Weiterführendes Material zu dieser Folge
Vertiefe dieses Studium. Denke über die Fragen nach, die du unter der Überschrift „Jetzt wird’s persönlich“ am Ende dieses Textes findest.
Lea Köster: Nancy DeMoss Wolgemuth erinnert daran, dass körperliche Liebe in der Ehe heilig ist.
Nancy DeMoss Wolgemuth: Wenn wahre, göttliche Liebe im Rahmen der Ehe zum Ausdruck kommt, gibt es keine Scham. Wir sehen hier eine Form der ehelichen Liebe – körperliche und emotionale Intimität – die zugleich berauschend, leidenschaftlich und vollkommen rein ist! Und genau diese Liebe sollten Verheiratete in ihrer ganzen Fülle genießen.
Lea: Hallo und herzlich willkommen. Hier ist Belebe unsere Herzen mit Nancy DeMoss Wolgemuth, gesprochen von Annette Schorre.
Nancy beginnt heute eine Serie über ein biblisches Buch, das oft missverstanden und vernachlässigt wird. Der Titel der Serie lautet „Der Geliebte meiner Seele - Jesus im Hohelied“. Diese Serie wurde in 2016 gesendet, als …
Weiterführendes Material zu dieser Folge
Vertiefe dieses Studium. Denke über die Fragen nach, die du unter der Überschrift „Jetzt wird’s persönlich“ am Ende dieses Textes findest.
Lea Köster: Nancy DeMoss Wolgemuth erinnert daran, dass körperliche Liebe in der Ehe heilig ist.
Nancy DeMoss Wolgemuth: Wenn wahre, göttliche Liebe im Rahmen der Ehe zum Ausdruck kommt, gibt es keine Scham. Wir sehen hier eine Form der ehelichen Liebe – körperliche und emotionale Intimität – die zugleich berauschend, leidenschaftlich und vollkommen rein ist! Und genau diese Liebe sollten Verheiratete in ihrer ganzen Fülle genießen.
Lea: Hallo und herzlich willkommen. Hier ist Belebe unsere Herzen mit Nancy DeMoss Wolgemuth, gesprochen von Annette Schorre.
Nancy beginnt heute eine Serie über ein biblisches Buch, das oft missverstanden und vernachlässigt wird. Der Titel der Serie lautet „Der Geliebte meiner Seele - Jesus im Hohelied“. Diese Serie wurde in 2016 gesendet, als Nancy frisch verheiratet war.
Nancy: Nun, in den kommenden Wochen werden wir gewissermaßen heiligen Boden betreten, wenn wir miteinander einen der, meiner Meinung nach, schönsten und reichhaltigsten Abschnitte in Gottes Wort betrachten.
Wir beginnen eine Podcast-Reihe mit dem Titel „Der Geliebte meiner Seele - Jesus im Hohelied“. Im Laufe der Jahre habe ich als alleinstehende Frau oft über das Buch Hohelied gelehrt. Diese Serie ist nun ein ausführliches Bibelstudium, in dem wir Jesus als unseren himmlischen Bräutigam kennenlernen.
Als ich Robert Wolgemuth besser kennenlernte und dann auch seine Ehefrau wurde, sind mir die Wahrheiten, die ich aus diesem Buch gelernt habe, noch bedeutungsvoller und tiefgründiger geworden. Durch dieses Studium und die Erfahrung, von Robert geliebt zu werden, schätze ich es umso mehr, was es bedeutet, von Jesus, unserem himmlischen Bräutigam, geliebt zu sein.
Ob du verheiratet oder alleinstehend bist, ich bin überzeugt, dass auch du viel aus diesem Studium mitnehmen kannst. Lasst uns gemeinsam auf diese Reise durch das Hohelied gehen.
Selbst wenn du das Hohelied schon länger nicht mehr gelesen hast, gibt es darin viele Verse, die du vermutlich gut kennst, auch wenn du dieses Buch der Bibel nie studiert hast. Vielleicht wusstest du nicht einmal, wo die Verse eigentlich herkommen. Zum Beispiel dieser Satz: „[Es sind] die kleinen Füchse, welche die Weinberge verderben!“ Das ist aus Hohelied 2,15.
Dann dieser Satz: „Mein Geliebter ist mein, und ich bin sein (…)“ (Hohelied 2,16). Man hört ihn oft im Zusammenhang mit Hochzeiten. Er stammt aus dem Hohelied und erscheint dort sogar dreimal in verschiedenen Varianten.
Vielleicht hast du auch diesen Vers schon mal gehört: „Er führte mich ins Weinhaus, und die Liebe ist sein Banner über mir“ (Hohelied 2,4). Das ist aus dem Hohelied. Und dann diese Stelle aus Kapitel 2, die oft bei Hochzeiten gesungen oder vorgelesen wird: „Mach dich auf, meine Freundin, komm her! […] Denn siehe, der Winter ist vorüber, der Regen hat sich auf und davon gemacht; die Blumen zeigen sich auf dem Land, die Zeit des Singvogels ist da (...)“ (Verse 10-12). Auch das stammt aus dem Hohelied.
Oft hört man, wie Ausdrücke aus dem Hohelied als Beschreibung für den Herrn Jesus gebraucht werden. Manche sprechen von ihm als der Narzisse von Saron oder der Lilie der Täler – es gibt auch ein Lied, in dem er so besungen wird. „Hervorragend unter Zehntausenden“, „alles an ihm ist lieblich“ – das sind Formulierungen aus dem Hohelied. Das Buch enthält viele leidenschaftliche Ausdrücke der Liebe. Es erzählt eine Liebesgeschichte. Erinnere dich zum Beispiel an diesen Vers aus Kapitel 8: „Große Wasser können die Liebe nicht auslöschen, und Ströme sie nicht ertränken“ (Vers 7). Das kommt aus dem Hohelied.
Obwohl es in diesen acht Kapiteln so viele bekannte Verse gibt, gehört das Hohelied, meiner Meinung nach, zu den am meisten vernachlässigten Büchern der Bibel. Man hört nicht viele Predigten darüber und es wird nicht oft im Gottesdienst gelesen. Es wird nicht nur vernachlässigt, es ist auch eines der am meisten missverstandenen und umstrittenen Bücher der Bibel. Deshalb betrete ich heute schwieriges Terrain, denn es gibt viele verschiedene Ansätze und Auslegungen zum Hohelied.
Ich kann mich daran erinnern, dass wir während meiner Studienzeit das Buch Hohelied betrachteten. Es war im Rahmen eines Kurses über die poetischen Bücher der Bibel. Und ich erinnere mich an die Vorlesung, bevor wir mit dem Hohelied anfingen. Der Professor sagte: „Nun, in der nächsten Vorlesung werden wir das Hohelied studieren, ich möchte, dass keine Gäste dazukommen. Wenn wir das Buch Hohelied durchnehmen, sind keine Besucher zugelassen. “Ich weiß nicht, was er dachte, was passieren würde, wenn Gasthörer dabei wären.
Es schien, als wäre dieses Buch nicht für den allgemeinen Gebrauch bestimmt. Das ist kein neuer Gedanke. In biblischer Zeit durften jüdische Männer das Hohelied erst ab einem Alter von dreißig Jahren lesen. Man glaubte, dass diese Geheimnisse für jüngere Leute zu groß seien, um sich mit ihnen zu befassen.
Als die hebräische Bibel zusammengestellt wurde, wollten viele Rabbiner das Hohelied nicht in den hebräischen Kanon aufnehmen. Sie hielten es für zu weltlich, es sprach ihnen zu eindeutig von der sexuellen Liebe zwischen Mann und Frau – und tatsächlich enthält dieses Buch einige anschauliche Beschreibungen.
Im zweiten Jahrhundert lebte ein Rabbi namens Akiba ben Joseph, der behauptete, dass die Liebesbeziehung zwischen Mann und Frau heilig und nicht weltlich sei. Er lehrte, dass diese menschliche Liebe die Liebe Gottes zu seinem Volk widerspiegele. Der Rabbi sagte: „Der Tag, an dem Israel das Hohelied empfing, ist unvergleichlich. Auf der ganzen Welt gibt es nichts, was dem gleichkommt. Die ganze Thora ist heilig, aber das Hohelied ist das Allerheiligste.“ So kamen die Juden dazu, dieses Buch als das Allerheiligste zu betrachten.
Nun, das Hohelied ist eines von nur zwei Büchern in der Bibel, in denen Gott nicht ausdrücklich erwähnt wird ‒ sein Name taucht nicht auf, außer vielleicht an einer Stelle in Kapitel 8,6. Anders als viele andere alttestamentliche Bücher wird das Hohelied im Neuen Testament an keiner Stelle wörtlich zitiert. Doch wenn man sich mit diesem Buch beschäftigt, stellt man fest, dass es zahlreiche Bezugsquellen im Hohelied gibt ‒ Bilder, Charaktere, Begriffe, Konzepte aus dem Hohelied, die man im Neuen Testament wiederfindet, auch wenn die Verse nicht wörtlich zitiert werden.
Zum Beispiel lesen wir in Kapitel 4 von einem Brunnen lebendigen Wassers. Kommt dir das bekannt vor? Davon lesen wir auch im Johannesevangelium, Kapitel 4. Dann ist da, durch das ganze Hohelied hindurch, der Gedanke der makellosen Braut, ein Konzept, das wir im Neuen Testament wiederfinden ‒ in Epheser 5 – wo eine Braut ohne Flecken und Runzeln beschrieben wird. Das ganze Konzept des Fruchtbringens kommt im Buch Hohelied an mehreren Stellen vor. Und wiederum finden wir den Gedanken im Neuen Testament wieder, wo Johannes 15 uns dazu auffordert, ein fruchtbares Leben zu führen.
Dann ist da das Konzept des Hirten, der seine Herde führt, es begegnet uns mehrfach im Hohelied. Wenn wir Johannes 10 aufschlagen, lesen wir von Christus, dem guten Hirten, der seine Herde führt. Der Gedanke einer unauslöschlichen Liebe zieht sich nicht nur durch das Hohelied hindurch, sondern durch die gesamte Bibel. In 1. Korinther 13 lesen wir von der Liebe, die niemals aufhört. Es ist ein Konzept, das man im Buch Hohelied mit einem flüchtigen Blick erhascht.
Und so sind Gottes Fingerabdrücke überall in diesem kostbaren Buch zu finden. Die Bibel sagt uns, dass „alle Schrift von Gott eingegeben [ist] und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit [ist]“ (2. Timotheus 3,16). Das betrifft auch das Buch Hohelied. Jahrelang habe ich gezögert, über dieses Buch öffentlich zu lehren. Doch Gott gebrauchte es in den vergangenen Monaten in meinem Leben, und ich kam zu dem Schluss: Ich möchte einfach das mit unseren Hörerinnen teilen, was für mich selbst ein Segen war. Es wird auch bestimmt für dich ein Segen sein.
Vielleicht kennst du den Namen C.I. Scofield von der Scofield-Bibel. Er sagte: „Nirgendwo in der Schrift betritt der ungeistliche Verstand des Menschen so viel geheimnisvollen und unverständlichen Grund wie in diesem Buch.“ Mit anderen Worten: Diejenigen, die den Geist nicht haben, der in ihnen lebt, können dieses Buch nicht verstehen – sie können es nicht erfassen. „Aber“, so sagte er weiter, „heilige Männer und Frauen aller Zeiten haben in ihm eine Quelle reiner und erlesener Freude gefunden.“ Für alle, die Christus kennen und lieben, ist dieses Buch eine Quelle von tiefem Glück, großem Segen und tiefer Freude.
Charles Spurgeon sagte über das Hohelied: „Dieses heilige Canticum [oder Lied] steht fast in der Mitte der Bibel, so wie der Baum des Lebens in der Mitte des Gartens Eden steht, in der Mitte von Gottes Paradies.“ Ich mag diese Beschreibung.
Dieses kleine Buch wird oft das Hohelied genannt. Vielleicht ist das die Überschrift dieses Buches in deiner Bibel. Aber der hebräische Titel aus Kapitel 1,1 gefällt mir eigentlich noch besser. Er heißt: Das Lied der Lieder – „Das Lied der Lieder, von Salomo“.
Wenn wir uns diesen Vers anschauen, und wenn du deine Bibel zur Hand hast, dann schlag sie doch bitte genau dort auf: Hohelied 1,1.
Das Lied der Lieder. Das ist die hebräische Art, einen Superlativ auszudrücken – es ist das beste und schönste und vollkommenste Lied überhaupt. Es gibt nichts über dies hinaus. Der König der Könige – das ist der berühmteste und größte aller Könige, richtig? Der Herr der Herren – es gibt keinen über ihm. Das Allerheiligste – das ist der heiligste Ort, es gibt keinen heiligeren. Nun, die Überschrift „Das Lied der Lieder“ ist in dem hebräischen Urtext ein Ausdruck für das Beste und Großartigste. Es ist das ausgezeichnetste aller Lieder.
In 1. Könige 5,12 erfahren wir, dass Salomo 1.005 Lieder schrieb – er war ein wahrer Liedermacher. Doch von all diesen Liedern war dieses bei weitem das Beste. Es ist das vorzüglichste. Es ist das Lied aller Lieder. Kein anderes Lied ist wie dieses. Kein anderes Lied lässt sich mit ihm vergleichen. Es ist das beste wegen seines Aufbaus und seines lieblichen Stils. Es ist ausgezeichnet und hinreißend. Aber es ist auch ausgezeichnet und hervorragend wegen seines Themas, denn es hat das größte Motiv. Es ist ein Lied der Liebe. Das Lied aller Lieder ist ein Liebeslied.
Tatsächlich wird die Liebe in diesem kurzen, kleinen Buch mehr als 60 Mal erwähnt. Wenn du dieses Buch in der kommenden Zeit durchliest – und ich möchte dich ermutigen, es öfter zu lesen, vielleicht sogar jeden Tag – dann markiere einfach jede Stelle, wo du einen Bezug zu dem Wort „Liebe“ erkennst. So wird ziemlich schnell klar, dass es ein Liebeslied ist.
Es gibt kein höheres Thema in der Schrift. „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die größte aber von diesen ist die Liebe“ heißt es in 1. Korinther 13,13. Was hat Jesus gesagt, sei das größte aller Gebote? „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen (...)“ Und was ist das zweite Gebot? „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Matthäus 22,37-39). Es gibt kein größeres Gebot. Die Liebe ist das größte. Und das unübertreffliche Lied, das Lied der Lieder, ist ein Lied der Liebe.
Wenn du anfängst, diesen Text zu lesen – und vielleicht hast du ihn noch nie gelesen, dann möchte ich dich ermutigen, es zu tun –, wirst du sehr schnell feststellen, dass das Lied der Lieder die Schönheit und das Wunder der Liebe zwischen Mann und Frau, der ehelichen Liebe, besingt. Das ist ganz offensichtlich in diesem Buch.
Für die, die nicht ganz so vertraut mit dem Inhalt sind, würde ich gerne ganz kurz die Handlung dieser Geschichte – und es ist wirklich eine Geschichte – zusammenfassen. Die Geschichte wird poetisch erzählt. Da ist ein König, der beschließt, zu heiraten. Also macht er sich auf die Suche nach einer Frau. Und – um es kurz zu machen – er richtet seine Zuneigung, seine Aufmerksamkeit, auf ein Bauernmädchen – völlig überraschend, ganz im Gegensatz dazu, was man erwartet hätte. Er heiratet nicht eine der Töchter Jerusalems. Stattdessen geht er hinaus aufs Land, auf die Felder und findet ein Bauernmädchen, das auf dem Hof seiner Familie arbeitet – vielleicht war es ein Grundstück, das zu den Ländereien des Königs gehörte.
Aber dies ist ein Mädchen, das allem Anschein nach nicht schön ist. Sie ist nicht beliebt, und trotzdem macht er ihr den Hof. Wir haben hier also die Geschichte der Brautwerbung, der späteren Hochzeit und des Vollzugs der Ehe. Dann erfahren wir vom Wachstum und der Entwicklung dieser Beziehung über einen bestimmten Zeitraum hinweg und auch von Herausforderungen, mit denen diese Ehe konfrontiert war.
Würde man dieses Büchlein zufällig in irgendeiner Buchhandlung oder Bibliothek finden und es ohne den Kontext der Bibel lesen, könnte man zu dem Schluss kommen, es handele sich lediglich um eine schöne, romantische Geschichte. Und das ist sie zweifellos. Aber diese Liebesgeschichte erhält eine noch größere Bedeutung, wenn man sie im Zusammenhang mit allem liest, was die Bibel über menschliche Liebe, Ehe und Sex zu sagen hat. Wenn man die gesamte biblische Lehre zu diesem Thema betrachtet, wird dieses kleine Buch zu einem Juwel, bezogen auf das Thema eheliches Glück.
Wenn man zum Beispiel die ganze Schrift anschaut und dann dieses kleine Buch, so erkennt man die Kraft und die Schönheit wahrer Liebe im Kontext der Ehe. Man sieht, dass die Beziehung zwischen Ehemann und Ehefrau – gerade in einer Zeit, in der sich viele fragen, ob die Ehe überhaupt noch notwendig ist – etwas Wunderschönes, etwas Wunderbares und Gutes ist. Es wird deutlich, dass die körperliche und emotionale Intimität im Rahmen der Ehe heilig ist. Sie ist köstlich und wünschenswert. Dieses kleine Buch offenbart uns Gottes Sicht von Liebe, Ehe und Sexualität. Gleichzeitig entlarvt es die verzerrten und verdrehten Vorstellungen von Liebe, von Ehe und Intimität, die in unserer hochgradig sexualisierten Kultur verbreitet sind – einer Kultur, die die Ehe abwertet.
Dieses Buch ist also ein Korrektiv für unsere modernen Ansichten über Liebe, Ehe und Sex – vor allem auf dem Gebiet der Sexualität. Sex wurde missbraucht und verdreht. Das geht so weit, dass viele Menschen Sex entweder mit Perversion und sexueller Freizügigkeit oder mit Scham und Schuld assoziieren. Viele, die heute heiraten, sehen deshalb der sexuellen Beziehung nicht mit Vorfreude, sondern mit Angst und Scheu entgegen.
Und selbst viele Frauen, die schon lange verheiratet sind, empfinden die Sexualität in der Ehe nicht als Segen. Sie sehen sie nicht als etwas Heiliges. Viele halten sie für etwas Schmutziges, Perverses, Verdorbenes. Doch dieses Buch hilft uns, unsere Vorstellungen von Liebe, Ehe und Sex zu korrigieren.
In diesem Zusammenhang gibt es zwei Schlüsselsätze im Hohelied. Wir werden später, wenn wir das Buch studieren, noch näher darauf eingehen, aber sie vermitteln eine wirklich wichtige Perspektive auf die Ehe. Die erste Aussage, die mit leichten Variationen gleich dreimal im Hohelied vorkommt, lautet: „Mein Geliebter ist mein, und ich bin sein.“ Nun, das ist ein wichtiger Satz, ein zentraler Satz, in diesem Buch.
Er weist darauf hin, dass innerhalb des Ehebundes große Freiheit herrscht, die Liebe auszudrücken und zu erleben – verbal, körperlich. Das erinnert uns an das erste Ehepaar im Garten Eden. „Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und sie schämten sich nicht“ (1. Mose 2,25). Wenn wahre, göttliche Liebe im Rahmen der Ehe ausgedrückt wird, gibt es keine Scham.
Wir sehen hier eine Art von Liebe in der Ehe – körperliche Intimität, emotionale Intimität –, die berauschend, leidenschaftlich und rein ist! Die Verheirateten unter uns sollten sie in höchstem Maße genießen. Die Unverheirateten sollten sie für etwas Erstaunliches innerhalb des Rahmens der Ehe halten. Und für diejenigen, die bald heiraten werden, ist sie etwas Besonderes, wohl wert, sich darauf zu freuen und darauf zu warten.
Damit möchte ich überleiten zu dem zweiten Schlüsselsatz im Buch Hohelied zum Thema Ehe: „Erregt und erweckt nicht die Liebe, bis es ihr gefällt“ oder „bis die Zeit dafür kommt“ (Hohelied 2,7;3,5; 8,4). Ich denke, der Punkt ist hier, und das ist eine mögliche Anwendung dieses Verses, dass wahre Liebe wartet, aus dem Blickwinkel außerhalb der Ehe gesehen.
Nun heißt es in unserer Kultur, dass man sich keine Einschränkungen auferlegen sollte. Wenn du Sex haben willst, hab ihn mit wem du willst, wie du es willst, wann du willst – nur lass dich nicht einengen! Aber dieser Abschnitt zeigt: Wenn man schon vor der Ehe von den Früchten der körperlichen und emotionalen Einheit und sogar der geistlichen Intimität nimmt, dann bringt man sich selbst und den zukünftigen Partner um etwas sehr Kostbares. An dieser Art von Intimität kann man sich am besten im Kontext der Ehe erfreuen. Das heißt also, dass die Ehe der Rahmen ist, in dem Liebe, Sex, und Romantik zur großen Freude beider Partner ausgelebt werden soll.
Ich hatte vor einiger Zeit zwei kurze Unterhaltungen, verschiedene Unterhaltungen, mit Frauen in der Gemeinde. In beiden Fällen erzählte ich davon, dass ich zur Zeit an einer Serie über das Buch Hohelied arbeite. Und beide Male standen ihre Männer dabei und hörten dem Gespräch zu; und beide Männer reagierten mit: „Wow! Super!“ Sie waren begeistert, dass Frauen diese Vorträge über das Hohelied hören würden. Und ich dachte: Ja! Weißt du was? Es ist wichtig, dass verheiratete Frauen, Gottes Perspektive von Sex, Intimität und Romantik innerhalb der Ehe bekommen.
In den letzten Jahrzehnten haben viele christliche Redner und Bibellehrer gelehrt, dass die primäre, wenn nicht gar die einzig zulässige Auslegung des Hohelieds sich auf die menschliche Ehe, die menschliche Liebe und Sex innerhalb der Ehebeziehung bezieht. Und diese Sichtweise wird auch in vielen hervorragenden Studienbibeln, die heute angeboten werden, vertreten. Und es ist hart, mit einigen der besten Prediger und Gelehrten weltweit nicht übereinzustimmen. Aber nachdem ich viele Jahre über dieses Buch nachgedacht und es studiert habe, bin ich heute mehr denn je überzeugt, dass es im Hohelied um viel mehr geht als um die menschliche Liebe und Ehe.
Weißt du, die Schrift lehrt, dass die menschliche Ehe ein irdisches Bild ist – ein Gleichnis einer kosmischen, ewigen Realität. Sie soll – und das ist der eigentliche Grund, warum sie existiert – Gott rühmen und seine Herrlichkeit aufzeigen. Genau darum geht es. Die Ehe ist vorübergehend, doch Gottes Herrlichkeit ist ewig. Und wenn du verheiratet bist, dann soll deine Ehe der Welt eine Realität widerspiegeln, die weit größer ist als deine Ehe.
Nun, historisch gesehen, haben sowohl jüdische als auch christliche Gläubige und Ausleger das Hohelied so verstanden, dass es auf eine geistliche Beziehung hinweist, wovon die Ehe ein irdisches Abbild ist. 1.600 Jahre in der Kirchengeschichte oder mehr glaubten jüdische und christliche Ausleger, dass es im Buch Hohelied nicht vorrangig um menschliche Liebe geht, sondern um göttliche Liebe. Diese Sichtweise hört man heute nicht so oft. Aber je mehr wir in dieser Serie vorankommen, denke ich, wirst du nachvollziehen können, warum diese Sichtweise so viel Sinn ergibt.
Die alttestamentlichen jüdischen Gläubigen betrachteten das Hohelied als eine Beschreibung der Beziehung zwischen Gott und Israel. Im Alten Testament wird Gott als Bräutigam und Israel als seine auserwählte Braut beschrieben. Und die Ehe spiegelte den Bund, den Gott mit seinem Volk geschlossen hatte. Ich möchte dazu zwei Verse aus dem Propheten Jesaja vorlesen.
„Denn dein Schöpfer ist dein Ehemann, HERR der Heerscharen ist sein Name“ (Jesaja 54,5).
„(...) Wie sich ein Bräutigam an seiner Braut freut, so wird dein Gott sich an dir freuen“ (Jesaja 62,5).
Und in Jeremia 2 sagt Gott: „Ich denke noch an die Zuneigung deiner Jugendzeit, an deine bräutliche Liebe“ (Jeremia 2,2).
Tatsächlich ist es bei den Juden Tradition, das Hohelied zur Zeit des Passahfestes zu lesen. Damit erinnern sie sich an die Bundesbeziehung zwischen Gott und den Israeliten. [...]
Im Verlauf der Kirchengeschichte haben neutestamentliche Gläubige das Hohelied als ein Sinnbild für die Beziehung zwischen Christus und seiner Braut, der Gemeinde, sowie zwischen Christus und dem einzelnen Gläubigen verstanden.
Jetzt fragst du dich vielleicht, woher ich das habe. Nun, Jesus selbst beanspruchte, die zentrale Person des Alten Testamentes zu sein. In Johannes 5,39 spricht er über die Schriften des Alten Testamentes – einschließlich des Buches Hohelied – und er sagt: „Sie sind es, die von mir Zeugnis geben“. Es geht also um ihn. Die ganze Schrift entfaltet die Heilsgeschichte, alles weist auf Christus hin.
Die Heilige Schrift alten und neuen Testaments erzählt eine einzige, großartige Geschichte darüber, wie Christus kam, um unwürdige, nicht liebenswerte Menschen zu retten und zu erlösen und sie als eine Braut zu sich zu nehmen. Wie schätzt er seine Braut wert; wie liebt er sie innig, und wie sehnt er sich nach einer vertrauten Beziehung zu denen, die zu ihm gehören. Die Liebe Gottes, die Liebe Christi – sie ist das Muster, sie ist die Quelle, die alle menschliche Liebe ermöglicht, die eheliche Liebe eingeschlossen.
Und genau deshalb ist das, was in Epheser 5 geschrieben steht, dieser großartigen Abhandlung über die Ehe, alles eingebunden in die Beziehung Christi zu seiner Gemeinde. Die Lehre für die Ehemänner, ihre Frauen zu lieben, und die Lehre für die Ehefrauen, ihren Ehemänner Respekt zu erweisen und sich ihnen unterzuordnen – all das ist begründet in der Liebe Christi, in seiner Beziehung zu seiner Gemeinde und in dem Ziel, diese Beziehung sichtbar zu machen.
So lesen wir in Epheser 5: „Deshalb wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und die zwei werden ein Fleisch sein [damit ist die menschliche Ehe gemeint].“ Und dann im nächsten Vers: „Dieses Geheimnis ist groß; ich aber deute es auf Christus und auf die Gemeinde“ (Verse 31-32). Darin liegt der tiefere Sinn der Ehe. Das ist der Punkt in der Ehe.
Also ist das Lied der Lieder ein Liebeslied. Es besingt die menschliche Liebe, aber vor allem besingt es die göttliche Liebe. Es ist ein Lied über Christus und seine Liebe. [...] Wir sehen in diesem Buch ein Bild der Liebe unseres erlösenden Gottes und der Liebe Christi, der unser Passahlamm ist. Wie ein Kommentator sagte: „Kein Buch des Alten Testaments ist so voller Christus wie dieses.“
Und wir werden erleben, wie der Herr Jesus uns seine Pracht und Schönheit zu erkennen gibt. Wir werden sehen, dass er ein Liebhaber, ein König, ein Hirte ist. Er ist ein Bruder, ein Freund, ein Versorger und Beschützer.
Gestern Abend fragte mich jemand: „Was ist dein Ziel mit dieser Serie? Was hoffst du, dass Gott im Leben der Frauen tut?“ Und ich antwortete: „Ich wünsche mir, dass Frauen wirklich erfahren und glauben, dass Gott sie liebt – dass sie die Liebe Christi erfahren. Und wenn sie diese Liebe erfahren haben, dass sie dann eine ganz neue Fähigkeit haben, Jesus, ihren Ehepartner und andere mit dieser selben Liebe zu lieben.“
Lea: Das war Nancy DeMoss Wolgemuth mit dem ersten Teil der Podcast-Serie „Der Geliebte meiner Seele - Jesus im Hohelied.“
In dieser Podcast-Reihe werden wir die tiefen Wahrheiten im Hohelied erkunden. Du wirst noch mehr davon profitieren, wenn du sie nicht nur hörst, sondern sie in die Tat umsetzt und sie praktisch auf dein eigenes Herz anwendest.
Nancy hat dazu ein Büchlein geschrieben, das wir dir gerne als PDF zur Verfügung stellen. Das Büchlein heißt wie die Podcast-Reihe Der Geliebte meiner Seele - Jesus im Hohelied. Nancy hat es geschrieben, um dir zu helfen, die Wahrheiten aus der Serie tiefer in dein Herz dringen zu lassen.
Jeden Tag gibt es ein paar Fragen, die zur Lehre passen. Du kannst dir die PDF ausdrucken und nach dem Hören der Folge die Fragen für dich beantworten. Diese Fragen fordern dich heraus, die Dinge, die du aus diesem wertvollen Abschnitt aus der Bibel lernst, in die Tat umzusetzen.
Auf der Website findest du die Fragen ebenfalls jeden Tag am Ende der Textversion unter der Rubrik „Jetzt wird’s persönlich“.
Im Alten Testament erfahren wir, dass Salomos Herz durch seine vielen Frauen vom Herrn abgewandt wurde. Warum sollte Gott ausgerechnet ihn auswählen, um das ultimative Liebesgedicht zu schreiben – das Lied der Lieder? Dieser spannenden Frage wird Nancy DeMoss Wolgemuth in der nächsten Folge nachgehen. Wir freuen uns, wenn du nächste Woche wieder bei Belebe unsere Herzen dabei bist! Bis nächste Woche.
Jetzt wird’s persönlich!
Um den größtmöglichen Nutzen aus dieser Vers-für-Vers-Betrachtung des Hoheliedes zu ziehen, solltest du versuchen, das ganze Buch parallel zur Ausstrahlung dieser Reihe mehrmals durchzulesen. Du wirst für die Lektüre dieses kurzen Buches etwa 15 - 20 Minuten brauchen. Dadurch erhältst du einen Überblick über die ganze Geschichte aus der Vogelperspektive. Notiere dir alle Beobachtungen oder Fragen, die dir beim Lesen in den Sinn kommen. Schreibe auch deine Gedanken zu diesen beiden Fragen auf:
- Welche Erkenntnisse gewinnst du aus diesem Buch über die menschliche Liebe und die Ehe?
- Was lernst du aus diesem Buch über Gottes Liebe zu seinem Volk und über die Beziehung zwischen Christus und seiner Gemeinde?
Esther:
Hallo, ich bin Esther aus der Schweiz, aus dem Team von Belebe unsere Herzen.
Sag mal, wann hast du das letzte Mal so richtig über Gottes Wort gestaunt?
Ich möchte dich einladen zur True Woman 25-Konferenz vom 2.-4. Oktober 2025 zum Thema Das Wort - Bestaune das Wunder!
Auf unserer Webseite belebeunsereherzen.com kannst du dich kostenlos für den deutschen Livestream anmelden und erfährst alle weiteren Informationen. Wir freuen uns auf dich.
Belebe unsere Herzen ist Teil von Revive Our Hearts Ministries.
Wenn nichts anderes erwähnt wird, sind die Bibeltexte der Schlachter Übersetzung © 2000 Genfer Bibelgesellschaft entnommen.
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Einführung (Hohelied 1,1)
- Das Hohelied ist eine wunderschöne Liebesgeschichte. Die Beziehung zwischen diesem Mann und seiner Frau weist auf eine noch beeindruckendere Geschichte hin. In welchem größeren Zusammenhang steht diese Geschichte? Verändert diese Perspektive deine Sicht vom Hohelied?
- Wie unterscheidet sich die Vorstellung der Welt von sexueller Intimität von Gottes Sichtweise? Warum haben deiner Meinung nach so viele Frauen Schwierigkeiten mit körperlicher Intimität in der Ehe? Wenn du verheiratet bist, welche Hindernisse siehst du für die Intimität in deiner Beziehung zu deinem Mann?
- Wie offenbart Gott sein Herz im Hohelied, auch wenn sein Name im Buch nicht genannt wird? Wie zeigt sich die Liebe Jesu in dieser großen Liebesgeschichte?
- Welche Darstellungen Christi in diesem Buch sind für dich besonders wichtig? Über welche möchtest du im weiteren Verlauf dieser Serie gerne noch mehr erfahren? (Christus – der Liebende, der König, der Hirte, der Bruder, der Freund, der Versorger, der Beschützer?)