Lea Köster: Wie oft wird in deiner Gemeinde aus der Bibel vorgelesen? Nancy DeMoss Wolgemuth beschreibt viele evangelikale Kirchen so:
Nancy DeMoss Wolgemuth: Wir wollen fünfundvierzig Minuten Musik haben, damit wir uns gut fühlen, und dann wollen wir vielleicht fünfundzwanzig Minuten Lehre und Predigt reinquetschen – so viel halten wir gerade so aus –, und bei dieser Lehre oder in dieser Predigt wird vielleicht noch nicht einmal die Bibel benutzt.
Lea: Und damit herzlich willkommen bei Belebe unsere Herzen mit Nancy DeMoss Wolgemuth, gesprochen von Annette Schorre. Nancy ist die Autorin von Vor Gott zur Ruhe kommen einem Andachtsbuch für Frauen. Ich bin Lea Köster.
Wenn du Mama von kleinen Kindern bist, hoffe ich, dass du deinen Kindern oft laut vorliest. Das ist gut für sie, und es ist gut für dich. Das ist aber nicht der einzige Kontext, in dem lautes Lesen wirklich …
Lea Köster: Wie oft wird in deiner Gemeinde aus der Bibel vorgelesen? Nancy DeMoss Wolgemuth beschreibt viele evangelikale Kirchen so:
Nancy DeMoss Wolgemuth: Wir wollen fünfundvierzig Minuten Musik haben, damit wir uns gut fühlen, und dann wollen wir vielleicht fünfundzwanzig Minuten Lehre und Predigt reinquetschen – so viel halten wir gerade so aus –, und bei dieser Lehre oder in dieser Predigt wird vielleicht noch nicht einmal die Bibel benutzt.
Lea: Und damit herzlich willkommen bei Belebe unsere Herzen mit Nancy DeMoss Wolgemuth, gesprochen von Annette Schorre. Nancy ist die Autorin von Vor Gott zur Ruhe kommen einem Andachtsbuch für Frauen. Ich bin Lea Köster.
Wenn du Mama von kleinen Kindern bist, hoffe ich, dass du deinen Kindern oft laut vorliest. Das ist gut für sie, und es ist gut für dich. Das ist aber nicht der einzige Kontext, in dem lautes Lesen wirklich hilfreich ist. Nancy geht heute näher darauf ein – in unserer aktuellen Serie mit dem Titel „Wir im Wort und das Wort in uns“. Heute hörst du die zweite Folge mit dem Titel „Die Bibel mit Gebet lesen“.
Nancy: In dieser Reihe fordern wir unsere Hörerinnen heraus, etwas zu tun, wovon ich überzeugt bin, dass es, wenn du mitmachst, einen größeren Unterschied für dein geistliches Wachstum und dein Leben in der nächsten Zeit ausmachen wird als irgendein anderer Faktor – es geht darum, dir jeden Tag Zeit für das Wort Gottes zu nehmen, in deiner Bibel zu lesen, auf den Herrn zu hören und dann auf sein Wort mit Gebet, Anbetung und Lobpreis zu reagieren.
Wenn du es dir nicht sowieso schon zur Gewohnheit gemacht hast, ermutigen wir dich, diese Herausforderung anzunehmen. Wir möchten dich ermutigen, in den nächsten dreißig Tagen jeden Tag einige Zeit allein mit dem Herrn im Gebet und im Wort zu verbringen.
Ich warne dich vor: Der Teufel wird dich an allen Fronten bekämpfen, wenn du versuchst, diese Verpflichtung einzuhalten. Er will nicht, dass du diese Zeit bekommst. Er will nicht, dass du sie genießt; er will nicht, dass sie ein Segen für dich ist, weil er weiß, dass sie dein Leben verändern wird, wenn du durchhältst. Ich möchte dich also dazu herausfordern – in den nächsten Folgen werden wir darüber sprechen, wie man das Wort liest – aber ich möchte in dieser Folge damit beginnen, dass wir überhaupt die Bibel lesen müssen. Damit fängt es an.
Ich möchte dir jetzt eine E-Mail vorlesen, die wir von einer Frau erhalten haben, nachdem wir letztes Jahr zu dieser 30-tägigen Bibellese aufgefordert haben. Sie sagte:
„Ich habe die Bibel nun schon das neunte Jahr in Folge von vorne bis hinten durchgelesen. Sie wird mir mit jedem Jahr süßer und lieblicher. Ich bin immer wieder darüber erstaunt, wie frisch und doch vertraut sie jeden Tag ist.
Die Zeit, die ich mit dem Herrn verbringe, ist die wichtigste Zeit meines Tages. Ohne diese Zeit mit ihm könnte ich nicht durchs Leben kommen. Vielleicht verpasse ich sie ab und zu, aber ich versuche dann, das Lesen und die Zeit mit ihm nachzuholen. Ich hoffe, dass viele Zuhörerinnen diese Herausforderung annehmen werden. Was für ein Segen wird das für sie sein!“
Wenn du diese Gewohnheit noch nicht hast, hoffe ich, dass dieses Zeugnis dich ermutigt, damit anzufangen, dir jeden Tag Zeit zu nehmen, um das Wort Gottes zu lesen.
Manche Menschen sagen, dass sie die Bibel nicht verstehen können. Ich bin die Erste, die zugibt, dass es Teile in der Bibel gibt, die schwer zu verstehen sind. Sogar der Apostel Petrus sagte, dass die Schriften von Paulus schwer zu verstehen seien, und wenn Petrus Schwierigkeiten hatte, einige Lehren der Heiligen Schrift zu verstehen, dann ist es nicht überraschend, dass es uns auch so geht. Aber ich glaube, dass der Hauptgrund, warum die Menschen die Bibel nicht verstehen oder sagen, dass sie nichts aus ihr herausbekommen, einfach darin liegt, dass sie sie nicht lesen.
Die Bibel in unser Leben, in unser Denken zu integrieren, etwas aus ihr herauszuholen, sie zu genießen und zu verstehen, wird uns etwas kosten. Es ist Arbeit. Es kostet Zeit. Man braucht Ausdauer. Man muss sie lesen.
Es bringt nichts, nur darüber zu reden, die Bibel zu lesen. Es nützt nicht viel, einfach einen Stapel Bibeln in verschiedenen Übersetzungen, Ausgaben, Farben und Größen in seinem Bücherschrank zu haben. Man muss die Bibel öffnen und lesen.
John Quincy Adams war der sechste Präsident der Vereinigten Staaten, und er sagte:
„Ich habe es mir seit vielen Jahren zur Gewohnheit gemacht, einmal im Jahr durch die Bibel zu lesen. Ich achte die Bibel sehr; und je früher meine Kinder beginnen, sie zu lesen, desto zuversichtlicher hoffe ich, dass sie sich als nützliche Bürger ihres Landes und als respektable Mitglieder der Gesellschaft erweisen werden.“
Bring deine Kinder dazu, die Bibel zu lesen. Du sagst vielleicht: „Ich habe Kinder. Wie kann ich da eine Stille Zeit haben?“ Mütter, lehrt eure Kinder, eine Stille Zeit zu haben; und lasst sie wissen, dass es diese Zeit am Tag gibt, die ihr für das Lesen der Heiligen Schrift reserviert habt. Ermutigt eure Kinder, wenn sie alt genug sind, die Bibel zu lesen, lest sie ihnen vor, oder lest sie mit ihnen. Und wenn sie alt genug sind, selbst zu lesen, dann wird das auch ein Teil ihres Lebens werden.
In der Heiligen Schrift gibt es so viele Hinweise auf das Lesen des Wortes Gottes. Ich will nur ein paar davon hervorheben.
Zunächst einmal sehen wir in Offenbarung 1,3, dass das Lesen der Bibel mit einem Segen verbunden ist. Dort heißt es:
„Glückselig ist, der die Worte der Weissagung liest, und die sie hören und bewahren, was darin geschrieben steht! Denn die Zeit ist nahe.“
Ende letzten Jahres fiel mir ganz neu etwas auf, als ich mit meiner Bibellese fast am Ende der Bibel angekommen war:
„Glückselig ist, der die Worte der Weissagung liest … “.
In den meisten Übersetzungen steht „liest“ oder „vorliest“, aber in der English Standard Version, steht „laut liest“: „Glückselig ist, der die Worte der Weissagung [laut] liest ...“
Und ich dachte: „Wenn ein Segen darauf liegt, Gottes Wort laut zu lesen, dann möchte ich diesen Segen haben.“ Als ich also bei meiner Bibellese ans Ende der Bibel kam, nahm ich das Buch der Offenbarung und teilte es mir in zwei Teile auf. Am Silvesterabend und am Neujahrstag las ich dann laut aus der Offenbarung vor – ich las den Text einfach nur laut vor. Was für ein Segen war das damals für mich, aber durch den Glauben bin ich davon überzeugt, dass es auch in der Zeit danach ein Segen für mich war. Wenn wir Gottes Wort lesen, ist uns Segen verheißen.
Im Alten Testament wurden die Könige Israels angewiesen, Gottes Wort von Hand abzuschreiben, und sie sollten es jeden Tag ihres weiteren Lebens lesen. Und warum? Damit sie lernten, den Herrn zu fürchten, indem sie alle Worte seines Gesetzes hielten. Sie schrieben es also auf und lasen es dann.
Bei mehr als einer Gelegenheit im Alten Testament brach tatsächlich eine Erweckung aus, als das Volk Gottes begann, das Wort Gottes zu lesen, das bis dahin vernachlässigt worden war. Nehemia 8 beschreibt so eine Begebenheit.
In Nehemia 8,1 heißt es:
„... da versammelte sich das ganze Volk wie ein Mann auf dem Platz vor dem Wassertor, und sie sprachen zu Esra, dem Schriftgelehrten, dass er das Buch des Gesetzes Moses holen solle, das der Herr Israel geboten hatte. [Sie hatten also nur das Gesetz des Alten Testaments.]
Und Esra, der Priester, brachte das Gesetz vor die Gemeinde, vor die Männer und Frauen und alle, die Verständnis hatten, um zuzuhören, am ersten Tag des siebten Monats. Und er las daraus vor auf dem Platz, der vor dem Wassertor ist, vom hellen Morgen bis zum Mittag, vor den Männern und Frauen und allen, die es verstehen konnten; [also waren auch junge Leute und Kinder dabei] und die Ohren des ganzen Volkes waren auf das Buch des Gesetzes gerichtet.
Und Esra öffnete das Buch vor den Augen des ganzen Volkes; denn er stand höher als das ganze Volk. Und als er es öffnete, stand das ganze Volk auf.“
Ich liebe das, nebenbei bemerkt. In der Gemeinde, zu der ich gehöre, gibt es auch diese Gewohnheit. Die Gottesdienstbesucher erheben sich für die Lesung des Wortes Gottes. Ich denke, das hat etwas sehr Kostbares und Bedeutsames an sich, wenn wir so dem Wort Gottes Ehre geben.
In Vers 8 heißt es dann:
„Und [die Leviten] lasen aus dem Buch des Gesetzes Gottes deutlich vor und erklärten den Sinn, sodass man das Gelesene verstand.“ (Nehemia 8,8).
An dieser Stelle möchte ich kurz ein Buch erwähnen, das ich geschrieben habe und das dich dabei unterstützen kann, täglich in der Bibel zu lesen und das Gelesene besser zu verstehen. Es heißt auf deutsch: Ort der Stille. Vieles von dem, was wir in dieser Serie lehren, stammt aus diesem Buch.
Zurück zu Nehemia 8. Das Volk stand also auf, die Leviten lasen aus dem Gesetz vor.
„Und sie (...) erklärten den Sinn, sodass man das Gelesene verstand (...) Und das ganze Volk ging hin, um zu essen und zu trinken und Teile davon zu senden und ein großes Freudenfest zu machen; denn sie hatten die Worte verstanden, die man ihnen verkündigt hatte. (Nehemia 8,8.12)“
Als die Menschen das Wort hörten, als sie es befolgten, als sie es verstanden, als sie sich ihm verpflichteten, sandte Gott eine Erweckung, und die Menschen gingen mit großer Freude weg.
Die Bibel nimmt an vielen anderen Stellen Bezug darauf, das Wort Gottes zu lesen. In den Evangelien sagte Jesus zu seinen Kritikern: „Habt ihr nicht im Gesetz gelesen …?“ (Matthäus 12,3). Und dann zitierte er, was sie angeblich wussten, aber nicht taten. „Habt ihr noch nie in den Schriften gelesen …?“ (Matthäus 21,42). Er erwartete von ihnen, dass sie die Schrift gelesen hatten; und was tat er, wenn sie korrigiert werden mussten? Er schickte sie zurück zur Schrift, um zu lesen, was Gott gesagt hatte.
Oder denk an die Stelle in Apostelgeschichte 8, wo der äthiopische Kämmerer die Schriftrolle des Propheten Jesaja las, und als er das tat, wurden ihm die Augen geöffnet, und Gott schenkte seinem Herzen Glauben, Buße und Errettung. Während er las, schickte Gott jemanden, der ihm helfen konnte, das Gelesene zu verstehen, und sein Leben wurde verändert.
In den neutestamentlichen Briefen lesen wir oft, dass das öffentliche Lesen und die Auslegung des Wortes Gottes in unseren Gemeinden einen hohen Stellenwert haben sollen. Wiederholt kommt das vor.
In Kolosser 4 sagt Paulus: „Und wenn der Brief bei euch gelesen ist“ – dieser Brief an die Kolosser – „so sorgt dafür, dass er auch in der Gemeinde der Laodizeer gelesen wird, und dass ihr auch den aus Laodizea lest.“ (Vers 16). Lest das Wort Gottes in der Gemeinde. Man könnte meinen, das ist doch normal, aber so normal ist es wohl nicht. Paulus muss gewusst haben, dass wir dazu neigen, in der Gemeinde andere Dinge zu tun, und deshalb betonte er das Lesen der Heiligen Schrift in der Gemeinde.
1. Thessalonicher 5,27: „Ich beschwöre euch bei dem Herrn, dass dieser Brief allen heiligen Brüdern vorgelesen wird.“
1. Timotheus 4,13: „Bis ich komme, sei bedacht auf das Vorlesen, das Ermahnen und das Lehren.“ „Sei bedacht auf das Vorlesen, das Ermahnen“ – das bedeutet, Timotheus sollte den Geschwistern helfen, das Wort zu verstehen. Und dann: Sei bedacht auf das Lehren – da geht es darum zu fragen: Was besagt der Text? Was bedeutet er? Was sollten wir also tun?
Es gibt heute einen Trend, und ich bin mir nicht sicher, ob er wirklich neu ist, aber ich beobachte es immer mehr – es ist ein Trend in der evangelikalen Welt, die Lehre und das Lesen der Heiligen Schrift wegzulassen. Wir würden zwar nie sagen: „Wir lehren oder lesen die Schrift nicht mehr.“ Aber denk an die vielen Konferenzen und Gottesdienste, an die Angebote und Programme, die wir nutzen; und überleg einmal, wie oft heutzutage bei diesen Konferenzen und Gottesdiensten tatsächlich das Wort Gottes gelesen und gelehrt wird.
Wenn du übrigens vielleicht in eine neue Gegend ziehst und eine Gemeinde für deine Familie suchst, dann halte Ausschau nach einer Gemeinde, die das Wort Gottes liest und lehrt – dass da nicht nur gute Prinzipien sind, nicht nur Zeugnisse, nicht nur gute Lehre über Prinzipien von geistlichen Dingen, sondern tatsächlich das Lehren des Wortes Gottes.
Wir wollen heutzutage stattdessen unterhalten werden. Wir wollen fünfundvierzig Minuten Musik, damit wir uns gut fühlen, und dann wollen wir vielleicht fünfundzwanzig Minuten Lehre und Predigt dazwischen quetschen – so viel halten wir gerade so aus –, und bei dieser Lehre oder in dieser Predigt wird vielleicht noch nicht einmal die Bibel benutzt.
Ich erinnere mich, dass ich einmal an einer christlichen Frauenkonferenz teilgenommen habe und erstaunt war, dass während der gesamten Dauer der Konferenz so gut wie keine Bibelstelle verwendet wurde. Es wurde viel über geistliche Dinge gesprochen, viele Geschichten wurden erzählt, es gab viele Beispiele, viel Humor, viele bewegende Geschichten, aber das Wort Gottes war auffällig abwesend.
Vielleicht macht das Spaß, es mag unterhaltsam sein, aber es wird uns geistlich verarmen lassen, es wird uns geistlich blutarm machen. Wenn wir nämlich von diesen Konferenzen und Gottesdiensten nach Hause kommen, kehren wir zu denselben Umständen zurück – zu denselben Nöten, zu demselben Vakuum in unserem Herzen, zu denselben Kämpfen; und wir werden überhaupt nicht verändert, wenn wir nicht unter der Lesung und der Predigt und der Lehre des Wortes Gottes gestanden haben.
Du hast vielleicht keinen Einfluss darauf, was in deiner Kirchengemeinde geschieht, aber du kannst festlegen, was du zu Hause tust, was in deinem Zeitplan ist, an deinem Tag sich abspielt. Und sei nicht kritisch, wenn in deiner Gemeinde das Wort Gottes nicht gelesen wird, wenn du selbst das Wort Gottes nicht liest. Lies die Heilige Schrift. Widme dich dem Lesen des Wortes Gottes; und ich verspreche dir, es wird dein Leben verändern.
Lea: Okay, vielleicht hast du Nancy hier bei Belebe unsere Herzen gehört und willst anfangen, täglich in Gottes Wort zu lesen. Studien belegen, dass es zwischen achtzehn und 254 Tagen dauern kann, bis sich eine Gewohnheit entwickelt. Daher wollen wir dir einen guten dreißig tägigen Start geben. Lass dich motivieren, 30 Tage lang täglich die Bibel zu lesen. Druck dir dafür einfach den Bibelleseplan unter der Textversion des Podcasts aus und fange morgen an!
Nancy: Wenn dir dieselben Anliegen wie uns auf dem Herzen liegen, bete gerne für uns. Das schätzen wir sehr. Du kannst uns auch dadurch unterstützen, dass du Ressourcen von Belebe unsere Herzen deinen Freundinnen weiterempfiehlst. Wenn der Herr dich so leitet, freuen wir uns auch über eine Spende. Damit trägst du dazu bei, dass Inhalte wie diese weiterhin auf Deutsch produziert werden. Schau einfach auf unserer Website www.BelebeunsereHerzen.com im Bereich „Spende“ vorbei. Dort findest du alle Infos, die du brauchst.
Lea: Nochmal unsere Website ist BelebeunsereHerzen.com. Jetzt ist Nancy zurück, um eine ihrer Strategien zu erklären, um die Bibel gewinnbringend zu lesen.
Nancy: Ich möchte dir raten, das Wort Gottes betend zu lesen – es unter Gebet zu lesen, dass du vor dem Lesen, während des Lesens und nach dem Lesen betest und Gott bittest, dich zu lehren, dir Verständnis für sein Wort zu geben, dir schwer verständliche Abschnitte zu erschließen und vertraute Abschnitte für dich neu zu öffnen.
Es gibt eine Gefahr für diejenigen von uns, die das Wort Gottes schon von Anfang bis zum Ende durchgelesen haben, so wie ich zum Beispiel. Wir kommen zu diesen Abschnitten, die uns so vertraut sind, und unsere Augen beginnen glasig zu werden: wir denken, ich kenne das alles doch schon, habe es gehört, gesehen, getan. Es ist dann gut, wenn wir beten und den Herrn bitten:
- Schenke bitte, dass mir das, was ich lese, wieder frisch und neu erscheint!
- Mach das bitte heute meinem Herzen lebendig.
- Zeige du dich selbst meinem Herzen durch dein Wort, zeige mir dein Wesen und deine Wege.
Seit einigen Jahren spreche ich fast jeden Tag ein bestimmtes Gebet, bevor ich anfange, die Heilige Schrift zu lesen. Es stammt aus mehreren Versen aus den Psalmen und einem Vers aus dem Buch Hiob; aber das sind die Worte, die ich bete – das mache ich zu meinem Gebet, wenn ich anfange, die Schrift zu lesen.
„Oh Herr, öffne mir die Augen, damit ich sehe die Wunder in deinem Gesetz. Gib mir Verständnis, so will ich dein Gesetz bewahren und es befolgen von ganzem Herzen. Herr, zeige mir Deine Wege und lehre mich deine Pfade. Leite mich in Deiner Wahrheit und lehre mich, denn Du bist der Gott meines Heils, auf dich hoffe ich den ganzen Tag. Was ich nicht sehe, das lehre du mich. Wenn ich Unrecht getan habe, so will ich es nicht wieder tun.“ (Vergleiche Psalm 119,18.34; Psalm 25,4.5; Hiob 34,32).
Bevor ich also anfange, das Wort Gottes zu lesen, spreche ich dieses Gebet, und manchmal tue ich es einfach aus Gewohnheit; aber ich versuche immer, es bewusst zu beten; und ich bitte den Herrn, dieses Werk in meinem Herzen zu tun.
Wenn ich dieses Gebet spreche, drücke ich dem Herrn gegenüber zwei Dinge aus. Erstens erkenne ich an, dass ich seine Hilfe brauche, wenn ich dieses Buch lese, dass ich von seinem Heiligen Geist abhängig bin, und zweitens erkenne ich an, dass es kein gewöhnliches Buch ist, das ich lesen werde. Es ist übernatürlich. Es wurde vom Heiligen Geist inspiriert, es wurde von Gott geschrieben; und ich kann es nicht verstehen, wenn der Autor dieses Buches mir nicht hilft, es zu verstehen. Also bitte ich ihn, mich zu lehren, mir Verständnis zu geben.
Jesus sagte seinen Jüngern, dass er den Heiligen Geist als einen Beistand oder einen Ratgeber schicken würde, um sie zu lehren und in alle Wahrheit zu leiten; und 1. Korinther 2 sagt uns, dass der natürliche Mensch – der Mensch, der Christus nicht in seinem Leben hat – die Dinge Gottes nicht verstehen kann. Deshalb ist die Bibel für Ungläubige ein totes Buch.
Übrigens, wenn du mit dem Wort Gottes nichts anfangen kannst, solltest du dich vielleicht fragen: „Bin ich wirklich ein Kind Gottes?“ Wenn nämlich der Autor dieses Buches wirklich in deinem Herzen wohnt und du ihn wirken lässt, wird er dir die Dinge Gottes erschließen. Wir sind davon abhängig, dass der Heilige Geist, der dieses Buch inspiriert hat, uns Verständnis gibt. Fehlt es dir an Weisheit? Bitte Gott, und er wird sie dir geben. Wir müssen ihn bitten, unser Lehrer zu sein und sein Licht auf dieses Buch fallen zu lassen.
Wir haben uns Psalm 119 angesehen und wollen nun einige Verse daraus lesen, in denen der Psalmschreiber Gott bittet, ihn zu lehren. Er tut das wieder und wieder. Ich gebe dir nur eine Kostprobe davon, beginnend in Psalm 119
Vers 12: „Gelobt seist du, o Herr! Lehre mich deine Anweisungen.“
Vers 26: „Ich habe meine Wege erzählt, und du hast mir geantwortet; lehre mich deine Anweisungen!“
Vers 27: „Lass mich den Weg verstehen, den deine Befehle weisen, …“. Das ist ein Gebet – „Hilf mir, den Weg deiner Befehle zu verstehen.“
Vers 29: „Lehre mich in deiner Güte dein Gesetz.“ (NLB). „Herr, lehre mich!“
Vers 33: „Lehre mich, Herr, den Weg deiner Anweisungen, dass ich ihn einhalte bis ans Ende.“
Vers 35: „Lass mich wandeln auf dem Pfad deiner Gebote, denn ich habe Lust an ihm.“
Vers 36: „Neige mein Herz zu deinen Zeugnissen.“ Oh, Herr, gib mir ein Herz und einen Hunger nach Dir und Deinem Wort.
Vers 64: „Herr, die Erde ist erfüllt von deiner Güte; lehre mich deine Anweisungen!“
Vers 66: „Lehre mich rechte Einsicht und Erkenntnis; denn ich habe deinen Geboten geglaubt.“
Vers 68: „Du bist gut und tust Gutes; lehre mich deine Anweisungen!“
Vers 73: „Deine Hände haben mich gemacht und bereitet; gib mir Einsicht, damit ich deine Gebote lerne!“
Herr, ich brauche Dich. Deine Worte sind nur Tinte auf einem Blatt Papier, wenn Du nicht kommst und mich lehrst und mir Verständnis gibst, mein Herz auf Deine Gebote ausrichtest. Und so geht es weiter.
Vers 124: „Handle mit deinem Knecht nach deiner Gnade und lehre mich deine Anweisungen!“
Vers 125: „Ich bin dein Knecht; gib mir Einsicht, damit ich deine Zeugnisse verstehe!“
Ich trete in die Gegenwart des Herrn und sage: „Oh Gott, ich brauche Dich. Ich brauche Deinen Heiligen Geist, wenn ich dieses Buch aufschlage, dass es mir Leben vermittelt – und ich brauche den Heiligen Geist, dass er mir hilft, die Bibel nicht nur intellektuell zu verstehen, sondern auch, dass er mein Herz Deine Wege lehrt. Lehre mich Deine Wege, oh Herr. Zeig mir Deine Pfade. Gott, ich möchte Dich kennenlernen.“
Wenn ich die Rolle einer Lernenden einnehme und sage: „Bitte, lehre mich“, dann demütige ich mich vor Gott. Ich komme nicht als die große Bibellehrerin. Wenn ich meine Stille Zeit halte, dann komme ich nicht als eine Lehrerin des Wortes Gottes, sondern als Lernende. Ich komme und sage: „Gott, lehre mich. Bitte lehre mich. Eröffne mir dieses Buch. Zeig mir bitte Deine Wege.
Ich bitte ihn nicht nur, mich zu lehren, und erkenne an, dass ich ihn brauche, sondern ich verpflichte mich auch Gott gegenüber, dass ich alles, was er mir durch sein Wort sagt, tun werde. Ich werde ihm gehorchen.
Psalm 119,60: „Ich will sogleich und ohne zu zögern deinen Geboten folgen.“ (NLB)
Vers 34: „Gib mir Verständnis, so will ich dein Gesetz bewahren und es befolgen von ganzem Herzen.“
Das ist deshalb so wichtig, weil wir beim Bibellesen auf Dinge treffen werden, die unserer Art zu leben zuwiderlaufen. Das Wort Gottes ist wie ein Spiegel – es wird uns zeigen, was wir auf unserem Gesicht tragen. Es wird uns zeigen, was in unseren Herzen ist. Es wird uns zeigen, wo wir etwas falsch gemacht haben.
Immer wieder, wenn das Wort Gottes das tut, überführt es mein Herz. Es ist so wichtig, dass ich vor dem Lesen bete und sage: „Herr, was auch immer Du mir in diesem Buch sagst, ob ich damit übereinstimme oder nicht, ob es mir gefällt oder nicht, ob ich es verstehe oder nicht, ob es Sinn macht – wenn es im Gegensatz zu allem steht, was ich jemals für wahr gehalten habe, was mir alle anderen als wahr verkauft haben, ich werde Deinem Wort gehorchen.“
In unserer evangelikalen Welt – und lasst mich vor allem zu uns Frauen sprechen – nicht, dass das nicht auch auf Männer zutrifft, aber ich spreche nur zu uns als Frauen. Wir haben viele Frauen in unseren Kirchengemeinden, unseren evangelikalen Gemeinden, die die Bibel lesen, die sie studieren, die sie in manchen Fällen andere lehren, die viel über das Wort Gottes wissen, aber sie leben ihr Leben nicht konsequent nach dem Wort Gottes.
Sie treffen Entscheidungen und haben Wertvorstellungen und wählen Prioritäten, die direkt und ausdrücklich im Widerspruch zum Wort Gottes stehen. Wie gehen wir also damit um? Wir beginnen damit, dass wir sagen: „Herr, was immer Du mir zeigst, dem werde ich gehorchen.“
Übrigens, warum sollte Gott sich die Zeit nehmen, dich sein Wort zu lehren, wenn du nicht entschlossen bist zu tun, was darin steht? Gottes Wort ist kein Rosinenkuchen, aus dem wir uns einfach herauspicken, was uns gefällt, was uns an dem Tag ein gutes Gefühl vermittelt. Es enthält einige harte Dinge – einige Dinge, die nicht so leicht zu verdauen sind. Es enthält Medizin, und manchmal schmeckt Medizin nicht gut, aber wir brauchen sie.
Ich muss sagen, wenn ich das Wort Gottes lese, lese ich es unter Gebet, und zwar nicht nur, bevor ich es lese, sondern während ich es lese und nachdem ich es gelesen habe. „Herr, was auch immer Du zu mir gesagt hast, ich werde Dein Gesetz halten. Ich werde es tun. Ich werde es befolgen, durch Deine Gnade und durch die Kraft Deines Heiligen Geistes.“
Lea: Nancy DeMoss Wolgemuth ist gleich zurück, um zu beten.
Sie hat gerade eine Art des Bibellesens beschrieben, die viel erfüllender und spannender ist als das, was viele Menschen erleben. Ich hoffe, du kannst lernen, wie du mehr aus der Bibel herausholen kannst und warum Zeit allein mit Gott so wichtig ist.
Belebe unsere Herzen möchte dir helfen, in Gottes Wort einzutauchen. Dazu stellen wir auch immer wieder neue Materialien auf der Webseite zur Verfügung. Wenn du dich ab und zu auf belebeunsereherzen.com umschaust, verpasst du nichts davon.
Nächste Woche hörst du bei Belebe unsere Herzen, wie wichtig es ist, Gottes Wort mit Bedacht zu lesen. Und jetzt lasst uns beten. Hier ist Nancy.
Nancy: Herr, ich denke an die Worte von Frances Ridley Havergal, der Liederdichterin, die sagte: „Herr, sprich und mach mich bereit, wenn Deine Stimme wirklich gehört wird, mit frohem und festem Gehorsam, still jedem Wort zu folgen.“1
Oh Herr, hilf uns, einen Hunger danach zu haben, Dein Wort zu lesen. Mögen wir es unter Gebet lesen und Dich bitten, uns zu lehren, es uns zu öffnen, uns seinen Reichtum zu zeigen, uns Dich selbst darin zu zeigen. Und mögen wir es in Unterordnung lesen, mit ergebenem Herzen, indem wir sagen: „Herr, was immer Du sagst, ich will gern und beständig gehorchen und jedem Deiner Worte folgen.“
Danke für dieses Wort. Es ist Leben. Mögen wir davon essen, daran teilhaben, davon erfüllt werden, und möge es uns verändern und uns in dein Bild verwandeln. Ich bete in Jesu Namen. Amen.
Belebe unsere Herzen ist Teil von Revive Our Hearts Ministries.
Wenn nichts anderes erwähnt wird, sind die Bibeltexte der Schlachter Übersetzung
© 2000 Genfer Bibelgesellschaft entnommen.