Nancy DeMoss Wolgemuth: Um die Mittagszeit herrscht auf der Fulton Street im New Yorker Bankenviertel reges Treiben: Geschäftsleute eilen zu Restaurants und Meetings. An der Ecke Fulton Street und Williams Street haben sich einige Imbissbuden-Verkäufer niedergelassen, die ein schnelles Mittagessen anbieten. Die Fulton Street ist etwa drei Blocks von Ground Zero entfernt, und zur Mittagszeit mischen sich Touristen unter das Volk.
Nur wenige der Menschen, die die Fulton Street in der Nähe der Williams Street entlang gehen, sind sich der Bedeutung dieses Ortes bewusst. Die meisten von ihnen wissen nicht, was sich hier vor mehr als 150 Jahren unter einer Gruppe von Geschäftsleuten in ihrer Mittagspause ereignete.
Am Mittwoch, dem 23. September 1857, versammelte sich eine kleine Gruppe von Geschäftsleuten zum Gebet in der North Dutch Reformed Church an der Fulton Street. [Diese Kirche wurde 1975 zerstört. Sie stand genau da, wo später das World Trade Center errichtet …
Nancy DeMoss Wolgemuth: Um die Mittagszeit herrscht auf der Fulton Street im New Yorker Bankenviertel reges Treiben: Geschäftsleute eilen zu Restaurants und Meetings. An der Ecke Fulton Street und Williams Street haben sich einige Imbissbuden-Verkäufer niedergelassen, die ein schnelles Mittagessen anbieten. Die Fulton Street ist etwa drei Blocks von Ground Zero entfernt, und zur Mittagszeit mischen sich Touristen unter das Volk.
Nur wenige der Menschen, die die Fulton Street in der Nähe der Williams Street entlang gehen, sind sich der Bedeutung dieses Ortes bewusst. Die meisten von ihnen wissen nicht, was sich hier vor mehr als 150 Jahren unter einer Gruppe von Geschäftsleuten in ihrer Mittagspause ereignete.
Am Mittwoch, dem 23. September 1857, versammelte sich eine kleine Gruppe von Geschäftsleuten zum Gebet in der North Dutch Reformed Church an der Fulton Street. [Diese Kirche wurde 1975 zerstört. Sie stand genau da, wo später das World Trade Center errichtet wurde und wo sich heute Ground Zero befindet.] Dieses Treffen markierte den Beginn einer Erweckung, die sich im gesamten Land ausbreiten sollte. Durch diese Erweckung stieg die Zahl der Kirchenbesucher deutlich an. Das Verhalten der Menschen änderte sich, und komplett neue Missions-Projekte wurden angeregt.
Vor allem aber motivierte die Erweckung das Volk Gottes zum Gebet.
Lea Köster: Hier ist Belebe unsere Herzen mit Nancy DeMoss Wolgemuth mit der Stimme von Annette Schorre.
Wir befinden uns in der dritten Woche der Podcast-Reihe mit dem Titel „Seeking Him – Neu belebt von Ihm“, in der es darum geht, was es bedeutet, eine persönliche Erweckung zu erleben. Heute hört ihr von einer Erweckung in den USA, die vor mehr als 150 Jahren große Auswirkungen auf die ganze Nation hatte. Hier ist jetzt Nancy.
Nancy: Die Gebets-Erweckung von 1857 wird manchmal auch als die Erweckung der Laien bezeichnet. Im Gegensatz zu einigen anderen historischen Erweckungen stand bei dieser Erweckung kein bekannter Prediger im Mittelpunkt.
Um den Kontext zu verstehen, muss man wissen, dass sich die Vereinigten Staaten zu dieser Zeit in den Wehen der Industriellen Revolution befanden. Die Menschen verdienten schnelles Geld und hatten kein großes Bedürfnis nach Gott oder nach Gebet.
Vor diesem Hintergrund erweckte Gott in seiner Vorsehung einen Laien, einen gewöhnlichen Mann, der sich über den geistlichen Zustand der Menschen in New York City Gedanken machte. Ich vermute, dass dieser Laie wenig Ahnung davon hatte, wie sehr Gott sein Leben und seine Bemühungen in der Großen Gebets-Erweckung gebrauchen würde.
Jonathan Brownson ist der Beauftragte für Gebet der Reformierten Kirche von Amerika. Er erzählt uns über den Hintergrund dieses Laien.
Jonathan Brownson : Also, Jeremiah Lanphier war ein Geschäftsmann. Er zog nach New York City, um ein Bekleidungsgeschäft zu eröffnen. Er zog an einen Ort im Zentrum von Manhattan und bekehrte sich um die Mittagszeit in einer Kirche in Manhattan, was für den späteren Teil der Geschichte von Bedeutung ist.
Nach seiner Bekehrung wurde er vom Kirchenrat der North Dutch Church gefragt, ob er für sie als Laien-Missionar arbeiten würde.
Nancy: Die Kirche beschloss, diesen Laien-Missionar einzustellen, weil sie Mitglieder verlor.
Jonathan: Was in der North Dutch Church geschah, ähnelt dem, was heute in den Großstädten geschieht – während Firmen nach Manhattan zogen, zogen Kirchenmitglieder von dort weg.
Lyle Dorsett: Bereits in den 1850er Jahren ist ein Rückgang der Kirchenbesucher zu verzeichnen.
Nancy: Das ist Lyle Dorsett, Professor für Christian Formation und Ministry am Wheaton College.
Lyle: Das Wachstum der Gemeinden – der Anstieg der Zahl der Kirchgänger – war ziemlich zurückgegangen. Unsere Statistiken aus dieser Zeit sind keineswegs ganz zuverlässig, aber das wissen wir.
Nancy: Da sich das Lebenstempo beschleunigte, schienen die Menschen weniger für geistliche Dinge empfänglich zu sein und Meinungsverschiedenheiten über Einwanderung und Sklaverei führten zu starken Spannungen.
Lyle: In den 1850er Jahren wuchs die USA rasant. Die Zahl der Städte und Industriegebiete nahm stark zu. Die Städte boomten. Die Industrie wuchs. Überall im Land wurden Eisenbahnlinien gebaut. Viele Menschen wurden ins Land geholt, um zu arbeiten.
Es hat immer gesellschaftliche Spannungsfelder bei solchen Entwicklungen gegeben. Jedes Mal, wenn neue Menschen in ein Land kommen oder ein enormes Wachstum zu verzeichnen ist, bringt das die Menschen sozial, psychologisch und emotional aus dem Gleichgewicht.
Nancy: Unter diesen Umständen machte sich der neue Laienmissionar an die Arbeit. So beschrieb die Kirche die neue Rolle von Lanphier:
Mann: Der Kirchenrat war besorgt wegen der geistlichen Not dieses Stadtteils. Er beabsichtigte, geeignete Untersuchungen und Maßnahmen durchzuführen, damit den Armen das Evangelium gepredigt werden konnte. Deshalb stellte er einen frommen Laien ein, Herrn J. C. Lanphier. Er sollte seine Zeit und seine Bemühungen darauf konzentrieren, die unteren Gesellschaftsschichten der Stadt zu erkunden.
Jonathan: Als Jeremiah im Juli 1857 eingestellt wurde, bestand sein Hauptziel darin, an die Türen der umliegenden Häuser zu klopfen und die Menschen zur Sonntagsschule und zur Kirche einzuladen, um die Kirchenbänke zu füllen.
Er begann damit im Juli 1857 und arbeitete so ein paar Monate lang. Wir wissen nicht, was ihm alles durch den Kopf ging, aber ich kann mir vorstellen, dass er nach dem vielen Klopfen an den Türen ziemlich erschöpft war. Er beschloss, damit zu beginnen an die Himmelstür zu klopfen, anstatt an abweisende, irdische Türen.
Nancy: Beim letzten Mal hörten wir von morgendlichen Gebetstreffen in Boston und New York City. Dort kamen die Gläubigen zusammen und baten Gott, sein Volk wieder zu erwecken. Dies war im Grunde dieselbe Idee – nur eben zur Mittagszeit.
Kevin Adams: Das war das Besondere an diesen Gebetstreffen – die Tatsache, dass es ein Mittags-Gebetstreffen war.
Nancy: Es spricht der Pastor und Autor Kevin Adams.
Kevin: Natürlich gab es in der Vergangenheit Gebetstreffen zu allen möglichen Zeiten. Aber ein Gebetstreffen zur Mittagszeit war recht ungewöhnlich.
Nancy: Die von Lanphier initiierten Gebetstreffen sollten zur selben Tageszeit stattfinden, zu der er sich bekehrt hatte.
Kevin: Er wollte unbedingt, dass die Menschen während ihrer Mittagspause kommen und beten, Fürbitte halten. Vor allem die Männer, die im Geschäftsviertel von New York arbeiteten. Das war ihm ein großes Anliegen.
Jonathan: Die Idee war, dass sich die Leute fünf oder zehn Minuten Zeit nehmen, oder so viel, wie es ihnen in der Mittagszeit auch immer möglich war. Sie würden vorbeikommen und ihre Gebetsanliegen mit anderen teilen oder für eine kurze Zeit am Gebetstreffen teilnehmen und dann wieder zur Arbeit gehen.
Kevin: Zunächst sprach er mit einigen seiner Freunde. Er verteilte ein paar Traktate und lud die Leute dann ein, zum ersten Gebetstreffen zu kommen.
Jonathan: Am 23. September 1857 fand das erste Gebetstreffen unter der Leitung von Jeremiah Calvin Lanphier statt.
Kevin: Er wartete eine halbe Stunde, aber niemand kam! Ihr könnt euch vorstellen, wie er sich fühlte.
Jonathan: Ich könnte mir vorstellen, dass er nach der halben Stunde, die er dort allein verbracht hatte, ziemlich entmutigt war.
Kevin: Aber am Ende der Stunde waren fünf Personen erschienen und begannen zu beten.
Jonathan: Es dauerte nicht lange, bis sich die Teilnehmerzahl vervielfachte.
Kevin: Er sagte: „Nächste Woche wollen wir wieder zusammen beten.“ Dieses Mal kamen 20 Leute! In der Woche darauf kamen noch ein paar mehr Leute!
Nancy: Durch Gottes Vorsehung fiel das explosionsartige Wachstum dieses Gebetstreffens mit den finanziellen Schwierigkeiten des Landes zusammen. Hier ist Lyle Dorsett.
Lyle: Am 25. und 26. September 1857 kam es in den Banken von Philadelphia zu einer Finanzkrise. Diese Krise breitete sich in den gesamten USA und bis nach Kanada aus. Mitte Oktober gab es dann einen Ansturm auf eine Reihe von Banken, und die Zeit von Oktober bis Ende 1857 wurde als die Finanzkrise von 1857 bekannt.
Mann: New York Observer, 15. Oktober: „Tausende wurden täglich ohne Vorankündigung entlassen. Vermögen, die mit ungewöhnlichem Geschick und Fleiß aufgebaut und durch jede frühere konjunkturelle Trendwende hindurch vermehrt worden waren, lösten sich in Luft auf oder verflüchtigten sich wie ein Traum.“
Lyle: Eine Woche später fanden die Gebetsversammlungen in der Fulton Street in New York nicht mehr nur ein- oder zweimal pro Woche statt, sondern sogar täglich.
Jonathan: Ich bin überzeugt, dass die Menschen in der Stadt jetzt Zeit zum Beten hatten, weil sie ihre Arbeit verloren hatten. Sie waren sich nun zutiefst bewusst, dass sie beten mussten, weil es ihnen finanziell schlecht ging.
Kevin: Bei Katastrophen gibt es immer zwei Möglichkeiten: Die eine ist, dass man sich gegen Gott wendet, und die andere ist, sich Gott zuzuwenden.
Es schien, als hätten sich einige Menschen zu Gott gewendet.
Jonathan: Ich denke, wir können durch unseren Herrn Jesus Christus erkennen, was hier vor sich geht. Jesus sagt: „Ein Reicher hat es schwer, in das Reich der Himmel hineinzukommen!“ Jesus hat sehr wenig Positives über Reichtum zu sagen. „Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt!“ (Matthäus 19,23-24).
Jesus liebt reiche Männer oder Frauen nicht weniger als andere, aber hier sagt er, dass wir uns an alles Mögliche wenden, bevor wir uns an ihn wenden.
Bob Bakke: Wenn man irgendwo eine Erweckung ansetzen wollte, würde man sie genau im Herzen einer solchen Katastrophe platzieren wollen.
Nancy: Es spricht Bob Bakke, Leiter einer nationalen Gebetsinitiative.
Bob: Man kann sich leicht vorstellen, warum das Gebetstreffen explosionsartig wuchs, denn alle Anwohner, insbesondere die Einwohner Lower Manhattans, waren vom finanziellen Ruin bedroht. Es dauerte nicht lange, bis ganz New York die Kirchen mit Gebeten füllte.
Mann: Während der Erweckung in New York fanden täglich etwa 25 große Gebetsversammlungen statt.
Nancy: Bald wurden alle Säle in New York City täglich zur Mittagszeit für Gebete genutzt.
Mann: Ganz zu schweigen von den regelmäßig stattfindenden oder zusätzlichen Treffen.
Kevin: Im Laufe der Zeit nimmt die Zahl der Teilnehmer zu und es kommen immer mehr Menschen hinzu.
Mann: Tatsächlich versammelten sich 1.000 Personen während der Geschäftszeiten, um eine Stunde im Gebet zu verbringen.
Nancy: Diese Gebetsversammlungen gingen sogar über die Mittagszeit hinaus, und schließlich waren die Kirchen von New York City von frühmorgens bis spät in die Nacht hinein überfüllt mit Menschen, die beteten - zu jeder Tageszeit!
Kevin: Das sind etwa 2.000 Menschen, die jeden Tag in verschiedenen Teilen New Yorks beten!
Mann: Eine noch größere Versammlung mit fast 3.000 Teilnehmern...
Nancy: Einem Bericht zufolge machte sich der berühmte Zeitungsredakteur Horace Greeley auf den Weg, um mit eigenen Augen zu sehen, wie viele Menschen tatsächlich mittags beteten. Er fuhr von einem Ort zum anderen - von einer Versammlung zur nächsten. Nach 10.000 verlor er den Überblick und hörte auf zu zählen.
Kevin: Es ist eine wachsende Idee.
Jonathan: Das ist das Lied Nummer eins aus dem Gesangbuch der Fulton Street, das von den Betern gesungen wurde, die sich an der Ecke Fulton und William zum Gebet versammelten. Der Text lautet:
In Deinem großen Namen, o Herr, kommen wir,
um zu Deinen Füßen anzubeten;
Oh, gieß Deinen Heiligen Geist herab
auf alle, die sich jetzt treffen.
Lehre uns beten, loben und hören,
und Dein Wort verstehen;
Deine selige Gegenwart nahe spüren,
und unserem lebendigen Herrn vertrauen.(C.M. Mear, 1850, Verse 1 und 3).[mfn]Melodie: https://hymnary.org/hymn/TBH1901/page/39[/mfn]
Nancy: Die Worte dieses Liedes brachten die Herzensregungen derer zum Ausdruck, die sich zum Gebet versammelten. Sie taten sich nicht nur zusammen, damit ihre finanziellen Probleme gelöst würden. Sie trafen sich, weil der Heilige Geist sie zum Beten drängte.
Jonathan: Die Menschen versammelten sich. Geschäftsleute versammelten sich, um zu sagen, dass sie die Begegnung, die Erneuerung des Heiligen Geistes in ihrem Leben und in ihren Gemeinden wollten. Die wichtigste Person bei diesem Treffen war nicht Jeremiah. Es war die Person und das Wirken des Heiligen Geistes.
Mann: Bitte beachtet die folgenden Regeln. Seid pünktlich, (denn) wir beginnen um Punkt 12:00 Uhr.
Nancy: Die Gebetstreffen begannen pünktlich um 12 Uhr.
Jonathan: Pünktlich zur Mittagszeit. Anfangs leitete sie Jeremiah. Als die Treffen wuchsen, wechselte die Leitung, und verschiedene Geschäftsleute leiteten die Treffen.
Mann: Es wird erwartet, dass der Leiter der Versammlung nicht mehr als zehn Minuten für die Eröffnung des Treffens benötigt.
Jonathan: Der Leiter erhielt einen Leitfaden, der wie ein Merkblatt aussah und eine Beschreibung der Vorgehensweise oder der zu bearbeitenden Themen enthielt.
Mann: Erstens, eröffnet das Treffen, indem ihr drei bis fünf Strophen eines Kirchenliedes lest und singt. Zweitens: Gebet. Drittens...
Kevin: Es war keine große emotionale Szene, wie man sie manchmal bei Erweckungen sieht.
Mann: Lest immer nur jeweils ein Anliegen vor, auf das ein Gebet folgt. Dieses Gebet soll sich besonders auf das Gesagte beziehen.
Kevin: In dem Versammlungshaus in der Fulton Street hing ein Schild, auf dem stand: „Niemand soll mehr als fünf Minuten beten.“ Das Gebet sollte nicht darüber hinaus andauern. Man sollte nur eine bestimmte Zeit beten und dann aufhören, weil allen die Möglichkeit gegeben werden sollte, sich am Gebet zu beteiligen.
Nancy: Eine weitere aushängende Regel lautete: „Keine kontroversen Punkte diskutieren.“
Kevin: Alle möglichen Denominationen beteten gemeinsam.
Jonathan: Es handelte sich um eine Denominations-übergreifende Bewegung.
Kevin: In der ersten Woche waren mindestens drei oder vier Denominationen beteiligt, und an dem ersten Treffen im September waren mindestens sechs Personen beteiligt. So ging es weiter.
Mann: Wenn jemand eine Anregung hat oder einen Vorschlag macht, sagt: „Das hier ist nur ein Gebetstreffen“, und dass das nicht hierher gehört, und fordert einen anderen Bruder zum Beten auf.
Jonathan: Es war also von Anfang an klar, dass es sich um gemeinsame Gebetstreffen handeln sollte.
Kevin: Sie wollten die vielen Streitigkeiten beiseite legen. In den letzten 20 oder 30 Jahren hatte es in der Glaubensgemeinschaft einige ernsthafte Auseinandersetzungen gegeben.
Sie wussten, dass Gott Gebet erhört. Angesichts dieser Tatsache sahen sie ihre Differenzen als gering an und legten sie beiseite.
Jonathan: Es war eine interessante Kombination. Es wurde Wert darauf gelegt, dass alles anständig und ordentlich gemacht wurde.
Mann: Das Schlusslied wird um fünf Minuten vor 13 Uhr angesagt.
Jonathan: Aber die Gebetsanliegen selbst waren von großer Leidenschaft geprägt. Es war eine bewegende Erfahrung, einige der eingegangenen Gebetsanliegen durchzulesen und das Herz zu sehen, das hinter diesen Anliegen stand.
Frau: Liebe Brüder, seit Jahren bete ich für die Bekehrung meines Mannes und meiner zwei Brüder.
Jonathan: Diese Gebetsanliegen kamen aus der ganzen Welt.
Frau: Ich bete um Christi willen, dass sie zur Erkenntnis der Wahrheit in Jesus geführt werden.
Nancy: Du hast viele dieser Anliegen gelesen – vielleicht hunderte oder tausende –, was ist der Leitgedanke dieser Anliegen?
Jonathan: Es gibt ein durchgängiges Thema, das zu Jeremiahs eigener Leidenschaft für diese Gebetstreffen passt. Da er damals zu Jesus Christus gefunden hatte - weil er ihn zur Mittagszeit angenommen hatte - sind viele der Gebetsanliegen Gebete für diejenigen, die Christus nicht kennen.
Mann: Ein junger Mann, der in dieser Stadt wohnt und vor einigen Jahren aus England kam, wo seine Eltern noch leben, und der als einziges Mitglied seiner Familie nicht bekehrt ist, wird hier von einem christlichen Freund als Anliegen vorgebracht, da er sich dessen sofortige Bekehrung wünscht.
Jonathan: Oftmals heißt es: „Betet für einen Sohn. Betet für eine Tochter.“
Frau: Sie ist eine Mutter. Möge sie zur Erkenntnis Christi geführt werden und ihre Kinder dann in der Liebe und Furcht des Herrn erziehen.
Kevin: Es wurde nicht nur für andere Menschen gebetet, sondern auch Nicht-Christen kamen zu den Gebetstreffen und bekehrten sich tatsächlich dort. Sie begannen, Gott zu suchen!
Als die Treffen zunahmen, kamen viele, die gebetet hatten, mit Berichten von Gebetserhörungen zurück. Die Dinge entwickelten sich! Es gab Menschen, die um Gebet baten; Menschen, die beteten; und Menschen, die zurückkamen und berichteten, was Gott tatsächlich getan hatte!
Jonathan: Es waren Gebete für die Bekehrung einzelner Menschen und Gebete für die Erweckung von Gemeinden und Gemeinschaften. Ich finde es faszinierend, über die Auswirkungen dieser Gebete auf diese Gemeinschaften und Städte im Laufe der Jahrhunderte nachzudenken.
Kevin: Es war nicht nur ein Gebet. Einige Leute, die die Gebetserweckung feiern, sind versucht zu denken: „Genau. Die Lösung ist jetzt, dass wir Gebetstreffen abhalten. Lasst uns das Predigen beiseite schieben. Legen wir die Lehre ad acta. Lassen wir die Evangelisation mal außer Acht, beten wir zu Gott und lassen einfach Gott alles tun.“
Ich kann mir vorstellen, dass einige Menschen so reagieren, wenn sie auf die Erweckung vor mehr als 170 Jahren zurückblicken. Aber die Realität ist, dass Lanphier selbst in der Zeit aktiv evangelistisch tätig war, als er diese Gebetstreffen leitete.
Er verteilte zum Beispiel Traktate – etwas, das Mitte des 19. Jahrhunderts funktionierte. Er ermunterte Menschen aus seiner Gemeinde und aus den Gemeinden, mit denen er zusammenarbeitete, aktiv dazu, ihren Freunden Zeugnis zu geben und sie zu den Treffen mitzubringen. Er förderte alles Mögliche. Er ermutigte Menschen in ihren eigenen Gemeinden.
Als sich die Erweckung ausbreitete, führte es dazu, dass die Gemeinden
selbst von der Bewegung angesteckt wurden.
Nancy: Die Intensität der Gebets-Erweckung, die im Herbst 1857 in der Fulton Street begann, ließ nach einigen Monaten wieder nach. Es gab aber während der nächsten 103 Jahre jeden Tag zur Mittagszeit ein Gebetstreffen in New York City.
Was können wir von diesen Gebetstreffen und der damit einhergehenden Erweckung lernen? Warum sollte das heute noch wichtig sein?
Jonathan: Es kommt wirklich darauf an, ob wir aus Verzweiflung oder einer Not heraus beten. Braucht es eine Katastrophe, eine Finanzkrise, um uns in die Knie zu zwingen? Oder erkennen wir neu, dass wir ohne den Geist Gottes nichts als Staub von der Erde sind? Wir sind Staub.
Dieser Finanzkollaps im Jahr 1857 führte zu einem tieferen Bewusstsein für die Abhängigkeit des Menschen von Gott. Die heutige Herausforderung in den USA besteht zum Teil darin, zu diesem Verständnis zurückzukehren, ohne dass es einen Zusammenbruch braucht.
Nur der Geist Gottes kann das in uns tun. Er kann uns daran erinnern, dass jeder Atemzug ein Geschenk von ihm ist. Ob wir einen finanziellen Zusammenbruch erleben oder nicht, so erleben wir doch sozusagen minütlich einen körperlichen Zusammenbruch, bei jedem Atemzug.
Nancy: Wenn wir um Erweckung beten, müssen wir uns über Folgendes im Klaren sein: Es kann sein, dass Gott in seiner Güte und Vorsehung irgendeine Art von groß angelegtem Zusammenbruch herbeiführen wird. Dieser Zusammenbruch würde unser Land dazu bringen, genauso verzweifelt nach ihm zu suchen, wie es 1857 der Fall war.
Jonathan: Das stimmt. Es kann ein Gericht sein, das zur Umkehr führt. Wir beten, dass Gott Gnade walten lässt. Aber diese Barmherzigkeit kann sich darin zeigen, dass er uns an einen Ort der Abhängigkeit von ihm führt. Darum ist der Ort des ersten Gebetstreffens in der Fulton Street – nur drei Blocks östlich des Ground Zero – für mich so bedeutsam, denn in gewisser Weise müssen unsere Gebete am Nullpunkt – Ground Zero – beginnen.
Wir müssen an dem Punkt beginnen, an dem wir unsere völlige Abhängigkeit von Gott anerkennen und dann von dort aus weitermachen. Ich hoffe und bete sehr, dass Gott unser Land dahin bringen wird. Ich glaube, Dienste wie Belebe unsere Herzen werden dabei eine Schlüsselrolle spielen.
Nancy: In Jesaja 64 heißt es, dass Gott denen begegnet, die sich an ihn und seine Wege erinnern. Daher denke ich, dass es heute bei der Erinnerung an die große Gebets-Erweckung wichtig ist, sich die Wege Gottes vor Augen zu halten. Nicht nur, um sich daran zu erinnern, was Gott in der Vergangenheit getan hat, sondern um zu beten und Gott zu bitten, seinen Geist in unserer Zeit erneut auszugießen.
Lea: Wie konnte es sein, dass eine Nation am Rande des Bürgerkriegs eine Erweckung erlebte? Das ist eine der Fragen, die wir beim nächsten Mal [Montag, 21.07.] bei Belebe unsere Herzen aufgreifen werden – wieder mit einem Blick zurück ins Jahr 1857.
Lied:
Warum leben wir ohne Jesus?
Warum vergeuden wir noch einen Tag?
Er ist das Leben, das uns trägt
Unsere einzige Hoffnung heute
Also sag mir, warum leben wir
Warum leben wir ohne ihn?[mfn]„Why Do We Live Without Jesus.“ 1991 Dayspring Music (Abteilung von Word, Inc.)/Gentle Ben Music (verwaltet von Dayspring Music). BMI. Summerdawn Music/Steadfast Music (ASCAP).[/mfn]
Belebe unsere Herzen ist Teil von Revive Our Hearts Ministries.
Wenn nichts anderes erwähnt wird, sind die Bibeltexte der Schlachter Übersetzung
© 2000 Genfer Bibelgesellschaft entnommen.