändert. Ich denke, es ändert sich nur über die Zeit, wenn wir in diese Liebe, in seine Liebe – in sein Wort – eintauchen. Wir wollen uns da hinein vertiefen und unseren Sinn erneuern lassen, so dass wir aufhören, Lügen zu glauben und anfangen, an die Wahrheit zu glauben.
Einige von euch hören in ihrem Kopf immer und immer wieder bestimmte Aussagen – vielleicht aus ihrer Kindheit, als sie, anstatt von ihren Eltern geliebt zu werden, von ihnen abgelehnt wurden; oder es ist etwas, was sie mit ihrem Ehemann erlebt haben, und es fällt ihnen schwer, die Liebe Gottes anzunehmen.
In den kommenden Wochen wünsche ich mir, dass du dran bleibst, während wir uns die Zeit nehmen, dieses Buch durchzugehen und die unermessliche Liebe des Vaters anzuschauen. Und ich glaube, dass das mit der Zeit dein Denken und dein Herz verwandeln wird.
Jetzt möchte ich noch ein paar weitere einleitende Gedanken zum Hohelied weitergeben, bevor wir dann ab der nächsten Folge richtig in den Text einsteigen. Und ich möchte dich nochmals ermutigen, das Hohelied selbst zu lesen, ob du es online tust, dir den Text ausdruckst und mitliest, wie auch immer. Sei einfach dabei, während wir das Buch gemeinsam Schritt für Schritt durchgehen.
Also noch ein paar Anmerkungen: Erstens, wo befindet sich das Hohelied im Alten Testament? Es kommt direkt nach dem Buch Prediger, das auch von Salomo geschrieben wurde. Und ich finde, zwischen diesen beiden Büchern gibt es einen interessanten Kontrast. Das Thema im Buch Prediger ist: „Nichtigkeit der Nichtigkeiten! Alles ist nichtig.“ Und das ist eine perfekte Einleitung zum Hohelied.
Der Prediger zeigt, dass irdische Dinge keine bleibende Erfüllung und Freude bringen können. Dann kommen wir zum Hohelied, und wir heben unsere Augen von dieser Erde empor. Wir erkennen, dass wahre Freude und Segnungen nicht auf der Erde, sondern oberhalb von ihr zu finden sind – in einer Person, in einer Liebesbeziehung zu einem bundestreuen Gott und zu seinem Sohn Jesus Christus.
Und dann möchte ich kurz etwas zur Gliederung des Hoheliedes sagen: Es ist keine typische Geschichte mit einer linearen Handlung, wo eine Szene der anderen folgt und wo man nachvollziehen kann, was zuerst geschah, was als Nächstes, und was zuletzt. Es ist keine Erzählung in diesem Sinne.
Es ist vielmehr eine Abfolge verschiedener Szenen – typisch für hebräische Poesie. Die Ereignisse folgen nicht immer einer chronologischen Ordnung. Versuche deshalb nicht, es alles zeitlich passend zu machen, denn das könnte etwas frustrierend werden.
John MacArthur gibt in seiner Studienbibel eine hilfreiche Gliederung des gesamten Buches. Er erklärt, dass es im ersten Abschnitt um die Brautwerbung geht, im mittleren um die Hochzeit und im dritten Abschnitt um die Ehe. Das Werben steht für „verlassen“, die Hochzeit für „anhangen“ (der Mann verbindet sich mit der Frau) und die Ehe für „zusammenwachsen“. Mir gefällt diese einfache Gliederung.
Wie man das Buch auch immer gliedert – und ich werde euch gleich meine Gliederung vorstellen – eines wird deutlich: Man erkennt den Fortschritt und die Entwicklung einer Liebesbeziehung, von der anfänglichen Liebe hin zur reifen Liebe. Es gibt eine Entwicklung. Und diese Entwicklung hat mit verschiedenen Phasen in der Beziehung zu tun, mit verschiedenen Situationen, mit verschiedenen Umständen – sei es in einer Beziehung zwischen Eheleuten, im Glaubensleben oder im Gemeindeleben.
Und ich bin wirklich froh, dass dieses Buch über die Liebe – das Lied der Lieder – von den Höhen, aber auch von den Tiefen dieser Liebesbeziehung handelt. Es spricht vom Versagen. Und wir werden sehen, wie Mauern in einer Liebesbeziehung entstehen und wie man damit umgehen kann.
Ich möchte euch nun kurz die Gliederung vorstellen, die ich für dieses Buch benutze.
Im ersten Abschnitt werden wir uns mit der ersten Liebe beschäftigen, und wir werden uns dafür mehrere Tage Zeit nehmen.
Dann betrachten wir die unbemerkte Liebe. In diesen ersten beiden Abschnitten wird deutlich, dass hauptsächlich die Braut spricht, denn sie ist meistens mit sich selbst beschäftigt.
Im mittleren Abschnitt – dem dritten von fünf – erleben wir die wachsende Liebe. Hier spricht die Braut weniger und hört mehr zu. Ist das wohl eine deutliche Anspielung?
Im vierten Abschnitt geht es dann um die schwankende Liebe, und auch hier hat die Braut die meiste Redezeit.
Und schließlich kommen wir zum fünften Abschnitt, ich würde ihn so überschreiben: die reife Liebe. Erste Liebe, unbemerkte Liebe, wachsende Liebe, schwankende Liebe – und reife Liebe.
Durch die ganze Geschichte hindurch ist die Braut mit ihrem Geliebten eins – rechtlich, formal und in ihrem Status. Doch sie setzt alles daran, diese Vertrautheit so tief wie möglich zum Ausdruck zu bringen. Dies ist ein Bild der Pilgerschaft eines einzelnen Gläubigen oder einer Gemeinschaft von Gläubigen. Sie sehnen sich nach einer innigeren Vertrautheit mit Christus.
Und so zeigen einige der Themen, die wir sehen werden – und wenn du das Hohelied in den nächsten Tagen liest, wirst du das auch entdecken – sie zeigen die Herrlichkeit und Schönheit des Bräutigams. Er ist wunderbar! Wir werden das Thema der Gnade sehen und wie diese Liebe unverdient ist – es ist die Liebe, die der Bräutigam für seine Braut hat.
Und wir werden die verwandelnde Kraft wahrer Liebe sehen. Denn die Braut wird durch die Liebe ihres Bräutigams verändert. Wir werden über die Sehnsucht nach Vertrautheit sprechen – darüber, was sie fördert, wie man sie pflegt und was sie behindert oder sogar zerstört, sei es in unserer Liebesbeziehung zum Herrn, zu unserem Partner oder zu anderen Menschen. Und wenn einmal die Intimität zerbrochen ist, wie kann sie wiederhergestellt werden?
Dann werden wir erkennen, dass das Ziel einer tiefen Liebesbeziehung nicht bloß unser eigenes Vergnügen ist, sondern dass sie dazu bestimmt ist, ein Segen für andere zu sein. Achte deshalb im gesamten Hohelied besonders auf die Begriffe Wohlgeruch und Fruchtbarkeit. Wohlgeruch und Fruchtbarkeit. Wir wollen von dieser Liebe so erfüllt sein, dass sie durch uns hindurchfließt und das Leben anderer berührt und verändert.
Das Hohelied ist ein Lied über Fruchtbarkeit. Immer wieder kommen Reben, Weinberge, Früchte und Gärten vor. Achte beim Lesen doch einmal darauf und erinnere dich dann, dass Gott uns dazu geschaffen hat, Frucht zu bringen; und er wird verherrlicht, wenn wir viel Frucht bringen. Diese Fruchtbarkeit ist das Ergebnis der Einheit mit ihm. Unsere Verbindung, unsere Gemeinschaft mit Christus, macht uns fruchtbar. Das gilt auch für eine gottesfürchtige, gute Ehe. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Einheit und Fruchtbarkeit. Darum ist Intimität von so großer Bedeutung.
Achte beim Lesen des Hohelieds auf Aussagen über die menschliche Liebe und Ehe, und dann auf Wahrheiten über Gott und seine Liebe zu seinem Volk, und achte ebenfalls auf Aussagen zu Christus und seiner Beziehung zu seiner Gemeinde. Außerdem möchte ich dich ermutigen, dieses Buch betend zu lesen, so wie ich es auch bei der Vorbereitung getan habe:
„Herr, wenn ich jetzt das Hohelied studiere, offenbare mir bitte Deine Liebe! Hilf mir, daran zu glauben, dass Du mich liebst; hilf mir, Deine Liebe anzunehmen, sie zu erfahren. Zeige mir deine Liebe! Und bitte vertiefe meine Liebe zu Dir! Ich möchte dich zurück lieben, denn Du bist es würdig, geliebt zu werden.“ Und wenn du verheiratet bist oder hoffst, es eines Tages zu sein, dann bete: „Herr, bitte schenke, dass deine Liebe in meiner Ehe erkennbar ist.“
Herr, wir bitten Dich, dass Du uns im Lauf dieser Serie Deine Liebe zeigst und dass wir sie annehmen; bitte schenke uns Gnade, dass wir in unserer Liebe zu Dir wachsen. Und dann bitten wir, dass Deine Liebe durch uns hindurch zu anderen fließt. Und Herr, ich möchte besonders für meine verheirateten Schwestern beten oder jene, die es eines Tages sein werden. Herr, ich bitte darum, dass Deine Liebe in ihre Ehen strömt, dass sie eine vertraute, intime Beziehung haben und dass viel Frucht entsteht – zu Deiner Ehre. Wir beten in Jesu Namen. Amen.
Lea: Das war Nancy DeMoss Wolgemuth. Wie leicht passiert es, dass man eine solche Botschaft hört, viel daraus mitnimmt und dann im Alltag wieder vergisst, was man gehört hat. Doch ich hoffe, dass ihr über die heutige Botschaft weiter nachdenkt und sie tief in eurem Herzen verankert. Wie ihr das am besten tun könnt, erzählt euch jetzt Nancy…
Nancy: Ich habe in den letzten dreißig Jahren oder so viel Zeit damit verbracht, über das Hohelied nachzudenken. Dadurch ist es zu einem kostbaren Teil meiner persönlichen Beziehung zu Jesus geworden. Ich bin überzeugt, dass du am meisten von dieser Reihe über das Hohelied profitierst, wenn du selbst über dieses Buch nachsinnst und es auf dein Leben wirken lässt.
Um dich dabei zu unterstützen, dich in diesen Abschnitt der Schrift zu vertiefen, habe ich eine Reihe von Fragen unter der Rubrik „Jetzt wird’s persönlich“ formuliert. Diese haben wir in einer kleinen Broschüre mit dem Titel Der Geliebte meiner Seele – Jesus im Hohelied zusammengestellt. Für jeden Tag dieser Vortragsreihe gibt es einen Abschnitt, der die Bibelstelle nennt, die wir an diesem Tag behandeln.
Lies gerne die jeweiligen Abschnitte aus dem Hohelied und beantworte die vertiefenden Fragen.
Die Fragen werden dir helfen, deine Nachfolge zu überprüfen. Setzt du diese Wahrheiten in deinem Leben um? Erlebst du die Realität einer tiefen Liebesbeziehung mit Jesus? Und wenn du verheiratet bist, wendest du diese Prinzipien in deiner Ehe an?
Lea: Also, Gebete können so oft langweilig und vorhersehbar werden. Nancy DeMoss Wolgemuth lädt dich ein, zum Herrn zu kommen und zu sagen: „Küsse mich mit den Küssen deines Mundes! Denn deine Liebe ist besser als Wein.“ Hast du so schon einmal gebetet?
In unserer nächsten Folge wird Nancy mit Vers 1 aus dem Hohelied beginnen. Sei dann doch wieder mit dabei bei Belebe unsere Herzen. Und denke daran: Dieses Wochenende ist die True Woman Konferenz Das Wort – Bestaune das Wunder; Melde dich heute noch für die Liveübertragung an. Alle Informationen findest du heute auf unserer Website www.belebeunsereherzen.com.
Belebe unsere Herzen ist Teil von Revive Our Hearts Ministries.
Wenn nichts anderes erwähnt wird, sind die Bibeltexte der Schlachter Übersetzung © 2000 Genfer Bibelgesellschaft entnommen.
Um den größtmöglichen Nutzen aus diesem Vers-für-Vers-Studium des Hoheliedes zu ziehen, solltest du versuchen, das ganze Buch während dieser Podcast-Reihe mehrmals zu lesen. Es dauert etwa 15 – 20 Minuten, um dieses kurze Buch durchzulesen. So erhältst du einen Überblick über die gesamte Geschichte aus der Vogelperspektive. (Diese Studie basiert auf der Schlachter-Übersetzung. Vielleicht möchtest du den Text von www.bibleserver.com ausdrucken, um mitlesen zu können.)
Notiere alle Beobachtungen oder Fragen, die dir beim Lesen in den Sinn kommen. Halte auch deine Gedanken zu diesen beiden Fragen fest:
- Was lernst du aus diesem Buch über die menschliche Liebe und die Ehe?
- Was lernst du aus diesem Buch über Gottes Liebe zu seinem Volk und über die Beziehung zwischen Christus und seiner Gemeinde?
Tag 2 – Einleitung (Hohelied 1,1)
- „Das Lied der Lieder, von Salomo“ (1,1). Wie kann das Wissen, dass Gott Salomo auserwählt hat, um dieses Buch zu schreiben, dich ermutigen oder dir Hoffnung geben?
- Nancy beschreibt das Hohelied als ein Sinnbild für den Weg eines Gläubigen, der sich nach einer tieferen Vertrautheit mit Christus sehnt. Trifft das auch auf dein Leben zu? Wie kannst du deine Beziehung zu deinem Erlöser vertiefen und pflegen?
- „Meine Liebe ist Frost und Kälte, Eis und Schnee; möge Gottes Liebe mich erwärmen“ (The Valley of Vision, nicht auf Deutsch erhältlich). Erinnerst du dich an eine Zeit, in der deine Liebe zu Gott „Frost und Kälte“ war? Wie kann die Betrachtung seiner Liebe zu uns unsere Herzen erwärmen?
- Ein Thema im Hohelied ist die Fruchtbarkeit. Welche Anzeichen für geistliche Frucht siehst du in deinem Leben? Weißt du, was dich daran hindert, Frucht zu bringen?
- Nimm dir die Zeit, das Gebet zu sprechen, das Nancy am Ende der heutigen Folge vorgeschlagen hat:
- „Herr, zeige mir Deine Liebe – hilf mir, sie mehr zu erfahren und anzunehmen.“
- „Vertiefe meine Liebe zu Dir!“
- (Wenn du verheiratet bist oder hoffst, es eines Tages zu sein:) „Möge Deine Liebe in meiner Beziehung zu meinem Partner und durch sie hindurch sichtbar werden“