Dannah Gresh: Ist dir das Bibellesen schon mal langweilig vorgekommen? Kelly Needham sagt: Alle Teile der Schrift – selbst die, die auf den ersten Blick langweilig wirken – haben ihren Sinn.
Kelly Needham: Gerade in diesen langen Abschnitten und in den scheinbar eintönigen Dingen haben wir die Möglichkeit, auf lange Sicht eine Schatzsuche zu beginnen – in der Schrift.
Dannah: Willkommen bei Belebe unsere Herzen mit Nancy DeMoss Wolgemuth, gesprochen von Annette Schorre. Nancy ist Co-Autorin von „Neu belebt von Ihm - Seeking Him“.
Ich bin Dannah Gresh. Nein, nicht wirklich. Mein Name ist Sabine Ross, und ich spreche die Rolle von Dannah.
Nancy, wir sind hier bei Belebe unsere Herzen in einer Sendereihe, in der wir Frauen einladen, ins Wort zu gehen. Oft betonen wir dieses Thema gerade im Januar, weil es so eine wunderbare Möglichkeit ist, gut ins neue Jahr zu starten. Natürlich …
Dannah Gresh: Ist dir das Bibellesen schon mal langweilig vorgekommen? Kelly Needham sagt: Alle Teile der Schrift – selbst die, die auf den ersten Blick langweilig wirken – haben ihren Sinn.
Kelly Needham: Gerade in diesen langen Abschnitten und in den scheinbar eintönigen Dingen haben wir die Möglichkeit, auf lange Sicht eine Schatzsuche zu beginnen – in der Schrift.
Dannah: Willkommen bei Belebe unsere Herzen mit Nancy DeMoss Wolgemuth, gesprochen von Annette Schorre. Nancy ist Co-Autorin von „Neu belebt von Ihm - Seeking Him“.
Ich bin Dannah Gresh. Nein, nicht wirklich. Mein Name ist Sabine Ross, und ich spreche die Rolle von Dannah.
Nancy, wir sind hier bei Belebe unsere Herzen in einer Sendereihe, in der wir Frauen einladen, ins Wort zu gehen. Oft betonen wir dieses Thema gerade im Januar, weil es so eine wunderbare Möglichkeit ist, gut ins neue Jahr zu starten. Natürlich kann man auch in der zweiten Jahreshälfte oder auch jetzt mit dem Bibellesen beginnen.
Aber wir brauchen diese Erinnerung immer wieder, den Herrn zu suchen und abhängig von seinem Wort zu sein. Genau deshalb reden wir in diesen Wochen darüber, wie wir Gott durch die Schrift besser kennenlernen und ihm mehr vertrauen können.
Nancy DeMoss Wolgemuth: Dannah, ich bin so dankbar für deine Liebe zu Gottes Wort – und dass wir hier das Vorrecht haben, dieses Wort mit unseren Hörerinnen zu teilen. Aber du weißt, es reicht nicht, wenn Menschen nur zuhören, wenn wir das Wort Gottes weitergeben.
Die eigentliche Freude ist es doch, selbst ins Wort einzutauchen, den Reichtum der Schrift zu erforschen, sich ihn persönlich zu eigen zu machen – und Gott durch sein Wort zu erkennen! Ich bin sehr dankbar für Kelly Needham, dass du gekommen bist und hier mit uns über die Liebe zu Gottes Wort sprichst. Darüber, wie man ins Wort geht – und wie das Wort einen durchdringen kann. Danke, Kelly, dass du hier bei Belebe unsere Herzen wieder dabei bist.
Kelly: Es ist mir eine Freude!
Dannah: Kelly gestaltet diese Sendereihe mit uns gemeinsam. Sie hilft uns, eine neue Liebe für Gottes Wort zu entwickeln. Sie hat in zwei verschiedenen Gemeinden mitgearbeitet, unter anderem mit Jugendlichen, Studenten und im Frauendienst. Und ganz gleich, ob sie spricht oder schreibt – sie liebt es, Menschen zu helfen, Jesus noch mehr liebzugewinnen. Sie ist überzeugt, dass wir ihn durch die Bibel kennenlernen.
Nancy: Und ich möchte noch ergänzen: Kelly ist verheiratet mit Jimmy Needham. Vielleicht ist er bekannt als Sänger und Songschreiber. Du hast also kleine Kinder, und deine Tage sind ziemlich ausgefüllt! Dein Mann ist bei einer Gemeinde beschäftigt, ihr beide seid aktiv in eurer Ortsgemeinde.
Heute wollen wir über einige Hindernisse sprechen, die es einem schwer machen können, ins Wort zu gehen. Ich denke, es gibt manche Dinge, die wir alle kennen – und die wir auch von anderen hören. Ein Hindernis lautet: „Ich habe einfach keine Zeit!“
Ich glaube, es gibt niemanden, der diesen Gedanken nicht schon einmal gehabt hat. Also, sprich mit uns darüber, Kelly: Wie gehst du mit diesem Hindernis um, einfach keine Zeit zu haben, wenn es darum geht, das Wort Gottes zu lesen?
Kelly: Ich glaube, das ist etwas, das wir in jeder Lebensphase spüren werden. Wenn du also darauf wartest, dass irgendwann eine Phase kommt, in der du dieses Gefühl nicht mehr hast – die kommt nicht! Es wird immer etwas Neues geben, das deine jetzige Geschäftigkeit ersetzt.
Ich denke, die ehrlichere Aussage als „Ich habe keine Zeit“ wäre: „Ich nehme mir keine Zeit.“ Wir nehmen uns Zeit für alles, was uns wichtig ist. Wir nehmen uns Zeit, so einzukaufen, wie wir wollen. Wir nehmen uns Zeit für soziale Medien.
Wenn dich etwas überführt und dir zeigt, dass du sehr wohl Zeit hast, ins Wort zu gehen, dann schau dir einfach einmal deine Bildschirmzeit an. Du weißt, wie unsere Handys uns am Ende der Woche anzeigen: „So viele Stunden warst du am Handy.“ Wir haben die Zeit – aber oft vergeuden wir sie auf andere Weise.
Als Mama stehe ich oft vor der Herausforderung – und ich weiß, viele meiner Freundinnen mit kleinen Kindern zu Hause genauso –, dass ich mir wünsche, meine Bibel in einer bestimmten Umgebung zu lesen: Allein und in Ruhe.
Aber, wenn ich ehrlich bin, das habe ich so gut wie nie. Allein und still – das gibt es kaum. Das bedeutet nicht, dass ich meine Bibel nicht lesen kann, nur weil ich diese Art von Zeit nicht habe. Viel von meinem Bibellesen geschieht heute mit kleinen Kindern um mich herum – und ja, ich werde unterbrochen.
Manchmal muss ich ihnen sagen: „Mama betet gerade. Ich brauche jetzt einen Moment für mich.“ Manchmal klappt das, manchmal auch nicht. Aber ich glaube wirklich: Wir haben die Zeit. Vielleicht nicht die Art von Zeit, die wir uns wünschen, und vielleicht nicht wann und wo wir wollen – aber sie ist da.
Wir müssen uns nur entscheiden, sie zu ergreifen – und im Glauben und Vertrauen unsere Zeit in das zu investieren, was wirklich zählt: „Das ist wichtig, auch wenn es sich im Moment nicht wichtig anfühlt.“
Dannah: Es kommt also ganz darauf an, wie du deine Prioritäten setzt.
Kelly: Genau.
Dannah: Ich habe neulich gelesen, wie viele Stunden man investieren muss, um Experte in einer Sache zu werden – etwa zwanzig Stunden pro Woche.
Und dann habe ich mir angesehen, womit der Durchschnittsamerikaner zwanzig Stunden pro Woche verbringt. An zwei Dinge erinnere ich mich besonders gut – das eine war Social Media. Tatsächlich liegt der Durchschnitt bei zwanzig Stunden pro Woche in den sozialen Medien! Manche verbringen zehn oder zwölf Stunden damit, andere vierzig, aber zwanzig Stunden ist der Mittelwert.
Und das andere: Wir verbringen auch ungefähr zwanzig Stunden pro Woche mit der Planung von Mahlzeiten – und steigern uns da richtig hinein. Wir überlegen, was es geben soll, suchen Rezepte raus und stellen Menüs zusammen …
Und dann fällt uns auf: Wow, wenn ich nur diese beiden Dinge nehme und jeden Tag ein bisschen von dieser Zeit abzweige, um mich mit Gottes Wort zu befassen – was für einen Unterschied würde das in meinem Leben machen!
Nancy: Ich habe festgestellt, dass ich Gottes Wort auch auf kreative Weise in meinen Alltag hineinholen kann, während ich zugleich andere Dinge erledige. Natürlich braucht man auch Zeiten, in denen man sich voll auf Gottes Wort konzentriert. Aber ich liebe zum Beispiel meine Bibel-App. Es gibt Apps, in denen man sich die Bibel vorlesen lassen kann.
Ich höre sie mir an, wenn ich abends nicht einschlafen kann, oder wenn ich mitten in der Nacht wach liege. Oder wenn ich mir die Haare mache oder mich schminke. Nicht jeden Tag, aber oft lasse ich mir die Schrift einfach vorlesen. So bekomme ich große Portionen von Gottes Wort in mein Herz, auch in Momenten, in denen ich meinen Kopf nicht so sehr für das brauche, was ich gerade tue – und so nutze ich diese Zeit.
Dannah: Also, Nancy, ich höre diesen Podcast meistens, wenn ich mit dem Hund rausgehe – also ziemlich regelmäßig! Und auch noch andere Podcasts.
Und so verbinde ich zwei Dinge miteinander: Der Hund braucht Bewegung – ich schließlich auch – und meine Seele muss durch das Wort Gottes bewegt werden. Ich denke, was wir mit all dem sagen wollen ist, dass man sich bewusst dafür entscheiden muss, das Wort Gottes zu einer Priorität in seinem Leben zu machen.
Nancy: Ich glaube, viele würden öfter ins Wort gehen, wenn sie nicht das Gefühl hätten, dass die Bibel einfach langweilig ist, uninteressant, sie bringt einem einfach keinen Spaß so wie Social Media. Sie würden das vielleicht nicht laut sagen, aber denkst du nicht auch, dass viele im Herzen so empfinden? „Das ist nicht so spannend, nicht so fesselnd, nicht so …“ – was ist es nur, was die Nachrichten und die sozialen Medien so reizvoll macht?
Oder dieses Hindernis: „Kann ich nicht einfach Andachten lesen? Die tun mir gut, mehr als wenn ich einfach die Bibel lese.“ Hilf uns da bitte weiter, Kelly.
Kelly: Ja, ich denke, hier sprechen wir tatsächlich über zwei verschiedene Hindernisse. Das eine ist: Die Bibel bringt uns keine neuen Informationen. Sie ist lebendig, wirksam und heute relevant – sie spricht immer wieder auf frische Weise. Aber sie ist nicht brandneu.
Die Nachrichten oder die sozialen Medien dagegen enthalten immer neue Informationen, ständig kommt etwas dazu. Und wir spüren dieses Drängen: „Da ist noch etwas, was ich nicht weiß! Ich muss das alles mitbekommen!“
Dann haben wir den Eindruck: „Warum sollte ich meine Zeit mit diesen alten Dingen verbringen und dabei das verpassen, was gerade aktuell läuft?“
Aber in Wirklichkeit ist es genau umgekehrt: Wenn wir in die zeitlosen Wahrheiten von Gottes Wort eintauchen, gewinnen wir viel mehr Weisheit, um die Nachrichten zu verstehen und wirklich zu verarbeiten – und zwar auf eine gesunde Weise!
In 2.Timotheus 3,16+17 heißt es, dass die Schrift zwar nicht brandneu sein mag, aber sie ist von Gott eingehaucht und uns gegeben, damit wir zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet sind. Sie rüstet uns auf eine wirklich wichtige Weise für unser Leben heute aus. Genau das brauchen wir.
Das ist also das eine Hindernis: Wir müssen glauben, was Gott über sein Wort sagt – und dann entsprechend handeln, indem wir Zeit darin verbringen, auch wenn es noch so verlockend ist, sich einfach von dem endlosen Strom neuer Informationen auf unseren Handys mitreißen zu lassen.
Das andere Hindernis, Nancy, das du angesprochen hast, ist: „Warum kann ich nicht einfach ein Andachtsbuch lesen? Warum soll ich mich mit all diesen Bibelstellen beschäftigen, die so veraltet wirken?“ Ob es nun die alttestamentlichen Gesetze sind, von denen wir wissen, dass Christus sie erfüllt hat – „Warum soll ich den alten Bund und die alten Gesetze kennen? Warum soll ich die Geschlechtsregister lesen? Warum kann ich mir diese Mühe nicht einfach ersparen?“
Dazu würde ich sagen: Die Bibel selbst zu lesen – und zwar die ganze von Gott eingegebene Schrift – ist ein Schutz für uns. Es hilft uns, Gottes Wort selbst zu kennen. Es gibt unzählige Andachten, die Gottes Wort auf eine Weise anwenden, die nicht richtig ist.
Sogar Satan hat Gottes Wort benutzt, als er Jesus in der Wüste versuchte, um ihn zum Ungehorsam zu verleiten. Es gibt viele solche Beispiele. Aber wenn wir die Schrift selbst lesen, dann ist sie ein Schutz für uns. Wir werden vertraut mit dem Original – und so können wir unterscheiden, wenn etwas nicht stimmt.
Und noch etwas: Gerade in diesen langen Abschnitten und in den scheinbar langweiligen Teilen haben wir die Möglichkeit, diese Schatzsuche auf lange Sicht zu beginnen – so wie Dannah es vor ein paar Tagen gesagt hat. Manchmal lesen wir Dinge, die wir im Moment nicht anwenden oder verstehen können. Aber irgendwann später lesen wir etwas, das Jesus im Neuen Testament sagt oder tut – und plötzlich denken wir: „Moment mal, das erinnert mich doch an das, was Jesus über das Gesetz gesagt hat, als er den Aussätzigen aufforderte: ‚Geh hin, zeige dich dem Priester!‘ – und meine Bibel verweist darauf.
Ich erinnere mich noch dunkel. Vor zwei Jahren habe ich etwas darüber gelesen. Ich gehe zurück und lese es noch einmal!“ Und genau da entdecken wir eine solche Tiefe – zu sehen, was Gott tut, wenn er diesen Aussätzigen zurückschickt.
Es sollte mehr als nur ein Zeugnis für den Priester sein. Die Reinigung eines Aussätzigen, von der du im 3. Buch Mose liest, obwohl sie für uns heute nicht mehr gilt, ist voller tiefer, wunderschöner Bilder. Sie helfen diesem Mann zu erkennen: Er ist nicht nur körperlich geheilt und in seine Gemeinschaft zurückgebracht worden – er ist zu Gott selbst zurückgeführt worden.
Und diese Momente der Verbindung – die brauchen Zeit. Es ist ein langsames, geduldiges Lesen, das sich erst nach Jahren voll auszahlt. Aber es bedeutet zu sagen: „Ich glaube, dass jedes Wort wichtig ist! Ich werde jetzt aufmerksam sein, auch wenn ich die Frucht erst in zwei oder drei Jahren sehe – und ich glaube, dass hier ein Schatz verborgen ist, den ich entdecken möchte.“
Es braucht ein Stück Widerstand gegen diese Sehnsucht nach sofortiger Befriedigung. Andachtsliteratur gibt uns genau das – ein kleines, schnelles Ergebnis. Und ich denke, das ist ab und zu auch in Ordnung. Ich brauche das in meinem Leben ebenfalls. Aber ich brauche genauso die verzögerte Freude, die darin liegt, dass ich sage: „Ich werde die Schrift selbst lesen!“
Und selbst wenn das bedeutet, dass ich meine Bibel wieder schließe und kein kleines Goldstück für meinen Tag mitnehme – dann glaube ich doch, dass Gott in mir wirkt. Denn er hat gesagt, dass sein Wort niemals leer zurückkehrt. Es tut immer, wozu er es gesandt hat (siehe Jesaja 55,11).
Nancy: Ich möchte noch mal auf den Vers zurückkommen, den du gerade aus 2.Timotheus 3 zitiert hast: „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung [Also, alle Schrift ist nützlich! Sie ist nützlich zur Belehrung], zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.“ (Verse 16+17).
Wir wollen oft gleich zu den guten Werken kommen und zu dem vollkommenen Ergebnis. Aber Gott sagt: „Nein, es gibt einen Weg dahin – und du brauchst die ganze Schrift.“ Du brauchst die Geschlechtsregister, du brauchst das Alte Testament, du brauchst das 3. Buch Mose, du brauchst die Aufzählungen.
Die ersten neun Kapitel von 1. Chronik sind alle Geschlechtsregister – Namen an Namen, „Joel, der Sohn des sowieso, der Sohn des sowieso … der zeugte den, und der zeugte den …“ Man kann da leicht steckenbleiben. Oder man nimmt Gott beim Wort: Dass nämlich alle Schrift ihren Platz hat – wie ein wunderschönes Puzzle. Und dieses Ganze ist nützlich. Es ist zu unserem Guten. Es dient zu unserer Gerechtigkeit, dazu, dass wir Christus ähnlich werden. Es hat alles einen Sinn.
Nun, vorhin, als wir vor der Aufnahme noch zusammensaßen, habt ihr beide von Gesprächen mit Frauen, besonders mit jüngeren Frauen, erzählt –, und dass manche sagen: „Wenn ich mich von Gott entfernt fühle, oder wenn meine Seele sich ausgetrocknet anfühlt oder mein Herz hart ist, dann geht es mir durch das Bibellesen oft noch schlechter.“
Und ich habe erwidert: „Sagen Menschen das wirklich!?“ Und ihr beide habt einstimmig gesagt: „Ja, das tun sie.“ Warum, glaubst du, ist das so?
Kelly: Zuerst möchte ich ehrlich sagen: Auch ich habe solche Momente erlebt. Bei mir persönlich war es in einer Zeit von Leid und schweren Prüfungen – besonders durch Spannungen in Beziehungen. Und wir hatten mehrere Fehlgeburten hintereinander.
Da habe ich in Gottes Wort Wahrheiten und Verheißungen gelesen, die ich in meiner Realität nicht einordnen konnte. Und das hat eine Spannung in meine Beziehung zu Gott hineingebracht – man könnte fast sagen, so etwas wie einen Konflikt.
Eigentlich war meine Beziehung zu Gott immer der Ort, zu dem ich lief, um Zuflucht zu finden. Aber auf einmal spürte ich dort eine Spannung, die ich nicht verstand. Es war nicht mehr dasselbe Gefühl von Trost.
Ich denke, besonders in Zeiten tiefen Leidens, wenn Prüfungen über Jahre andauern, wenn man um Dinge betet und es so scheint, als würde Gott nicht nur nicht antworten, sondern sogar das Gegenteil tun – dann kann es sich so anfühlen, als würde das Wort diese Wunde nur noch vergrößern.
Manche erleben es so, als hätte Gott sie verletzt oder enttäuscht. Aber die Wahrheit ist: Gott tut nur Gutes, und er ist gut – wie es in Psalm 119,68 heißt. Aber unsere Erfahrung schreit manchmal: „Gott, Du arbeitest gegen mich!“ Und die Bibel kann in solchen Momenten zu dem Ort werden, wo dieser innere Kampf geschieht. Und darum fühlt es sich nicht immer wie eine Erleichterung an. Ich denke, genau das steckt oft dahinter.
Nancy: Lass mich hier kurz einhaken, Kelly. Während du das erzählst, denke ich an eine Zeit in meinem eigenen Leben zurück. Damals starb der Gründer unseres Dienstes an einem Gehirntumor – nach Monaten des Leids, des Gebets und nach inständigem Flehen vieler zu Gott, dass er sein Leben erhalten möge. Dieser Mann liebte den Herrn, und er hatte dieses wunderbare Werk gegründet!
Ich würde sagen, es war für mich ungefähr ein Jahr lang nach seinem Heimgang wirklich schwer, die Schrift zu lesen. Ich fühlte mich fast verspottet durch die Verheißungen von Gottes Wort – über Gebet, über Glauben, über Gehorsam. Es schien so unfair zu sein!
Es ging nicht nur darum, dass er gestorben war – es war dieses Gefühl: Das, was geschehen war, passt nicht zu dem, was die Bibel sagt. Und so ertappte ich mich dabei, dass ich zu der Zeit von der Schrift weglief, anstatt zu ihr hin. Während du das erzählst, Kelly, kann ich nur sagen: „Ja, das kann ich nachvollziehen, dass es solche Zeiten gibt.“
Kelly: Genau. Und wie du gesagt hast, Nancy – es ist wichtig, sich daran zu erinnern: Wir alle kennen solche Phasen. Aber die Antwort ist nicht, die Bibel zu schließen! Ein Bild, das ich Menschen gerne gebe, um ihnen in solchen schweren Zeiten zu helfen, ist das, was Kinder tun, wenn ihre Eltern etwas tun, das sie nicht verstehen.
Ich erinnere mich, als meine Kinder noch klein waren und Jimmy viel unterwegs war. Er sagte den Kindern oft am Telefon: „Ich komme heute Abend nach Hause!“ Und dann bekam ich eine Nachricht von ihm: „Mein Flug hat Verspätung. Etwas ist schiefgelaufen.“ Und ich musste meinen Kindern sagen: „Papa kommt heute Abend nicht nach Hause.“
Also: Ein Elternteil, dem sie vertrauen, sagt: „Ich komme heute.“ Und dann hören sie: „Nein, doch nicht.“ Und plötzlich stehen sie in dieser Spannung: „Das wurde gesagt, aber das geschieht.“ Was tun Kinder in einem solchen Moment?
Sie suchen deine Nähe – auf die einzige Weise, die sie kennen: Durch Fragen. „Warum?“ „Ich verstehe es nicht.“ „Was ist passiert?“ Und ich erkläre ihnen Dinge, die sie gar nicht verstehen können. Sie begreifen nichts von Flugplänen, vom Wetter und wie das zusammenhängt.
Sie verstehen nicht, warum Papa nicht da ist. Und irgendwann müssen sie mir einfach glauben: Dass ihr Papa die Wahrheit sagt, und ich auch – und dass hier etwas mysteriös bleibt. „Wir lieben euch – vertraut uns einfach.“
Für mich war das die einzige Möglichkeit, Gott in jener schweren Zeit nahe zu sein: Mit meinen Fragen. „Gott, Dein Wort sagt dies – aber in meinem Leben ist es anders, und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll! Also komme ich zu Dir – und die einzige Art, wie ich das kann, ist, dass ich Dir alle meine Fragen bringe.“
Fragen zu Gott zu bringen, ist eine Art, ihm nahe zu sein. Es gibt allerdings eine falsche Art: Anklagend, mit dem Finger auf Gott zu zeigen und sagen: „Du hast das getan!“ Das sollten wir nicht tun. Wir sollten Ehrfurcht vor ihm haben.
Aber wir dürfen sagen: „Ich verstehe es nicht!“ Wir dürfen wie ein Kind zu ihm kommen. Die Psalmen sind voll solcher Fragen. Ich glaube, genau das ist der Weg, wie wir in solchen Zeiten nahe bei Gott bleiben – wenn sein Wort für uns nicht wie ein Trost wirkt, sondern manchmal eher stachelig und schwer. Wir kommen mit unseren Fragen in seine Gegenwart und Nähe.
Nancy: Wenn das Wort uns nur dazu dienen soll, dass wir uns wohlfühlen, dann werden wir manchmal enttäuscht. Was stand da noch in 2. Timotheus 3? Das Wort ist „… nützlich zur Belehrung, zur Überführung und zur Zurechtweisung …“ Autsch! Also sagt das Wort vielleicht: „Du gehst in die falsche Richtung.“ oder „Das war nicht richtig.“ oder „So gefällst du Gott nicht.“ „… zur Erziehung in der Gerechtigkeit.“
Die englische ESV Übersetzung verwendet hier den Ausdruck „Training“ Training in der Gerechtigkeit – das erinnert mich an ein Fitnessstudio, an einen Trainer. Und es kann wirklich harte Arbeit sein, es kann schmerzhaft sein. Wenn es uns also darum geht, dass wir uns nach dem Lesen von Gottes Wort besser fühlen, dann wird das nicht immer direkt der Fall sein.
Dannah: Stimmt. Aber auf lange Sicht ist es gut. Um beim Bild des Trainings zu bleiben: Wenn du falsch trainierst, kannst du dir schaden. Mein Mann hat beim Hanteltraining einmal eine falsche Bewegung gemacht und hat eine bleibende Verletzung davongetragen.
Du willst jemanden an deiner Seite haben, der dir sagt: „So ist es nicht richtig. Lass mich dir zeigen, wie das geht.“ Es macht keinen Spaß, gesagt zu bekommen, dass man etwas besser machen soll – das will man eigentlich nicht hören! Aber auf lange Sicht ist es sehr hilfreich, wenn wir uns darauf einlassen, dass die Schrift uns zurechtweist.
Ehrlich gesagt denke ich, dass ich mich manchmal deshalb unwohl fühle mit der Bibel, weil sie mich überführt! Der Herr sagt mir dann, dass ich etwas bekennen muss. Dann regt sich mein Stolz, und ich will es nicht tun.
Aber genau dann ist nicht der Moment, dich vom Wort Gottes zurückzuziehen. Dann ist es viel mehr angesagt, tiefer hineinzugehen. Wenn du so empfindest, stehst du wahrscheinlich kurz vor einem Durchbruch.
Nancy: Ja, genau. Also zurück zur Frage: „Was ist eigentlich das Ziel?“ Wenn es nicht einfach darum geht, sich kurzfristig besser zu fühlen – warum beschäftigen wir uns dann überhaupt mit der Bibel? Warum studieren wir sie, warum lesen wir sie? Was ist das ultimative Ziel?
Ich liebe es zu puzzeln. Wenn man die Teile am Anfang auf den Tisch schüttet, ist es erst einmal ein chaotischer Haufen. Ohne das Bild auf der Schachtel könnte man das Puzzle nie zusammensetzen. Doch dieses Bild zeigt: „Das ist das, worauf du hinarbeitest. Das ist das Endergebnis. Darum geht es.“
Also – was ist das Bild? Was ist das Ziel? Kelly, hilf uns weiter. Warum sollen wir in Gottes Wort eintauchen und das Bibellesen zur Gewohnheit machen – nicht nur für dreißig Tage, sondern das ganze Jahr und für den Rest des Lebens?
Kelly: Das Ziel ist: Wir lesen die Schrift, um Freundschaft mit Gott zu pflegen. Wir haben die Möglichkeit, den Herrn des Universums kennenzulernen, den Schöpfer des Himmels und der Erde – den, für den unsere Seelen geschaffen wurden! Wir graben in seinem Wort, um ihn zu erkennen.
Viele von uns sind so geprägt worden, dass wir die Bibel vor allem als ein Buch über uns und über das, was wir tun sollen, sehen. Ja, sie spricht zu uns, und sie gibt uns Anweisungen. Aber in erster Linie ist es ein Buch über Gott – darüber, wer er ist und was er getan hat.
Unsere Liebe zu irgendeinem Menschen beginnt mit Informationen. Wir stellen Fragen, wenn wir anfangen, jemanden kennenzulernen – auch beim ersten Date. „Wo bist du aufgewachsen? Was ist deine Lieblingsfarbe? Wofür interessierst du dich? Was magst du? Was nicht?“ All diese kleinen Fakten malen ein Bild vom Charakter einer Person, die wir irgendwann lieben lernen.
So ist es auch mit der Bibel. Wir lesen, um all diese Wahrheiten über Gott zu erfahren – wer er ist, wie er sich offenbart hat, was er getan hat, was er tun wird, was er liebt und was er nicht liebt.
Wenn ich nicht nur lese, um ein besserer Christ zu werden, sondern mit der Haltung: „Herr, ich will Dich kennenlernen!“ – bin ich immer wieder überwältigt von dem, was ich entdecke. Ich meine, einem bleibt der Mund offen stehen, so atemberaubend schön ist es, den Charakter Gottes in der Schrift zu sehen!
Das macht den größten Unterschied. Jesus macht es sehr klar: Die Schrift zeigt letztlich auf ihn. In Johannes 5,39+40 sagt er zu den Pharisäern, den religiösen Führern seiner Zeit:
„Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen das ewige Leben zu haben; und sie sind es, die von mir Zeugnis geben. Und doch wollt ihr nicht zu mir kommen, um das Leben zu empfangen.“
Jesus selbst macht deutlich: Das Leben selbst liegt nicht in den Seiten der Bibel – sondern in ihm. Die Schrift weist uns zu ihm hin.
Wir müssen den Schritt gehen: Ihn im Wort kennenlernen, dann im Gebet zu ihm kommen, Gemeinschaft mit ihm haben – und aus dem leben, was wir in der Schrift über ihn erkannt haben.
Nancy: Also ist das Ziel nicht einfach, uns in Gottes Wort sehr gut auszukennen. Das ist zwar schön – es ist wunderbar, wenn wir das erreichen. Zur Zeit Jesu gab es viele Gelehrte, die das Alte Testament in- und auswendig kannten. Aber sie erkannten Jesus nicht, als er kam – obwohl er die Erfüllung all dessen war, was sie ihr Leben lang studiert hatten.
Was für eine Tragödie das damals war! – Und was für eine Tragödie ist es heute, wenn wir Experten in Sachen Bibel werden, Diskussionen und Streitgespräche führen können, auf Social Media etwas zu diesem oder jenem Abschnitt posten – aber es ist nicht die Frucht des Geistes. Wenn wir Gott nicht lieben, unseren Nächsten nicht lieben, und am Ende – Jesus gar nicht wirklich kennen.
Beim Bibellesen geht es also nicht um eine akademische Übung. Es geht darum, Gott zu erkennen – und seine Schönheit, Herrlichkeit und Gnade in dieser Welt widerzuspiegeln. Sein Wort wird dich segnen, es wird dich stärken, ermutigen, unterweisen; und es wird dich verändern. Aber vielleicht ist das Größte von allem: Es wird dir helfen, in deiner Liebesbeziehung zu Jesus zu wachsen!
Du kannst als erstes zu Jesus sagen: „Herr, ich will Dich erkennen; ich will Dich sehen. Öffne mir die Augen, damit ich die Wunder in Deinem Gesetz erkenne.“ (vgl. Psalm 119,18). „Gib mir Einsicht, damit ich Dein Gesetz bewahre und es mit ganzem Herzen befolge.“ (vgl. Psalm 119,34). Oder: „Zeige mir, Herr, Deine Wege und lehre mich Deine Pfade! Führe mich in Deiner Wahrheit und lehre mich. Denn Du bist der Gott meines Heils, auf Dich hoffe ich den ganzen Tag.“ (vgl. Psalm 25,4).
Dies sind einige der Verse, die ich über die Jahre hinweg sehr oft gebetet habe – Hunderte Male, vielleicht Tausende Male – wenn ich morgens die Bibel aufgeschlagen habe.
Mein Gebet lautet dann: „Herr, ich will Dich erkennen. Und ich möchte, dass Du mich kennst! Erforsche mein Herz, zeige mir, was ich selbst nicht sehe – aber vor allem: Öffne mir die Augen und zeige mir Dich selbst!“
Danke, Kelly, dass du heute bei uns warst. Danke für deine Liebe zu Gottes Wort. Danke, dass du uns inspiriert und ermutigt hast, den Herrn zu erkennen und ihn zu lieben.
Dannah: Also ich habe auf jeden Fall neue Anregungen bekommen und hoffe, dass auch du es kaum erwarten kannst, deine Bibel aufzuschlagen, um Gott besser kennenzulernen!
Wenn du nach praktischen Hilfen suchst, die dich in deinem Studium von Gottes Wort unterstützen, wirst du bei Belebe unsere Herzen fündig. Wir bieten dir eine Vielzahl von Möglichkeiten, darunter Podcasts, Bücher und Bibelkurse! Stöber doch einfach mal auf unserer Website www.belebeunsereherzen.com. Natürlich findest du dort und unter dem Transkript zu dieser Sendung auch die PDF-Datei von Kelly Needham zum Bibellesen. Sie trägt den Titel: „Bibelstudium - Warum, was, wie und wer?“.
Wir freuen uns, wenn du die Arbeit von Belebe unsere Herzen unterstützen möchtest. Besonders natürlich, wenn du für uns betest, aber auch, wenn du deinen Freunden von uns erzählst und unsere Materialien weitergibst. Du kannst aber auch eine Spende machen. So trägst du auf vielfache Weise dazu bei, dass Frauen Freiheit, Fülle und Frucht in Christus erfahren. Näheres dazu findest du ebenfalls auf unserer Website.
Und worum geht es nächste Woche im Podcast?
„Heaven Rules“ – der Himmel herrscht! Diese Worte stammen aus dem biblischen Buch Daniel. Nancy erklärt im ersten Teil ihres Vortrags von der True Woman-Konferenz 2022, wie dieser kleine Satz unsere Sicht auf unsere Lebensumstände grundlegend verändern kann.
Ich lade dich herzlich ein, dich uns nächste Woche wieder anzuschließen, wenn es heißt: „Heaven Rules“ – der Himmel herrscht!
Belebe unsere Herzen ist Teil von Revive Our Hearts Ministries.
Wenn nichts anderes erwähnt wird, sind die Bibeltexte der Schlachter Übersetzung © 2000 Genfer Bibelgesellschaft entnommen.