Esther Zemp: Nancy DeMoss Wolgemuth macht deutlich: Als Gott sein Volk mit der Zerstörung Jerichos beauftragte, entschied er sich dafür, eine Prostituierte zu retten.
Nancy DeMoss Wolgemuth: Nun, Gott hat nicht etwa vom Himmel herab auf Jericho geblickt und gesagt: „Oh, da ist eine gute Frau – die möchte ich retten, bevor ich die Stadt richte.“ Ist es nicht erstaunlich, dass Gott den Samen des Glaubens und der Gnade ausgerechnet in das Herz einer Frau legte, die eine Versagerin war, die ausgestoßen, verachtet und nicht edel war – die sich auf der sozialen und moralischen Skala ganz am unteren Ende befand? Doch Gott sagte: „Diese Frau will ich retten.“
Esther: Hier ist Belebe unsere Herzen mit Nancy DeMoss Wolgemuth, Autorin von Hingabe: Regiert von Gott, gesprochen von Annette Schorre.
Wenn du dich jemals wie eine Versagerin gefühlt hast, dann kannst du jetzt Hoffnung …
Esther Zemp: Nancy DeMoss Wolgemuth macht deutlich: Als Gott sein Volk mit der Zerstörung Jerichos beauftragte, entschied er sich dafür, eine Prostituierte zu retten.
Nancy DeMoss Wolgemuth: Nun, Gott hat nicht etwa vom Himmel herab auf Jericho geblickt und gesagt: „Oh, da ist eine gute Frau – die möchte ich retten, bevor ich die Stadt richte.“ Ist es nicht erstaunlich, dass Gott den Samen des Glaubens und der Gnade ausgerechnet in das Herz einer Frau legte, die eine Versagerin war, die ausgestoßen, verachtet und nicht edel war – die sich auf der sozialen und moralischen Skala ganz am unteren Ende befand? Doch Gott sagte: „Diese Frau will ich retten.“
Esther: Hier ist Belebe unsere Herzen mit Nancy DeMoss Wolgemuth, Autorin von Hingabe: Regiert von Gott, gesprochen von Annette Schorre.
Wenn du dich jemals wie eine Versagerin gefühlt hast, dann kannst du jetzt Hoffnung schöpfen, denn wir schauen uns heute das Leben einer ganz unkonventionellen biblischen Heldin an.
Wir beginnen heute eine Sendereihe mit dem Titel „Rahab: Wir folgen dem roten Faden der Erlösung“. Für weiteres Material für diese Reihe, schau auf unsere Webseite BelebeunsereHerzen.com.
Jetzt hören wir Nancy.
Nancy: In den Achtziger Jahren war ich leitende Produzentin einer einstündigen Fernsehsendung zur Hauptsendezeit, die überall in den USA ausgestrahlt wurde. Sie trug den Titel America, You're Too Young to Die – „Amerika, du bist zu jung, um zu sterben“. In dieser Sendung gab es nachgestellte historische Szenen; und dafür brauchten wir einige Schauspieler.
Also engagierten wir einen Casting-Direktor – aus Hollywood –, der uns half, die passenden Personen für die verschiedenen Rollen zu finden – Benjamin Franklin, Abraham Lincoln ... Dieser Casting-Direktor sichtete die Bewerbungen, studierte die Lebensläufe und schaute darauf, was die einzelnen schon gemacht hatten, welchen Hintergrund, welche Ausbildung, welche Erfahrung und welche Begabungen sie mitbrachten. All das tat er, um herauszufinden, wer für welche Rolle geeignet war.
In unserem eigenen Dienst arbeitete ich einige Jahre in der Personalabteilung; eine meiner Aufgaben bestand darin, neue Mitarbeiter für den Dienst zu gewinnen. Wenn wir jemanden einstellen wollten, ließen wir die Bewerber Fragebögen ausfüllen. Wir fragten nach Referenzen – also nach Menschen, die etwas über den Charakter des Bewerbers sagen konnten. Oft fragten wir zum Beispiel: „Hast du vielleicht ein Empfehlungsschreiben eines Pastors oder eines früheren Arbeitgebers?“.
Anhand dieser Informationen wollten wir herausfinden, ob jemand für eine bestimmte Aufgabe geeignet war – ob die Person wirklich zu der Position passte, die wir zu besetzen hatten.
Die Heilige Schrift, das Wort Gottes, ist in der Tat eine Geschichte – und es ist ein wenig wie ein Theaterstück. Ein Theaterstück zum Thema Erlösung. Und darin gibt es Rollen, die Gott mit bestimmten Menschen besetzt. Er arbeitet mit ganzen Gruppen von Menschen, wie mit seinem irdischen Volk, dem Volk Israel, im Alten Testament und mit seinem himmlischen Volk, der Gemeinde, im Neuen Testament. Und Gott arbeitet auch mit einzelnen Menschen. Er wählt sie aus. Er gebraucht sie in verschiedenen Rollen, um seine Erlösungsabsichten in dieser Welt zu erfüllen.
Es ist für mich immer wieder erstaunlich, dass Gottes Auswahlkriterien für die Rollen in diesem großen Drama der Erlösung so völlig anders sind als die unsrigen. Wenn wir jemanden für eine Rolle in einer Fernsehsendung oder für eine Stelle in unserem Dienst auswählen müssten, würden wir ganz anders vorgehen. Gott entscheidet sich dagegen oft für Menschen, die wir gar nicht in Betracht ziehen würden, wenn wir dafür verantwortlich wären, jemanden auszuwählen oder einzustellen.
Ich denke an den Propheten Samuel im Alten Testament, der von Gott gesandt wurde, um einen König für Israel zu salben und einzusetzen. Samuel war ein Prophet, ein gottesfürchtiger Mann. Und er hatte eine klare Vorstellung davon, wie der ideale Kandidat aussehen sollte. Aber Gott war der eigentliche Casting-Direktor, und seine Kriterien sahen anders aus. Und so sagte er zu Samuel: „Schau nicht auf die äußerlichen, auf die offensichtlichen Merkmale!“ Gott sagte: „Der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, der HERR aber sieht das Herz an!“ (1. Samuel 16,7).
In dieser neuen Serie wollen wir das Leben einer Frau aus dem Alten Testament betrachten, die eine bedeutende Rolle in dem Gesamtdrama der Erlösung einnahm. Wenn wir die Casting-Direktoren für einen christlichen Film gewesen wären oder die Personalverantwortlichen eines geistlichen Dienstes, hätten wir diese Frau nicht einmal in Betracht gezogen. Wäre sie nicht in der Schrift hervorgehoben, hätte Gott sie nicht bewusst in seinem Drehbuch vorgesehen, würde sie vermutlich als Verlierer gelten, als ein Niemand.
Wir hätten keine Ahnung, wer sie war. Sie wäre einfach in der Bedeutungslosigkeit versunken, wäre unbeachtet und vergessen. Und ganz sicher würden wir heute nicht über ihr Leben sprechen. Doch ich bin so dankbar, dass Gott der Casting-Direktor ist, nicht nur damals, sondern auch heute. Tatsache ist, dass Gott oft Menschen auswählt und gebraucht, von denen wir es am wenigsten erwarten würden – solche, die wir für am wenigsten geeignet halten.
Im Alten Testament nimmt die Geschichte dieser Frau mehr als ein Kapitel ein. Und im Neuen Testament wird sie gleich dreimal erwähnt. Drei Mal! Sie ist eine Person aus dem Alten Testament, wird aber im Neuen Testament dreimal genannt. Und jedes einzelne Mal steht ihr Name in einem sehr bedeutsamen Zusammenhang.
In den nächsten Wochen werden wir uns ihre Geschichte näher anschauen – zuerst im Alten und dann die Erwähnungen im Neuen Testament. Wir werden sehen, wie Gott sie brauchte. Wenn du deine Bibel griffbereit hast, schlag bitte Josua Kapitel 2 auf.
Hier ist der Kontext: Das Volk Israel hatte 400 Jahre in Ägypten in der Sklaverei zugebracht; dann befreite Gott es und führte es durch das Rote Meer hindurch aus der Gefangenschaft in die Freiheit. Aber wegen seines Unglaubens musste das Volk vierzig Jahre in der Wüste umherziehen. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, wo Gott sie in das verheißene Land hineinbringen wollte. Sie standen nun kurz davor, das Land zu betreten.
Josua, nach dem dieses Buch benannt ist, war inzwischen der Nachfolger von Mose als Anführer des Volkes Israel geworden. Die Israeliten lagerten einige Kilometer östlich des Jordan; das verheißene Land lag westlich des Jordan. Was also zwischen ihnen und dem verheißenen Land lag, war dieser Fluss, der auch die Grenze markierte.
Das Volk lagerte an einem Ort, der nach den meisten Bibelübersetzungen Schittim oder Sittim heißt. Von dort sandte Josua heimlich zwei Männer als Kundschafter aus, um das Land zu erkunden und ihm später Bericht zu erstatten.
So lesen wir in Josua 2,1:
„Und Josua, der Sohn Nuns, sandte von Sittim heimlich zwei Männer als Kundschafter aus und sprach: Geht hin, seht euch das Land an und [besonders] Jericho! Und sie gingen hin und kamen in das Haus einer Hure namens Rahab und übernachteten dort.“
Lasst uns hier einen Moment stehen bleiben. Diese beiden Männer überqueren also den Jordan, waten durch das Wasser und erreichen die etwa acht Kilometer westlich vom Jordan gelegene Stadt Jericho.
Jericho war eine bedeutende Stadt, die strategisch günstig gelegen war. Wir gehen im Laufe dieser Reihe noch näher darauf ein. Jericho war sozusagen ein Knotenpunkt: Wer die Stadt hinter sich ließ, konnte auf einer Straße nach Norden oder Süden weiter in das Land ziehen. Von Jericho aus konnten die Israeliten andere Städte erobern, die sie einnehmen sollten, um so das verheißene Land in Besitz zu nehmen.
Die beiden Männer überquerten also den Fluss und kamen zu dieser Stadt. Und die erste Person aus dem verheißenen Land, die uns vorgestellt wird – die allererste – ist eine Frau namens Rahab. Wir es genau dazu kam, dass die beiden Kundschafter gerade in Rahabs Haus ankamen, erfahren wir nicht; aber es hatte ganz sicher mit der Vorsehung Gottes zu tun, die sie genau dorthin führte – zu diesem bestimmten Haus, zu dieser bestimmten Frau.
In der nächsten Folge werden wir etwas mehr darüber sprechen, wie das sich vielleicht abgespielt hat. Heute wollen wir zuerst einen Blick auf Rahabs Herkunft werfen. Was wissen wir über sie? Was für eine Frau war sie?
Zunächst zu ihrem kulturellen Hintergrund: Wir wissen, dass sie in der Stadt Jericho lebte, einer wichtigen Stadt in Kanaan. Sie war eine Kanaaniterin, oder – wie die Bibel die Bewohner Kanaans manchmal auch nennt – eine Amoriterin. Diese Begriffe werden in der Schrift in der Regel austauschbar verwendet. Wenn also von den Kanaanitern oder den Amoritern die Rede ist, sind meist die Menschen gemeint, die zur damaligen Zeit in dieser Gegend lebten.
Die Kanaaniter, beziehungsweise die Amoriter, waren über Jahrhunderte hinweg ein gewalttätiges, böses, heidnisches Volk gewesen, deren Geschichte bis mindestens in die Zeit Abrahams zurückreicht. Ein Bibellexikon beschreibt die Amoriter als Inbegriff dessen, was Gott ein Gräuel ist. Die Amoriter oder Kanaaniter – und Rahab gehörte zu diesem Volk – hassten alles, was Gott liebte; und sie liebten alles, was Gott hasste.
Das ganze Alte Testament hindurch finden sich immer wieder Hinweise auf die Verdorbenheit und Bosheit dieses Volkes. In der Tat war es so, als Gott später einmal die Bosheit seines eigenen Volkes beschreiben wollte, dass er nichts Schlimmeres erdenken konnte, als sie mit den Amoritern zu vergleichen.
In Hesekiel 16,3 sagt Gott zu Israel: „Dein Vater war ein Amoriter und deine Mutter eine Hetiterin.“ Mit anderen Worten: „Ihr seid wie eure Eltern. Ihr handelt genauso wie diese heidnischen Völker. Ihr tut so, als würdet ihr von ihnen abstammen.“
Gott sagt zu den Kindern Israel: „Ihr seid auf ihren Wegen gewandelt und habt nach ihren Gräueln gehandelt.“ Und weiter: „Du aber hast dich auf deine Schönheit verlassen und auf deine Berühmtheit hin gehurt und hast deine Hurerei über jeden ausgegossen, der vorüberging (...)“ (Hesekiel 16,15). Damit machte Gott deutlich, wie die Kanaaniter oder Amoriter waren. Und zu diesem Volk gehörte Rahab.
Jahrhunderte zuvor hatte Gott Abraham und seinen Nachkommen das Land Kanaan versprochen. Er hatte Abraham erklärt, warum: „Denn wer so etwas tut [was die Kanaaniter und Amoriter taten], ist dem Herrn ein Gräuel, und um solcher Gräuel willen vertreibt der HERR, dein Gott, sie vor dir aus ihrem Besitz“ (5. Mose 18,12). Gott sagte: Ich werde sie aus dem Land ausspeien. Ihre Bosheit ist so groß, dass ich sie richten werde. Dir und deinen Nachkommen werde ich alle Rechte über das Land geben.
Mehrere hundert Jahre vor Rahab – und das hilft uns, den Hintergrund ihres Lebens zu verstehen – hatte Gott angekündigt, dass sein Gericht über die Kanaaniter kommen würde und dass eines Tages Abrahams Nachkommen, den jüdischen Nachfahren, das Land gegeben würde. Gott sagte aber auch zu Abraham: „Ich werde es jetzt noch nicht tun. Es ist noch nicht an der Zeit.“
In 1. Mose 15,13-15 lesen wir die Prophezeiung, die Gott Abraham gegenüber machte: „(...) Du sollst mit Gewissheit wissen, dass dein Same [Abraham] ein Fremdling sein wird in einem Land, das ihm nicht gehört; und man wird sie dort zu Knechten machen (...)“ (Vers 13). Von welchem Land spricht er hier? Er spricht von Ägypten, wo die Israeliten 400 Jahre lang Sklaven waren.
„(...) Und [man wird sie] demütigen vierhundert Jahre lang“, heißt es (Vers 13). Das ist ein Hinweis auf die Knechtschaft der Kinder Israels in Ägypten. Gott sagt: „Sie aber sollen in der vierten Generation wieder hierherkommen“, wobei eine Generation damals 100 Jahre umfasste. „Sie (...) sollen (...) wieder hierherkommen; denn das Maß der Sünden der Amoriter ist noch nicht voll“ (Vers 16).
Was bedeutet das nun? Gott hatte jahrhundertelang gewartet, während seine Kinder in Ägypten litten. Warum wartete er so lange? Er wollte nicht, dass jemand verloren gehe.
Gott wollte den Kanaanitern, den Amoritern, die Gelegenheit geben, Buße zu tun und von ihrer Bosheit umzukehren. 400 Jahre währte die Gnadenfrist. Während sein Volk, dem das Land eigentlich gehören sollte, in Ägypten litt, gewährte Gott den Kanaanitern Gnade.
Und wenn du leidest, dann muss das nicht durch deine Sünden begründet sein. Vielleicht will Gott anderen die Gelegenheit zur Umkehr geben, damit sie nicht verloren gehen. Aber die Amoriter, die Kanaaniter, kehrten nicht um. Sie taten nicht Buße. Das Maß ihrer Ungerechtigkeit war voll. Es floss über, und die Zeit ihres Gerichts war gekommen.
Die Zerstörung, beziehungsweise das Gericht über die Amoriter, fand statt, als Josua und die Kinder Israel in das Land einrückten. Davon berichtet das Buch Josua. Das Volk Israel vernichtete die Kanaaniter, wie Gott es ihnen geboten hatte; und sie ließen sich im Land nieder.
Doch was war so böse an den Kanaanitern? Wofür wurden sie gerichtet? Nun, in 3. Mose 18 gab Gott seinem Volk eine ganze Reihe von Geboten – darunter Gebote gegen Inzest, Ehebruch, Sodomie und Opferung von Kindern an heidnische Göttern. Gott sagte: „Ihr dürft all das nicht tun. Diese Dinge sind mir ein Gräuel.“
Doch das waren die Dinge, die die Kanaaniter und die Amoriter gewohnheitsmäßig taten. Sie waren bei ihnen normal. Sie waren erklärte Feinde Gottes – und Rahab war in dieser Kultur aufgewachsen. Sie war Teil davon und ein Kind dieser Kultur.
Nun, lasst uns nicht nur auf Rahabs kulturellen, sondern auch auf ihren religiösen Hintergrund sehen. Wie jeder um sie herum, wie alle Kanaaniter und Amoriter, war auch sie eine Heidin, eine Götzendienerin.
Die Kanaaniter verehrten viele Götter. Überall im ganzen Land standen Schreine, Tempel und Götzenbilder. Ihre Praktiken umfassten rituelle Prostitution sowie Opferung von Kindern. Für uns ist das unvorstellbar, aber für sie gehörte so etwas Unaussprechliches wie selbstverständlich zu ihrem Alltag und zu ihrer Religion.
Rahab kannte das nicht anders. Sie kannte kein geschriebenes Wort Gottes. Sie hatte nie eine Predigt gehört. Sie hatte keine Gemeinde und keine Glaubensgeschwister. Sie wuchs in äußerster, absoluter, geistlicher Finsternis auf.
Was war ihre moralische Prägung? Wir haben über ihre kulturelle und religiöse Herkunft nachgedacht. Wie war ihre moralische Prägung? Nun, wir lesen, dass sie eine Hure war. Einige Übersetzungen sagen auch: Sie war eine Prostituierte oder Dirne.
Manche haben vermutet, dass sie mit ihrer Prostitution gar ein lukratives Geschäft betrieben haben könnte. Das kann man nicht mit Sicherheit sagen; aber wir wissen, dass die Art und Weise, wie Rahab lebte, von sexueller Sünde geprägt war. Es war ihr Lebensstil, so verdiente sie ihr Geld. Wir wissen, dass sie in den Begierden des Fleisches gefangen war. Sie war sexsüchtig.
Nun, es ist nicht klar, ob sie auch so aufwuchs. Wir lesen, dass sie eine Mutter, einen Vater, Brüder und Schwestern hatte. Dazu kommen wir noch.
Uns wird nicht berichtet, welche Verletzungen und Wunden sie von ihrer Vergangenheit davontrug. Wir wissen nicht, was ihr vielleicht angetan worden war. Das alles ist nicht bekannt. Doch die sexuelle Sünde bestimmte immer mehr ihr Leben, so verdiente sie sich einen Unterhalt.
Einige Kommentatoren und Gelehrte alter Zeit schlagen vor, dass Rahab keine Hure, sondern lediglich eine Wirtin war. Sie sagen, das entsprechende Wort im Hebräischen des Alten Testaments ließe sich auch mit „Gastwirtin“ übersetzen. Ich denke, vielleicht wollten diese Gelehrten mit dieser Interpretation einfach den Makel beheben, der dieser Frau, die eine Urahnin Christi wurde, anhaftete.
Wie war es möglich, dass Jesus eine Hure unter seinen Vorfahren hatte? Es besteht jedoch kein Zweifel daran, dass diese Frau eine Prostituierte war. Das Neue Testament nennt sie zweimal ausdrücklich „Rahab, die Hure“. Das griechische Wort lässt hier keinen Raum für eine andere Deutung, denn es ist mit porne verwandt, von dem unser heutiges Wort „Pornographie“ kommt.
Vielleicht war sie tatsächlich eine Gastwirtin, aber ohne Frage war sie auch eine Frau von schlechtem Ruf. Wenn wir uns das Leben dieser Frau anschauen, denke ich, ist es wichtig zu erkennen, dass sie nicht nur das Produkt einer bösen Kultur war – obwohl das zweifellos stimmt – aber sie war nicht einfach nur das Opfer ihrer Erziehung. Sie war keine unbeteiligte Zuschauerin. Sie nahm aktiv an der Bosheit teil, die so typisch für ihre Kultur war.
Sie hatte sich bewusst an dem Bösen beteiligt und persönlich von der Lüsternheit ihrer Kultur profitiert. Wenn man das alles zusammen nimmt, würde man sagen: Aus unserer Perspektive war sie eine ziemlich unpassende Kandidatin für Gottes Gnade ... Findest du nicht auch? Denk nur an ihre Herkunft. Jericho war kaum der Ort, an dem man Gnade vermuten oder Glauben erwarten würde.
Im Buch Josua wird ein ganzes Kapitel Rahabs Geschichte gewidmet. Und während sich diese Geschichte entfaltet, wird deutlich, dass sich ihr Leben von den anderen Kanaanitern abhebt. Es steht im Gegensatz zu der Stadt Jericho. In ihrer Geschichte begegnen uns zwei große Themen … das Thema des Gerichts, das Jericho erlebte, und das der Erlösung, die Rahab erfuhr. Diese beiden Themen – Gericht und Erlösung – stehen in der ganzen Schrift einander gegenüber und ziehen sich als zwei Hauptlinien durch das gesamte Wort Gottes.
Nun, Gott hat nicht etwa vom Himmel herab auf Jericho geblickt und gesagt: „Oh, da ist eine gute Frau – die möchte ich retten, bevor ich die Stadt richte.“ Ist es nicht erstaunlich, dass Gott den Samen des Glaubens und der Gnade ausgerechnet in das Herz einer Frau legte, die eine Versagerin war, die ausgestoßen, die verachtet und nicht edel war – die sich auf der sozialen und moralischen Skala ganz am unteren Ende befand? Doch Gott sagte: „Diese Frau will ich retten.“
Man würde, menschlich gesprochen, nicht erwarten, dass sie nach dem wahren Gott fragen würde. Wer hätte gedacht, dass bei einer Frau mit solchem Hintergrund echter Glaube zu finden wäre?
Wenn wir an die Geschichte von Jericho denken, dann fällt uns meistens als erstes der Teil mit den einstürzenden Mauern ein. Alles, restlos alles, wurde zerstört – und das ist ein elementarer Teil dieser Geschichte. Dies ist eine Geschichte des göttlichen Gerichts und auch des verdienten Gerichts.
Die Geschichte von Jericho ist eine Warnung an einzelne Menschen und ganze Kulturen, die Gott ihre Faust entgegenstrecken. Doch es ist nicht nur eine Geschichte des Gerichts – es ist so viel mehr als das.
- Es ist eine Geschichte der Hoffnung.
- … der Gnade.
- … der Barmherzigkeit.
- Es ist eine Geschichte der Erlösung.
- Es ist die Geschichte mit Gott als Hauptperson, der aus seiner unvorstellbaren, erstaunlichen Liebe heraus eine fragwürdige Person da fand, wo man es nicht vermutet hätte, und sich über sie erbarmte, bevor er diese boshafte Stadt richtete.
Gott schenkte dieser Frau und ihrer Familie Gnade und Glauben und bewahrte ihr Leben vor der Zerstörung. Ich bin so dankbar, dass Gott heute derselbe ist, Gott, der – obwohl er eines Tages Gericht an dieser bösen, verdorbenen Welt üben muss – Sünder retten will und sagt: „Ich kann das Verlorene zurückgewinnen und Sünder und Verlierer erretten und etwas aus ihrem Leben machen.“
Esther: Es ist wirklich erstaunlich, wie Gott durch das Leben eines Menschen mit einer zutiefst zerrütteten Vergangenheit zu uns spricht und uns daran erinnern kann, wie sehr wir alle seine Gnade brauchen und wie groß seine Barmherzigkeit gegenüber denen ist, die bereit sind, sie anzunehmen.
Mit der heutigen Sendung beginnt eine neue Sendereihe von Nancy DeMoss Wolgemuth mit dem Titel „Rahab: Wir folgen dem roten Faden der Erlösung“. Nancy, das ist eine kraftvolle Botschaft darüber, wie Gott selbst diejenigen auswählt und gebraucht, die sich ungeliebt und abgelehnt fühlen. Niemand ist außerhalb der Reichweite von Gottes rettendem Arm.
Nancy: Ja, unbedingt. Jeder kann gerettet und erreicht werden. Jeder kann erlöst werden – ganz gleich, wie seine Vergangenheit war – und seine Gegenwart aussieht.
Esther: Also sogar ich!
Nancy: Ja, und sogar ich. Eine Frau schrieb uns; sie erzählte, dass die ersten vierzig Jahre ihres Lebens davon geprägt waren, dass sie viele törichte Entscheidungen getroffen hatte. Doch dann wurde sie auf einen christlichen Radiosender in ihrer Stadt aufmerksam, und Gott nutzte die Sendungen von Revive Our Hearts, um ihr Leben von Grund auf zu verändern.
Sie sagte: „Ich gehe wieder regelmäßig in die Gemeinde, habe ein aktives Gebetsleben, und ich bin zur Zeit auf der Suche nach Möglichkeiten, wie ich die Bibel studieren und verstehen kann.“ Sie las auch mein Buch Das Tor zur Freiheit und schrieb: „Das war ein Wendepunkt in meinem Leben.“
Esther: Und weiter: „Ich habe immer gedacht, dass ich Vergebung gar nicht wert bin, nach all den unfassbar sündigen Dingen, die ich getan habe. Ich hatte auch keine Ahnung, wie ich den Leuten ehrlich vergeben sollte, die mir wehgetan haben. Und dann war da noch meine Wut auf Gott, die ich überwinden musste. Dein Buch war wirklich ein Geschenk des Himmels.“
Nancy: Ich kann dir gar nicht sagen, was mir solche Zeugnisse bedeuten – zu hören, wie die Kraft Gottes das Leben von Frauen tiefgreifend und dauerhaft verändert!
Esther: Wenn du weitere Informationen über unseren Dienst oder das Transkript zu dieser Sendung lesen möchtest, schau auf unsere Website BelebeunsereHerzen.com. Dort findest du alle Informationen über uns und wertvolle Impulse für dein Leben in der Nachfolge Jesu.
Yadira Gorek: Vielen Dank Esther. Und wenn du unsere Webseite besuchst, findest du dort viele weitere Ressourcen für dein geistliches Wachstum.
Zum Beispiel die Vorträge der True Woman Konferenz 2025 zu dem Thema: „Das Wort bestaune das Wunder“. Diese Konferenz markierte auch den Beginn einer 6-jährigen globalen und generationsübergreifenden Initiative unter dem Namen Wonder of the World – „Das Wunder seines Wortes“.
Schon jetzt lesen wir mit über 30.000 Frauen weltweit gemeinsam durch die ganze Bibel – vielleicht bist du sogar eine von ihnen. Und wir wollen mit Gottes Hilfe weitere Schritte wagen.
Am 4. Januar 2027 ist der Start einer neuen Reise durch Gottes Wort und sie soll uns bis ins Jahr 2028 führen. Wir lesen wieder gemeinsam durch die gesamte Bibel – von 1. Mose bis zur Offenbarung. Diesmal bieten wir begleitend 260 Podcast-Folgen an, 3 pro Woche. Sie sollen dich ermutigen und unterstützen, während du durch das Wort Gottes liest.
Wir beten, dass Gott diese Reise, diese Initiative gebraucht, um echte geistliche Erneuerung zu bewirken – in unserem Leben, in unseren Familien und in den Generationen nach uns – zu seiner Ehre. Denn es geht nicht nur um uns, es geht auch um unsere Töchter und um das Vermächtnis des Glaubens, dass wir weitergeben.
Bereite dein Herz darauf vor, Teil dieser Reise zu sein. Mehr Informationen findest du auf unserer Website.
Nancy: Nächstes Mal werden wir uns das Leben von Rahab weiter anschauen. Wir werden erkennen, wie Gott selbst in einem ganz kaputten Umfeld und zu Zeiten, in denen man es nicht erwarten würde, wirkt. Daran müssen wir uns in unserer heutigen Welt immer wieder erinnern. Sei also gern nächste Woche bei Belebe unsere Herzen wieder dabei!
Gott kann auch dich retten.
Diese Sendung ist eine von Hörerinnen unterstützte Produktion von Belebe unsere Herzen. Wir rufen Frauen zu Freiheit, Fülle und Frucht in Christus.
Belebe unsere Herzen ist Teil von Revive Our Hearts Ministries.
Wenn nichts anderes erwähnt wird, sind die Bibeltexte der Schlachter Übersetzung © 2000 Genfer Bibelgesellschaft entnommen.