Weiterführendes Material zu dieser Folge
Du kannst dieses Thema vertiefen, indem du über die Fragen unter der Rubrik „Jetzt wird’s persönlich“ ganz unten im Text nachdenkst.
Marie Falk: Nancy DeMoss Wolgemuth erinnert uns, wir können nicht wirklich aus eigener Kraft bestehen.
Nancy DeMoss Wolgemuth: Tatsache ist: Wir stützen uns auf das, was wir von Herzen lieben – und was wir von Herzen lieben, wird daran sichtbar, worauf wir uns stützen.
Marie: Hier ist Belebe unsere Herzen mit Nancy DeMoss Wolgemuth, gesprochen von Annette Schorre.
Nancy setzt heute ihre Reihe „Der Geliebte meiner Seele - Jesus im Hohelied“ fort:
Nancy: Vor einigen Tagen, als ich mich auf diese Sendung vorbereitete, wurde mir eine aktualisierte Version meiner Kurzbiografie zugeschickt – zur Durchsicht für ein neues Buch, das bald erscheinen wird. Im Zusammenhang mit dem heutigen Abschnitt aus dem Buch Hohelied ist mir ein Satz besonders …
Weiterführendes Material zu dieser Folge
Du kannst dieses Thema vertiefen, indem du über die Fragen unter der Rubrik „Jetzt wird’s persönlich“ ganz unten im Text nachdenkst.
Marie Falk: Nancy DeMoss Wolgemuth erinnert uns, wir können nicht wirklich aus eigener Kraft bestehen.
Nancy DeMoss Wolgemuth: Tatsache ist: Wir stützen uns auf das, was wir von Herzen lieben – und was wir von Herzen lieben, wird daran sichtbar, worauf wir uns stützen.
Marie: Hier ist Belebe unsere Herzen mit Nancy DeMoss Wolgemuth, gesprochen von Annette Schorre.
Nancy setzt heute ihre Reihe „Der Geliebte meiner Seele - Jesus im Hohelied“ fort:
Nancy: Vor einigen Tagen, als ich mich auf diese Sendung vorbereitete, wurde mir eine aktualisierte Version meiner Kurzbiografie zugeschickt – zur Durchsicht für ein neues Buch, das bald erscheinen wird. Im Zusammenhang mit dem heutigen Abschnitt aus dem Buch Hohelied ist mir ein Satz besonders aufgefallen.
Dort stand: „Nancys Liebe zum Wort und zum Herrn Jesus ist ansteckend; sie durchdringt ihre Online-Dienste, Vorträge, Bücher und Radiosendungen.“ Ich blieb hängen bei: „ihre Liebe zum Wort und zum Herrn Jesus ist ansteckend und durchdringt ihren ganzen Dienst“. Das war nur ein Satz in einer längeren Beschreibung. Ich las ihn mehrmals, immer wieder, und musste mich bei der Arbeit an dieser Serie fragen: „Ist das wirklich wahr?“
„Habe ich so eine Liebe zu Christus und zu seinem Wort?“ Manche von euch nicken jetzt vielleicht, als ob ihr sicher wärt, dass es so ist. Aber ... ihr wisst es nicht! Denn ihr kennt mein Herz nicht. Ich kann sagen: Ja, das war oft so – viele Male. Ich wünsche mir, dass es wahr ist. Aber es war einfach so eine Art „Realitätscheck“. Habe ich so eine Liebe zu Christus und seinem Wort wirklich?
Ich sage euch offen: Meine Liebe zu Christus und zu seinem Wort schwankt. Sie wird manchmal schwächer. Seine zum Glück nicht. Aber es war für mich ein Anlass, mich zu fragen: „Spiegelt mein Leben dem Herrn die Liebe zurück, die ich von ihm empfangen habe und die er so sehr verdient?“
Wir sprechen in dieser Serie über eine Liebesbeziehung; und wir haben dieses Paar durch die Phasen der anfänglichen Liebe begleitet, der wachsenden Liebe, der manchmal schwankenden Liebe, und jetzt – am Ende dieses Buches – sind sie in der Phase der reifen Liebe angekommen.
Bevor wir eine Pause eingelegt haben, um über Intimität in der Ehe zu sprechen, haben wir gesehen, dass die Braut an den Punkt kam, an dem ihr einziger Wunsch war, ihrem Geliebten Freude zu bereiten und gemeinsam mit ihm zu arbeiten. Das war eine Veränderung bei ihr, denn früher wollte sie einfach nur mit ihm allein im Schlafgemach bleiben.
Sie wollte nirgendwo hingehen, nichts tun – außer: „Du und ich, sonst nichts und nur da, wo wir gerade sind“. Aber jetzt ist sie bereit, ja sie sehnt sich sogar danach, mit ihm auf die Felder und in die Weinberge hinauszugehen. Sie lebt in Einheit und Gemeinschaft mit ihm, dient an seiner Seite und schöpft aus seiner übernatürlichen Kraft. Das ist ein Kennzeichen reifer Liebe.
Im letzten Kapitel des Buches Hohelied, Kapitel 8 – einige von euch dachten, wir würden nie zu diesem Kapitel kommen – sehen wir in den nächsten zwei oder drei Folgen ein weiteres Merkmal reifer Liebe. Reife Liebe bleibt nicht stehen. Wir bleiben nicht, wo wir sind – weder in unserer Beziehung zum Herrn, noch in der Ehe.
Wahre Liebe, reife Liebe, strebt immer, immer weiter – aufwärts und vorwärts – zu neuen Höhen. „Ich will höher hinaus. Ich will mehr vom Herrn. Ich will ihn mehr lieben.“ Ihr kennt vielleicht das alte Lied: „Mehr lieben möcht ich Dich, hör mein Gebet! Ich flehe inniglich, ruf früh und spät: Mehr lieben möcht ich Dich, mehr lieben, Heiland, Dich!“
Ich habe eine Freundin, die ich im Laufe der Jahre oft im Gebet sagen hörte: „Herr, wir lieben Dich, und wir wollen Dich noch mehr lieben.“ Und genau das habe ich wohl gespürt, als ich diesen Satz in dem Autorenporträt las: „Herr, ich liebe Dich, aber ich möchte Dich noch mehr lieben.“ Ich möchte in meiner Beziehung zum Herrn immer weiter streben – aufwärts und vorwärts – zu neuen Höhen. Behalte das also im Hinterkopf, wenn wir durch Kapitel 8 gehen.
Wir beginnen mit Vers 1, wo die Braut zuerst zu ihrem Geliebten spricht:
„Ach, dass du mir wärst wie ein Bruder, der die Brüste meiner Mutter sog! Dann dürfte ich dich doch küssen, wenn ich dich draußen träfe, ohne dass man mich deshalb verachtete. Ich wollte dich führen, dich bringen ins Haus meiner Mutter; du würdest mich lehren; ich würde dich mit Würzwein tränken, mit meinem Granatäpfelmost.“
Dann sagt sie zu den Töchtern Jerusalems:
„Seine linke Hand sei unter meinem Haupt, und seine Rechte umfange mich! Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems: Erregt und erweckt nicht die Liebe, bis es ihr gefällt!“ (Verse 1-4).
Lasst uns hier kurz stehenbleiben und das genauer anschauen. In dieser ganzen Serie habe ich euch ermutigt, den Bibeltext mitzulesen, wenn es euch möglich ist.
Wir haben die Schlachter 2000-Übersetzung verwendet, die ihr online abrufen könnt, oder ihr lest im Transkript mit. Es hilft enorm, wenn man den Text vor Augen hat. Ich möchte euch also dazu ermutigen, wenn es geht.
In Vers 1 sagt sie zu ihrem Geliebten: „Ach, dass du mir wärst wie ein Bruder, der die Brüste meiner Mutter sog! Dann dürfte ich dich doch küssen, wenn ich dich draußen träfe.“ Was um alles in der Welt hat das zu bedeuten? Zunächst einmal erinnert das an die Stelle in Kapitel 1, Vers 2, wo sie zu ihrem Geliebten sagte: „Er küsse mich mit den Küssen seines Mundes!“ Sie wollte seine Küsse.
Jetzt aber – in der reifen, vertieften Liebe – möchte sie ihm zurückgeben, was er ihr in Fülle geschenkt hat. Er hat sie geküsst, er hat sie gesegnet, er hat sie geliebt und sie sagt: „Ich möchte dich küssen. Ich möchte dir zurückgeben, was du mir in Fülle geschenkt hast.“
Aber was soll das heißen: „Ach, dass du mir wärst wie ein Bruder (...) Dann dürfte ich dich doch küssen, wenn ich dich draußen träfe.“ Hier hilft ein Blick in die Kultur des Alten Orients: In der Öffentlichkeit war es dort nur zwischen Bruder und Schwester angemessen, Zuneigung zu zeigen.
Im Alten Orient durften selbst Ehemann und Ehefrau ihre Zuneigung nicht öffentlich zeigen. Das sollte alles privat bleiben. Wie sich die Dinge geändert haben! Aber ein Bruder und eine Schwester konnten sich an den Händen halten und sich als Kinder unschuldig küssen.
Sie sagte: „Ich wünschte, du wärst mein Bruder, damit ich meine Liebe zu dir freier ausdrücken könnte, öffentlich, ohne Hemmungen, ohne Scham oder Verlegenheit ... ohne Zurückhaltung.“ Sie sehnt sich einfach danach, die Vertrautheit mit ihrem Geliebten so vollkommen wie nur möglich auszudrücken. Sie fühlt sich eingeengt – gehindert – unfähig, ihre Zuneigung zu ihm angemessen zu zeigen.
Geht es dir manchmal so in deiner Beziehung zum Herrn? Gott ist Geist – wie können wir ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten, wenn wir im Fleisch leben? Fühlst du dich eingeschränkt darin, wie du deine Liebe zu ihm ausdrücken kannst? Eingeschränkt durch dein Fleisch, eingeschränkt durch deine Sündhaftigkeit, eingeschränkt durch deine Schwäche, dadurch, dass du ihn nicht sehen kannst? Du versuchst, jemanden zu lieben, den du nicht sehen kannst.
Fühlst du dich eingeschränkt durch das, was andere Menschen denken? Manchmal wünschst du dir vielleicht, dass andere sehen, wie tief deine Liebe zu Christus ist. Vielleicht möchtest du die Freiheit haben, deine Liebe zu ihm offen auszudrücken, ohne dass die Leute denken, dass du übertreibst oder verrückt bist.
Möglicherweise denken manche in deiner Familie, dass du einfach übers Ziel hinausgeschossen bist wegen all dem Lobpreis, der Hingabe, der Liebe zum Herrn. Eine meiner lieben Schwestern im Herrn hat das erlebt – von Verwandten, die den Herrn nicht kennen und ihre Liebe zu Christus nicht verstehen.
All das ist eine Erinnerung daran, dass es jetzt Begrenzungen gibt. Wir erleben jetzt noch nicht, was wir eines Tages erleben werden. Römer 8,22+23 erinnert uns daran. Dort heißt es: „Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung mitseufzt und mit in Wehen liegt bis jetzt; und nicht nur sie, sondern auch wir selbst, die wir die Erstlingsgabe des Geistes haben, auch wir erwarten seufzend die Sohnesstellung, die Erlösung unseres Leibes.“
Später wird es eine Freiheit und Fülle geben, die wir jetzt noch nicht in ihrer vollkommenen Tiefe erleben können. Es wird der Tag kommen, an dem es keine Begrenzungen geben wird. Wenn wir ihn von Angesicht zu Angesicht sehen, werden wir ihn so lieben können, wie wir es jetzt nicht können und auch nicht die Freiheit haben, es zu tun ... wenn wir ihn so lieben können, ohne missverstanden zu werden.
Also sagt die Braut: „Ich sehne mich nach diesem Tag. Ich will mehr. Ich möchte meine Liebe zu dir noch deutlicher und stärker und schöner ausdrücken können.“ Und ich merke beim Reden, dass ich nach Worten ringe, weil wir nun einmal diese Begrenzung haben.
Wie es in einem alten Lied heißt „O, hätt ich tausend Zungen nur, zu rühmen Jesu Tat“. Aber ich habe nur eine – und so bin ich begrenzt. Wir stottern und stammeln und wissen nicht, wie wir uns ausdrücken sollen. Genau davon spricht sie – von den Begrenzungen des Hier und Jetzt, weil wir jemanden lieben, den wir so viel mehr lieben möchten.
In Vers 2 sagt sie: „Ich wollte dich führen, dich bringen ins Haus meiner Mutter; du würdest mich lehren; ich würde dich mit Würzwein tränken, mit meinem Granatäpfelmost.“ Das ist nicht das erste Mal im Hohelied, dass sie vom Haus ihrer Mutter spricht. Nachdem sie von ihrem Geliebten getrennt war, sagte sie in Kapitel 3: „(...) da fand ich ihn, den meine Seele liebt. Ich hielt ihn fest und ließ ihn nicht mehr los, bis ich ihn in das Haus meiner Mutter gebracht hatte, ins Gemach derer, die mich empfangen hat“ (Vers 4).
Was meint sie damit? Sie sagt: „Ich will dich in das Haus meiner Mutter bringen.“ Man könnte vieles dazu sagen, aber ich denke, was hier besonders sichtbar wird, ist unser Verlangen als Gläubige, Christus in die Gemeinschaft der Gemeinde zu bringen, an den Ort, wo andere Gläubige sind, wo wir geistlich geboren wurden, an den Ort, wo wir unterwiesen wurden.
Uns ist klar, dass wir noch so viel zu lernen haben. Aber sie möchte all das mit ihm tun. Sie möchte mit ihm vorangehen, von ihm lernen, mit ihm zusammen sein, im Rahmen der Glaubensgemeinschaft. Wir haben keinen Glauben, den man allein lebt. Es ist ein Glaube, der in der Gemeinschaft mit anderen Gläubigen erfahren und festgehalten und geschätzt wird und wächst.
Dann sagt sie: „(...) ich würde dich mit Würzwein tränken, mit meinem Granatäpfelmost.“ Ich denke, damit will sie sagen, dass sie sich nach mehr Gemeinschaft sehnt, nach größerer Vertrautheit und mehr Einheit mit ihrem Geliebten.
Dann wendet sie sich in Vers 3 an die Töchter Jerusalems und sagt: „Seine Linke sei unter meinem Haupt, und seine Rechte umfange mich! Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems: Erregt und erweckt nicht die Liebe, bis es ihr gefällt!“
Mit diesen Worten drückt sie ihre Zufriedenheit mit ihrem Geliebten aus, ihre Zufriedenheit mit seiner Liebe. Es genügt ihr, in ihm zu ruhen. „Seine Linke sei unter meinem Haupt, und seine Rechte umfange mich!“ Es genügt ihr, ihm nahe zu sein und bei ihm zu sein. Wieder sagt sie: „Erregt und erweckt nicht die Liebe, bis es ihr gefällt!“
Ich glaube, sie meint hier: „Ich möchte nicht, dass irgendetwas passiert, was unsere Beziehung stören könnte, was ihn dazu bringen könnte, die Äußerungen seiner Liebe zurückzuhalten.“ Siehst du, wie sie immer mehr will – ihn besser kennenlernen möchte, ihn mehr lieben möchte, in ihrer Liebe aufwärts und vorwärts streben möchte? Es ist keine stagnierende Beziehung, keine Beziehung ohne Entwicklung.
Wie traurig ist es zu sehen, dass so viele Ehen auseinanderdriften und schließlich zum Stillstand kommen. Aber ist es nicht noch eine größere Tragödie, wenn so viele Christen aufhören, vorwärts und aufwärts zu streben? Wenn sie sich einfach mit einem lauen, mittelmäßigen Glaubensleben begnügen, das weder wächst noch gedeiht und wenn sie das als „Christsein“ betrachten? Ich denke, dieser ganze Abschnitt drängt uns dazu, Gott um mehr zu bitten.
In Vers 5 sagen die Beobachter – wahrscheinlich die Töchter Jerusalems, zu denen sie gerade gesprochen hat: „Wer ist sie, die da heraufkommt von der Wüste, gestützt auf ihren Geliebten?“ Ich liebe dieses Bild ... diesen Vers ... Ich liebe diesen Ausdruck, den Gedanken, dass sie aus der Wüste herauskommt, „gestützt auf ihren Geliebten“. Ich möchte ein wenig dazu sagen.
Die Braut kommt aus der Wüste, auf ihren Geliebten gestützt – oder wie es die Elberfelder Übersetzung sagt: „an ihren Geliebten gelehnt“. Erinnerst du dich an Kapitel 3? Dort haben wir einen Hochzeitszug gesehen, in dem der Bräutigam seine Braut aus der Wüste herauf führte. Die Wüste rückt hier wieder in den Fokus, und es ist eine Erinnerung daran, dass unser Geliebter uns aus der Wüste der Sünde herausgeführt hat – und er führt uns durch die Wüste dieser Welt, während wir auf dem Weg zum Himmel sind.
Ja, wir leben in einer Wüste – darüber haben wir schon gesprochen. Für dich mag es die Wüste deines Zuhauses sein, deiner Gemeinde oder deines Arbeitsplatzes, wo es viele Schwierigkeiten gibt. Diese Orte sind eine Wüste. Vielleicht bist du mit einem Ungläubigen verheiratet oder deine Kinder sind nicht gläubig, und du gehst durch diese Wüste.
Die Frage ist nicht, ob du in deinem Leben durch eine Wüste gehen wirst – denn das wirst du. Die Frage ist, auf wen oder was du dich stützt. Worauf verlässt du dich, um durch die Wüste zu kommen? Sie stützt sich auf ihren Geliebten. Dieses Wort für Stützen wird nur hier in der Bibel verwendet; hier klingt der Gedanke der Hilfe und Versorgung an – sie wird vom Arm ihres Geliebten gestützt.
Zu sagen, dass wir uns auf unseren Geliebten stützen, bedeutet zuzugeben, dass wir schwach sind, dass wir bedürftig sind, dass wir es allein nicht schaffen. Ich denke, dies beschreibt die Beziehung, die wir mit unserem geliebten Herrn Jesus haben sollen. „Uns auf unseren Geliebten stützen“ bedeutet, unsere Selbstgenügsamkeit aufzugeben und uns ganz auf ihn zu werfen.
Das widerspricht völlig dem Zeitgeist, denn die Welt hat uns so erzogen, dass wir unabhängig sein sollen. Aber Gottes Weg ist die Abhängigkeit, sich auf jemanden zu stützen. Uns wird beigebracht, dass wir nichts und niemanden brauchen. Viele Gläubige, viele von uns, sind dieser Denkweise auf die eine oder andere Art aufgesessen.
Aber Gott sagt: „Du brauchst mich für alles! Ich bin dein Leben, und getrennt von mir hast du kein Leben.“ Immer wieder habe ich in dieser Reihe meinen Freund Charles Spurgeon zitiert, den „Predigerfürsten“ aus dem 19. Jahrhundert. Er hat ein ganzes Buch mit, ich glaube, zweiundfünfzig Predigten über das Buch Hohelied geschrieben. Es trägt den Titel Vom Geheimnis der schönsten Liebe. Predigten über das Hohelied Salomos.
Ich habe nicht alle Predigten gelesen, aber viele; und sie enthalten viele geistliche Schätze. Ich möchte an dieser Stelle vorlesen, was Spurgeon über das „Stützen oder Lehnen auf den Geliebten“ schrieb. Er sagt:
„Dieses „Lehnen“ besagt wieder, dass man das eigene Gewicht von sich selbst auf einen anderen wirft, und daraus besteht das christliche Leben. ... alles, was mich beunruhigt, dem anzuvertrauen, der mich mehr liebt als ich mich selbst lieben kann ... alles, was mich bedrückt, dem zu überlassen, dessen Weisheit und Macht allen Nöten mehr als gewachsen ist.
Hierin ist Weisheit, es nie zu versuchen, durch meine eigene Kraft allein zu stehen, nie der Kreatur zu vertrauen, sondern meinen hochgelobten Herrn Christus in seiner Menschheit und in seiner Gottheit zum Stützpunkt meiner ganzen Seele zu machen, jede Last auf ihn zu legen, der imstande ist, sie zu tragen.“
Lehnen, stützen ... stützt du dich auf Christus? Stützt du dich auf ihn für dein Heil, oder stützt du dich auf deine eigene Religiosität, deine Bemühungen, deine Werke? Stützt du dich auf seine Gnade, dass sie dich durch die Wüste dieses Lebens bringt? Hab keine Angst, wenn Gott dich in Situationen stellt, in denen du es aus eigener Kraft nicht schaffst.
Ärgere dich nicht, wenn er dich in eine Lage bringt, in der du dich hilflos fühlst – in der du ihn dringend brauchst. Danke Gott für Situationen, in denen du ihn brauchst. Schäme dich nicht, dich dann auf ihn zu lehnen, dich ganz nah an ihn zu schmiegen … Es gibt keinen sichereren, keinen geschützteren Ort.“ Soweit Charles Spurgeon.
Ich stütze mich heute auf ihn, an einem langen Aufnahmetag, nachdem ich in der letzten Nacht nur etwa vier Stunden geschlafen habe. Ich habe mich gestern Abend um 22:45 Uhr auf ihn gestützt, als mein Computer abstürzte und ich noch mehrere Stunden Vorbereitung vor mir hatte. Ich werde mich morgen und übermorgen auf ihn stützen und an jedem einzelnen Tag bis an mein Lebensende.
In jeder Lebensphase möchte ich mir meiner eigenen Schwachheit bewusst sein und der Notwendigkeit, mich auf ihn zu stützen. Der Text sagt hier, dass sie sich auf ihren Geliebten stützt, nicht auf „den“ Geliebten oder „einen“ Geliebten, sondern auf „ihren“ Geliebten. Tatsache ist: Wir stützen uns auf das, was wir von Herzen lieben – und was wir von Herzen lieben, wird sichtbar daran, worauf wir uns stützen.
Wenn Christus nicht wirklich dein Geliebter ist, wirst du dich nicht auf ihn stützen können. Du wirst dich mit einem Ersatz für Christus begnügen müssen. Aber ich möchte dir versichern, dass nichts und niemand außer Christus dich wirklich unterstützen und durch diese Wüste bringen kann. Wenn du dich auf Menschen stützt, wirst du herausfinden, dass sie wegziehen, sich ändern, sterben und versagen. Nichts von alledem kann dir eine wahre Stütze sein. Wenn du dich auf dich selbst stützt, wirst du fallen und scheitern. Lerne, dich ganz und gar auf deinen Geliebten zu stützen.
Wir stützen uns auf das, was wir von Herzen lieben – und was wir von Herzen lieben, wird sichtbar daran, worauf wir uns stützen.
Ein Ausleger sagte: „Je mehr die Seele von Christus erfüllt ist, desto weniger erscheint alles wie eine Wüste und desto weniger mühsam ist die Reise aufwärts zum Himmel. Es sind seine Person und seine Gegenwart, die den Unterschied machen.“
Weil unsere Zeit begrenzt ist, möchte ich gleich zur zweiten Hälfte von Vers 6 übergehen. Die Verse 6b und 7 gehören zu den bekanntesten und beliebtesten Versen im ganzen Buch Hohelied. Ich möchte sie lesen:
„Setze mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel an deinen Arm! Denn die Liebe ist stark wie der Tod, und ihr Eifer unbezwinglich wie das Totenreich; ihre Glut ist Feuerglut, eine Flamme des HERRN. Große Wasser können die Liebe nicht auslöschen, und Ströme sie nicht ertränken. Wenn einer allen Reichtum seines Hauses um die Liebe gäbe, so würde man ihn nur verachten!“
Das ist ein wunderschöner Abschnitt, und die Braut gebraucht mehrere Bilder, um die Liebe zwischen ihr und ihrem Geliebten zu beschreiben ... die Liebe, die sie von ihm empfangen hat. Heute möchte ich mich nur dem ersten Bild zuwenden, und wir werden dann in der nächsten Folge mit den anderen weitermachen.
Sie sagt: „Setze mich wie ein Siegel [wie einen Siegelring, vielleicht] auf dein Herz, wie ein Siegel an deinen Arm!“ Im Nahen Osten haben die Menschen früher manchmal Siegelringe oder Steine oder Siegel getragen; sie haben sie am Arm getragen, am Handgelenk oder um den Hals. Auf dieses Siegel, diesen Siegelring, konnte der Name oder sogar das Porträt der Person eingraviert sein, von der man es bekommen hatte.
Das Siegel zu tragen bedeutete, dass man von dieser Person geliebt wurde, dass man zu ihr gehörte. Ich weiß nicht, wie es heute ist, aber zu meiner Schulzeit haben Jungs den Mädels ihren Absolvierungs-Ring oder ein Shirt ihrer Sportmannschaft geschenkt. Mädchen schenkten Jungs vielleicht ein personalisiertes Armband oder ein Schmuckstück, das sie gerne trugen – es waren Zeichen dafür, dass sie zusammen waren.
Wenn du so etwas bekommen hast, war es dir nicht peinlich, es zu tragen. Im Gegenteil – andere sollten wissen, dass du einen Freund hattest. Diese Frau, diese Braut, möchte sicher sein, dass sie zu ihrem Bräutigam gehört. Und sie möchte, dass er bekennt, dass sie zu ihm gehört und dass sie ihm am Herzen liegt.
Dieses Siegel auf dem Herzen und das Siegel auf dem Arm erinnern mich an die Priester im Alten Testament. Sie trugen auf ihren Schulterstücken und auf ihrem Brustschild – zwei Teile ihres priesterlichen Gewandes – die Namen der Stämme Israels. Sie trugen die Kinder Israels auf ihren Schultern, was für Stärke steht; und sie trugen sie an ihrem Herzen, was für Hingabe und Zuneigung steht.
Das ist ein Bild dafür, wie der Herr Jesus uns auf seinen Schultern und an seinem Herzen trägt. Die Weltherrschaft liegt auf seinen Schultern. Das bedeutet, dass seine Schultern breit genug sind, um dich zu tragen, wenn du zu Christus gehörst. Er hat uns auf sein Herz eingraviert, ja sogar in seine Hand, wie Jesaja sagt. Er hat uns wie ein Siegel gesetzt. Das bedeutet, wir sind von ihm geliebt, wir gehören zu ihm, wir werden von ihm getragen.
Diese Braut sagt: „Verbinde mich mit dir, binde mich an dein Herz, damit mich nichts mehr von deiner Liebe trennen kann.“
Marie: Stürme gehören einfach zum Leben dazu. Nancy DeMoss Wolgemuth hat dir nahegebracht, wie entscheidend es ist, dich in allem ganz auf den Herrn zu verlassen.
Die heutige Botschaft ist Teil der Podcastreihe „Der Geliebte meiner Seele - Jesus im Hohelied“, eine Vers für Vers Auslegung des Hohelieds. Ich bin dankbar, dass wir diese Reihe im Deutschen zur Verfügung stellen können. Womöglich kannst du dir vorstellen, dass die Produktion mit entsprechenden Kosten verbunden ist. Falls es dir also auf dem Herzen liegt, unseren Dienst zu unterstützen, freuen wir uns auf jeden Fall über deine Spende.
Marie: Das Hohelied stellt zwei verschiedene Frauen, zwei verschiedene Arten von Frauen gegenüber: Die eine ist wie eine Mauer, während die andere wie eine Tür ist. Das klingt jetzt vielleicht erstmal seltsam, aber ich bin sicher, beim nächsten Mal bei Belebe unsere Herzen wird deutlich werden, was dahintersteckt. Also, schalt doch wieder ein!
Belebe unsere Herzen ist Teil von Revive Our Hearts Ministries.
Wenn nichts anderes erwähnt wird, sind die Bibeltexte der Schlachter Übersetzung
© 2000 Genfer Bibelgesellschaft entnommen.
Jetzt wird’s persönlich!
Tag 23 – Reife Liebe 4: Sich auf den Geliebten stützen (Hohelied 8,1-6)
1. Strebst du in deiner Beziehung zum Herrn zu neuen Höhen, oder bist du mit einer Beziehung ohne Entwicklung zufrieden?
- Reife Gläubige sehnen sich danach, in ihrer Liebe und Anbetung des Herrn Jesus zu wachsen. Wie könntest du deine Zuneigung zu ihm freier ausdrücken? Mit einem Lied? In einem Liebesbrief an ihn? Indem du ihn vor anderen preist? Durch Gehorsam oder Opfer? Indem du andere liebst? Preise ihn dafür, dass du eines Tages in der Lage sein wirst, ihn ohne jede Begrenzung zu lieben – mit größerer Freiheit und tieferen Ausdrucksformen, als es dir heute möglich ist.
3. Wer ist sie, die da heraufkommt von der Wüste, gestützt auf ihren Geliebten? (Hohelied 8,5). So wie die Braut in der Wüste die Treue und die Unterstützung ihres Bräutigams erlebte, so erfahren auch wir die Treue Christi in der Wüste dieser Welt, auf unserem Weg zum Himmel. Wie hat Gott dir in schwierigen Zeiten in der Vergangenheit seine Treue erwiesen? - Erlebst du gerade eine „Wüstenzeit“? Wenn ja: Auf wen oder was stützt du dich, um hindurchzukommen? Was bedeutet es konkret, sich auf Christus zu „stützen“?
- Welche Auswirkung könnte es auf deinen Alltag und deine Sichtweise haben, zu wissen, dass du in Christi Herz eingraviert bist?