Weiterführendes Material zu dieser Folge
Du kannst dieses Thema gerne vertiefen, indem du über die Fragen unter der Rubrik „Jetzt wird‘s persönlich“ ganz unten im Text nachdenkst.
Lea Köster: Nancy DeMoss Wolgemuth weiß, dass viele Menschen vor allem darauf achten, was sie aus einer Beziehung für sich selbst herausholen können.
Nancy DeMoss Wolgemuth: Wenn wir unseren Blick darauf richten, wie wir anderen Freude schenken können, dann erfahren wir die tiefste Freude und Erfüllung – wenn wir erkennen, dass es nicht um uns geht.
Lea: Hier ist Belebe unsere Herzen mit Nancy DeMoss Wolgemuth, gesprochen von Annette Schorre.
Nancy: In den vergangenen dreißig Jahren meines Dienstes hatte ich immer wieder das Vorrecht, das Hohelied Vers für Vers zu lehren. Ich habe es immer als sehr bereichernd empfunden, mich mit diesem Buch auseinanderzusetzen. Besonders als ich noch alleinstehend war, hat Gott dieses Buch dazu gebraucht, mich in …
Weiterführendes Material zu dieser Folge
Du kannst dieses Thema gerne vertiefen, indem du über die Fragen unter der Rubrik „Jetzt wird‘s persönlich“ ganz unten im Text nachdenkst.
Lea Köster: Nancy DeMoss Wolgemuth weiß, dass viele Menschen vor allem darauf achten, was sie aus einer Beziehung für sich selbst herausholen können.
Nancy DeMoss Wolgemuth: Wenn wir unseren Blick darauf richten, wie wir anderen Freude schenken können, dann erfahren wir die tiefste Freude und Erfüllung – wenn wir erkennen, dass es nicht um uns geht.
Lea: Hier ist Belebe unsere Herzen mit Nancy DeMoss Wolgemuth, gesprochen von Annette Schorre.
Nancy: In den vergangenen dreißig Jahren meines Dienstes hatte ich immer wieder das Vorrecht, das Hohelied Vers für Vers zu lehren. Ich habe es immer als sehr bereichernd empfunden, mich mit diesem Buch auseinanderzusetzen. Besonders als ich noch alleinstehend war, hat Gott dieses Buch dazu gebraucht, mich in eine tiefe und vertraute Liebesbeziehung mit Christus hineinzurufen.
Und als ich dann mit Robert verheiratet war, wurde mir noch bewusster, wie kostbar all die Zeiten waren, in denen ich mich mit dem Hohelied beschäftigt hatte. Nun, zum Teil wegen der Prägung durch meine Eltern hatte ich meinen Kopf nicht mit weltlichen Vorstellungen von Romantik, Liebe, Sexualität und Ehe gefüllt – solchen Vorstellungen, die man aus Filmen, Büchern oder Liedern kennt und die uns angeblich erklären, worum es bei der Liebe geht. Stattdessen durfte ich über viele Jahre hinweg immer wieder in dieses Buch eintauchen, das von einem irdischen König und seiner Braut erzählt und damit auf Christus und seine Braut, die Gemeinde, hinweist.
Egal, in welcher Lebensphase du dich gerade befindest – ob du ledig oder verheiratet bist: Ich bin überzeugt, dass dieses Buch dir tiefes Verständnis darüber geben kann, wie sehr dein König dich liebt. Machen wir weiter in der Podcastreihe „Der Geliebte meiner Seele – Jesus im Hohelied“.
Während unseres ganzen Bibelstudiums haben wir den Blick darauf gerichtet, wie das Hohelied uns die wunderbare Liebe Christi zu seiner Braut offenbart – zu seiner Braut, der Gemeinde, und zu jedem einzelnen Gläubigen, der Teil dieser Braut ist. Das ist die zentrale Botschaft der gesamten Schrift. Es ist etwas, das von Grundlegung der Welt an im Herzen Gottes war: Seine erlösende Liebe zu uns sündigen Menschen – wie er uns nachgeht und uns zu einer Braut für seinen Sohn macht. Das ist der Kern des Evangeliums, wie Gott das möglich gemacht hat.
Die menschliche Ehe soll auf diese Beziehung zwischen Christus und seiner Braut hinweisen. Es ist nicht so, dass Gott zuerst die Ehe erfunden hätte und dann gedacht hat: „Was könnte sie verdeutlichen? Ach ja, das passt ja auf das Evangelium.“ Nein! Gott hatte von Anfang an das Evangelium im Sinn, und er hat die Ehe so gestaltet, dass sie ein Bild für das Evangelium ist.
Und deshalb möchte ich in unserer Podcastreihe einen Einschub von zwei Tagen machen, um ein bisschen gründlicher darüber nachzudenken, was das Hohelied über die menschliche Ehe zu sagen hat.
Nun, vielleicht fragst du dich, warum sich eine ledige Frau dafür interessieren sollte, welche Einblicke das Hohelied in die Ehe gibt. Jemand hat mir vorhin von einer Freundin erzählt, die den heutigen Vortrag nicht anhören will, weil sie meinte: „Ich bin doch solo. Dieses Buch ist nichts für mich.“
Aber wenn du die letzten Folgen dieser Reihe mitbekommen hast, dann hoffe ich, ist dir klar geworden, dass sich dieses Buch an uns alle richtet, ob verheiratet oder alleinstehend.
Gerade sprach ich mit einer Witwe, sie heißt auch Nancy, die seit zweieinhalb Jahren verwitwet ist. Sie sagte mir, wie kostbar ihr dieses Buch als Witwe geworden ist, als sie erkannte, dass Christus ihr Bräutigam ist.
Ganz gleich, in welcher Lebensphase wir uns auch befinden – dieses Buch hat eine Botschaft für uns. Aber ich glaube, es hat eben auch eine Botschaft über die menschliche Ehe. Und da stellt sich wieder die Frage: Warum sollte ich als ledige Frau Interesse daran haben, oder warum sollte ich es wagen, zwei Folgen darüber zu machen, was das Hohelied über die Ehe zu sagen hat?
Ich möchte dir ein paar Gründe nennen, warum ich das tue: Zum einen bin ich – genau wie du – Teil des Leibes Christi. Und wir alle haben die Verantwortung, alles in unserer Macht stehende zu tun, um die Ehen anderer Gläubiger zu fördern, zu stärken und zu schützen. Ob du nun aktuell verheiratet bist oder nicht, es geht uns alle an. Es betrifft unsere Verantwortlichkeit.
Und wir haben, wie du weißt, einen Feind, der betrügt und darauf aus ist zu zerstören. Er hat es auf christliche Ehen abgesehen, und das ist nichts Neues. Es hat angefangen im ersten Buch Mose, im Garten Eden. Dort versuchte er, Mann und Frau durch einen Betrug voneinander zu trennen.
Gott hat einen Plan für die Ehe – und dieser Plan wird im Hohelied, wie auch an anderen Stellen der Schrift, hervorgehoben. Der Feind tut alles, was er kann, um diesen Plan zu rauben, zu zerstören und zu entstellen. Wenn er Ehen zerstört, greift er in Wirklichkeit Gott selbst an und den Heilsplan. Deshalb muss es uns allen ein Anliegen sein, dass Ehen das tun, was sie sollen, nämlich die Geschichte des Evangeliums widerspiegeln.
Es bricht mir das Herz, wenn ich junge Leute sagen höre: „Ich kenne keine einzige Ehe, die ich mir zum Vorbild nehmen würde“. Vielleicht hast du das auch schon mal gehört. Und ich sage dir: Jedes Mal, wenn eine christliche Ehe scheitert, wenn Außenstehende eine so genannte „christliche“ Ehe sehen, in der es kriselt oder die voller Konflikte ist oder einfach nur so dahinvegetiert – eine Ehe ohne Wärme, ohne Freude und ohne Leben, was die Erfahrung so vieler Menschen ist; jedes Mal, wenn das geschieht, wird das Bild verzerrt, von dem Gott eigentlich wollte, dass es die wunderbare Liebe Christi darstellt.
Was wir heute in unseren Gemeinden brauchen, sind Ehen, die die Geschichte der Erlösung auf überzeugende Weise erzählen. Natürlich gibt es keine Ehe, die das vollkommen tut, aber jede christliche Ehe sollte sich danach ausstrecken, diese Geschichte gut zu erzählen. Und das ist ein Prozess. Es geht nicht von heute auf morgen, aber es ist so, so wichtig. Deshalb wollen wir uns einfach in dieser und der nächsten Folge Zeit nehmen, um ein bisschen gründlicher zu schauen, was das Hohelied über die menschliche Ehe zu sagen hat.
Wir haben im Verlauf dieser Podcastreihe die Erhabenheit wahrer Liebe gesehen. Dies ist das Lied der Lieder, und letztlich geht es in der Schrift um Liebe. Wir haben die verwandelnde Kraft wahrer Liebe kennengelernt. Wir haben gesehen, dass Gott uns mit dieser erstaunlichen, gnädigen und unverdienten Liebe liebt, und dass die Liebe die Kraft hat, uns zu verwandeln. Sie fließt durch uns hindurch, sodass das Leben anderer um uns herum durch seine Liebe verändert werden kann.
Die vollkommene Liebe, die Christus für seine Braut – die Gemeinde – hat, und die Reaktion der Ehrerbietung und Liebe und Unterordnung, die sie ihrem Bräutigam – Christus – entgegenbringen soll, all das ist das göttliche Muster für die Ehebeziehung zwischen Mann und Frau.
Nun – ich möchte heute einige Dinge weitergeben, die mir beim Lesen des Hohelieds im Hinblick auf die Ehe aufgefallen sind. Es mag vielleicht etwas ungeordnet wirken. Aber ich möchte einfach verschiedene Aspekte ansprechen, die mir aufgefallen sind und die ich für bedeutsam für die Ehe halte.
Zunächst einmal stellt sich die Frage nach der Motivation unserer Liebe. Warum lieben wir eigentlich? Wir können Christus aus verschiedenen Motiven lieben – und dasselbe gilt für die Liebe in der Ehe – für die Liebe einer Frau zu ihrem Mann oder eines Mannes zu seiner Frau. Ich sehe drei grundlegende Motive – und ich würde sagen, sie sind nicht alle gleich gut.
Das erste Motiv ist die Pflicht. „Ich liebe einfach, weil es richtig ist.“ Das ist die Motivation des „Ich-sollte-es-tun“.
Wir sind dazu aufgefordert, Gott von ganzem Herzen zu lieben, richtig? Wenn wir also keinen anderen Grund hätten, ihn zu lieben, würde dieser eine ausreichen. Er hat es geboten. Dasselbe gilt auch für die Ehe. Es gibt Zeiten, in denen du keinen anderen Anreiz verspürst, deinen Partner zu lieben, als das Wissen: „Ich sollte es tun.“ Wenn das der einzige Beweggrund ist, dann liebe ihn, weil es deine Pflicht ist.
Manche sagen: „Aus Pflicht zu lieben ist doch eine schlechte Motivation!“ Ich sage: Wenn das im Moment der einzige Grund ist zu lieben, dann ist das Grund genug, denn es ist uns geboten. Aber gib dich mit dieser Motivation nicht zufrieden – weder in deiner Beziehung zu Gott noch zu deinem Mann. Bitte Gott, dir ein höheres Motiv zu schenken – Liebe zu ihm und deinem Ehepartner, die nicht allein auf Pflicht beruht.
Eine andere Motivation ist die, Freude zu empfangen und glücklich zu werden, wenn wir lieben. „Ich liebe ihn, weil, wenn ich es tue, bin ich gesegnet.“ Im ersten Stadium der Liebesgeschichte, die wir hier betrachten, liebt die Braut ihren Bräutigam, denn wenn sie es tut, bringt er ihr Freude, macht er sie glücklich. Er holte sie aus dem Weinberg ihrer Familie heraus, wo sie bis zur Erschöpfung gearbeitet hatte. Und er brachte sie in seinen Palast, wo sie seitdem mit ihm lebt. Denk mal, wie viel Freude sie dort bei ihm erfährt!
Gott liebt es, uns zu erfreuen. Ich habe diese Woche über Psalm 16 nachgedacht und ihn auswendig gelernt. „Du wirst mir den Weg des Lebens zeigen; vor deinem Angesicht sind Freuden in Fülle, liebliches Wesen zu deiner Rechten ewiglich!“ (Vers 11). Gott möchte seine Kinder erfreuen. Und Tatsache ist: Wenn du auf Gottes Wegen gehst, wenn du ihm gehorchst, dann bist du gesegnet, dann bringt das Freude mit sich. Und daran ist nichts verkehrt.
Aber ich bin der Meinung, dass es noch eine höhere Motivation in unserer Beziehung zum Herrn und auch auf menschlicher Ebene gibt – sie ist ein Kennzeichen dafür, dass die Liebe in einer Beziehung gereift ist. Es ist die Motivation der Hingabe. „Ich liebe ihn – nicht wegen dem, was mir die Beziehung persönlich bringt oder wegen irgendwelchen Vorteilen für mich, sondern einfach, weil ich ihm Freude bereiten möchte.“
Das ist die höchste Motivation: sich selbst ganz hinzugeben, um die Bedürfnisse des anderen zu stillen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Und ich glaube: Wenn beide Partner auf diese Art und Weise lieben, dann ist es unmöglich, dass die Ehe scheitert. Du kannst deinen Partner natürlich nicht dazu zwingen, so zu lieben, aber du kannst dich selbst danach ausstrecken – nach dieser Liebe zu Christus und auch zu deinem Ehepartner.
Das Hohelied beschreibt viele Aspekte, die zu mehr Intimität beziehungsweise Einheit in der Ehe beitragen. Ich möchte heute einige davon hervorheben und morgen noch ein paar weitere. Ohne feste Reihenfolge. Und versuch nicht, alles mitzuschreiben. Du kannst alles auf der Webseite von www.belebeunsereherzen.com im Transkript nachlesen.
Aber ich würde doch sagen, Nummer eins ist der Hauptpunkt. Also erstens: Intimität entsteht nicht spontan. Es ist ein Prozess. Was ist das Ziel dieses Prozesses? Das Ziel in der Ehe, das Ziel in der Beziehung zum Herrn ist völlige Einheit – Leib, Seele und Geist.
Nun – in gewisser Weise seid ihr rechtlich und faktisch eins, sobald ihr bei der Trauung „Ja“ gesagt habt. Rechtlich, faktisch, seid ihr eins. Aber du weißt genau: Es braucht Wachstum, um diese Einheit auch tatsächlich und praktisch zu leben, nicht wahr? Ihr müsst lernen, diese Einheit zu gestalten, sie wahr werden zu lassen, denn ihr kommt aus zwei unterschiedlichen Hintergründen, mit absolut unterschiedlichen Gewohnheiten. Seine Mutter kocht anders als deine. Da gibt es einfach Unterschiede. Und diese Unterschiede haben euch vermutlich sogar angezogen. Man bringt sie mit in die Ehe. Und deshalb seid ihr nach der Trauung nicht einfach so, plötzlich, schon in allem eins.
Von eurem Status her seid ihr es – ja. Aber im praktischen, alltäglichen Erleben ist das ein Weg, ein Prozess. Ihr entdeckt ständig Neues aneinander – selbst nach Jahrzehnten. Intimität ist nichts Starres. Der Prozess, Intimität zu schaffen, kann nicht stehenbleiben. Ihr müsst eure Ehe frisch halten, sie immer weiter entwickeln, sie wachsen lassen.
Und in diesem Prozess seid ihr mit der Zeit weniger auf euch selbst fixiert und mehr darauf, was dem anderen nützt, was ihm gut tut – also ihr seid weniger ich- und mehr du-orientiert. Je mehr ihr euch diesem Prozess widmet, desto inniger wird eure Nähe zueinander; desto größer wird eure Einheit sein und desto größer wird auch eure Freude. Die Freude kommt aus der Intimität miteinander.
Wir sprechen also davon, in der Ehe nach Einheit und Intimität zu streben – und wir stellen fest, dass dazu ein Prozess nötig ist.
Zweitens: Intimität kommt nicht einfach von selbst – auch nicht nach vielen Jahren Ehe. Ihr könnt fünfzig Jahre verheiratet sein und immer noch keine Intimität haben. Es braucht bewusste Entscheidungen, um Intimität zu entwickeln. Eine gesunde Ehe braucht ständige Pflege und Aufmerksamkeit. Ihr werdet nie den Punkt erreichen, wo ihr sagen könnt: „Jetzt ist es genug.“ Ihr werdet es euch nicht leisten können, irgendwann aufzuhören, an eurer Intimität zu arbeiten. Man kann sich nie einfach treiben lassen.
Wenn eure Einheit und Nähe zueinander nicht zunehmen, dann wird sich eure Beziehung verschlechtern. Ist es nicht so? Wenn ihr nicht kontinuierlich daran arbeitet – sie schützt und bewusst pflegt – dann wird sie schwächer. Das gilt für unsere Beziehung zum Herrn und genauso für die Ehebeziehung.
Meine Freundinnen, die eine gute Ehe führen, arbeiten ständig daran. Sie versagen manchmal, ja – aber sie kehren immer wieder zurück, sie demütigen sich, fangen neu an, sie investieren sich weiter – mit großer Achtsamkeit. Sie kümmern sich um die kleinen Füchse, diese Risse, über die wir gesprochen haben. Sie kehren die Probleme nicht einfach unter den Teppich, sondern gehen sie an, räumen sie aus – diese Dinge, die die Einheit bedrohen.
Ein dritter Aspekt, den ich im Hohelied sehe, ist die Demut. Sie zieht sich durch das ganze Buch. Die Braut hat kein überhöhtes Bild von sich selbst. Sie sieht sich selbst als seiner Liebe nicht würdig. Wenn er ihr also seine Liebe zeigt, sagt sie nicht: „Wurde auch Zeit, dass du so mit mir redest.“ Nein, sie empfindet seine Liebe als unverdientes Geschenk und ist zutiefst dankbar dafür.
Wir leben in einer Zeit, in der man auf seine Rechte pocht und dem Selbstwertgefühl großen Stellenwert beimisst. Deshalb gehen so viele Menschen mit hohen Erwartungen in die Ehe. Und was passiert, wenn diese Erwartungen nicht erfüllt werden? Jeder, der länger als ein paar Stunden verheiratet ist, weiß, dass Erwartungen nicht erfüllt werden. Und was geschieht dann? Wir sind enttäuscht und verletzt, und es kommt zu Konflikten.
Freiheit entsteht, wenn man in Demut seine Erwartungen loslässt und sich bewusst macht, dass man letztlich nicht in dieser Beziehung ist wegen dem, was es einem selber bringt. Freiheit entsteht auch, sich ins Gedächtnis zu rufen, dass wir alle Sünder sind. Beide Partner sind Sünder, sowohl der Mann als auch die Frau. Sie sind beide Sünder, sie sind beide auf Gnade angewiesen.
Wenn du anfängst, die Verbundenheit mit deinem Mann und seine Liebe und seine Freundschaft dankbar anzunehmen statt einzufordern, dann verändert das alles. Wenn du ein demütiges Herz hast, auch wenn du nicht das bekommst, was du dir von der Ehe, von diesem speziellen Tag oder von eurer Silberhochzeit erhofft hattest. Ich weiß von mehreren Freundinnen, deren Silberhochzeit ihrer Meinung nach ein Reinfall war. Ich weiß nicht, woran es lag – aber sie hatten alle hohe Erwartungen im Vorfeld. Und es sind immer die Frauen, die so empfinden. Ist es nicht so?
Sie hatten sich ausgemalt, wie alles sein würde: „Es wird so und so sein …“ und: „Es wird so und so laufen …“ – und dann kam alles ganz anders. Ich habe das von mehreren Freundinnen gehört, die alle im selben Jahr ihre Silberhochzeit feierten. Sie erzählten, wie fürchterlich es war, und es war so, weil sie hohe Erwartungen hatten. Hätten sie ein demütiges Herz gehabt, wären sie weniger verletzt gewesen. Demut bedeutet nicht, dass du nicht verletzt wirst. Aber demütig zu sein hilft dir, mit der Verletzung richtig umzugehen.
Der vierte Punkt: Bereitwilligkeit. Im gesamten Buch Hohelied sehen wir eine Braut, die bereitwillig auf die Initiative ihres Bräutigams eingeht. Schon zu Beginn des Buches lasen wir: „Er küsse mich mit den Küssen seines Mundes!“ (Hohelied 1,2). Sie ist den Bedürfnissen ihres Mannes gegenüber aufgeschlossen und bereit, auf sie einzugehen. Und was war nochmal die Folge, als sie in Kapitel 5 zögerte, auf seine Initiative einzugehen? Es gab einen Bruch in der Intimität, nicht wahr?
Nun ist es, rein physiologisch betrachtet so, dass Gott uns unterschiedlich geschaffen hat: Der Mann ist von Natur aus der Initiator – die Frau diejenige, die reagiert, die auf die Initiative des Mannes eingeht. Sie fördert die Vertrautheit in der Beziehung, indem sie bereitwillig auf seine Bedürfnisse und Impulse eingeht. Manchmal kann es hilfreich für den Mann sein, wenn du als Frau die Initiative ergreifst. Und das kann dann bedeuten, dass du ihm auch auf körperlicher Ebene entgegenkommst. Darüber werden wir in der nächsten Folge ausführlicher sprechen.
Ein weiterer Aspekt von Intimität, den wir im Hohelied sehen, ist Ehrerbietung.
Diese Braut begegnet ihrem Mann mit Ehrerbietung. Für sie ist er ihr König, und sie ehrt ihn mit ihrer Haltung.
Nun, Christus ist der König des Universums, nicht wahr? Und die Gemeinde soll ihn ehren und sich seiner Herrschaft und Autorität unterordnen. Diese himmlische Realität spiegelt sich in der Ehrerbietung und Unterordnung einer Frau gegenüber ihrem Mann wider. Es geht hier nicht einfach nur um dich und deinen Mann. Es geht hier um etwas, das weit größer ist als ihr beide. Es geht darum, in deiner Ehe die Ehrfurcht zu veranschaulichen, die die Gemeinde vor Christus haben sollte.
Das heißt jedoch nicht – und das habt ihr mich schon oft sagen hören –, dass der Mann seiner Frau überlegen wäre. Es bedeutet nicht, dass er geistlicher ist. Es bedeutet auch nicht, dass er sie minderwertig behandeln darf. Und es heißt ebenso wenig, dass die Frau keine eigene Meinung haben oder sie nicht äußern dürfte. Die Schrift macht unmissverständlich deutlich, dass Mann und Frau gemeinsam Erben der Gnade des Lebens sind.
Aber es bedeutet anzuerkennen, dass Gott eine Ordnung für die Ehe festgelegt hat – Gleichheit von Wert und Würde, aber verschiedene Aufgaben und Rollen. Als Ehefrau kannst du ein Zeugnis für die Welt sein, indem du vorlebst, was es heißt, Jesus Christus zu ehren und sich seiner Leitung zu unterstellen. Du kannst der Welt zeigen, wie viel Freiheit, Segen und Freude es mit sich bringt, in dieser Ordnung – unter seiner Autorität und Herrschaft – zu leben.
Und hier kommt noch ein weiterer Aspekt der Intimität. Ich möchte ihn so beschreiben: Ehemann und Ehefrau gehören jeweils einander. Die Braut sagt in Hohelied 6,3: „Ich bin meines Geliebten, und mein Geliebter ist mein.“ Paulus trifft in 1. Korinther 7,4 eine ähnliche Aussage: „Die Frau verfügt nicht selbst über ihren Leib, sondern der Mann; gleicherweise verfügt aber auch der Mann nicht selbst über seinen Leib, sondern die Frau.“
Mann und Frau gehören jeweils einander – das ist es, was die Braut meint, wenn sie sagt: „Ich bin meines Geliebten, und mein Geliebter ist mein.“ – Es bedeutet im Kern: „Unser Leben gehört jeweils nicht uns selbst. Wir gehören einer dem anderen.“ Das heißt: Wir können nicht unabhängig voneinander agieren. Beide Partner fragen sich, was jeweils den anderen ehrt, ihn segnet und was ihm Freude bereitet. Beide möchten die Bedürfnisse des anderen so erfüllen, als wären es die eigenen. Sie fragen sich beständig: „Wie kann ich den Bedürfnissen meines Partners gerecht werden?“ All das fließt aus dem Konzept, dass Ehemann und Ehefrau einander jeweils gehören. „Ich bin meines Geliebten, und mein Geliebter ist mein.“
Und noch ein anderer Aspekt der Intimität ist die Selbstlosigkeit. Es ist eine Haltung, bei der der andere im Zentrum steht. Das ist ein Schlüssel zu mehr Nähe und Vertrautheit. Das größte Anliegen der Braut ist, dass alles so geschieht, wie es ihrem Geliebten gefällt. Sie möchte wissen, was sein Herz erfreut. Sie sehnt sich danach, ihm Zufriedenheit zu schenken. Sie erkennt, was ihn beglückt, und setzt alles daran, ihm diese Freude zu bereiten.
Und die Sache ist die: Wenn wir uns – in welchem Bereich unseres Lebens auch immer – darauf ausrichten, selbst Freude zu erleben, werden wir am Ende unzufrieden zurückbleiben. Doch wenn wir unseren Blick darauf richten, wie wir anderen Freude schenken können, dann erfahren wir die tiefste Freude und Erfüllung – wenn wir erkennen, dass es nicht um uns geht.
Ich denke da an die Stelle in Philipper 2, wo es heißt: „Tut nichts aus Selbstsucht oder nichtigem Ehrgeiz, sondern [und hier ist die Alternative dazu] in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst. Jeder schaue nicht auf das Seine, sondern jeder auf das des anderen“ (Verse 3-4).
Das wäre ein wunderbarer Vers, den man in den Mittelpunkt der Ehe stellen könnte, nicht wahr? Und auch die Frage: Achte ich meinen Mann höher als mich selbst?
Nun, die Welt fürchtet, dass man untergeht, wenn man das tut. Man befürchtet, bedeutungslos zu werden und fragt sich: Wer wird dann auf mich achten? Wer wird sich um mich kümmern? Wenn du dich nicht um dich selbst kümmerst, wer dann?
Aber in Gottes umgekehrter göttlicher Mathematik funktioniert es genau andersherum. Da ist es so, dass wir in jedem Lebensbereich darauf aus sind, ihm zu gefallen, anderen zu dienen und uns selbst an die letzte Stelle zu setzen.
Im Englischen gibt es ein einfaches Kinderlied über die Freude, das diese Reihenfolge verdeutlicht. Freude heißt auf Englisch J-O-Y. Das J steht für „Jesus“, das O für „die anderen“ (others) und das Y für „dich selbst“ (yourself). Also, zuerst Jesus, dann die anderen und dann du selbst. Und genau das gilt auch für die Ehe. Wenn du den anderen höher achtest als dich selbst, wenn du seine Interessen über deine stellst, wirst du erleben, wie Gott deine eigenen Bedürfnisse erfüllt.
Das bedeutet jedoch nicht, dass es immer leicht ist. Ich möchte nicht sagen, dann wird alles einfach. Aber ich glaube, diese Prinzipien – oder Aspekte – können für deine Ehe eine Verankerung sein. Sie können dir als Orientierungshilfe dienen, wenn du dich fragst, warum bei euch die Nähe zueinander nicht da ist, warum sich eure Ehe wie ein Kriegsschauplatz anfühlt. Könnte es vielleicht sein, dass manche dieser Aspekte der Intimität fehlen und dass sie wiederentdeckt werden müssen?
Lass dich nicht erdrücken! Wir werden uns noch ein oder zwei weitere Tage Zeit für dieses Thema nehmen. Ich habe jetzt einige Punkte erwähnt. Bete doch einfach dafür, dass Gott dir zeigt, worauf er seinen Finger in deiner Ehe legen möchte, in der Beziehung zu deinem Ehepartner.
Und, Herr, ich bete so sehr, dass du durch diese Podcastreihe ein Werk der Gnade in vielen, vielen Ehen tust. Herr, ich danke dir einfach, dass Du ein erlösender Gott bist und alles neu machst – und du kannst es in jeder Ehe tun.
Herr, ich bitte Dich um Heilung und Wiederherstellung und dass du einen neuen Geist der Demut und der Einheit schenkst. Herr, bitte hilf, dass niemand im Lauf der Zeit müde wird und das Handtuch wirft, sondern schenke bitte Bereitschaft, dran zu bleiben, den Willen, Dich weiter anzuflehen, das zu tun, was nur Du tun kannst: damit diese Ehen schließlich die wunderbare Liebe Christi zu seiner Gemeinde widerspiegeln.
Ich bette in Jesu Namen. Amen.
Lea: Wahre Erfüllung im Leben kommt nicht wenn du fragst: „Was bekomme ich?“, sondern wenn du fragst: „Was kann ich geben?“ Nancy hat uns heute gezeigt, wie dieser Grundsatz auch in der Ehe zum Tragen kommt. Die Grundlage dieser Botschaft ist das Hohelied, mit dem wir uns in der Podcastreihe „Der Geliebte meiner Seele – Jesus im Hohelied“ näher beschäftigt haben.
Nancy: Weißt du, ich bin so dankbar, dass ich diese Wahrheit aus dem Hohelied noch vor meiner Hochzeit mit Robert studieren durfte. Und jetzt, nachdem ich diese Lehre weitergegeben habe, darf ich sie Tag für Tag ganz praktisch in meinem eigenen Leben anwenden. Die Zeit in Gottes Wort wirkt sich ganz konkret auf unser Leben und unsere Ehe aus.
Lea: Ich finde es so toll, wie eine gottgefällige, wachsende Ehe das Evangelium veranschaulicht. In der nächsten Podcastfolge wirst du hören, wie du dieses Bild so schön und klar wie möglich gestalten kannst.
Bis dahin hast du wieder Zeit, Nancy's persönliche Fragen zu beantworten. Die Broschüre mit den Fragen findest du in unserem Downloadbereich auf der Website.
Sei auch nächste Woche wieder dabei und schalte ein für Belebe unsere Herzen, wenn es wieder um unsere Beziehung zu Jesus geht – den Geliebten unserer Seele.
Belebe unsere Herzen ist Teil von Revive Our Hearts Ministries.
Wenn nichts anderes erwähnt wird, sind die Bibeltexte der Schlachter Übersetzung © 2000 Genfer Bibelgesellschaft entnommen.
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Jetzt wird’s persönlich!
Tag 20 – Intimität in der Ehe pflegen und fördern 1: Es geht nicht um mich!
- Unabhängig davon, ob du verheiratet oder alleinstehend bist: Wie kannst du als Teil des Leibes Christi dazu beitragen, die Ehen in deinem Umfeld zu fördern, zu stärken und zu beschützen?
- Kennst du ein Ehepaar, dessen Beziehung das göttliche Muster für die Ehe auf wunderbare Weise widerspiegelt? Was macht diese Ehe besonders?
- Im Hohelied werden mindestens drei verschiedene Beweggründe beziehungsweise Motivationen für Liebe beschrieben:
- Pflicht (es ist das Richtige),
- Freude (ich werde gesegnet)
- und Hingabe (ich möchte dem Geliebten Freude bereiten).
Welche dieser Motivationen prägt deine Liebe zu Christus und zu deinem Ehemann (wenn du verheiratet bist)? Warum? - Nancy hat in dieser Folge sieben Aspekte genannt, die zu größerer Intimität in der Ehe beitragen.
Welche davon hat oder haben dich am meisten angesprochen?
Gibt es eine, die dir besonders schwerfällt? - Ob verheiratet oder nicht – welcher Aspekt bzw. welche Aspekte würde(n) dir helfen, mehr Nähe zu Jesus zu entwickeln?
- Hast du mit Erwartungen in deiner Ehe – oder in anderen Beziehungen – zu kämpfen? Zum Beispiel mit der Frage:
„Was bringt mir diese Beziehung?“
Wie kann Demut dich davor bewahren, verletzt, enttäuscht oder entmutigt zu werden? - Hast du eine tiefe Sehnsucht, Jesus Freude zu bereiten – und, wenn du verheiratet bist, auch deinem Mann? Wie könntest du mehr darauf fokussiert werden, was Jesus beziehungsweise deinem Mann Freude bereitet?