Weiterführendes Material zu dieser Folge
Du kannst dieses Thema gerne vertiefen, indem du über die Fragen unter der Rubrik „Jetzt wird‘s persönlich“ ganz unten im Text nachdenkst.
Lea Köster: Nancy DeMoss Wolgemuth erinnert uns daran, wie geduldig Christus mit seiner Braut ist.
Nancy DeMoss Wolgemuth: Wenn man sich vorstellt, wie langmütig Christus gegenüber Ungläubigen ist, ist das schon sehr erstaunlich. Aber ist es nicht viel erstaunlicher, wie langmütig er gegenüber uns, den Gläubigen, ist?
Lea: Du hörst Belebe unsere Herzen mit Nancy DeMoss Wolgemuth, gesprochen von Annette Schorre. Schön, dass du uns wieder dein Ohr leihst.
In den letzten Wochen hat Nancy uns in der Podcastreihe „Der Geliebte meiner Seele – Jesus im Hohelied“ durch das Hohelied geführt. Viele Frauen wurden dazu aufgerufen, ihre Beziehung zu Christus zu vertiefen. Nancy wird die Reihe heute fortführen.
Nancy: Mir ist bewusst, während wir durch das Buch …
Weiterführendes Material zu dieser Folge
Du kannst dieses Thema gerne vertiefen, indem du über die Fragen unter der Rubrik „Jetzt wird‘s persönlich“ ganz unten im Text nachdenkst.
Lea Köster: Nancy DeMoss Wolgemuth erinnert uns daran, wie geduldig Christus mit seiner Braut ist.
Nancy DeMoss Wolgemuth: Wenn man sich vorstellt, wie langmütig Christus gegenüber Ungläubigen ist, ist das schon sehr erstaunlich. Aber ist es nicht viel erstaunlicher, wie langmütig er gegenüber uns, den Gläubigen, ist?
Lea: Du hörst Belebe unsere Herzen mit Nancy DeMoss Wolgemuth, gesprochen von Annette Schorre. Schön, dass du uns wieder dein Ohr leihst.
In den letzten Wochen hat Nancy uns in der Podcastreihe „Der Geliebte meiner Seele – Jesus im Hohelied“ durch das Hohelied geführt. Viele Frauen wurden dazu aufgerufen, ihre Beziehung zu Christus zu vertiefen. Nancy wird die Reihe heute fortführen.
Nancy: Mir ist bewusst, während wir durch das Buch Hohelied gehen und eine relativ lange Podcast-Reihe zu diesem kurzen Buch der Bibel machen, dass uns manches vielleicht wie eine Wiederholung vorkommt. Doch es steht alles in Gottes Wort, und so wissen wir, dass wir das alles brauchen. Ich denke, es hat so viel Wert, wenn wir über Abschnitte der Bibel nachsinnen und sie nicht einfach überfliegen. Also nicht schnell Psalmen, Sprüche, Prediger, Hohelied durchlesen und dann zum nächsten Buch der Bibel übergehen, sondern wenn wir uns die Zeit nehmen, den Text aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und das genießen, was uns dann deutlich wird.
Das ist es, was Nachsinnen bedeutet. Es heißt, gründlich über etwas nachdenken, den Text auf sich wirken lassen, Zusammenhänge erkennen. Und je mehr ich über dieses Buch nachdenke, desto mehr sehe ich, dass es noch so viel gibt, was ich eigentlich gern mit euch geteilt hätte, aber am Ende musste ich es aus Zeitgründen weglassen. Doch mein Hauptanliegen ist es, dass wir vermehrt über die Liebe Christi zu seinem Volk nachdenken. Lasst uns auf Jesus schauen und auf seine große Liebe zu uns. Ich hoffe und bete, dass viele von uns dadurch in den nächsten Wochen verändert werden.
Nun, in diesem Buch beobachten wir das Wachstum und die Entwicklung einer Liebesbeziehung. Im vorherigen Abschnitt sahen wir die Phase einer tiefen und leidenschaftlichen Verbindung zwischen den beiden. Da war die Rede von einem Garten und von „schön bist du, meine Freundin, in allem, und kein Makel ist an dir!“ und dann „Mein Geliebter komme in seinen Garten und esse seine herrliche Frucht!“. Wir lasen von einer Hochzeit und sahen die Freude und das große Glück dieses Paares.
Aber in dem Abschnitt, zu dem wir jetzt kommen, erfahren wir von einem zweiten Fehltritt in der Beziehung. Das erinnert daran, dass die tiefsten Brüche in einer Beziehung kurz nach wunderbaren Zeiten enger Vertrautheit kommen können.
Vielleicht kennst du das aus deiner eigenen Ehe. Aber ob du verheiratet bist oder nicht – wahrscheinlich hast du es schon in deiner Beziehung zum Herrn erlebt. Ich kann mir wie auf dem Berg der Verklärung vorkommen, und es dauert nicht lange, und ich bin tief unglücklich.
Da sind zum Einen Zeiten der wunderbaren Gemeinschaft mit dem Herrn, diese Berggipfel-Erlebnisse, und dann kommen Herausforderungen, und unser Fleisch setzt sich durch; wir geben dem Feind nach oder der Welt; und wir müssen feststellen, dass die Beziehung einen Rückschlag erlitten hat.
Ein Autor sagte: „Es ist erschreckend zu bemerken, wie schnell die Leidenschaft der Gleichgültigkeit weichen kann“.
Und so kommen wir zu Kapitel 5 Vers 2, wo die Braut sagt:
„Ich schlafe, aber mein Herz wacht. Da ist die Stimme meines Geliebten, der anklopft! ‚Tu mir auf, meine Schwester, meine Freundin, meine Taube, meine Makellose; denn mein Haupt ist voll Tau, meine Locken voll von Tropfen der Nacht!‘“
Und sie antwortet:
„Ich habe mein Kleid ausgezogen, wie sollte ich es [wieder] anziehen? Ich habe meine Füße gewaschen, wie sollte ich sie [wieder] besudeln?“ Aber mein Geliebter streckte seine Hand durch die Luke; da geriet mein Herz in Wallung seinetwegen. Ich stand auf, um meinen Geliebten zu öffnen; da troffen meine Hände von Myrrhe und meine Finger von feinster Myrrhe auf dem Griff des Riegels. Ich tat meinem Geliebten auf; aber mein Geliebter hatte sich zurückgezogen, war fortgegangen. Meine Seele ging hinaus, auf sein Wort; ich suchte ihn, aber ich fand ihn nicht; ich rief ihm, aber er antwortete mir nicht. Es fanden mich die Wächter, welche die Runde machen in der Stadt; die schlugen mich wund, sie nahmen mir meinen Schleier weg, die Wächter auf der Mauer. Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems, wenn ihr meinen Geliebten findet, was sollt ihr ihm berichten? Dass ich krank bin vor Liebe!“ (Verse 3-8).
Erstmal bis hierher. Tatsächlich werden wir über den Ausgang dieser Situation erst in der nächsten Folge sprechen, aber lasst uns heute diesen Teil der Geschichte durchgehen.
„Sagt ihm, dass ich krank bin vor Liebe!“ Das hatte sie zum ersten Mal in Kapitel 2 gesagt, und da war der Grund, dass sie erfüllt und überwältigt war. Sie konnte gar nicht die ganze Liebe fassen, die sie von ihrem Geliebten empfangen hatte. Diesmal sagte sie diese Worte aus einem Zustand der inneren Leere und Einsamkeit heraus. Sie sehnt sich danach, dass die Vertrautheit mit ihrem Geliebten wiederhergestellt wird, so wie sie sie früher erlebt hat.
So sagt sie: „Ich schlafe, aber mein Herz ist wach“. Diese Szene findet zur Nachtzeit statt. Die Braut befindet sich zuhause in ihrem Bett. Sie ist gerade dabei einzuschlafen; und beachte, sie läuft nicht mit anderen Männern herum. Sie tut nichts offenkundig Unmoralisches oder Sündiges, das den Bruch in dieser Beziehung hervorrufen könnte. Sie ist einfach nur schlaftrunken. Sie ist gleichgültig geworden und reagiert nicht auf die Annäherungsversuche ihres Geliebten.
Was für ein Bild ist das für geistliche Trägheit und Rückgang in der Braut Christi, in der Gemeinde, und in uns als Gläubigen. So oft sind wir im Halbschlaf – wir tun nichts offenkundig Böses, sondern wir sind einfach selbstgefällig, gleichgültig gegenüber der Stimme unseres Geliebten.
In diesem Zustand hört sie also die Stimme ihres Geliebten. Er klopft an und sagt: „Tu mir auf, meine Schwester, meine Freundin, meine Taube, meine Makellose; denn mein Haupt ist voll Tau, meine Locken voll von Tropfen der Nacht!“ (Hohelied 5,2).
Er redet mit großer Zärtlichkeit und Zuneigung zu ihr. Sie ist sein Ein und Alles. Er nennt sie „meine Schwester, meine Freundin, meine Taube, meine Makellose“. Und er bittet sie, ihn einzulassen. Er war draußen und hat hart gearbeitet; und sein Haar ist durchnässt von dem schweren Tau der Nacht.
Wenn ich diesen Abschnitt lese, kommt mir die Szene in den Sinn, wo Jesus im Garten Gethsemane war und sein Schweiß wie Blutstropfen wurde, die auf die Erde herab fielen. Wir lesen von seiner Mühsal und den Qualen seiner Seele, als er im Begriff war, den Willen seines Vaters und den Erlösungsplan zu erfüllen.
Nun, der Geliebte will, dass die Braut die Verbindung mit ihm sucht, dass sie in die Gemeinschaft seiner Leiden eintritt, dass sie mit ihm dient. Er will sie zu einem Leben des Dienstes gemeinsam mit ihm aufrufen. Aber wird sie bereit sein, ihre Bequemlichkeit und ihre Annehmlichkeiten aufzugeben? Wird sie bereit sein, sich ihm anzuschließen, wenn Leid, Arbeit und aufopfernder Einsatz auf sie warten? Sie hat ihn als ihren König angenommen, aber wird sie ihn auch annehmen, wenn er der Mann der Schmerzen ist? Wenn sie aufgerufen ist, Lasten mit ihm zu tragen?
Nun, sie reagiert jetzt ganz anders auf seinen Ruf als damals, als sie die bereitwillige, verliebte Braut war, die sagte: „Mein Geliebter komme in seinen Garten und esse seine herrliche Frucht!“ (Hohelied 4,16). Dieses Mal sagt sie in Vers 3, als er sie ruft: „Ich habe mein Kleid ausgezogen, wie sollte ich es [wieder] anziehen? Ich habe meine Füße gewaschen, wie sollte ich sie [wieder] besudeln?“. Was macht sie da? Sie redet sich heraus. „Es passt gerade nicht so gut.“
Was ist hier das eigentliche Problem? Und was ist das Grundproblem, wenn es Risse in unserer Beziehung zum Herrn gibt und oft auch, wenn es Risse in einer Ehebeziehung gibt? Das Problem ist, dass sich ihr Denken geändert hat, sie denkt jetzt selbstbezogen. „Ich habe mein Kleid ausgezogen, wie sollte ich es [wieder] anziehen? Ich habe meine Füße gewaschen, wie sollte ich sie [wieder] besudeln?“. Ich, meiner, mir, mich. Sie hat ihre erste Liebe verlassen. Wenn man an den Schluss von Kapitel 4 denkt, würde man denken, das sei unmöglich. Aber es passiert tatsächlich.
Es gibt Zeiten in unserer Beziehung zum Herrn, in denen wir uns sicher sind: Wir werden ihn immer lieben. Das hatte auch schon Petrus gesagt, nicht wahr? „Ich werde dir folgen, selbst wenn alle anderen dich verlassen.“
Doch Jesus entgegnet: „Ehe der Hahn kräht, wirst du dreimal geleugnet haben, dass du mich kennst.“ Es passiert so schnell.
Sie hat ihre Taubenaugen verloren, von denen wir sprachen. Sie konzentriert sich nicht mehr auf ihn. Sie ist zufrieden mit ihren makellosen, gewaschenen Füßen, während er mitten in der Nacht für andere hart arbeitet. Sie ist selbstgefällig geworden. Sie will nicht gestört oder belästigt werden oder Opfer bringen. Sie will ihr sicheres Leben genießen. Sie will nicht riskieren, dass ihre schöne Ordnung durcheinandergebracht wird.
Was für ein Unterschied ist das zu dem, was wir in Kapitel 1,4 von der Braut lasen, als sie sagte: „Zieh mich dir nach, so laufen wir!“ Ihr Herz hat sich geändert. Das letzte Mal, als sie dieses Bewusstsein seiner Nähe, seiner Gegenwart verloren hatte, in Kapitel 3, hielt sie ihn fest und wollte ihn nie mehr loslassen. Nur ein paar Verse zuvor, am Ende von Kapitel 4, hatte sie noch gesagt: „Mein Geliebter komme in seinen Garten und esse seine herrliche Frucht!“ Jetzt bittet er sie, ihm zu öffnen, und sie hat alle möglichen Gründe, warum sie ihn abweist.
In unserem Leben besteht dauerhaft, dauerhaft die Gefahr der Selbstgefälligkeit, dass wir „den Geliebten unserer Seele“ für selbstverständlich halten.
Wiederholt betonte Jesus, wie wichtig es ist, geistlich wach zu bleiben, aufmerksam und wachsam zu sein. Er sagte zu den schläfrigen Jüngern im Garten Gethsemane: „Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt“ (Matthäus 26,41). Und so ähnliche Worte lesen wir durchweg in den neutestamentlichen Briefen.
Doch wir werden geistlich träge. Wir werden von allen möglichen Dingen in den Schlaf gewogen, von übermäßigem Essen, Unterhaltung, Filmen, Spielen, bedeutungslosen Gesprächen, sogar von christlichen Aktivitäten, Diensten und Programmen. All das kann uns so sehr füllen, dass wir irgendwann übersättigt sind. Wir sind einfach vollgestopft, wir haben keinen Platz mehr für ihn, wir haben kein wirkliches Verlangen nach ihm; und wir werden selbstgefällig.
Jesus möchte, dass wir uns mit ihm in seinem Werk dort in der Welt vereinen. Aber wir wollen nicht gestört werden. Wir ziehen es vor, in unserem sicheren, heiligen Umfeld zu sitzen; wir halten uns lieber an den Händen, sprechen einander kostbare Verheißungen zu und singen Lobpreislieder. Das ist doch viel angenehmer, oder?
Dann passiert Folgendes: Wir schauen irgendwann mehr auf die Segnungen, die er uns geschenkt hat, als dass wir uns an ihm, dem Segensspender, erfreuen, der uns diese Gaben gegeben hat.
Woher hatte die Braut diese Reinheit? Woher haben wir die Reinheit, die wir nur einfach gerne genießen möchten? Wir haben sie von ihm. Er hat sie am Kreuz erkauft. Genau diese Ordnung und Schönheit, die er in unser Leben hineingebracht hat, als wir in der Liebe zu ihm gewachsen sind, die sauberen Füße, das feine Leinen, die Gerechtigkeit der Heiligen, das Kleid, von dem sie spricht – all dies kann schließlich dazu führen, dass wir ihn aus unseren Leben ausschließen, weil wir zögern, geistliche Annehmlichkeiten aufzugeben und uns in seine Arbeit und in seinen Einsatz für andere mit hineinnehmen zu lassen.
Ich erhielt eine Nachricht von einer Freundin, die unsere heutige Folge zu einem früheren Zeitpunkt hörte, als wir sie damals ausstrahlten. Sie schrieb:
Als ich heute die Folge über schwankende Liebe anhörte, wurde mein Herz tief bewegt und überführt. Der „Geliebte meiner Seele“, Christus, weckte mich heute Morgen um 5:30 Uhr – durch unseren Hund, der raus musste. Obwohl ich wusste, dass ich eine ausgedehnte Zeit mit dem Herrn brauchte, waren die Wärme und Gemütlichkeit meines Bettes verlockend für mich. Ich entschuldigte mein Verlangen nach mehr Schlaf damit, dass ich am Abend vorher ziemlich spät zu Bett gegangen war. Aber der Herr sagte zu mir: „die auf den Herrn harren, [gewinnen] neue Kraft“ (Jesaja 40,31).
Doch ich kuschelte mich noch für ein paar Minuten unter die Decke und rechtfertigte meine Entscheidung damit, dass ich für die beten würde, die mir in den Sinn kämen. Klingt sehr geistlich, oder? Das war sozusagen mein „Tauschgeschäft“ mit ihm.
Nachdem ich deine Botschaft gehört hatte, zeigte mir der Herr, was ich getan hatte. Ich war die Braut von Hohelied 5. Das Ernüchternde daran war, erneut festzustellen, dass ich die Zeit nicht zurückdrehen konnte. Was war mir wohl entgangen, das er für mich vorbereitet hatte, nur weil es mir nicht passte?
Trotz der abweisenden Reaktion seiner Braut ist dieser Geliebte erstaunlich geduldig. Er ist beharrlich und bleibt dran.
Wenn man sich vorstellt, wie langmütig Christus gegenüber Ungläubigen ist, ist das schon sehr erstaunlich. Aber ist es nicht viel erstaunlicher, wie langmütig er gegenüber uns ist, den Gläubigen? Gegenüber denen von uns, die ihn kennen und lieben und die ihm angehören? Und er erträgt uns, ist beharrlich und bleibt dran.
Und genau das tut er in diesem Abschnitt in Vers 4: „Aber mein Geliebter streckte seine Hand durch die Luke“.
Ich denke, das bezieht sich darauf, dass es in manchen hebräischen Häusern eine Öffnung in der Tür gab, durch die der Besitzer von außen hereingreifen konnte. So konnte er das Schloss oder den Riegel auf der Innenseite entriegeln und sich selbst die Tür öffnen.
Also greift er mit seiner Hand hinein. Diese Hand ist ihr vertraut, diese Hand, die sie früher ergriffen hatte. Wir lesen in Kapitel 2 darüber: „Er lege seine Linke unter mein Haupt und umarme mich mit seiner Rechten!“ (Hoheslied 2,6). Sie kannte diese Hand wirklich gut. Diese Hand erinnerte an die Vertrautheit, die sie miteinander genossen hatten.
Nun, wir wissen, dass dieser Geliebte ein Typus von Christus ist. Er greift nach innen, um Einlass in unser Leben zu finden – selbst dann, wenn wir schläfrig, gleichgültig oder unaufmerksam sind. Und wir sehen, dass seine Hände Narben tragen von den Nägeln, die sie durchbohrten. Er ruft uns auf, seine Hand zu erfassen und mit ihm in sein Erlösungswerk in dieser Welt einzutreten.
Als er in die Öffnung der Tür greift, sagt sie: „da wurden meine Gefühle für ihn erregt“ (ELB). Hier ist ein Umdenken erkennbar; es zeigt, dass sie zu ihm gehört. Wenn du nicht zu ihm gehörst, dann wird dein Herz unberührt bleiben. Sie aber ist tief gerührt. Sie ist bewegt. Sie erkennt, wen sie zurückgewiesen hat, was sie abgelehnt hat, und sie verlangt danach, bei ihm zu sein.
Also steht sie schließlich auf. Vers 5: „Ich stand auf, um meinem Geliebten zu öffnen.“ Nun, wenn dir das bekannt vorkommt, dann liegst du ganz richtig. Denn in Kapitel 3 lesen wir von einer ähnlichen Begebenheit.
Das zeigt uns, dass diese Fehltritte in unserer Beziehung mit Christus vielleicht nicht nur einmal vorkommen. Sie können wiederholt vorkommen. Es mag verschiedene Gründe für diese Risse in unserer Beziehung zu ihm geben.
Damals stand sie auf, um ihrem Geliebten zu öffnen. Jetzt steht sie wieder auf, um ihm zu öffnen. Ich denke, darum betete der Psalmschreiber: „Willst du uns nicht wieder neu beleben“ – wieder und wieder und wieder. Ich weiß, dass ich es so oft brauche, immer und immer wieder zu sagen: „Belebe mein Herz, o Herr!“
Sie entscheidet sich also schließlich, ihren komfortablen Ruheort zu verlassen, ihr Kleid anzuziehen, ihre Füße zu beschmutzen, die Tür zu öffnen und ihn hereinzulassen. Sie sagt: „Ich tat meinem Geliebten auf; aber“ – Vers 6, sehr zu ihrer Verwunderung – „mein Geliebter hatte sich zurückgezogen, war fortgegangen.“
Sie hatte erwartet, dass er einfach da wäre, sobald sie die Tür öffnete und dass sofort alles wieder wäre wie zuvor. Aber so ist es nicht, nicht wahr? Sie hatte zögerlich auf die Initiative ihres Bräutigams reagiert, und jetzt hat sie die Gewissheit dieser vertrauten Nähe zu ihm verloren.
O ihr Lieben, es ist so wichtig, wenn wir den Ruf unseres Herrn verspüren, die Gemeinschaft mit ihm zu suchen, mit ihm zu dienen, ob es mitten in der Nacht ist oder mitten am Tag … – Es ist so wichtig, dass wir gleich antworten und sagen: „Ja, Herr.“
Wie es in Jesaja 55,6 heißt: „Sucht den HERRN, solange er zu finden ist; ruft ihn an, während er nahe ist!“
Nicht sofort auf Gottes Ruf zu reagieren, hat solch weitreichende Konsequenzen. Wenn du sehen möchtest, was das konkret bedeutet, lies Sprüche 1, ab Vers 24: „Darum, weil ich rufe und ihr mich abweist, weil ich meine Hand ausstrecke und niemand darauf achtet“. Dann folgt eine Aufzählung von ernsthaften Konsequenzen, die eintreten, wenn wir nicht gleich auf den Ruf des Herrn in unserem Leben reagieren. Und diese Konsequenzen kommen in Form von Chaos, Katastrophen und Krisen. Dann stehen wir mitten in dem Sturmwind und fragen uns: „Was um alles in der Welt ist hier los?“
Dabei können in vielen Fällen – nicht immer, aber manchmal – diese Katastrophen und Krisen darauf zurückgeführt werden, dass unser Geliebter versucht hat, unsere Aufmerksamkeit zu bekommen, aber wir waren nicht aufmerksam. Und so macht er sich bemerkbar. Und manchmal nutzt er dazu Katastrophen und Krisen.
Nun, sie sagt: „Meine Seele ging hinaus, auf sein Wort“. Eine andere Übersetzung wäre: „Meine Seele war außer sich“ (LUT). Für einen kurzen Moment blieb ihr das Herz stehen, als sie erkannte, dass er weg war, und jetzt ist sie verzweifelt. Also fängt sie an, ihn ernsthaft zu suchen. Sie sagt: „Ich suchte ihn, aber ich fand ihn nicht; ich rief ihm, aber er antwortete mir nicht.“
Weißt du, wenn wir nur zögerlich auf Gottes Rufen antworten, kann die schlimmste Folge sein, dass er uns seine Gegenwart entzieht, dass Vertrautheit und Kommunikation verloren gehen. „Ich fand ihn nicht; ich rief ihm, aber er antwortete mir nicht.“ So eine gebrochene Beziehung ist nicht immer so einfach wiederherzustellen.
Harry Ironside, ein Bibelausleger des 20. Jahrhunderts, beschreibt es so:
Wenn du nicht auf seine Stimme antwortest, wenn er in liebevoller Gnade zu dir kommt, dann musst du ihn vielleicht lange suchen, bevor du wieder die Gemeinschaft mit ihm genießen kannst. Das ist die Empfindsamkeit der Liebe. Er möchte dir zeigen, dass seine Liebe erstrebenswert ist und prüfen, ob du es wirklich ernst meinst, wenn du behauptest, dass du dich nach Gemeinschaft mit ihm sehnst.
Wie zuvor in Kapitel 3, verlässt sie wieder ihr Haus. Sie geht in die Stadt und sucht „den Geliebten ihrer Seele“. Und wie beim letzten Mal finden die Wächter sie. Aber dieses Mal behandeln sie sie anders.
In Vers 7 heißt es: „Es fanden mich die Wächter, welche die Runde machen in der Stadt; die schlugen mich wund, sie nahmen mir meinen Schleier weg, die Wächter auf der Mauer.“ In dieser Kultur war es eine Schande für eine verheiratete Frau, sich unverschleiert zu zeigen. Es bedeutete den Verlust von Ansehen oder Würde.
Wir haben gesagt, dass die Wächter ein Bild für geistliche Hüter sind, für Pastoren oder Leiter. Dass sie sie schlugen, ja, verletzten, kann sinnbildlich dafür stehen, dass unsere geistlichen Leiter manchmal schmerzhafte Worte in unser Leben sprechen müssen, damit wir geheilt werden können. Manchmal müssen sie harte Dinge zu uns sagen.
Oder es könnte sein, dass diese geistlichen Aufseher sie missverstanden. Vielleicht gingen sie davon aus, dass eine Frau von gutem moralischem Charakter nicht mitten in der Nacht auf die Straße geht. Also haben sie vielleicht falsch verstanden, warum sie draußen war.
Aber ob sie ihr helfen wollten oder sie missverstanden – für sie war es auf jeden Fall eine schmerzhafte Erfahrung. Sie wurde von denjenigen verletzt, die ihr eigentlich Trost und Hilfe hätten spenden können.
Schließlich wendet sie sich nun an diese Gruppe von Frauen, die im Hohelied als die Töchter Jerusalems bekannt sind. Ich denke, es ist ein Bild für andere Gläubige – vielleicht jüngere, weniger reife Gläubige, aber sie sind ihre Freunde. Und sie sagt: „Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems, wenn ihr meinen Geliebten findet, was sollt ihr ihm berichten? Dass ich krank bin vor Liebe!“
Nun, sie hat bisher schon sehr viel durchgemacht: Der Schockmoment, dass er nicht da war, als sie die Tür öffnete; dann als sie nach ihm suchte und diese Wächter kamen und sie verwundeten, sie schlugen und ihr ihren Schleier abnahmen. An diesem Punkt ist sie überwältigt von einer unstillbaren Sehnsucht nach ihrem Geliebten. Sie ist verzweifelt, und sie ist bereit, sich selbst zu demütigen und um Hilfe zu bitten.
Wir werden heute an dieser Stelle enden. Nächstes Mal setzen wir genau hier fort und schauen uns an, wie die Suche der Braut nach einer wiederhergestellten engen Beziehung weitergeht. Aber ich möchte hier noch kurz innehalten und unsere Herzen ansprechen, während wir diese Geschichte vor Augen haben.
Vielleicht hast du geschlafen, warst selbstgefällig und nicht mehr offen in deiner Beziehung zum Herrn. Hat er dich gerufen und du hast ihn ignoriert? Hast du dir Ausreden ausgedacht, oder ihn hingehalten?
Ich muss gestehen, dass mir neulich beim Vorbereiten dieser Podcast-Reihe etwas bewusst wurde: Wenn ich die Bibel studiere oder Stille Zeit mache, oder manchmal während ich an einer Folge wie dieser arbeite, und wenn dann mein Handy vibriert, oder wenn ich Nachrichten und E-Mails erhalte, bin ich oft schneller dabei, sie zu beantworten, als ich auf meinen Herrn reagiere. Es ist fast schon ein Reflex – kaum vibriert das Handy, greife ich danach.
Und als ich gestern hochschnellte, um auf mein Handy zu schauen, wurde mir plötzlich bewusst: „Warum reagiere ich nicht genauso, wenn der Herr zu mir redet?“
Wir sind oft so in Selbstzufriedenheit verfallen und haben dadurch seine spürbare Nähe in unserem Leben verloren.
Sehnt sich dein Herz nach Ihm, während du diese Reihe anhörst? Möchtest du unbedingt wieder seine Gegenwart erleben, wenn du die Geschichte dieser Braut verfolgst?
Während ich an dieser Reihe arbeitete, habe ich gemerkt, wie bedürftig mein eigenes Herz ist und wie es sich danach sehnt, ihn zu kennen, ihm zu antworten und eine tiefere Beziehung zu ihm zu haben als bisher.
Wenn unser Herz sich sehnt, wenn wir uns so sehr eine engere Beziehung mit ihm wünschen, dann ist es, denke ich, der erste Schritt, das zu tun, was die Braut tat: Wir müssen ehrlich werden, unseren Zustand anerkennen, unsere Not anerkennen und um Gebet bitten, um Hilfe bitten. Sie sagt: „Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems, wenn ihr meinen Geliebten findet, was sollt ihr ihm berichten? Dass ich krank bin vor Liebe!“ „Helft mir. Helft, dass wir wieder zusammenkommen. Helft, dass wir wieder vereint werden.“
Sie muss demütig genug sein zuzugeben, dass sie ein Problem hat. Und wir müssen demütig genug sein, um zu sagen: „Mir fehlt etwas in meiner Beziehung zum Herrn.“ Es kann verschiedene Gründe dafür geben, in verschiedenen Phasen unseres Lebens, aber es ist so wichtig, dass wir sagen: „Ich brauche Gebet. Kannst du mir helfen, den „‚Geliebten meiner Seele‘ zu finden? Betest du bitte für mich?“
Weißt du, wir sagen als Christen so oft, dass es uns gut geht, dass wir ganz gut klar kommen. Wir bleiben in so vielen unserer Beziehungen einfach an der Oberfläche. Aber es ist so wichtig, Menschen zu haben, zu denen wir sagen können: „Kannst du mir helfen, ihn zu finden? Ich brauche Gebet. Ich brauche mehr. Ich will mehr.“
Ich bin die Erste, die sagt: Ich brauche Gottes Gnade, sein Eingreifen in meinem Leben. Ich möchte meinen Geliebten wiederfinden und wieder die Vertrautheit mit ihm erleben, die ich einst hatte.
Lea: Nancy ist gleich zurück, um mit uns zu beten.
Sie hat uns dazu eingeladen, unsere Herzen zu prüfen. Ist Christus im Zentrum? Liebst du ihn mehr als alles andere?
Was tust du, wenn deine Gefühle dir sagen, dass du weit weg von Christus bist? Nächste Woche wird Nancy dir zeigen, wie du Christus anbeten kannst, ganz gleich, was deine Gefühle sagen. Ich hoffe, du bist dann wieder dabei.
Jetzt wird Nancy mit uns beten. Und ich sage: bis nächste Woche.
Nancy: „O Herr, wir bekennen, wir möchten eine tiefere, vertrautere Gemeinschaft mit Dir haben. Hilf uns bitte, Herr. Manche von uns spüren schon lange deine Gegenwart nicht mehr. Wir sind schlaftrunken, selbstzufrieden, unempfänglich für dein Reden geworden. Herr, bitte zeig uns, wo und wie wir Dich finden können, damit wir in Einheit und tiefer, erfüllender Gemeinschaft mit Dir leben.“
Ich bete im Namen meiner Schwestern, Herr, und für mich selbst. Wir erheben unsere Herzen zu dir und sagen: „Komm bitte zu uns, begegne uns und offenbare dich uns.“ In Jesu Namen. Amen.
Belebe unsere Herzen ist Teil von Revive Our Hearts Ministries.
Wenn nichts anderes erwähnt wird, sind die Bibeltexte der Schlachter Übersetzung © 2000 Genfer Bibelgesellschaft entnommen.
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Jetzt wird’s persönlich!
Tag 15 – Schwankende Liebe 1: Die Gefahr des Zögerns (Hohelied 5,2–8)
- Ich schlafe… (Hohelied 5,2). Bist du geistlich schläfrig oder selbstzufrieden geworden? Wenn ja, was hat dich „in den Schlaf gewogen“, sodass du nicht mehr offen und wach für Jesus bist?
- Da wurden meine Gefühle für ihn erregt (Hohelied 5,4 ELB). Spürst du eine Sehnsucht nach tieferer Gemeinschaft mit dem Herrn? Wenn du die einstige Nähe zu ihm verloren hast, welche Schritte kannst du gehen, um sie wiederherzustellen? Wenn du verheiratet bist: Gibt es Schritte, die du gehen solltest, um verlorene Vertrautheit mit deinem Partner wiederzufinden?
- Wie kannst du geistlich wach und aufmerksam bleiben und verhindern, in der Beziehung zu Christus wieder in Selbstgefälligkeit zu verfallen?
- Da ist die Stimme meines Geliebten, der anklopft! „Tu mir auf, meine Schwester, meine Freundin, …“ (Hohelied 5,2). Versucht der Herr, dich zu sich zu ziehen? Zögerst du oder wirst du sofort antworten?