Weiterführendes Material zu dieser Folge
Du kannst dieses Thema gerne vertiefen, indem du über die Fragen unter der Rubrik „Jetzt wird‘s persönlich“ ganz unten im Text nachdenkst.
Nancy DeMoss Wolgemuth: Die Hingabe an den Herrn muss einem effektiven Dienst vorausgehen.
Lea Köster: Hier ist Nancy DeMoss Wolgemuth, gesprochen von Annette Schorre. Sie sagt: „Stell sicher, dass du Zeit allein mit dem Herrn verbringst, bevor du dich in einen neuen Dienst stürzt.“
Nancy: Wenn echte Hingabe und Nähe zum Herrn da sind, wächst daraus ganz natürlich eine Leidenschaft für den Dienst.
Lea: Hallo liebe Freundin – hier ist wieder Belebe unsere Herzen mit Nancy DeMoss Wolgemuth, Autorin von Ort der Stille. Ein Buch, in dem Nancy Mut macht, sich Zeit für die Stille vor Gott zu nehmen, nicht um Pluspunkte zu sammeln, sondern um intensiv Zeit mit Gott als Herrn und Vater zu verbringen. Hier …
Weiterführendes Material zu dieser Folge
Du kannst dieses Thema gerne vertiefen, indem du über die Fragen unter der Rubrik „Jetzt wird‘s persönlich“ ganz unten im Text nachdenkst.
Nancy DeMoss Wolgemuth: Die Hingabe an den Herrn muss einem effektiven Dienst vorausgehen.
Lea Köster: Hier ist Nancy DeMoss Wolgemuth, gesprochen von Annette Schorre. Sie sagt: „Stell sicher, dass du Zeit allein mit dem Herrn verbringst, bevor du dich in einen neuen Dienst stürzt.“
Nancy: Wenn echte Hingabe und Nähe zum Herrn da sind, wächst daraus ganz natürlich eine Leidenschaft für den Dienst.
Lea: Hallo liebe Freundin – hier ist wieder Belebe unsere Herzen mit Nancy DeMoss Wolgemuth, Autorin von Ort der Stille. Ein Buch, in dem Nancy Mut macht, sich Zeit für die Stille vor Gott zu nehmen, nicht um Pluspunkte zu sammeln, sondern um intensiv Zeit mit Gott als Herrn und Vater zu verbringen. Hier ist jetzt Nancy:
Nancy: Wenn du unsere Podcastreihe bisher mitverfolgt hast, weißt du, dass wir allmählich zum Ende dieser ausgedehnten Serie zum Buch Hohelied kommen. Sie heißt: „Der Geliebte meiner Seele - Jesus im Hohelied“. Wir haben die Braut und ihren Geliebten durch Höhen und Tiefen begleitet ‒ angefangen bei der anfänglichen Liebe bis hin zum letzten Abschnitt, wo ihre Liebe gereift ist.
Heute sind wir in Kapitel 7. In der letzten Folge haben wir über die ersten zehn Verse gesprochen, in denen der Geliebte die Schönheit, die Reife und Fruchtbarkeit seiner Braut preist. Er sagt zum Beispiel: „Wie schön bist du und wie lieblich, o Liebe voller Wonnen! (...) dann [wird] (...) der Duft deiner Nase wie Äpfel, und dein Gaumen wie der beste Wein [sein]“ (Verse 7.9.10).
Und dann – mitten in Vers 10 – wird er von seiner Braut unterbrochen. Tatsächlich beendet sie seinen Satz. Er sagt: „(...) und der Duft deiner Nase [ist] wie Äpfel, und dein Gaumen wie der beste Wein –“. Und sie setzt fort: „… der meinem Geliebten sanft hinuntergleitet, Über die Lippen der Schlafenden rieselt.“
Nun, wir wissen, dass sie jetzt spricht, weil sie von ihm als „meinem Geliebten“ redet – er hingegen nennt sie „meine Freundin“. Sie beendet seinen Satz und macht deutlich: „Das alles ist für meinen Geliebten. Es ist für dich. Es geht nur um dich.“ Und genau diese Haltung drückt sie auch im weiteren Verlauf des Kapitels aus. Sie ergreift jetzt das Wort und sagt: „Dieser Wein, der sanft hinuntergleitet und über die Lippen der Schlafenden rieselt, ist für meinen Geliebten.“
Dieser letzte Ausdruck wurde auf ganz unterschiedliche Weise ausgelegt, und es ist nicht klar, was er wirklich bedeutet. Aber ich denke, es könnte Folgendes gemeint sein: Wenn sie ihrem Geliebten Freude bereitet – so wie er es in der letzten Folge beschrieben hat – dann hat das auch Auswirkungen auf andere. Diese anderen werden als „Schlafende“ bezeichnet.
Das könnten Menschen sein, die geistlich schlafen ‒ die nie bekehrt waren, oder auch Gläubige, die von der Welt in den Schlaf gewiegt wurden. Doch durch die Hingabe der Braut, durch ihre Schönheit, ihren Duft und ihre Fruchtbarkeit, werden diese Schlafenden geweckt. Ihre Herzen werden wachgerüttelt, sie werden neu belebt, wenn sie die tiefe Freude sehen, die diese Braut mit ihrem Geliebten erlebt.
Weißt du, unser Leben sollte andere nicht in den Schlaf wiegen. Unser Leben sollte Schlafende wecken. Wenn sie die Schönheit, die Kraft und das Leben Christi in uns sehen, dann sollten sie aufwachen wollen – sie sollten sich danach sehnen, selbst eine lebendige Beziehung zu Jesus zu haben.
In Vers 11 sagt sie: „Ich gehöre meinem Geliebten, und sein Verlangen steht nach mir!“ Etwas Ähnliches hatte sie schon zweimal vorher gesagt, und es geht einfach darum, dass sie ihm gehört. Sie ist sein Eigentum. Sie erkennt, dass sie allein dazu da ist, ihm zu gefallen. „Ich gehöre meinem Geliebten, und sein Verlangen steht nach mir!“ Ihr Hauptinteresse ist es zu fragen, was sich ihr Geliebter wünscht und was ihm gefällt. Sie hat alle Rechte an sich selbst aufgegeben. Sie möchte einfach, dass er mit ihr tun kann, was ihn erfreut. Wenn es ihm gefällt, dann gefällt es auch ihr.“
Ein Ausleger des Hohelieds sagte einmal: „So zu leben, dass man für den Herrn begehrenswert ist, ist das höchste Ziel im Leben eines Gläubigen. Die Frage ist nicht, wie ich empfinden mag, was ich gewinnen mag oder welchen Dienst ich ihm erweise, sondern ob ich als Gläubiger für ihn begehrenswert bin.“ Man kommt an den Punkt, an dem das alles ist, was im Grunde zählt. Wie wir schon letztes Mal gesagt haben, ist diese Sorge darüber, wie sich Dinge auf mich auswirken, ein Zeichen von Unreife. Ein Zeichen von Reife ist jedoch zu fragen: „Was ist sein Wunsch? Was gefällt ihm? Was ehrt ihn?“
Dann sagt sie in Vers 12: „Komm, mein Geliebter“. Dreimal zuvor hatte er sie aufgefordert zu ihm zu kommen. Wenn du in dieser Serie bisher dabei warst, erinnerst du dich vielleicht, dass er in Kapitel 2 zwei Mal sagte: „Mach dich auf, meine Freundin, komm her, meine Schöne!“ (Verse 10+13). In Kapitel 4 sagt er: „Komm mit mir vom Libanon“ (Vers 8). Damals war sie noch nicht so willig, aber jetzt hat sich ihre Haltung geändert, und ihre Prioritäten sind nicht mehr dieselben. Sie ist nicht mehr zögerlich; sie hat keine Angst mehr, mit ihm zu gehen. Jetzt ist sie diejenige, die ihn aufruft zu kommen.
„Komm, mein Geliebter, wir wollen aufs Feld hinausgehen, in den Dörfern übernachten; wir wollen früh zu den Weinbergen aufbrechen, nachsehen, ob der Weinstock ausgeschlagen hat, ob die Blüten sich geöffnet haben, ob die Granatbäume blühen; dort will ich dir meine Liebe schenken! Die Alraunen verbreiten Duft, und über unseren Türen sind allerlei edle Früchte; neue und alte habe ich dir, mein Geliebter, aufbewahrt!“ (Verse 12-14).
Lasst uns für einen Moment zu Vers 12 zurückgehen. Sie sagt: „Komm, mein Geliebter, wir wollen aufs Feld hinausgehen, in den Dörfern übernachten“. Sie ist bereit, eine Mitarbeiterin ihres Geliebten zu sein. Das war schon immer sein Ziel. Das ist der Grund, weshalb er mit ihr in einer Beziehung ist, weshalb er sie immer wieder gerufen hat zu kommen.
Wenn sie erst einmal in seiner Liebe Erfüllung und Zufriedenheit gefunden hat und ihm gerne Freude bereitet, dann will er, dass sie in Einheit und Gemeinschaft mit ihm hinausgeht, um mit ihm zusammen im Feld der Welt zu dienen. Sie hat den Garten ihres Herzens gepflegt. Daraus ist Frucht entstanden, ein Duft, der ihm gefällt. Aber jetzt ist sie bereit, mit ihm hinauszugehen, auf sein Feld, in sein Werk, in seinen Dienst, in seine Welt.
Ich liebe es, wie sie zweimal sagt „wir wollen“: „wir wollen aufs Feld hinausgehen, in den Dörfern übernachten; wir wollen früh zu den Weinbergen aufbrechen nachsehen, ob der Weinstock ausgeschlagen hat“ (Verse 12-13). Merkst du? Sie geht nicht alleine. Sie sagt nicht: „Ich werde das für dich tun. Ich werde mich darum kümmern. Ich werde hier arbeiten. Ich werde hier dienen. Ich werde in dieser Kinderstunde biblische Geschichten erzählen.“ Nein, sie sagt: „Wir wollen aufs Feld hinausgehen.“ Sie gehen zusammen.
Zu meinen Lieblingsbüchern gehört ein kleines Buch über das Hohelied, das Hudson Taylor, der große und einflussreiche Missionspionier in China, geschrieben hat. Er schrieb nur ein einziges Buch; und es heißt auf deutsch „Einheit und Gemeinschaft“. Es ist ein Buch über das Hohelied, und der Titel passt perfekt ‒ „Einheit und Gemeinschaft“. Wenn wir in ihm bleiben, eins mit ihm sind und mit ihm Gemeinschaft haben, dann hat das Auswirkungen über unser Leben hinaus. Frucht entsteht. Dann gehen wir hinaus mit ihm, wir bleiben in ihm, wir gehen auf das Feld der Welt und dienen gemeinsam mit ihm.
Vielleicht spürst du, dass Gott dich in ein neues Aufgabenfeld beruft. Immer wieder schreiben mir Frauen Dinge wie: „Ich glaube, Gott möchte, dass ich einen neuen Dienst beginne. Ich denke, Gott will, dass ich in meiner Gemeinde eine Frauenarbeit aufbaue.“ Oder: „Ich glaube, Gott will, dass ich Vorträge halte, so wie du. Oder, dass ich Bücher schreibe.“
Vielleicht hat Gott tatsächlich all das für dich vorbereitet. Aber lass mich dir ein ernst gemeintes Wort mitgeben: Versuche nicht, es ohne ihn zu tun. Erfinde nicht deinen eigenen Auftrag. Erfinde nicht deine eigene Berufung. Lass Gott das in dir hervorbringen. Es ist so wichtig, dass du nicht einfach losrennst, sondern Gott fragst: „Ist das wirklich Dein Wille für diese Lebensphase? Ist das Deine Berufung für mein Leben? Ist das der Weg, den Du mich führen willst? Gehst Du mit mir da hinein?“ Denn wenn du von dir aus los ziehst, wirst du auf dich allein gestellt sein, wenn es hart auf hart kommt, wenn der Druck zunimmt.
Bevor wir mit Revive Our Hearts Radio begonnen haben (viele von euch kennen diese Geschichte) und ich gefragt wurde, diesen Dienst zu übernehmen, habe ich achtzehn Monate lang den Herrn gesucht. Ich holte mir Rat, betete, fastete – zum Teil auch über einen längeren Zeitraum. Ich wollte wirklich, wirklich, wirklich sicher sein, dass ich nicht alleine dort hinausgehe. Ich hatte so viele Ängste und Bedenken – und ehrlich gesagt, haben sie sich auch alle als mehr oder weniger berechtigt erwiesen.
Es gibt schwierige Seiten an diesem Dienst – und ich wusste das vorher. Auch an deiner Berufung gibt es schwere Seiten. Es ist nicht immer leicht, Mutter zu sein, oder? Und es ist auch nicht immer leicht, dem Herrn dort zu dienen, wo er dich hingestellt hat. Genau deshalb war es mir so wichtig zu fragen: „Herr, führst Du mich wirklich in diese Richtung? Gehen wir diesen Weg gemeinsam?“ Ich wusste: Wenn er bei mir ist – wenn er führt, leitet, mich dort hinbringt –, wenn wir das zusammen tun, dann wird er auch alles geben, was nötig ist, um den Auftrag zu erfüllen. Aber ich wusste auch: Wenn ich ohne ihn losziehe, dann werde ich auf mich selbst gestellt sein. Und so sagt sie: „Wir wollen aufs Feld hinausgehen.“
Wenn wir den Verlauf dieser Geschichte betrachten, wird uns erneut deutlich: Hingabe an den Herrn muss einem effektiven Dienst vorausgehen. Am Anfang haben wir diese Frau gesehen – sie war aktiv im Dienst, aber ohne echte Hingabe; und ihr eigener Weinberg war verwildert. Schon zu Beginn des Buches sagte sie: „Sie setzten mich zur Hüterin der Weinberge; [doch] meinen eigenen Weinberg habe ich nicht gehütet!“ (Hoheslied 1,6). Sie musste sich erst aus dem Weinberg zurückziehen und Zeit allein mit ihm verbringen – eine Zeit, in der er sie formen, prägen und lieben konnte. Sie entwickelten diese vertraute Beziehung und pflegten sie. Doch jetzt sehen wir: Wenn echte Hingabe und Nähe zum Herrn da sind, wächst daraus ganz natürlich eine Leidenschaft für den Dienst.
Sie sagt: „Komm, mein Geliebter, wir wollen aufs Feld hinausgehen, in den Dörfern übernachten.“ Hier spricht eine Frau, die verstanden hat, dass sie eine Pilgerin ist, dass sie unterwegs ist. Diese Welt ist nicht für immer ihre Heimat. Sie wird ihre Wurzeln nicht zu tief in den Palast schlagen, in dem sie bisher gelebt hat. Es entsteht das Bild einer Frau, die mit ihrem Geliebten von Dorf zu Dorf zieht, um seinen Auftrag zu erfüllen. Sie will es sich darum nicht zu bequem machen, ihre Zeltpflöcke nicht zu tief einschlagen.
Wenn ich diesen Abschnitt lese, muss ich unweigerlich an Christus denken, der seine Heimat im Himmel verließ. Er kam herab auf das „Feld“ dieser Welt und reiste von Dorf zu Dorf, um die gute Botschaft vom Reich Gottes zu verkünden. Von sich selbst sagte er: „(...) der Sohn des Menschen hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann“ (Matthäus 8,20) – keinen Ort, den er sein Eigen nannte.
Dieses Bild von Christus hat mich in meinen Zwanzigern und Dreißigern oft beschäftigt, als ich im vollzeitlichen Reisedienst war. Ungefähr 12 Jahre lang war ich das ganze Jahr über auf Reisen. Acht oder neun dieser Jahre habe ich in Hotelzimmern gelebt: von einer Stadt zur anderen – ein Hotel nach dem anderen, ein Restaurant nach dem anderen. Ich hatte kein eigenes Zuhause.
Dann kam ich in eine neue Lebensphase. Mein Dienst veränderte sich. Ich ließ mich in Michigan nieder und baute mit Mitte dreißig. Das Haus, das ich erbauen ließ, ist ein großer Segen für mich gewesen. Aber eine Sache ist mir in der Zeit bewusst geworden: Es ist leicht, die Haltung eines Pilgers zu verlieren. Wenn man älter wird, wächst oft der Wunsch nach Sicherheit, Bequemlichkeit, Sesshaftigkeit. „Bitte keine Umzüge mehr.“ Es ist so einfach, sich an die Dinge dieser Welt zu hängen. Wir wollen es bequem haben, uns niederlassen.
Ich bin ein Mensch, der gern zu Hause ist. Das kann ich euch sagen. Vielleicht liegt das daran, dass ich jahrelang ständig unterwegs war. Wenn ich nie wieder in ein Flugzeug steigen müsste – wäre mir das gerade recht. Reisen fällt mir schwer. Ich habe im Lauf der Jahre oft gesagt, dass ich das für keinen anderen außer für Jesus tue … ! Und doch wünsche ich mir so zu leben, dass ich bereit bin flexibel zu bleiben – bereit zu gehen, wenn er sagt: „Geh!“, und umzuziehen, wenn er sagt: „Ziehe um!“ Die Braut sagt: „Wir wollen aufs Feld hinausgehen, in den Dörfern übernachten“ (Vers 12).
Das bedeutet nicht, dass du, wenn du Christus nachfolgst, automatisch viel reisen musst. Vielleicht möchtest du reisen, aber Gott will, dass du zu Hause bleibst. Es geht vielmehr darum, dass du bereit bist für das, was er von dir will – auch wenn es sich nicht sicher, bequem oder stabil anfühlt – wenn er dich aus deiner Komfortzone herausführt. Und fällt uns das nicht mit zunehmendem Alter schwerer? Wir wollen einfach am liebsten das, was vertraut, gewohnt, bequem und klar definiert ist.
Gott sagt: „Oh nein. Ich bereite dich auf etwas anderes vor. Lass uns dieses Nest ein wenig unbequem machen. Ich will dich hier rausbringen. Geh weiter! Geh hinaus aufs Feld! Übernachte in den Dörfern.“
Hier sehen wir eine Braut mit dem Herzen eines Pilgers. Sie ist bereit, Komfort und Sicherheit aufzugeben. Genau so ein Herz möchte ich auch haben. Und ich muss gestehen, je älter ich werde, desto schwerer fällt mir das. Gerade sind wir als Team in der Planung einer Reise, und es scheint mir einfach erdrückend – allein schon der Gedanke, mich aufzumachen und diese Reise anzutreten, schreckt mich ab. Ich kann wirklich eine Jammerliese sein. Aber wenn ich diesen Abschnitt lese – ich bin nicht die Einzige, nicht wahr? Du jammerst bestimmt auch manchmal, oder?
Ich wünsche mir dieses Pilgerherz, das fragt: „Herr, wohin willst du mich senden? Was willst du mit mir tun? Wo willst du mich hinstellen? Wie willst du mich gebrauchen? Lass es uns gemeinsam tun. Lass uns früh aufbrechen zu den Weinbergen. Lass uns schauen, ob der Weinstock ausgeschlagen hat, ob die Blüten der Reben sich geöffnet haben und die Granatbäume blühen.“
Sie hat ihren eigenen Weinberg gepflegt – und jetzt ist sie bereit, mit ihm gemeinsam in andere Weinberge hinauszugehen. Sie haben eine Einheit gefunden, eine tiefe Vertrautheit und Nähe gepflegt. In der Gemeinschaft mit ihm hat sie eine viel größere Fähigkeit zum Dienst und zur Fruchtbarkeit, als sie je hatte, als sie ihren Weinberg allein gepflegt hat.
Wir haben in einer früheren Folge darüber gesprochen, dass er sie aufforderte, mit ihm zu kommen, wenn er über die Berge springt und über die Hügel hüpft (vergleiche Hohelied 2,8). Und er sagte: „Ich möchte, dass du mitkommst und das tust“ (vergleiche Hohelied 2,10).
Sie antwortete: „Nee, nee. Es ist dunkel draußen. Ich habe Angst. Das kann ich nicht.“ Aber jetzt begreift sie, dass sie in Einheit mit ihm alles tun kann, was er in ihr und durch sie tut.
Ich bin auf eine Stelle in Psalm 18 gestoßen, die gut zu dem passt, was wir gerade im Hohelied gelesen haben.
„Ja, du zündest meine Leuchte an; der HERR, mein Gott, macht meine Finsternis licht; denn mit dir kann ich gegen Kriegsvolk anrennen, und mit meinem Gott über die Mauer springen. (...) Gott ist es, der mich umgürtet mit Kraft und meinen Weg unsträflich macht. Er macht meine Füße denen der Hirsche gleich und stellt mich auf meine Höhen; er lehrt meine Hände kämpfen und meine Arme den ehernen Bogen spannen. (…) Du machst mir Raum zum Gehen, und meine Knöchel wanken nicht. (…) Du hast mich gegürtet mit Kraft (...)“ (Verse 29–30.33–35.37.40).
Was ist das? Es ist ganz allein seine Kraft – seine Stärke, seine Fähigkeit, seine Energie. Es ist er in uns, der Übernatürliches bewirkt. Dinge, die wir aus eigener Kraft niemals tun könnten.
Der Herr sorgt dafür, dass ich in diesem Dienst nie vergesse, dass ich das nicht kann. Aber er kann es. Und die Braut geht mit einer gewaltigen Fähigkeit zum Dienst und Einsatz los – weil sie in seiner Stärke geht. Wenn wir jedoch auf eigene Faust losziehen, ohne seine Führung, ohne seine Fülle, dann brennen wir aus. Dann ermüden wir im Dienst.
Ich spreche hier nicht nur vom Lehren durch Podcasts. Ich meine damit alles, wozu Gott dich auch berufen haben mag. Manche von euch haben kleine Kinder oder betreuen regelmäßig die Enkel – und ihr denkt vielleicht: Ich werde zu alt dafür. Das ist anstrengend. Ich schaffe das nicht mehr.
Tust du es aus eigener Kraft, wirst du ausbrennen. Tust du es aus eigener Kraft, wirst du dich irgendwann vielleicht sogar ärgern über die Menschen, denen du dienen sollst. Aber wenn du es mit ihm zusammen tust – wenn du in ihm bleibst – dann wirst du übernatürliche Kraft empfangen, um über Berge zu springen, über Hügel zu hüpfen, hinauszugehen aufs Feld, in die Weinberge – und dich um die Bedürfnisse anderer kümmern.
Also geht sie mit ihrem Geliebten hinaus in die Weinberge, hinaus auf die Felder. Und was tut sie? In Vers 12 heißt es, dass sie nach Anzeichen von geistlichem Leben sucht; sie hält Ausschau nach Wachstum, nach Frucht. Es ist ein Bild dafür, aufmerksam auf den Zustand der Seelen von Menschen um einen herum zu achten. Was geht vor in ihrem Leben?
Achtest du auf die Seele deiner Kinder, deines Ehepartners, deines Nachbarn, deiner Freunde, deines Gemeindeleiters? Bist du aufmerksam? Bist du wachsam? Gibst du auf sie Acht – nicht, um ihnen zu sagen, wo sie geistlich stehen, sondern um nach Anzeichen von Wachstum zu suchen, nach Zeichen der Fruchtbarkeit, nach Anzeichen von Gottes Gnade im Leben anderer? Weil du weißt, dass dem Geliebten deiner Seele Fruchtbarkeit wichtig ist. Darum geht es ihm, und deshalb soll es auch dir darum gehen.
Und dann sagt sie: „Wenn ich hinausgehe in diese Dörfer, auf diese Felder, in diese Weinberge – dort“, das ist das Ende von Vers 13, „dort will ich dir meine …“ in eurer Bibel steht „meine Liebe“. Aber wörtlich heißt es „meine Lieben“. „Dort will ich dir meine Lieben schenken.“ Es ist ein Wort im Plural. „Dort, wo ich diene, werde ich dir meine Lieben schenken.“
Wir meinen oft, dass es zwei unterschiedliche Arten von Gläubigen gibt. Die einen sind eher stille und nachdenkliche Naturen. Sie leben fast wie in einem Kloster, lieben Jesus, beten und lesen in der Bibel – anscheinend ist das alles, was sie tun. Die anderen hingegen sind aktiv, voller Tatendrang; sie setzen ihre ganze Energie dafür ein, dem Herrn und anderen zu dienen. Es ist das bekannte Bild von Maria und Martha – zwei verschiedene Typen. Doch wenn unsere Liebe zu Christus reift, dann werden wir ein Herz wie Maria haben und Hände wie Martha. Es geht nicht um ein „Entweder - Oder“, sondern um ein „Sowohl - als - auch“.
Zuerst schenkte sie ihm ihre Liebe im Schlafgemach des Palastes, in der Vertrautheit. Doch nun sagt sie: „Draußen, mitten im Dienst, dort will ich ihm ebenfalls meine Lieben schenken.“ Es ist leicht, Jesus in der Stillen Zeit zu lieben – wenn nichts uns stört, keine Unterbrechungen kommen, keine Lasten, keine Sorgen.
Doch wenn wir im Glauben reifen, lernen wir, ihm unsere Liebe jederzeit zu schenken, während wir ihm dienen. Und wir erkennen, dass wir ihn auch mitten im Alltag lieben können, wenn wir mit schwierigen Menschen zu tun haben, beim Kochen, wenn Gäste im Haus sind – so wie bei mir dieses Wochenende, während ich gleichzeitig eine Aufnahme vorbereite. Auch dann können wir ihn und andere lieben. Mitten im Hausputz, beim Windelwechseln, beim Schlichten von Streit unter den Kindern oder während wir sie zuhause beaufsichtigen, beim Vorbereiten eines Bibelkurses, beim Leiten des Kindergottesdienstes – was auch immer du gerade tust, du kannst ihn genau dort lieben. „Dort will ich dir meine Lieben schenken.“
Es ist ein nie endender Kreislauf. Wir werden von ihm geliebt. Wir erwidern diese Liebe und werden mitten im Dienst erfrischt, weil wir ihm dort unsere Liebe schenken. Seht ihr das?
Und dann Vers 14, der letzte Vers des Kapitels: „Die Alraunen verbreiten Duft, und über unseren Türen sind allerlei edle Früchte (...)“. Duft und Fruchtbarkeit! Das ist das zentrale Thema durch das ganze Buch hindurch. „(...) über unseren Türen sind allerlei edle Früchte; neue und alte habe ich dir, mein Geliebter, aufbewahrt!“
Alle Arten von Früchten ‒ eine große Vielfalt an köstlichen Früchten. Welche Frucht hast du deinem Geliebten aufbewahrt? Ist sie köstlich? Duftet sie? Ist sie reif? Entwickelt sie sich? Hast du eine große Vielfalt an Früchten, die du dem Herrn darbringst?
Stell dir alte Früchte vor, die immer wieder erneuert werden, und neue Früchte, die heranwachsen – die Frucht des Geistes, die Wesenszüge Christi, Menschen, die du gesegnet hast, jüngere Frauen, in die du investierst, ältere Gläubige, die du liebst, für die du betest und die du im Pflegeheim besuchst, Kinder, die du zur Ehre Gottes erziehst, Menschen, denen du von Christus erzählst. All das sind Früchte, die wir für ihn aufbewahren, ohne zu vergessen, dass er derjenige ist, der diese Frucht in und durch uns hervorbringt. Wir produzieren sie nicht selbst.
Und sie sagt: „All das, all diese Fülle an Frucht, habe ich dir aufbewahrt, mein Geliebter.“ Wir sind wieder da, wo wir in dieser Folge angefangen haben. Es ist alles für ihn. Das ist das Zeichen einer gereiften Liebesbeziehung. Sie ist nicht mehr jemand, die nur nimmt. Sie ist eine Geberin. Es geht ihr nicht mehr darum, was er für sie tun kann oder was sie aus der Beziehung nehmen kann. Sie ist nicht in erster Linie auf den Segen und die Vorteile aus, die es mit sich bringt, ihn zu kennen. Sie sehnt sich jetzt danach, ihm Freude zu bereiten und für ihn Frucht zu bringen.
Sie ist an dem Punkt angelangt, wo alles, alles, alles für ihn ist. Deshalb ist sie bereit, mit ihm hinaus auf die Felder und in die Weinberge zu gehen. Sie ist voller Eifer, Frucht für ihn zu finden. Sie hat diese enorme Fähigkeit, Frucht hervorzubringen, weil er das mit ihr tut. Und auch wir haben diese enorme Fähigkeit, Frucht zu bringen, wenn wir in Christus bleiben ‒ durch die innewohnende Kraft seines Geistes. Nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir ‒ Christus, der in mir seine Frucht bringt. Und es ist alles, alles, alles für Ihn.
Lea: Wenn du große Dinge tun möchtest, um Gottes Reich zu bauen, beginne damit, Zeit mit ihm persönlich zu verbringen. Nancy's Buch Ort der Stille kann dir dazu eine Hilfe sein.
Wie wertvoll und wichtig die stille Zeit ist, hat uns Nancy DeMoss Wohlgemuth aus dem Hohelied vermittelt. Die Botschaft ist Teil der Serie „Der Geliebte meiner Seele – Jesus im Hohelied“.
Schätzt ihr die Art, wie Belebe unsere Herzen euch hilft, Jesus besser kennenzulernen?
Ihr könnt uns gerne unterstützen, vor allem indem ihr für uns betet oder anderen Frauen unseren Podcast teilt.
Wenn der Herr es euch aufs Herz legt, könnt ihr uns auch finanziell unterstützen.
Wenn du dich in einer Beziehung nur darauf konzentrierst, was du herausholen kannst, wirst du unglücklich sein. Aber wenn du dich darauf konzentrierst, was du geben kannst, dann wirst du Freude finden.
Nancy: Wir denken an den Vers in Philipper 2, wo es heißt: „Tut nichts aus Selbstsucht oder nichtigem Ehrgeiz“ (Vers 3). Das gilt für die Ehe und jeden anderen Lebensbereich. Hier ist die Alternative dazu: „in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst. Jeder schaue nicht auf das Seine, sondern jeder auf das des anderen.“ (Verse 3+4).
Das wäre ein wunderbarer Vers, den man ins Zentrum einer Ehe stellen könnte. Dann stelle dir selbst die Frage: Achte ich meinen Partner höher als mich selbst? Heutzutage hat man Angst unterzugehen, wenn man das tut. Man befürchtet, bedeutungslos zu werden, und fragt sich: Wer wird auf mich achten? Wer wird sich um mich kümmern? Wenn du dich nicht um dich selbst kümmerst, wer dann?
Aber in Gottes umgekehrter göttlicher Mathematik funktioniert es genau andersherum.
Lea: Nancy wird in der nächsten Folge mehr dazu erklären. Sei doch gerne wieder dabei, bei Belebe unsere Herzen.
Belebe unsere Herzen ist Teil von Revive Our Hearts Ministries und ruft dich in die Nähe Jesu.
Wenn nichts anderes erwähnt wird, sind die Bibeltexte der Schlachter Übersetzung © 2000 Genfer Bibelgesellschaft entnommen.
[su_spacer size="50"]
Jetzt wird’s persönlich!
Tag 19 – Reife Liebe 3: Lass uns gemeinsam gehen! (Hohelied 7,10b-14)
- „Ich gehöre meinem Geliebten, und sein Verlangen steht nach mir!“ (Hohelied 7,11) Was bringt die Braut mit diesen Worten zum Ausdruck? Was würde es bedeuten, wenn dein Herz dieselbe Haltung gegenüber dem Herrn Jesus hätte? Und gegenüber deinem Ehepartner?
- „Komm, mein Geliebter, wir wollen aufs Feld hinausgehen, in den Dörfern übernachten“ (Hohelied 7,12). Hast du ein „Pilgerherz“? An welcher Stelle müsstest du vielleicht irdischen Komfort und Sicherheit aufgeben, um mit Jesus zu dienen und an seinem Reicht mitzubauen?
- Wie könnten deine Lebensumstände und Gottes Ruf in deinem Leben dir helfen, dich mehr von dieser Welt zu lösen und dich mehr an den Himmel zu binden?
- „Wir wollen (...) nachsehen, ob der Weinstock ausgeschlagen hat, ob die Blüten sich geöffnet haben“ (Hohelied 7,13). Wie kannst du aufmerksamer für die Bedürfnisse anderer in deinem Umfeld werden (z. B. dein Partner, deine Kinder, deine Nachbarn, deine Kollegen, dein Gemeindeleiter)?
- „Wir wollen früh zu den Weinbergen aufbrechen (...) dort will ich dir meine Liebe schenken!“ (Hohelied 7,13). Was zeigt uns die Geschichte dieser Braut darüber, wie wir verhindern können, im Dienst für den Herrn und andere auszubrennen? Hast schon Erfrischung mitten im Dienst erfahren? Wie sah das konkret aus?
- Bist du von Natur aus eher eine Maria (nachdenklich) oder eine Martha (aktiv)? Wie zeigt diese Liebesgeschichte das Gleichgewicht zwischen beiden? Ist dein Leben sowohl von Hingabe an den Herrn als auch von effektivem Dienst geprägt? Wie kannst du eine innige Liebesbeziehung zu Jesus bewahren und ihm und anderen dienen, ohne diese Nähe zu ihm zu opfern?
- „Über unseren Türen sind allerlei edle Früchte; neue und alte habe ich dir, mein Geliebter, aufbewahrt!“ (Hohelied 7,14). Welche Früchte hast du Jesus zu bringen, als Ergebnis seiner Gnade in deinem Leben? Hast du die Entscheidung getroffen, dass dein Leben nicht dir selbst gehört, sondern dem Geliebten deiner Seele?