Lea Köster: Man muss erst von seinem emotionalen Schmerz geheilt sein, bevor man vergeben kann, richtig? Nicht, wenn es nach Nancy DeMoss Wolgemuth geht.
Nancy DeMoss Wolgemuth: Ich glaube, dass die Entscheidung zu vergeben – sozusagen die Löschtaste zu drücken, loszulassen – in den meisten Fällen genau das ist, was den Heilungsprozess überhaupt erst in Gang setzt.
Lea: Willkommen, meine Liebe, hier ist Belebe unsere Herzen mit Nancy DeMoss Wolgemuth, gesprochen von Annette Schorre.
Du hörst gerade unsere Serie „Seeking Him – Neu belebt von Ihm“. In dieser Sendereihe stellt Nancy jede Woche ein Merkmal persönlicher Erweckung vor. Diese Woche geht es um Vergebung.
Gestern hat uns Nancy ihr hilfreiches Buch Das Tor zur Freiheit - Wie Vergebung Ihr Leben verändert vorgestellt. Lisa Barry war bei dem Gespräch dabei und heute werden die beiden besprechen, wie Vergebung in der Praxis aussehen kann
Lisa Barry: …
Lea Köster: Man muss erst von seinem emotionalen Schmerz geheilt sein, bevor man vergeben kann, richtig? Nicht, wenn es nach Nancy DeMoss Wolgemuth geht.
Nancy DeMoss Wolgemuth: Ich glaube, dass die Entscheidung zu vergeben – sozusagen die Löschtaste zu drücken, loszulassen – in den meisten Fällen genau das ist, was den Heilungsprozess überhaupt erst in Gang setzt.
Lea: Willkommen, meine Liebe, hier ist Belebe unsere Herzen mit Nancy DeMoss Wolgemuth, gesprochen von Annette Schorre.
Du hörst gerade unsere Serie „Seeking Him – Neu belebt von Ihm“. In dieser Sendereihe stellt Nancy jede Woche ein Merkmal persönlicher Erweckung vor. Diese Woche geht es um Vergebung.
Gestern hat uns Nancy ihr hilfreiches Buch Das Tor zur Freiheit - Wie Vergebung Ihr Leben verändert vorgestellt. Lisa Barry war bei dem Gespräch dabei und heute werden die beiden besprechen, wie Vergebung in der Praxis aussehen kann
Lisa Barry: Okay, Nancy, stellen wir uns Folgendes vor: Ich laufe durch einen Buchladen. Mein Herz ist schwer wegen einer Riesenlast von Wut und Groll, und ich brauche dringend Erleichterung. Da sehe ich dein Buch im Regal, nehme es in die Hand und blättere hektisch darin rum – auf der Suche nach den Worten, die mich ansprechen, die mir sagen, was ich hören muss. Ich suche den einen Satz, der mir hilft, diese erdrückende Last loszuwerden.
Werde ich den in deinem Buch finden?
Nancy: Also, ich weiß nicht, ob es da einen Satz gibt, der dich schnell und einfach von deiner tonnenschweren Last befreit. Diese Last war ja auch nicht von Anfang an so schwer.
Sie ist vielmehr über die Jahre durch viele, viele Verletzungen entstanden. Und wie gerne würden wir das über Nacht rückgängig machen wollen, was sich über Jahre aufgebaut hat. Deshalb denke ich, müssen wir es in gewissem Sinn anerkennen, dass es keine schnellen Lösungen gibt.
Doch ich glaube, dass es durch den Vorgang der Vergebung ein Mittel gibt, durch das man langfristig frei werden und mit den Problemen umgehen kann. Die vorherrschende Meinung in unserer sehr therapiebetonten Kultur ist, dass ich erst richtig vergeben kann, wenn ich den Heilungsprozess durchlaufen habe.
Aber ich glaube wirklich, dass es genau anders herum ist. Ich glaube, dass die Entscheidung zu vergeben – sozusagen die Löschtaste zu drücken und loszulassen – in den meisten Fällen genau das ist, was den Heilungsprozess überhaupt erst in Gang setzt.
Das müssen wir verstehen, dass der Ausgangspunkt die Vergebung ist. Wenn ich warte, bis ich durch den Heilungsprozess gegangen bin und mich erst dann entscheide zu vergeben, werde ich wahrscheinlich nie an den Punkt der Vergebung kommen.
Aber wenn ich mit der Vergebung beginne, dann trete ich in einen Heilungsprozess ein. Damit sage ich nicht, dass mit meiner Entscheidung zu vergeben, jetzt alles erledigt ist und nicht noch andere Dinge auf mich zukommen werden.
Doch ich habe es dem Herrn übergeben. Ich habe gesagt: „Ich bin nicht der Richter. Ich bin nicht die Jury. Ich werde keine Rache üben. Ich werde die Sache dem Herrn überlassen.“ Und damit bringe ich mich in eine Lage, wo der Heilige Geist, durch das Wort Gottes und seine Gnade, sich um die Verletzungen und Wunden in meinem Leben, die Heilung brauchen, kümmern kann. Wo er sich um die Beziehung kümmern kann, in der vielleicht Versöhnung stattfinden sollte oder die geklärt oder wiederhergestellt werden muss.
Aber der Ausgangspunkt ist Vergebung – und dann gibt es Hoffnung, die so groß und wunderbar ist wie Gott selbst. Wie tief deine Wunden auch sind, wie viele Narben du auch hast oder welches Unrecht dir auch geschah – es gibt Hoffnung, dass du von der Wut, der Bitterkeit und dem Groll frei werden kannst. Das heißt nicht, dass du nicht wieder verletzt wirst.
Es heißt nicht, dass es keine empfindlichen Stellen in deinem Herzen mehr gibt, wenn die Situation wieder hochkommt. Aber du kannst dann an die Person denken, die dir Leid angetan hat, ohne dabei die Zähne zusammenzubeißen und dir ihren Tod zu wünschen.
Du musst nicht dabei stehen bleiben. Du kannst weitergehen. Es besteht Hoffnung.
Lisa: Interessant. Wir lesen also normalerweise ein Buch, arbeiten uns durch all die Schritte durch und landen am Ende bei der Vergebung. Da haben wir es! Das ist dann sozusagen das Sahnehäubchen, der Bonus am Schluss.
Aber du sagst, dass man mit Vergebung anfangen soll und dass dann die positiven Nebenwirkungen – die Segnungen – nach und nach (von selbst) kommen, nachdem wir das Richtige getan haben.
Nancy: Solange ich an Bitterkeit und Unversöhnlichkeit festhalte, kann ich Gottes heilende Gnade in meinem Leben nicht erfahren. Der Ausgangspunkt ist also die Vergebung. Und in dem Buch komme ich zu einigen konkreten, praktischen Schritten, mit denen wir den Weg der Vergebung betreten.
Aber ich erwähne diese Schritte erst im letzten Drittel des Buches, weil ich glaube, dass wir zuerst einmal erkennen müssen, dass wir verbittert sind und was diese Bitterkeit mit uns gemacht hat.
In unserer therapielastigen Kultur fällt es uns leicht zuzugeben, dass wir verletzt wurden. Das geben wir ohne Probleme zu. Aber nur wenige Menschen sind ehrlich genug, um zu sagen: „Ich habe ein Problem mit Bitterkeit.“
Zu sagen: „Ich bin bitter“, bedeutet, ich bin verantwortlich. Ich habe etwas falsch gemacht. Zu sagen: „Ich wurde verletzt“, schiebt die Verantwortung auf eine andere Person. „Es ist nicht meine Schuld. Jemand anderes hat mich verletzt.“ So können wir die Verantwortung einfach abwälzen.
Es ist also eine große Sache, wenn ich mir eingestehe: „Da ist eine Wurzel der Unversöhnlichkeit in meinem Herzen.“ Ich weiß, dass das auf viele, viele Menschen zutrifft, denn ich habe im Laufe der Jahre wohl Zehntausende von Frauen bei Konferenzen dazu befragt, wenn ich über das Thema Vergebung sprach.
Ich habe gefragt: „Wer würde zugeben, dass es da irgendeine Wurzel der Unversöhnlichkeit in seinem Herzen gibt? Gibt es Personen in deiner Vergangenheit oder Gegenwart, denen du nie vollständig vergeben hast? Wärest du ehrlich genug, um deine Hand zu heben?“
Ich bitte die Zuhörer nicht, den Kopf zu senken oder die Augen zu schließen. Das würden wir eher tun, wenn wir vor Gott und Menschen aufrichtig sein wollen, wenn wir möchten, dass seine Gnade in unsere Herzen fließt.
Und ich sage dir, Lisa, jedes Mal, wenn ich also diese Frage stelle, heben 80 bis 95 Prozent der Leute im Raum die Hand – wie sich diese Gruppe auch immer zusammensetzt, aus normalen Gemeindemitgliedern, Menschen, die beruflich in christlichen Diensten stehen, Pastorenfrauen, wer auch immer.
„Es gibt eine oder mehrere Personen in meinem Leben, denen ich nie vollständig vergeben habe.“ Mit Blick auf diese Zuhörer weiß ich, es sind Frauen, die im Gefängnis sind.
Sie mögen es nicht merken, aber sie sind es. Es gibt einen Grund, warum ich nicht müde werde, diese Botschaft zu bringen. Etwas, was mich motivierte, dieses Buch zu schreiben. Etwas, was mich motiviert, auf diese praktischen Schritte zur Freiheit und Vergebung hinzuweisen. Denn wenn Menschen „Ja“ zu Vergebung sagen, ist es so, als wenn Gott in diese große Gefängniszelle in diesen riesigen Gefängnistrakt kommt und mit seinem Schlüssel der Gnade die Gefängnistüren aufschließt und die Frauen in die Freiheit entlässt.
Ich habe es immer und immer wieder erlebt – und genau das gibt mir dieses leidenschaftliche Anliegen, Frauen dazu aufzurufen, „Ja“ zu Vergebung zu sagen.
Lisa: Nehmen wir an, ich ziehe es wirklich durch. Ich stimme dir zu und sage: „Ja, ich muss vergeben. Ich stehe hier in der Verantwortung.“ Ich habe also gestern vergeben. Und heute? Heute steigen diese schrecklichen Gefühle wieder in mir hoch, wie eine Kobra, die sich aufrichtet, und ich denke: „Ich habe doch gestern vergeben. Was habt ihr hier zu suchen?“
Nancy: Okay, lass mich einen Schritt zurückgehen und kurz erklären, was es heißt, vergeben zu haben, denn das ist eine wichtige Frage. Viele sagen: „Ich habe vergeben, aber diese Gefühle sind immer noch da. Was mache ich jetzt damit?“
Wir wollen sicherstellen, dass wir wirklich vergeben haben. Ich ermutige Frauen, zuerst eine Liste von den Menschen zu machen, die ihnen Unrecht getan haben, und von den Dingen, die sie noch mit sich herumtragen und die sie nie losgelassen haben.
- Schreibe also auf, wer sich gegen dich versündigt hat.
- Schreibe daneben, in welcher Weise diese Person gegen dich gesündigt hat. Du kannst ein Blatt Papier nehmen und es in drei Spalten unterteilen. In der linken Spalte stehen die Menschen, die sich gegen dich versündigt haben. In der mittleren Spalte steht, wie sie sich gegen dich versündigt haben.
- In der dritten Spalte steht, wie du auf diese Person, diese Situation, dieses Vergehen reagiert hast.
Vielleicht fragst du dich: „Wie ich reagiert habe? Was meinst du damit?“
- Hast du diese Person geliebt?
- Hast du für sie gebetet?
- Hast du ihr Gutes getan, so wie Jesus es uns in der Bergpredigt sagt? (Matthäus 5)
Oder,
- hast du dieser Person Liebe verweigert?
- Hast du vor deinen Kindern schlecht über den Ex-Partner gesprochen?
- Hast du versucht, diese Person in einem schlechten Licht dastehen zu lassen?
- Hast du dich von ihr zurückgezogen?
- Wie hast du reagiert?
Du musst sicherstellen, dass dein Gewissen rein ist, bevor du wirklich vergeben kannst – und erst recht, bevor du mitwirken kannst, dass der Täter wiederhergestellt wird. Ich muss darauf achten, dass mein Gewissen rein ist.
Wenn ich also auf die Sünde dieser Person selbst mit Sünde reagiert habe, dann muss ich das bereinigen. Ich muss es dem Herrn bekennen, ihn um Vergebung bitten und es auch der anderen Person bekennen. Ich möchte hier eine kleine Einschränkung hinzufügen: In manchen Situationen, wo es ein Vergehen gab, wäre es nicht angemessen, den Kontakt zu dieser Person wieder aufzunehmen.
Aber wo das nicht der Fall ist, geh zu der Person und sag: „Ich habe gegen dich gesündigt.“ Schieb die Schuld nicht auf jemand anders. Geh einfach hin und übernimm die Verantwortung für deinen Teil. Wir alle neigen dazu, wirklich wir alle, zu denken: „Aber ich war doch nur zu fünf Prozent Schuld!“
Okay. Angenommen, du trägst wirklich nur fünf Prozent der Verantwortung. Dann übernimm für diese fünf Prozent 100% Verantwortung. Wenn dein Gewissen rein ist, kannst du die Namen auf deiner Liste einen nach dem anderen durchgehen und die Löschtaste drücken.
Lisa: Können wir noch einmal kurz auf die Gefühle zurückkommen, mit denen ich nicht weiß, was ich machen soll? Es überrascht mich, dass sie überhaupt da sind, weil ich wirklich glaube, dass ich dieser Person vergeben habe. Aber jedes Mal, wenn ich an sie denke, zieht sich mein Magen zusammen und ich versuche mir einzureden, dass ich wirklich vergeben habe. Erklär mir, warum ich diese Gefühle immer noch habe und warum sie nicht verschwunden sind.
Nancy: Ich denke, dafür gibt es ein paar Gründe, Lisa. Zunächst einmal müssen wir uns bewusst machen, dass Vergebung eine Glaubensentscheidung ist. Meine Gefühle können dabei anfangs eine Rolle spielen – oder auch nicht. Es kann auch einfach eine Weile dauern, bis sie nachziehen.
Wenn ich mich nicht so fühle, als hätte ich vergeben, heißt das nicht unbedingt, dass ich nicht vergeben habe. Mit der Zeit werden auch die Gefühle nachziehen.
Ich glaube aber auch, dass es Menschen gibt, die wirklich aufrichtig vergeben haben – aber die Schrift zeigt uns noch einen weiteren Schritt, den wir gehen sollen. In Römer 12,17 und 19, sagt Paulus: „Vergeltet nicht Böses mit Bösem.“
Und er fährt fort: „Rächt euch nicht. Das ist Gottes Aufgabe. Überlasst es Gottes Zorn, denn es steht geschrieben: ‚Die Rache ist mein. Ich werde vergelten, spricht der Herr‘“ (Umschreibung).
Wir stimmen also zu: „Gut, das mache ich nicht.“ Aber dann fährt Paulus in Vers 20 fort: „Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken (LUT).“ Was meint er damit?
Wenn dein Feind gegen dich gesündigt hat, zeigt das, dass er einen Mangel hat. Was für einen Mangel? Wenn du wirklich in deinem Herzen frei sein willst, reicht es meiner Erfahrung nach nicht aus, nur den ersten Schritt zu gehen – also die Löschtaste zu drücken, die Gefängnistür zu öffnen und den Gefangenen frei zu lassen, den Täter loszulassen.
Ich muss noch einen Schritt weitergehen und herausfinden, was dieser Person fehlt. Denn ganz oft ist es so, dass verletzte Menschen andere verletzen.
Man sagt ja, das gefährlichste Tier im Wald ist ein verletztes Tier. Manchmal hilft es, zu erkennen, dass die Eltern dieser Person vielleicht nicht wussten, wie man Liebe zeigt. Oder sie haben ihr einfach keine Liebe erwiesen, oder sie haben sie ständig abgelehnt oder kritisiert.
Wenn man zurückblickt, stellt man vielleicht fest, dass diese Person vielleicht nie Bestätigung und Segen von ihren Eltern erfahren hat. Das entschuldigt sie nicht, und es entschuldigt auch uns nicht. Wir alle haben uns für unser eigenes Handeln zu verantworten. Aber dieser Elternteil, dieser Partner, dieser Sohn und diese Tochter, dieser Nachbar schreit vielleicht innerlich nach jemandem, der seine Wunden sieht und ihm hilft.
Man merkt das daran, dass diese Person sich wie ein verletztes Tier verhält – sie wird gefährlich. Anstatt uns zu wehren oder zu kontern, lassen wir sie darum los. Wir vergeben ihr und fragen: „Herr, wie kann ich dieser Person in ihrer Not dienen?“
Wenn wir Böses mit Gutem vergelten, werden wir selbst frei. Letztendlich geht es darum, Brücken der Liebe zu bauen. Wenn du sonst nichts tun kannst, bete für die Person, die dir so viel Leid angetan hat. Ich kann niemanden hassen, für den ich bete.
Bete also, bis Gott dein Herz frei macht. Tue Gutes. Investiere in die Person. Baue Brücken. Versuche, wenn möglich, dich zu versöhnen und die Beziehung wiederherzustellen.
Lisa: Nancy, ich weiß, dass wir manchmal am besten lernen, wenn wir sehen, wie jemand in seinem Leben das umsetzt, was wir lernen wollen. Fällt dir vielleicht ein Beispiel ein, wo jemand genau das getan hat, worüber du sprichst, und wie das allen Beteiligten zum Besten gedient hat?
Nancy: Vielen unserer Zuhörerinnen ist der Name Elisabeth Elliot bekannt. Sie hatte viele Jahre lang das Radioprogramm Gateway to Joy – Tor zur Freude. Sie hatte einen wunderbaren Dienst und hat durch ihre Bücher und Vorträge das Leben so vieler unserer Zuhörerinnen geprägt.
Die meisten kennen die Geschichte, wie im Jahr 1956 ihr Mann zusammen mit vier anderen Missionaren von den Auca-Indianern getötet wurde und wie Elisabeth und die anderen Witwen beschlossen, zu vergeben und Gnade zu schenken.
Tatsächlich gingen Elisabeth und die Schwester eines der ermordeten Missionare später in den Stamm zurück, der die Missionare ermordet hatte, und dienten den Menschen und brachten ihnen das Evangelium.
Das ist eine unglaubliche Geschichte von Gnade und Vergebung. Aber ich habe vor einigen Jahren, zum 50. Jahrestag des Märtyrertodes der Missionare, noch etwas mehr von dieser Geschichte erfahren. Ich hatte damals die Gelegenheit, Steve Saint zu interviewen, den Sohn eines der getöteten Missionare.
Steve war beim Tod seines Vaters erst fünf Jahre alt und hatte nicht viele Erinnerungen an die Zeit. Aber er wurde älter und ihm wurde bewusst, was passiert war. Ich fragte ihn: „Warst du jemals verbittert oder wütend auf diejenigen, die deinem Vater das angetan haben?“
Er sagte: „Weißt du, damit hatte ich nie wirklich zu kämpfen, weil ich gesehen habe, wie meine Mutter und die anderen vier Witwen, darunter Elisabeth Elliot, darauf reagiert haben.“
Sie ließen nie eine Wurzel der Bitterkeit aufkommen, sie stellten nie Gottes Souveränität oder Weisheit in dieser Sache in Frage oder zweifelten sie an, sondern sie waren Frauen voller Gnade und Vergebung – all das hatte eine solche Auswirkung auf den Jungen. Als er dann ein junger Mann wurde, wurde sein Leben vor Bitterkeit und Wut bewahrt, weil er gesehen hatte, wie Gott seiner Mutter und den anderen Witwen die Kraft gab, zu vergeben.
Was Steve durch das Beispiel dieser Frauen lernte, half ihm nicht nur, mit dem Tod seines Vaters umzugehen. Er erzählte auch von Ereignissen und leidvollen Erfahrungen in seinem Leben als erwachsener Mann, wo er bewahrt worden war, bitter zu werden, weil er das Beispiel seiner Mutter und dieser anderen Frauen vor Augen hatte.
Diese Geschichte zu hören hat mich so berührt, und ich dachte: „Eigentlich funktioniert das Ganze in beide Richtungen. Menschen, die Bitterkeit wählen – wobei man sie gar nicht bewusst wählt, sondern da ziemlich leicht hineingerät – diese Menschen sind sich oft nicht bewusst, welche Saat sie in das Leben ihrer Kinder und Enkel säen.
Unsere Kinder und Enkel bemerken, wie wir reagieren, wenn uns Unrecht getan wird. Und wenn wir mit Bitterkeit reagieren, säen wir diese Saat in das Leben der nächsten Generation.
Wenn du deine Kinder davor bewahren willst, zu verbitterten, wütenden, feindseligen, verstörten Männern und Frauen heranzuwachsen, dann ziehe in Betracht, dass deine Kinder genau beobachten, wie du mit Verletzungen in deinem Leben umgehst.
Ich denke da an eine Freundin mit zwei Kindern im jungen Erwachsenenalter. Ihr Mann war lange ein hingegebener, gläubiger Vater und Ehemann gewesen, doch er machte einige Kompromisse und hatte am Ende eine außereheliche Beziehung.
Es war eine furchtbare Situation. Und das war nicht nur eine kurze Phase, sondern es zog sich über einen längeren Zeitraum hin. Ich habe miterlebt, wie diese Mutter, die selbst unbeschreiblich litt, zu Christus ging und sagte: „Herr, du hast mir so viel vergeben. Wie könnte ich meinem Mann nicht vergeben, selbst wenn er noch nicht bereit ist, Buße zu tun? Ich übergebe ihn dir.“
Nun, sie war schon ehrlich mit ihm. Sie tat nicht so, als würde ihr das alles nichts ausmachen nach dem Motto: „Mach ruhig weiter und bring deine Freundin mit nach Hause.“ Sie musste einige Dinge sagen, wo sie sehr offen und direkt war. Sie mussten den Prozess der Gemeindezucht durchlaufen.
Gott hat Mittel gegeben, solch einer Situation zu begegnen. Aber sie wollte keine Wurzel der Bitterkeit in ihrem Herzen aufwachsen lassen. Ich habe beobachtet, wie Gott ihre Kinder bewahrte und sie inmitten dieses schrecklichen Vorgangs vollzeitlich in christliche Dienste berufen wurden.
Ich habe gesehen, wie ihre Kinder in der Gnade wuchsen. Und wenn du sie fragst, würden sie dir sagen: „Das liegt daran, dass wir sahen, wie Mama mit dieser Situation umging.“ Vergebung hat eine unglaubliche Kraft.
Lisa: Nancy, ich fühle mich gerade wie die Jünger, als sie zu Jesus sagten: „Das ist eine harte Rede!“ Kann ich das auch? Ist es mir möglich, das zu tun, was du sagst? Steckt das wirklich in mir?
Nancy: Weißt du, wenn du kein Gotteskind bist und Gottes Vergebung für deine Sünden nie erfahren hast, dann fehlt dir tatsächlich das, was du brauchst, um anderen mit Gnade und Vergebung zu begegnen.
Wenn du aber ein Kind Gottes bist, wenn du Gottes Gnade und Vergebung empfangen hast, dann wird die Gnade, die Gott in dich ausgegossen hat, von dir zu anderen fließen.
Die Antwort lautet also: Nein, wir können es nicht aus uns heraus. Aber ja, Gott kann, und er ist in uns. Christus ist in uns. Seine Gnade und Barmherzigkeit sind in uns. Er fordert nicht, dass wir das aus uns heraus tun. Wir haben nicht die Mittel, um zu vergeben, aber Gott schon.
Wir müssen also sagen: „Herr Jesus, ich kann das nicht, aber du kannst es. Du lebst in mir. Bitte vergib du durch mich. Bitte gieß deine Gnade in mein Leben. So wie du mir vergeben hast, so lass mich bitte auch die Gnade haben, dieser Person zu vergeben.“
Es ist nicht natürlich. Es ist übernatürlich. Aber wir haben einen übernatürlichen Christus, der in uns lebt.
Lea: Ohne Gottes Geist, der in dir wirkt, kannst du nicht vergeben. Nancy ist gleich zurück, um mit uns zu beten
Eben hat sie sich mit ihrer Freundin Lisa über das Buch Das Tor zur Freiheit unterhalten. Dieses Buch führt dich durch den Prozess der Vergebung und hilft dir, die starken, aufgewühlten Gefühle zu beruhigen, die immer wieder hochkommen, wenn du an diese Situation denkst, die du so schwer vergeben kannst.
Weitere Informationen zu diesem Buch findest du unter www.belebeunsereherzen.com.
Diese Woche haben wir über den Zusammenhang zwischen Erweckung und Vergebung gesprochen. Nächste Woche geht es darum, wie Erweckung unsere sexuelle Reinheit beeinflusst.
Lasst uns jetzt zum Abschluss dieser Woche mit Nancy beten, dass wir vergebungsbereite Herzen haben.
Nancy: O Herr, ich rufe jetzt zu Dir für all die Zuhörerinnen, die in ihrem Leben immense Probleme, immense Verletzungen, immense Enttäuschungen und immensen Schmerz haben. Und manche von ihnen sind schon seit vielen Jahren in diesen Umständen, in Bitterkeit und Unversöhnlichkeit gefangen.
Herr, ich glaube, es ist kein Zufall, dass sie heute diese Sendung hören. Du hast Hoffnung für sie. Du hast einen Ausweg. Es gibt einen Weg in die Freiheit, und er ist für sie da.
Herr, bitte hilf diesen Frauen, bitte heile sie. Erinnere uns daran, wie viel uns vergeben wurde. Bitte erinnere uns daran, dass wir deine Gnade und Vergebung überhaupt nicht verdient haben.
Herr, bitte gib den zitternden, unsicheren Herzen Mut, einfach loszulassen und zu sagen: „Herr, ich vergebe. Ich vergebe. Vergib mir meine Bitterkeit. Vergib mir meine Unversöhnlichkeit und schenke mir bitte auf übernatürliche Weise Deine Gnade und Barmherzigkeit für diejenigen, die gegen mich gesündigt haben.“
Vater, ich danke Dir so sehr für die unglaubliche Gnade, die Du mir erwiesen hast. Danke für Golgatha. Danke für die Vergebung und lass uns als Deine Kinder Kanäle sein, durch die Vergebung und Gnade in das Leben anderer fließen.
Mögen andere an uns sehen, dass das Evangelium wahr ist, so wie wir es ausleben und weil wir anderen vergeben. Ich bete in Jesu Namen und um seinetwillen, Amen.
Belebe unsere Herzen ist Teil von Revive Our Hearts Ministries.
Wenn nichts anderes erwähnt wird, sind die Bibeltexte der Schlachter Übersetzung
© 2000 Genfer Bibelgesellschaft entnommen.