Lea Köster: Wenn wir uns der Schrift nähern, müssen wir manchmal einen Gang zurückschalten. Hier ist Nancy DeMoss Wolgemuth.
Nancy DeMoss Wolgemuth: Man kann niemals Gottes Herz kennen, wenn man Gottes Wort nicht kennt. Und du wirst Gottes Wort nicht kennen, wenn du seinen Inhalt nur hastig überfliegst und nicht lernst, es sorgfältig und mit Bedacht zu lesen.
Lea: Hier ist Belebe unsere Herzen mit Nancy DeMoss Wolgemuth, Autorin von Vor Gott zur Ruhe kommen. Ich bin Lea Köster und du hörst die dritte Folge unserer Podcast-Serie „Wir im Wort und das Wort in uns“.
Liebe Freundin, im Zeitalter der Technologie und der sozialen Medien, nimmst du wahrscheinlich sehr schnell eine Fülle von Informationen auf. Das könnte dich dazu verleiten, alles grundsätzlich schnell zu erledigen. Aber beim Bibellesen sollten wir uns Zeit lassen, innehalten und das Gelesene genießen. Nancy erklärt das so:
Nancy: …
Lea Köster: Wenn wir uns der Schrift nähern, müssen wir manchmal einen Gang zurückschalten. Hier ist Nancy DeMoss Wolgemuth.
Nancy DeMoss Wolgemuth: Man kann niemals Gottes Herz kennen, wenn man Gottes Wort nicht kennt. Und du wirst Gottes Wort nicht kennen, wenn du seinen Inhalt nur hastig überfliegst und nicht lernst, es sorgfältig und mit Bedacht zu lesen.
Lea: Hier ist Belebe unsere Herzen mit Nancy DeMoss Wolgemuth, Autorin von Vor Gott zur Ruhe kommen. Ich bin Lea Köster und du hörst die dritte Folge unserer Podcast-Serie „Wir im Wort und das Wort in uns“.
Liebe Freundin, im Zeitalter der Technologie und der sozialen Medien, nimmst du wahrscheinlich sehr schnell eine Fülle von Informationen auf. Das könnte dich dazu verleiten, alles grundsätzlich schnell zu erledigen. Aber beim Bibellesen sollten wir uns Zeit lassen, innehalten und das Gelesene genießen. Nancy erklärt das so:
Nancy: Als ich aufwuchs – ich bin das älteste von sieben Kindern – wollte mein Vater, dass wir bestimmte Fähigkeiten erlernen, und er hat uns ermutigt, sie uns anzueignen. Eine dieser Fähigkeiten war schnelles Lesen. Er war der Meinung, dass es im Leben ein Segen sei, schnell lesen zu können. Ich bin so dankbar für diese Fähigkeit und die Ausbildung darin. Aber als er uns ermutigte, schnell lesen zu lernen, hat er uns auch daran erinnert, dass es zwei Dinge gibt, die man niemals schnell lesen sollte. Zum einen Liebesbriefe und zum anderen die Schrift – das Wort Gottes.
Wenn du jemals Liebesbriefe bekommen hast, dann weißt du: (besonders zu den Zeiten, als es noch keine E-Mails gab und Telefonieren noch nicht so günstig war wie heute – und einige von euch erinnern sich vielleicht daran, dass ihr, bevor ihr verheiratet ward, auf dem Postweg kommuniziert habt) – wenn du damals so einen Brief bekommen hast, hättest du ihn niemals einfach hastig aufgerissen, flüchtig überflogen und dann beiseite gelegt.
Stattdessen hast du jeden einzelnen Satz dieses Briefes genau studiert – Wort für Wort. Du hast ihn wieder und wieder durchgelesen, um jede kleine Nuance, jede Bedeutung daraus zu entdecken. Wahrscheinlich hast du sogar manches hineininterpretiert, was der andere gar nicht so gemeint hatte – aber du wolltest es einfach wissen: „Was will er mir sagen? Was denkt er? Was fühlt er?“ Du hast diesen Brief bedacht und sorgfältig gelesen.
Nun, die Bibel ist ein Liebesbrief. Sie ist Gottes Liebesbrief an uns. Sie offenbart uns Gottes Herz. Je sorgfältiger und häufiger und aufmerksamer wir sie lesen, desto mehr werden wir seine unglaubliche, unermessliche Liebe zu uns begreifen. Man kann niemals Gottes Herz kennen, wenn man Gottes Wort nicht kennt. Und du wirst Gottes Wort nicht kennen, wenn du seinen Inhalt nur flüchtig überfliegst und nicht lernst, es sorgfältig zu lesen.
In der letzten Folge haben wir darüber gesprochen, Gottes Wort betend zu lesen. Jetzt werden wir darüber sprechen, wie wir das Wort Gottes sorgfältig, mit Bedacht lesen. Ich möchte in dieser Folge und in einer oder zwei weiteren darauf eingehen, wie wir Gottes Wort mit Bedacht lesen können. Lass mich noch erwähnen, dass wir, wenn wir es hastig und beiläufig lesen, niemals den Reichtum ausschöpfen, der darin enthalten ist. Wir werden nie die Tiefen ergründen, die in der Heiligen Schrift liegen.
In Psalm 19,11 heißt es, dass die Worte Gottes „wertvoller als Gold sind, kostbarer als eine Menge von feinstem Gold“ (NGÜ). Man geht normalerweise nicht einfach die Straße entlang und stolpert über etwas so Wertvolles wie Gold. Gold ist selten. Es ist tief in der Erde verborgen, – und doch würdest du Zeit und Mühe investieren, um danach zu suchen, um es aus dem Gestein herauszulösen, in dem es eingeschlossen ist.
Gottes Wort ist Gold, und ja, es gibt einige wunderbare Aspekte darin, die einfach an der Oberfläche liegen und die wir auflesen können, aber es gibt auch andere Aspekte, für die man in die Tiefe gehen muss. Man muss sie ausgraben. Man muss aufmerksam und sorgfältig lesen.
Wenn du das Wort Gottes liest, halte inne und sinne über die Bedeutung dessen nach, was du liest. Bleib stehen und denke darüber nach, was es sagt. Nimm das Wort Gottes in dich auf, indem du bei ihm verweilst, es bedenkst, es in deinem Inneren immer und immer wieder bewegst, es erwägst – so wie du es mit jenem Liebesbrief tun würdest – aus jedem möglichen Blickwinkel, bis dieses Wort ein Teil von dir wird.
Das ist es, was Jakobus meint, wenn er davon spricht, dass wir das uns eingepflanzte Wort aufnehmen sollen (vergleiche 1,21). Der Weg dahin führt über das Nachsinnen. Immer wieder spricht die Schrift vom Nachsinnen über das Wort Gottes. Das Wort Nachsinnen wird fünfundzwanzig Mal im hebräischen Alten Testament verwendet, und dieses hebräische Wort bedeutet eigentlich „murmeln“.
Man denkt an jemanden, der leise vor sich hin murmelt. „Stöhnen, brummen, sich äußern, sprechen.“ Es ist also tatsächlich ein verbaler Ausdruck – etwas, was man halblaut sagt. Vielleicht können die anderen dich nicht hören, aber du flüsterst etwas vor dich hin.
Laut dem exegetischen Wörterbuch von Vine handelt es sich hier um einen lautmalerischen Begriff, einen Ausdruck, der schon so klingt, wie das, was gemeint ist. Vine sagt, der Ausdruck spiegelt das Seufzen und die tiefen Töne wider, die man vielleicht beim Nachsinnen von sich gibt. Man denkt über etwas nach. Man verweilt bei einer Sache. Man wägt etwas ab und murmelt vielleicht sogar etwas vor sich hin.
Wir haben uns in dieser Reihe schon mit Psalm 119 beschäftigt, und schlage doch mit mir diesen Psalm auf, um einige Verse zu lesen, die vom Nachsinnen über das Wort Gottes sprechen – davon, das Wort vor sich hin zu murmeln, es sich selbst immer wieder vorzuhalten. „Ich will über deine Befehle nachsinnen und auf deine Pfade achten“ (Psalm 119,15).
Es bedeutet, sich auf etwas zu konzentrieren, darin zu verweilen. Ich will darüber nachdenken. Ich werde es nicht einfach so lesen, wie ich eine Werbetafel lese, wenn ich auf einer Schnellstraße unterwegs bin – zmm, vorbei, verschwunden, keine Ahnung, was darauf stand.
Genau so lesen viele von uns das Wort Gottes – als würden sie mit hundert Kilometer pro Stunde über die Schnellstraße fahren und die Werbetafeln nur so an sich vorbeifliegen lassen. Wir wissen gar nicht, was darauf stand, worum es genau ging. Wir könnten uns weder an die Telefonnummer erinnern, die dort stand, noch an die Internetadresse oder noch nicht einmal daran, welches Produkt beworben wurde – weil wir das alles nur flüchtig wahrgenommen haben.
Nun, die Schrift sagt hier in Vers 15: „Ich will (...) auf deine Pfade achten.“ Ich werde darüber nachsinnen. Ich werde stehen bleiben und mir die Werbetafel anschauen. Ich bleibe stehen und schaue mir diese Tafel an. Ich werde innehalten und untersuchen, was das Wort sagt, was es bedeutet. Ich werde meinen Blick darauf richten.
Im ganzen Psalm 119 sehen wir, dass der Psalmist über Gottes Wort nachsinnt – mitten in den unterschiedlichsten Lebenssituationen. Nicht nur dann, wenn er morgens um sechs oder abends um acht in seinem „Stille-Zeit-Sessel“ sitzt, oder wann immer du deine Zeit allein im Wort verbringst. Diese Zeit brauchst du – jeden Tag.
Aber er sagt: Auch im Lauf des Tages, in den verschiedensten Umständen des Lebens, will ich über dein Wort nachsinnen.
Schauen wir Vers 23 an: „Sogar Fürsten sitzen und beraten sich gegen mich; aber dein Knecht sinnt nach über deine Anweisungen.“ Wenn du in Schwierigkeiten steckst und die Leute hinter dir her sind, sagt er, ist es die Zeit, um über Gottes Wort nachzusinnen.
Vers 78: „Lass die Hochmütigen zuschanden werden, weil sie mir mit Lügen Unrecht getan haben; ich aber sinne über deine Befehle nach.“ Ich will über dein Wort nachsinnen, selbst wenn mir von denen, die dein Gesetz nicht lieben, Unrecht getan wurde.
Vers 27: „Lass mich verstehen den Weg deiner Befehle, so will ich nachsinnen über deine Wunder“ (LUT). Wenn ich mitten in Gottes Schöpfung stehe und sehe, was er gemacht hat, will ich über seine Werke nachsinnen.
Vers 48: „Ich will meine Hände ausstrecken nach deinen Geboten, die ich liebe, und will über deine Anweisungen nachsinnen.“
In Vers 54 spricht der Psalmist über eine besondere Form des Nachsinnens – nämlich das Singen des Wortes Gottes. Dort heißt es: „Deine Anweisungen sind meine Lieder geworden in dem Haus, in dem ich als Fremdling wohne.“ Mit anderen Worten: „Auf meiner Pilgerreise singe ich dein Wort. Ich singe es dir zurück. Ich mache Lieder aus deinen Geboten und singe sie Dir zu.“
Etwas Ähnliches steht in Vers 172: „Meine Zunge soll singen von deinem Wort; denn alle deine Gebote sind gerecht“ (LUT). Nun, Singen ist etwas, das ich bei Belebe unsere Herzen nicht machen soll, obwohl ich es wirklich gern tun würde. Ich liebe es einfach, dem Herrn zu singen.
Ich habe keine Gesangsstimme, die irgendjemand außer dem Herrn hören wollte, aber manchmal nehme ich bekannte Lieder und Hymnen – ich habe fast immer ein Liederbuch dabei, damit ich dem Herrn Worte aus der Schrift singen kann. Aber manchmal, wenn ich durch die Bibel lese, erfinde ich auch einfach meine eigene Melodie. Nichts, was man jemals veröffentlichen würde – aber ich singe, summe, bete singend – mache Musik zu dem Wort des Herrn und singe sie ihm zu. Das ist für mich eine wunderbare Weise, im Wort zu verweilen, über die Schrift nachzusinnen.
Übrigens ist das ein guter Grund, deine Kinder Bibelverse als Lieder lernen zu lassen. So können sie lernen, über das Wort Gottes nachzusinnen. Der Psalmist sagt also: Ich werde zu jeder Zeit, Tag und Nacht, über dein Wort nachsinnen.
Vers 62: „Mitten in der Nacht stehe ich auf, um dir zu danken für die Bestimmungen deiner Gerechtigkeit.“ Bedeutet das nun, dass man als gottesfürchtige Frau jede Nacht um Mitternacht aufsteht, um den Herrn zu preisen? Ich denke nicht, dass das damit gemeint ist. Ich glaube, der Psalmist meint, wenn ich um Mitternacht wach bin, wenn ich dann aufwache, werde ich Dich preisen. Ich werde über Deine gerechten Gesetze nachsinnen.
Vers 97: „Wie habe ich dein Gesetz so lieb! Ich sinne darüber nach den ganzen Tag.“ Über das Wort nachzudenken, darin zu verweilen, so dass man nicht einfach morgens dreißig Minuten oder so seine Stille Zeit hat und dann weggeht und sich in den nächsten vierundzwanzig Stunden nicht mehr daran erinnern kann, was man gelesen hat – sondern, dass man darüber nachdenkt, was man gelesen hat.
Letzte Woche habe ich in meiner Gemeinde-Bibelstunde eine wunderbare Lektion gehört, und dabei habe ich einen Vers für mich mitgenommen. Es war 2. Petrus 1,2: „Gnade und Friede werde euch mehr und mehr zuteil in der Erkenntnis Gottes und unseres Herrn Jesus!“
Der Prediger hat so gut erklärt, was dieses Wort bedeutet. Ich habe mir gemerkt, dass Gottes Gnade und Gottes Friede sich vermehren und uns in jeder Lebenslage zur Verfügung stehen, wenn wir Gott nur kennenlernen wollen. Auf diese Weise bekommen wir mehr Gnade und Frieden.
Seit letztem Sonntag sinne ich über diesen Vers nach und versuche, ihn in mich aufzunehmen und zu erkennen, dass ich, wenn ich mehr Gnade und mehr Frieden brauche, Gott besser kennenlernen muss. Ich muss sein Wort kennen. Ich muss Jesus besser kennenlernen. Nur so bekomme ich Gnade und Frieden. Also sinne ich den ganzen Tag über dieses Wort Gottes nach.
Psalm 119,147: „Der Morgendämmerung bin ich zuvorgekommen und habe um Hilfe gerufen. Auf deine Worte habe ich gehofft“ (ELB). Ich weiß nicht, ob es einer dieser Tage war, an denen der Psalmist einfach früh aufgewacht ist und darüber nachgedacht hat, was an dem Tag alles für ihn anstand, was er zu bewältigen hatte, und noch bevor er aus dem Bett gestiegen ist, sagt er: „Herr, hilf! Ich brauche Dich! Ich schaffe es nicht ohne dich durch diesen Tag. Ich hoffe auf Dein Wort.“ Und ich kann mir vorstellen, dass er vielleicht direkt aus dem Bett auf die Knie gegangen ist und das Buch mit dem Gesetz des Herrn ergriffen und gesagt hat: „Herr, gib mir, was ich brauche, um an diesem Tag mit allem zurecht zu kommen was auf mich zukommt. Ich hoffe auf Dein Wort.“
Vers 148: „Meine Augen kommen den Nachtwachen zuvor, damit ich nachsinne über dein Wort.“ Ich traf kürzlich einen Bekannten, der Schlafprobleme hat, und wir haben darüber gesprochen, wie man diese schlaflose Zeit des Nachts vielleicht nutzen kann, um einfach über den Herrn nachzudenken und über sein Wort nachzusinnen. Nimm dir einen Satz aus der Schrift. Denke darüber nach. Halte dich dabei auf.
Gottes Wort verspricht denen Erfolg, die über das Wort Gottes nachsinnen.
- Willst du Erfolg auf deinem Weg mit Gott?
- Willst du als Christ wachsen?
- Willst du in dem Arbeitsumfeld, in das Gott dich gestellt hat, erfolgreich sein?
- Willst du Christus in deinem Beruf gut vertreten?
- Möchtest du, dass es dir als Ehefrau gut gelingt, deinen Mann zu lieben?
- Möchtest du, dass es dir als Mutter gelingt, Kinder zu erziehen, die den Herrn lieben?
- Willst du eine gute Großmutter sein?
- Willst du in jeder Lebensphase in der Berufung erfolgreich sein, in die Gott dich gestellt hat?
Die eine Sache, der in Gottes Wort Erfolg versprochen ist, ist das Nachsinnen über Gottes Wort. Lesen wir Psalm 1,2-3:
„[Der] Lust hat am Gesetz des HERRN und über sein Gesetz nachsinnt Tag und Nacht. Der ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht.“
Egal, wie alt man wird, egal, wie stressig es ist, egal, wie hart das Leben ist, egal, wie die Umstände sind – wer Tag und Nacht über das Gesetz des Herrn nachsinnt, dessen Blätter verwelken nicht. Er wird nie geistlich unfruchtbar. Er bringt immer Frucht. In allem, was er tut, gedeiht er.
Wenn du Psalm 119 aufgeschlagen hast, möchte ich dich bitten, dir Vers 16 anzuschauen. Dort sagt der Psalmist: „An deinen Bestimmungen habe ich große Freude, dein Wort will ich niemals vergessen“ (NGÜ). Und dann Vers 93: „Ich will deine Befehle auf ewig nicht vergessen; denn durch sie hast du mich belebt.“ Mehrmals in Psalm 119 sagt der Psalmist: „Ich werde dein Wort nicht vergessen.“
Was bedeutet das? Nun, es heißt: „Ich will mich an dein Wort erinnern.“ Damit wir uns an das Wort Gottes erinnern können, müssen wir Zeit damit verbringen, die Schrift auswendig zu lernen. Gott verlangt vielleicht nicht von dir, dass du das gesamte Neue Testament auswendig lernst. Und auch das Auswendig lernen, sogar der gesamten Bibel, macht dich nicht geistlicher als jemand, der das nicht tut. Aber wenn du dir das Wort Gottes wirklich fest in dein Herz einprägen willst, dann ist eins der Dinge, die dir dabei helfen, Teile der Schrift auswendig zu lernen.
Früher, und zwar mehr als in den letzten Jahren (es fällt mir schwerer, erstens wegen zunehmendem Alter und zweitens, weil ich verschiedene Übersetzungen benutze), aber in früheren Jahren habe ich viel Zeit damit verbracht, Abschnitte aus dem Wort Gottes auswendig zu lernen. Für mich ist es immer noch so ein Segen und ein Gewinn, dass die Schrift in all den Jahren, wo ich Teile davon auswendig gelernt habe, meinen Sinn und mein Herz geprägt hat. Ich habe festgestellt, dass dies eine sehr gute Hilfe ist und ein wunderbares Werkzeug, nicht nur, um über die Schrift nachzusinnen, sondern auch, damit die Schrift ein Teil von uns wird.
Nun sagt vielleicht jemand: „Es tut mir leid, aber ich kann einfach nicht auswendig lernen.“ Ich habe heute tatsächlich mehr Verständnis für Leute, die das sagen, als noch vor zehn Jahren. Und das bringt mich nochmals dazu zu betonen, wie wichtig es ist für Kinder und Jugendliche, die Schrift auswendig zu lernen, solange es gut möglich und nicht so schwierig ist.
Ich habe oft zu Müttern gesagt, wenn ich heute Kinder zu erziehen hätte, dann würde ich sie auf jeden Fall Kapitel und Bücher des Wortes Gottes auswendig lernen lassen. Kinder können auswendig lernen. Sie können das Wort Gottes in ihr Herz aufnehmen. Ich würde sicherstellen, dass diese Kinder das Buch der Sprüche, viele der Psalmen und viel aus dem Neuen Testament auswendig lernen würden, um es ihrem Verstand und ihrem Herzen einzuprägen, weil ich in meinem eigenen Leben gesehen habe, wie es sich auszahlt, wenn man als junges Mädchen und als junge Frau viel aus der Bibel auswendig lernt.
Aber diejenigen unter uns, die keine jungen Mädchen und jungen Frauen mehr sind, denken vielleicht, dass sie einfach nicht gut auswendig lernen können. Nun, ein Autor, Don Whitney, sagte, das Problem sei nicht so sehr, dass wir nicht auswendig lernen können, sondern was uns motiviert. Er stellt die Frage: „Was wäre, wenn ich dir 1.000 Euro für jeden Vers anbieten würde, den du in den nächsten sieben Tagen auswendig lernst? Glaubst du nicht auch, dass sich deine Einstellung zum Auswendiglernen von Bibelversen ändern und deine Fähigkeit dazu verbessern würde?“ Jede finanzielle Belohnung ist eigentlich unbedeutend im Vergleich zu dem wachsenden Wert des Schatzes des Wortes Gottes, das in deinem Herzen deponiert ist.
Es ist also eine Frage der Motivation. Tatsache ist, dass wir alle etwas auswendig lernen. Wir prägen uns ständig etwas ein. Wir prägen uns die Namen von Menschen ein – manche können das besser als andere. Aber wir tun es. Wir prägen uns Fernsehwerbung, Telefonnummern und Geheimzahlen ein.
Wir lernen die Dinge auswendig, die wir wichtig finden, für die wir einen guten Grund haben, sie auswendig zu können, Dinge, die wir ständig benutzen, die wir immer wieder verwenden, die wir in unserem täglichen Leben brauchen. Mit dem Auswendiglernen von Bibelversen ist es nicht anders. Es erfordert Motivation – einen guten Grund, es zu wollen – und regelmäßige systematische Wiederholung.
Wenn du bisher noch nie Bibelverse auswendig gelernt hast – oder schon lange nicht mehr – dann möchte ich dich ermutigen, mit kleinen Abschnitten zu beginnen. Vielleicht ein oder zwei Verse pro Woche. Schreibe sie dir auf eine Karte. Wähle Verse aus, die zu deinen aktuellen Herausforderungen oder Bedürfnissen passen – zu der Lebensphase, in der du gerade bist. Bitte Gott, dich zu den Bibelstellen zu führen, die er in dieser Zeit oder in dieser Situation gebrauchen kann, um dich zu heiligen und zu verändern.
Wenn du zum Beispiel damit kämpfst, zu viel zu reden oder überaus kritisch zu sein, such dir einige Verse aus den Sprüchen heraus, die mit der Zunge zu tun haben, schreib sie dir auf eine Karte und nimm sie mit. Lies sie immer wieder – zu verschiedenen Zeiten, an verschiedenen Orten – und lass sie den ganzen Tag in deinem Herzen nachklingen.
Geh die Bibelverse, die du gerade auswendig lernst, noch einmal durch, bevor du abends schlafen gehst. Das hilft enorm, sie im Gedächtnis zu verankern, denn das, womit du dich beim Einschlafen beschäftigst, wirkt oft unbewusst in dir weiter – die ganze Nacht hindurch. Ich habe festgestellt, dass das ein hilfreiches Werkzeug ist, um Bibelverse auswendig zu lernen.
Lerne Bibelverse gemeinsam mit jemand anderem auswendig. Bitte eine Gebetspartnerin, eine Freundin, mit der du vielleicht zusammen walken gehst – deinen Ehepartner oder deine Kinder – gemeinsam mit dir Verse zu lernen. So könnt ihr euch gegenseitig ermutigen und euch die Schrift gegenseitig aufsagen.
Wenn du Gottes Wort auswendig lernst, wirst du viele Segnungen in deinem Leben erfahren. Du wirst merken, dass die Schrift:
- Deinen Sinn reinigt und erneuert.
- Dass sie dich vor Sünde bewahrt.
- Dass sie dir Einsicht und Orientierung schenkt, wenn du mitten im Alltag stehst und deine Bibel gerade nicht zur Hand hast. Das, was du in deinem Herzen gespeichert hast, wird wegweisend für dich sein.
- Die Schrift wird deinen Geist stärken.
- Sie wird dir helfen, den Angriffen des Feindes auf deine Gedanken und Gefühle standzuhalten.
Wir Frauen wissen genau, wovon hier die Rede ist. Wir kennen diese Zeiten im Monat oder bestimmte Lebensphasen, in denen unsere Gefühle und Gedanken einfach völlig durcheinander sind. Dein Mann und deine Kinder verstehen nicht, was los ist – und du selbst bist dir auch nicht sicher, ob du es verstehst. Wenn du Gottes Wort in deinem Herzen gespeichert hast, wirst du erleben, dass es deinen Sinn bewahrt. Es wird deine Gefühle schützen, wenn sie drohen, außer Kontrolle zu geraten.
- Das Auswendiglernen der Schrift wird dein geistliches Verlangen vertiefen – deine Sehnsucht nach Gott wird wachsen.
- Gleichzeitig werden deine fleischlichen Begierden schwächer werden, wenn du Bibelverse im Herzen trägst.
- Das Wort wird dich vor falschen Denkmustern bewahren.
- Es wird dir helfen, deine Gedanken und deine Zuneigung auf das Himmlische zu richten.
Ich erinnere mich, dass ich als Kind einmal einen Brief von einer älteren Frau bekam, einer Freundin unserer Familie – und ich habe diesen Brief nie vergessen. Sie schrieb mir, als ich noch ein kleines Mädchen war, und forderte mich heraus, jede Woche einen Bibelvers auswendig zu lernen. Sie sagte: „Gottes Wort ist wie Perlen.“ Und dann schrieb sie: „Wenn du das ein Jahr lang tust, wirst du am Ende zweiundfünfzig Perlen haben – Bibelverse – an deiner Kette.“
Ich habe das nicht all die Jahre über durchgehalten – einen Vers pro Woche –, aber diese Erinnerung ist mir hängen geblieben. Diese Aufforderung einer älteren Frau, das Wort Gottes auswendig zu lernen, hat sich unauslöschlich in mein Herz eingeprägt.
Wenn ich die Lebensgeschichten großer Männer und Frauen Gottes lese, dann sehe ich immer wieder, welch unschätzbaren Wert das Auswendiglernen der Schrift in ihrem Leben hatte. Kürzlich las ich ein Buch mit dem Titel Mit und ohne Richard – Das Leben einer Pfarrfrau – eine Autobiographie von Sabina Wurmbrand, deren Ehemann vierzehn Jahre lang in rumänischen Gefängnissen unter dem kommunistischen Regime inhaftiert war. Auch sie selbst als die Ehefrau des Pastors wurde für eine Zeitlang ins Gefängnis gesteckt.
In diesem Buch schreibt sie:
„Nach der Arbeit kamen die Frauen etwa zu gläubigen Gefangenen und baten, ja bettelten, um eine Geschichte aus der Bibel, an die wir uns erinnerten. [Das war während ihrer Zeit im Gefängnis]. Wir besaßen keine Bibel. Wir selber hungerten danach mehr als nach Brot. [Wenn man keine hat, dann hat man wirklich Hunger danach.]
Wie wünschte ich, mehr davon auswendig gelernt zu haben! Aber wir wiederholten täglich jene Stellen, die wir kannten. Manchmal des Nachts, wenn wir Gebetsstunden abhielten. Auch andere Christinnen hatten, wie ich, längere Stücke des Bibeltextes dem Gedächtnis eingeprägt, wohl wissend, dass die Verhaftung bald bevorstand. Sie brachten Reichtum ins Gefängnis.“
(Seite 132+133 aus Mit und ohne Richard – Das Leben einer Pfarrfrau von Sabina Wurmbrand, Stephanus Edition, 4. Auflage 1996)
Ist das nicht großartig? Was waren diese Reichtümer? Es war der Schatz von Gottes Wort, den sie in ihren Herzen aufbewahrt hatten. Sie schreibt weiter:
„Während sich die anderen zankten und stritten, lagen wir auf unseren Matratzen und bedienten uns der Bibel zum Beten und Meditieren und sagten uns immer wieder die Verse auf, durch die ganzen langen Nächte. Wir lernten, was die Neuankommenden mitbrachten, und gaben an sie unsere eigenen Kenntnisse weiter.
So machte eine ungeschriebene Bibel die Runde durch Rumäniens Kerker.“
Als ich diesen Bericht las, musste ich an Psalm 119,61 denken: „Die Schlingen der Gottlosen umgeben mich, aber ich vergesse dein Gesetz nicht.“ Vielleicht wirst du wegen deines Glaubens nie in ein echtes Gefängnis kommen. Aber du kannst dich in deiner Ehe, in einer Familiensituation, an deinem Arbeitsplatz, in deiner Gemeinde oder in deiner Nachbarschaft gefangen fühlen – als würdest du eingesperrt leben. „Obwohl mich die Schlingen der Gottlosen umgeben“ – und was ist dann meine Hoffnung? „Ich vergesse dein Gesetz nicht.“
Lea: Nancy DeMoss Wolgemuth hat erklärt, warum es uns so viel Hoffnung gibt, wenn wir die Schrift kennen.
Bei Belebe unsere Herzen ist es unsere Leidenschaft, dir zu helfen, in Gottes Wort einzutauchen und Gottes Wort in dich aufzunehmen.
Das erste Buch, das ich von Nancy gelesen habe, war Ort der Stille. Nancy macht darin so viel Mut, sich täglich und bewusst Zeit für die Stille vor Gott zu nehmen. Es ist vollgepackt mit praktischen Ratschlägen, Ideen und Zeugnissen von verschiedenen Frauen in unterschiedlichen Lebenssituationen auch im unterschiedlichen Alter. Bestimmt kann dir dieses Buch auch eine Art Reiseführer sein – auf deiner Reise des Bibellesens.
Wusstest du, dass Bibellesen neben einer Reise auch wie das Zubereiten einer Mahlzeit sein kann?
Nancy: Stell dir vor, du öffnest zu Hause deinen Kühlschrank, schließt die Augen, streckst die Hand aus und greifst einfach nach den Dingen, die du gerade erreichst. Du würdest diese Dinge herausnehmen, drei oder vier davon, und das wäre dann deine Mahlzeit.
Du könntest ein Glas Mayonnaise, ein Gurkenglas und einen Pfirsich nehmen, oder was immer du gerade im Kühlschrank hast. Du würdest sagen: „Das ist eine furchtbare Art, ein Menü zusammenzustellen.“
Nun, ich stimme dir zu. Aber es ist ein Bild für die Art und Weise, wie viele Menschen an das Wort Gottes herangehen. Sie greifen einfach blind nach der Stelle, die sie zuerst finden. Sie schlagen die Bibel auf und nehmen einfach eine Stelle hier, eine Stelle dort, ohne besondere Reihenfolge, ohne besondere Ordnung, und so lesen sie die Heilige Schrift.
Wir wissen, dass unser Körper ausgewogen zusammengestellte Mahlzeiten benötigt, um gesund zu bleiben. Wenn du nur eine bestimmte Art von Lebensmitteln zu dir nimmst und keine ausgewogene Ernährung hast, wird dein Körper früher oder später darauf reagieren.
Genauso brauchen auch unsere Seelen diese Ausgewogenheit – sie brauchen die Nahrung, die sich daraus ergibt, wenn wir das ganze Wort Gottes in uns aufnehmen, den ganzen Ratschluss Gottes. Nicht nur die Stellen, die uns besonders „schmecken“ oder die wir zufällig erwischen, wenn wir hastig durch die Bibel blättern.
Ich bin überzeugt, dass das geistliche Wachstum vieler Gläubiger gehemmt ist – einfach wegen ihrer geistlichen Ernährung.
Lea: Wir hoffen, dass du von Belebe unsere Herzen profitieren kannst. Nächste Woche geht es weiter mit unserer Serie „Wir im Wort und das Wort in uns“ mit der Folge vier „Ausgewogenes Lesen“. Sei dann gerne wieder dabei!
Diese Sendung ist eine von Hörern unterstützte Produktion. Belebe unsere Herzen ist Teil von Revive Our Hearts Ministries und ruft Frauen zu Freiheit, Fülle und Frucht in Christus.
Wenn nichts anderes erwähnt wird, sind die Bibeltexte der Schlachter Übersetzung © 2000 Genfer Bibelgesellschaft entnommen.
*Angebote sind nur während der Ausstrahlung der Podcast-Saison verfügbar.