Weiterführendes Material zu dieser Folge
Du kannst dieses Thema vertiefen, indem du über die Fragen unter der Rubrik „Jetzt wird’s persönlich“ ganz unten im Text nachdenkst.
Marie Falk: Nancy DeMoss Wolgemuth erinnert sich an eine wegweisende Orientierungshilfe, die sie einst erhalten hat.
Nancy DeMoss Wolgemuth: Ich bin so dankbar für Eltern, die den Mut hatten, auch mal „Nein“ zu sagen – und für einen Vater, der vor meinem Abschlusskonzert sagte: „Aber nicht in diesem Kleid.“
Marie: Hier ist Belebe unsere Herzen mit Nancy DeMoss Wolgemuth, gesprochen von Annette Schorre.
Seit einigen Monaten studieren wir nun schon gemeinsam das Hohelied Salomos. Die Serie heißt: „Der Geliebte meiner Seele - Jesus im Hohelied“. Hier ist Nancy, um mit der vorletzten Folge zu starten.
Nancy: Nun, heute kommen zu einem Abschnitt im Buch Hohelied, den man vielleicht als alttestamentliche Version des großen Kapitels über die Liebe, …
Weiterführendes Material zu dieser Folge
Du kannst dieses Thema vertiefen, indem du über die Fragen unter der Rubrik „Jetzt wird’s persönlich“ ganz unten im Text nachdenkst.
Marie Falk: Nancy DeMoss Wolgemuth erinnert sich an eine wegweisende Orientierungshilfe, die sie einst erhalten hat.
Nancy DeMoss Wolgemuth: Ich bin so dankbar für Eltern, die den Mut hatten, auch mal „Nein“ zu sagen – und für einen Vater, der vor meinem Abschlusskonzert sagte: „Aber nicht in diesem Kleid.“
Marie: Hier ist Belebe unsere Herzen mit Nancy DeMoss Wolgemuth, gesprochen von Annette Schorre.
Seit einigen Monaten studieren wir nun schon gemeinsam das Hohelied Salomos. Die Serie heißt: „Der Geliebte meiner Seele - Jesus im Hohelied“. Hier ist Nancy, um mit der vorletzten Folge zu starten.
Nancy: Nun, heute kommen zu einem Abschnitt im Buch Hohelied, den man vielleicht als alttestamentliche Version des großen Kapitels über die Liebe, 1. Korinther 13, bezeichnen könnte; es gibt viele Parallelen. Es geht um Kapitel 8, Verse 6 und 7, wo die Braut zu ihrem Geliebten spricht. Den ersten Teil davon haben wir bereits in der letzten Sendung angesehen. Die Braut sagt:
„Setze mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel an deinen Arm! Denn die Liebe ist stark wie der Tod, und ihr Eifer unbezwinglich wie das Totenreich; ihre Glut ist Feuerglut, eine Flamme des HERRN. Große Wasser können die Liebe nicht auslöschen, und Ströme sie nicht ertränken. Wenn einer allen Reichtum seines Hauses um die Liebe gäbe, so würde man ihn nur verachten!“
Wahrscheinlich hast du diese Verse schon einmal bei einer Hochzeit gehört. Und sie passen wirklich wunderbar in diesen Rahmen. Doch ich möchte behaupten, dass diese Beschreibung von Liebe noch mehr umfasst. Sie spricht vom Wesen echter Liebe in jeglichem Zusammenhang, aber insbesondere von der Liebe Christi zu seinem Volk. Denn seine Liebe ist die Quelle all unserer Liebe zu ihm und zu anderen.
Ohne diese göttliche Liebe, die in dein Herz hineinfließt, es erfüllt und dann durch dich zu deinem Ehepartner weiterfließt, wirst du diese Art von Liebe in deiner Ehe nicht erleben können.
„Die Liebe ist stark wie der Tod, und ihr Eifer unbezwinglich wie das Totenreich.“ Bei diesem Absatz stellt sich die Frage: Ist hier von der Liebe der Braut zu ihrem Geliebten die Rede? Oder von seiner Liebe zu ihr? Handelt der Vers von unserer Liebe zu Christus? Oder von seiner Liebe zu uns? Ich denke, die Antwort ist: „Ja“. Sowohl – als auch. Er spricht von beidem. Laut 1. Johannes 4 steht fest: „Wir lieben ihn, weil er uns zuerst geliebt hat“ (Vers 19). Wir könnten ihn gar nicht lieben, wenn er uns nicht lieben würde. Aber er liebt uns – und das befähigt uns, ihn zu lieben.
Wir sehen in diesem Abschnitt, dass wahre Liebe kraftvoll ist. Sie ist leidenschaftlich. Sie ist beharrlich. Sie ist unbezahlbar und kostbar. Ich möchte an dieser Stelle einen Moment stehen bleiben und uns an einige Wahrheiten erinnern, die wir vielleicht schon kennen, die wir aber immer wieder neu in unseren Herzen bewegen müssen. Es geht um die Liebe Gottes – um seine Liebe zu uns und darum, wie er uns befähigt, andere zu lieben.
Zunächst lesen wir den Satz: „Die Liebe ist stark wie der Tod.“ Überlege einmal, wie stark der Tod ist. Es gibt keine irdische Macht, die stärker wäre als der Tod. Kein Mensch auf dieser Erde ist in der Lage, dem Tod zu widerstehen oder ihn zu besiegen. Genau daran werden wir erinnert: Die Liebe Christi ist ebenso stark wie der Tod. Sie ist so mächtig, dass sie selbst die verhärtetsten und trotzigsten Herzen erweichen kann.
Aufgrund seiner großen Liebe zu den Menschen kam er auf diese Erde. Er entschied sich zu sterben – sein Leben hinzugeben –, um seine Braut zu retten. Er sah dem Tod ins Angesicht. Er lief mitten in die Fänge des Todes –, und er überwand ihn.
Christus hat den Tod getötet! Ja, er hat es getan. Die Liebe ist so stark wie der Tod. Die Liebe Christi ist sogar stärker als der Tod.
Und dann heißt es weiter: „und ihr Eifer unbezwinglich wie das Totenreich“. In der Elberfelder Übersetzung heißt es an dieser Stelle: „hart wie der Scheol ihre Leidenschaft“. Die Worte „unbezwinglich“ oder „hart“ bedeuten „unnachgiebig“ oder „fest“. Die Liebe ist stark. Gottes Liebe ist eine eifersüchtige Liebe. Er ist ein eifersüchtiger Gott. Wenn wir an Eifersucht denken, verbinden wir das oft mit sehr menschlichen Vorstellungen, die in der Regel nicht rein sind. Doch die eifersüchtige Liebe Gottes ist eine äußerst vollkommene, reine Liebe. Er liebt uns mit einer ungemein leidenschaftlichen und glühenden Liebe, die keine Rivalen duldet. So eifersüchtig ist seine Liebe zu uns.
Er liebt uns so sehr. Er wacht so eifersüchtig über seine Herrlichkeit und unsere Liebe, dass er – wenn es in unserem Leben andere Lieben gibt, die mit ihm konkurrieren – alles tun wird, um seine Herrlichkeit zu schützen und uns ganz für sich zu haben. Er möchte, dass wir an sein Herz und an seinen Arm gebunden sind, so wie wir gelesen haben: „Setze mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel an deinen Arm!“ Er will, dass wir auf diese Weise mit ihm verbunden sind. Darum muss er die Dinge ausräumen, die um unsere Aufmerksamkeit und Liebe wetteifern – diese Götzen in unseren Herzen. Er ist ein eifersüchtiger Gott. Und seine Liebe ist ungemein leidenschaftlich.
Es heißt: „Ihre Glut ist Feuerglut, eine Flamme des Herrn“. Luther übersetzt an dieser Stelle: „Ihre Glut ist feurig und eine gewaltige Flamme“. Man ist sich nicht ganz sicher, welche Übersetzung hier die beste ist. Wenn die erste Übersetzung korrekt ist, dann ist dies die einzige Stelle im gesamten Buch Hohelied, in der der Name Gottes ausdrücklich erwähnt wird – die einzige direkte Bezugnahme auf Gott, auch wenn seine Spuren überall zu finden sind.
Aber diese Flamme der Liebe oder feurige Glut – diese gewaltige Flamme –, die Flamme des Herrn selbst, ist ein Bild für Gottes Liebe. Es ist eine brennend heiße, verzehrende, feurige Liebe. Und noch einmal: Sie wird alles in unserem Leben wegbrennen, was Gottes Platz einnehmen könnte.
David Livingstone war im 19. Jahrhundert ein Missionspionier in Afrika. Er verfasste ein Gebet, das ich im Laufe der Jahre sehr, sehr oft gebetet habe. Darin heißt es: „Löse jedes Band, außer dem Band, durch das ich mit Deinem Dienst und mit Deinem Herzen verbunden bin.“
Also Herr: Brich es entzwei! Verbrenne es! Entferne es! Durchtrenne es! Alles, woran ich festhalte, was mich gebunden hält. Alles, was ich mehr liebe als Dich. Alles, was in meinem Leben mit Deinem Platz konkurriert – nimm es weg. „Löse jedes Band, außer dem Band, durch das ich mit Deinem Dienst und mit Deinem Herz verbunden bin.“
Ist das auch dein Gebet? Es klingt vielleicht ein wenig furchteinflößend, nicht wahr?
Und doch ist es so wichtig, es auszusprechen: „Herr, brenne alles weg! Alles, was Spreu ist, alles Vergängliche, jede Liebe, die mit meiner Liebe zu Dir konkurrieren will. Sei ein eifersüchtiger Gott in meinem Leben, damit ich mit dir verbunden lebe.“
Vers 7: „Große Wasser können die Liebe nicht auslöschen, und Ströme sie nicht ertränken.“ Wir haben gesehen: Die Liebe Gottes ist kraftvoll. Sie ist leidenschaftlich.
Und jetzt sehen wir: Die Liebe Gottes hält stand. Viele Wasser können sie nicht auslöschen. Ströme können sie nicht ertränken. Das Feuer der Liebe Gottes kann weder ausgelöscht noch erstickt werden.
Dieser Gedanke findet sich auch in Römer Kapitel 8, in diesem großartigen Abschnitt über die Liebe: „Wer will uns scheiden von der Liebe des Christus?“ Es folgt eine ganze Liste von Dingen: Kann uns das trennen? Oder jenes? Oder etwas anderes?
Die Antwort lautet: „Nein.“
Ihre Glut ist feurig und eine gewaltige Flamme.
Genauso liebt Gott dich und mich – mit dieser beständigen und unauslöschlichen Liebe. Das bedeutet, dass es nichts gibt, was du tun könntest, damit er dich weniger liebt. Und es gibt nichts, was du tun könntest, damit er dich mehr liebt. Und genau so möchte er, dass du ihn liebst. Und genau so möchte er andere durch dich lieben – mit einer leidenschaftlichen, dauerhaften und beharrlichen Liebe.
Es gibt nichts, was du tun könntest, damit er dich weniger liebt. Und es gibt nichts, was du tun könntest, damit er dich mehr liebt.
Genau so möchte er deinen Ehemann lieben. Genau so möchte er deine Kinder durch dich lieben. Genau so möchte er die Menschen an deinem Arbeitsplatz, in deiner Gemeinde und alle, mit denen du im Dienst stehst, lieben. Er möchte sie durch dich mit dieser beharrlichen Liebe lieben, die nicht ausgelöscht werden kann.
Da wird uns bewusst, wie wertvoll und unschätzbar Gottes Liebe ist. „Wenn jemand allen Reichtum seines Hauses für die Liebe geben würde, so würde man ihn nur verachten.“ Wahre Liebe kann man nicht kaufen. Sie kann mit keinem Geld der Welt erkauft werden. Versuchen wir nicht manchmal törichterweise, die Liebe Gottes oder die Liebe anderer zu erkaufen?
Wir denken: „Ach Mensch, wenn ich nur öfter Stille Zeit machen würde … Wenn ich nur eine längere Stille Zeit machen würde … Wenn ich nur mehr Bibelverse auswendig lernen würde … Wenn ich meine Kinder nur weniger anschreien würde … Wenn ich mehr abnehmen würde … Wenn ich mehr fasten würde … Wenn ich dies tun würde … oder das …“ Nein, du kannst Liebe nicht kaufen. Sie muss freiwillig geschenkt werden.
Darum ist die Liebe Jesu so überwältigend. Er hat uns von sich aus geliebt, großzügig, beständig und beharrlich – auf eine kostbare und unvergleichliche Weise. Das ist die Liebe Gottes.
Ein Autor hat es so ausgedrückt:
„Nimm die zärtlichste Liebe zusammen, die du kennst, dazu die tiefste, die du je empfunden hast, und die stärkste, die dir je entgegengebracht wurde – und füge die Liebe aller liebenden menschlichen Herzen auf dieser Welt hinzu. Multipliziere sie anschließend mit der Unendlichkeit, und du bekommst – vielleicht – einen schwachen Schimmer davon, wie sehr Gott dich liebt.“
Als eine liebe Freundin von mir Teenager war – oder vielleicht schon eine junge Frau – verließ ihr Vater die Familie, er verließ ihre Mama. Das führte zu tiefen Vertrauensproblemen in ihrem Leben. Es fiel ihr schwer zu glauben, dass Gott sie liebte. Und es fiel ihr schwer, die Liebe Gottes anzunehmen. Als meine Freundin später verheiratet war, gab es Zeiten, in denen es ihr sehr schwerfiel, die Liebe ihres Mannes anzunehmen, obwohl er sich als sehr treu erwiesen hatte. Sie hatte Ängste, Zweifel und innere Kämpfe, die es ihr schwer machten, die Liebe Gottes und die Liebe ihres Mannes anzunehmen.
Wir haben im Laufe mehrerer Jahre oft darüber gesprochen. Immer wieder hatten wir Gespräche darüber. Da ich nicht erlebt habe, was sie erlebt hat, und auch nicht so veranlagt bin wie sie, fiel es mir manchmal schwer, ihre Haltung nachzuvollziehen. Manchmal möchte man jemanden am liebsten schütteln und sagen: „Glaub es doch einfach! Reiß dich zusammen! Versteh es endlich! Gott liebt dich! Dein Mann liebt dich!“ – Aber das ist natürlich nicht wirklich hilfreich. Und ich weiß, dass es Momente gibt, in denen der Herr – oder auch andere Menschen – mich am liebsten schütteln würden, damit ich endlich etwas Bestimmtes begreife.
Sie erfasste es mit ihrem Verstand. Sie erfasste es theologisch. Und ich erlebe immer wieder, dass es vielen Frauen so geht. Sie wissen, dass Gott sie liebt, aber sie wissen es nicht wirklich. Sie spüren es nicht. Sie glauben es nicht. Sie vertrauen nicht darauf. Und allein das zuzugeben, ist schon schwer.
Wir haben aber immer wieder darüber gesprochen und dafür gebetet. Dabei lag es mir sehr am Herzen, sie immer wieder auf die Wesenszüge Gottes hinzuweisen. Über die Jahre hinweg konnte ich beobachten, wie sie sich immer mehr mit dem Wort befasste, wie sie Bibelverse auswendig lernte, über sie nachdachte und zuließ, dass das Wort Gottes ihr Herz reinwusch und ihr Denken erneuerte.
Ich erinnere mich noch genau daran, wie wir eines Tages in meinem Wohnzimmer saßen und uns unterhielten. Auf einmal lehnte sie sich näher zu mir heran und sagte wie nebenbei: „Weißt du … was ich dir schon länger sagen wollte: In den letzten Monaten habe ich angefangen zu glauben, dass Gott mich wirklich liebt.“ Am liebsten wäre ich aus meinem Sessel aufgesprungen! Was? „Juhu! Welch ein Durchbruch!“ Das geschah natürlich nicht über Nacht. Und wenn du mit so etwas zu kämpfen hast, wird bei dir wahrscheinlich auch nicht über Nacht plötzlich alles anders sein.
Während dieser ganzen Hohelied-Serie ist es mir ein großes Anliegen gewesen, Frauen mit ähnlichen Problemen zu helfen. Sie haben aufgrund ihrer Erfahrungen mit den Schwächen und dem Versagen menschlicher Liebe Schwierigkeiten zu glauben, dass Gott sie liebt. Ich weiß nur, dass es für meine Freundin ein Prozess war, in die Bibel einzutauchen und sich intensiv mit den Wesenszügen Gottes zu beschäftigen. So ließ sie Gott ihr Denken verändern. Nach und nach wurden die Lügen ausgeräumt und durch Wahrheit ersetzt.
Wenn du Probleme damit hast zu glauben, dass Gott dich wirklich liebt … wenn du zwar an Christus glaubst und darauf vertraust, dass er dich rettet, die Verbindung vom Kopf zum Herz aber irgendwie nicht klappt … (Nun, es ist möglich, dass du gar kein Kind Gottes bist.) Wenn du es aber bist und du trotzdem Schwierigkeiten damit hast, die Liebe Gottes oder auch die Liebe deines Mannes anzunehmen…
Egal, wie oft der Mann meiner Freundin ihr auch versicherte, dass er sie liebte – sie dachte immer: Ja okay, das muss er ja schließlich sagen. Sie hat es einfach nicht wirklich ergreifen können. Und ehrlich gesagt glaube ich, dass wir das alle nicht so erfassen, wie wir sollten oder so, wie es möglich wäre, wenn wir Gott immer wieder unsere Herzen mit seiner Liebe überspülen lassen würden. Ich hoffe, dass du in diesen Wochen die erstaunliche Liebe Gottes erlebt hast – ob du nun verheiratet oder ledig bist, jung oder alt, verwitwet oder geschieden, ob du Kinder hast oder nicht – wie auch immer deine Lebenssituation zur Zeit ist. Ich hoffe, dass du die Liebe Gottes ganz neu erlebst.
Mir ist bewusst, dass sich in dieser Sendereihe manches wiederholt hat – einfach, weil es auch im Hohelied Wiederholungen gibt. Ich habe versucht, da einfach Schritt für Schritt mitzugehen. Aber ich glaube, es liegt auch ein Wert darin: Wenn wir diese Wiederholungen immer wieder hören und sie aufnehmen, lehren wir unsere Herzen die Wahrheit über die erstaunliche Liebe Gottes. Mein Wunsch ist, dass du die Wirklichkeit dieser Liebe erlebst.
Nun möchte ich zu Kapitel 8, Vers 8 weitergehen. Nach dieser großartigen Beschreibung, wie kraftvoll, ausdauernd, leidenschaftlich und rein die Liebe ist, sagt die Braut zu ihrem Geliebten:
„Wir haben eine kleine Schwester, die noch keine Brüste hat. Was tun wir (…) mit unserer Schwester an dem Tag, da man um sie wirbt?“
An dieser Stelle drückt die Braut ihre Sorge um diejenigen aus, die diese Art von Liebe – diese reife Liebe – noch nicht erfahren haben. Sie tut dies, indem sie von einer kleinen Schwester spricht, die sich körperlich noch nicht zu einer reifen Frau entwickelt hat. Ihr Körper ist noch nicht so weit. Sie ist noch jung und unreif.
Interessant ist, dass sie sagt: „Wir haben eine kleine Schwester.“ Nicht: „Ich habe eine kleine Schwester“ oder: „Du hast eine kleine Schwester“, sondern: „Wir haben eine kleine Schwester.“ Wenn du Christus liebst und in Einheit und Gemeinschaft mit ihm lebst, dann wird dir das wichtig, was ihm wichtig ist. Und was dir wichtig ist, das ist auch ihm wichtig. Was sein Herz bewegt, das bewegt auch dein Herz. So trägt die Braut diese Sorge um „unsere kleine Schwester, die sich körperlich noch nicht zu einer jungen Frau entwickelt hat“. Sie fragt: Was können wir für sie tun?
Um hier eine Anwendung zu machen – ich denke, diese kleinen Schwestern, diese Unreifen, können ein Bild für Menschen sein, die noch nicht im Glauben stehen oder für Gläubige, die noch unreif und nicht gefestigt sind. Die Braut fragt: „Was tun wir nun mit unserer Schwester an dem Tag, da man um sie wirbt?“ Mit anderen Worten: Wie können wir sie auf ihre Zukunft vorbereiten – auf die Ehe, auf ihre Berufung? Du siehst: Sie wünscht sich, dass andere dieselbe Art von Liebe und Ehe erleben dürfen, wie sie selbst.
Die Sorge um die Reife anderer sollte jedem Gläubigen am Herzen liegen. Ich denke da an Kolosser 1,28-29, wo der Apostel Paulus sagt: Das Ziel unseres Dienstes, für das wir uns einsetzen, für das wir – mit Gottes Gnade – mit ganzer Hingabe arbeiten, ist es, „jeden Menschen [reif oder] vollkommen in Christus darzustellen“. Genau darum mühen wir uns. Das war auch der Grund, warum Paulus alles ertrug, was er ertragen musste, und die Schwierigkeiten seines Dienstes auf sich nahm. Er wollte Christus eine reife Braut präsentieren.
In Galater 4,19 bezeichnet Paulus die Galater als „seine Kinder“: „Meine Kinder, um die ich noch einmal Geburtswehen erleide …“ Das Wort „Geburtswehen“ beschreibt die Schmerzen einer Mutter bei der Geburt. Paulus sagt also: „Ich erleide Schmerzen um euch, bis Christus in euch Gestalt annimmt.“ Er hat Sorge um diejenigen, die noch jung im Glauben sind – sie, die geistlich gesehen, Kinder sind.
In 2. Korinther 11,2 sagt Paulus: „Ich habe euch einem Mann verlobt, um euch als eine keusche Jungfrau Christus zuzuführen.“ Er möchte sie auf das Hochzeitsmahl des Lammes vorbereiten – auf das Hochzeitsfest im Himmel. Wir haben da unsere kleine Schwester. Wie können wir sie auf die Ehe und auf die Reife vorbereiten?
Ein Beweis reifer Liebe in deiner Beziehung zum Herrn ist, dass du beginnst, für diejenigen Sorge zu tragen, die geistlich gesehen Kinder in Christus sind – die noch nicht Gereiften, die Jungen. Du hast ein Herz für sie.
Du willst dich nicht einfach so durchs Leben treiben lassen. Aber ich sehe so viele Christen, die genau das in ihrem geistlichen Leben tun. Es kümmert sie nicht, wenn andere in sündigen Gewohnheiten feststecken, wenn sie geistlich nicht wachsen oder ihre Nachbarn Christus nicht kennen. Wenn du ein Herz für Christus hast und die Fülle seiner leidenschaftlichen Liebe erlebt hast, sollte es dir wichtig sein, dass auch andere diese Art von Beziehung zu ihm haben.
Was sollen wir also für unsere kleine Schwester tun, die sich noch entwickeln muss? Die Antwort des Geliebten ist: „Ist sie eine Mauer, so bauen wir eine silberne Zinne darauf [oder einen silbernen Turm oder ein silbernes Türmchen]; ist sie aber eine Tür, so verschließen wir sie mit einem Zedernbrett!“ (Hohelied 8,9).
Ich denke, hier bekommen wir eine Vorstellung davon, was jeder Gläubige sein könnte, wenn er in Christus zur Reife gelangt – verwandelt von etwas ganz Gewöhnlichem – einer Mauer oder einer Tür – in ein wunderschönes Bauwerk. „Ist sie eine Mauer, so bauen wir eine silberne Zinne darauf; ist sie aber eine Tür, so verschließen wir sie mit einem Zedernbrett“ – was ein sehr teures und schönes Holz war. Ja, das werden wir tun!
Doch möchte ich bei diesem Vers kurz stehen bleiben, denn ich denke, es gibt hier noch eine weitere Anwendung – insbesondere, wenn wir unsere Töchter und jüngere Frauen in der Jüngerschaft begleiten. „Wenn sie eine Mauer ist, gehen wir auf eine bestimmte Weise mit ihr um. Wenn sie eine Tür ist, gehen wir auf eine andere Weise mit ihr um.“
Ich denke, das ist ein Bild der Tatsache – ich habe es im Laufe der Jahre sehr oft gesehen – dass es im Grunde zwei Arten von Frauen gibt. Manche Frauen sind naturgemäß mehr wie eine Mauer, andere eher wie eine Tür. Das kann man schon bei jungen Frauen beobachten. Man erkennt es bei Teenagern. Und man kann es sogar schon bei kleinen Mädchen sehen. Manche sind naturgemäß eher eine Mauer, andere eher eine Tür.
Was will ich damit sagen? Nun, eine Mauer ist fest und unnachgiebig. Sie lässt sich nicht so leicht verrücken. Du kannst dich dagegen stemmen, aber sie bewegt sich nicht. Eine Tür dagegen dreht sich in den Angeln. Sie kann geöffnet oder geschlossen werden. Man kann sie aufdrücken. Frauen neigen also entweder dazu, eine Mauer oder eine Tür zu sein.
Nun, das Ziel für beide Arten von Frauen ist ihre Reife, dass sie dem entsprechen, wozu sie geschaffen wurden. In der Luther Übersetzung heißt es: „Ist sie eine Mauer, so wollen wir ein silbernes Bollwerk darauf bauen.“ Oder in der Hoffnung für alle: „(...) dann schmücken wir sie mit einem silbernen Turm.“ Das Leben dieser Frau soll ein Bauwerk von großer Schönheit und Würde werden. Wir wollen Gott darum bitten, dass er eine neue Generation von jungen Frauen dahin bringt, dass sie wie eine Mauer in Bezug auf Annäherungsversuche von Männern sind … dass sie diskrete Frauen sind, die außerhalb des Rahmens der Ehe fest und unnachgiebig sind und, wenn nötig, angemessene Grenzen setzen.
Wenn diese Frau eine Mauer ist, dann ist da eine Basis, auf der man einen schönen Turm bauen kann. Aber was machen wir, wenn sie eine Tür ist, die also leicht den Annäherungsversuchen von Männern nachgibt? Wir verschließen diese Tür mit einem Zedernbrett. Wir richten Begrenzungen um sie herum auf, im Bilde gesprochen: wir versperren die Tür, bis sie eine Mauer geworden ist. Du siehst also: Wenn ein Mädchen oder eine junge Frau eine Tür ist, dann muss sie geschützt werden. Und als Elternteil solltest du bereit sein, diesen Schutz, wo nötig, zu gewähren.
Ich bin so dankbar für Eltern, die den Mut hatten, auch mal „Nein“ zu sagen – und für einen Vater, der vor meinem Abschlusskonzert sagte: „Aber nicht in diesem Kleid.“ Nun, ich wusste, dass er mich liebte. Ich wusste, dass er um mich besorgt war. Aber in meinen Teenagerjahren hatte ich all das nicht wirklich verstanden. Aber er verstand es. Und er sagte: „Ich möchte, dass meine Tochter eine Mauer ist – ein Ort, auf den man einen Turm aus Silber bauen kann.“
Wir wollen Gott um eine Generation junger Frauen bitten, die verstehen, was es bedeutet, eine Mauer statt einer Tür zu sein. Bei einer Tür denke ich an eine Frau, die frech ist, gerne flirtet und bei Druck leicht nachgibt, auch bei Druck auf sexuellem Gebiet. Aber es geht nicht nur um Jungs und Mädels und sexuelle Fragen. Es gehört zu unserer Berufung, junge, unreife Gläubige aufzubauen und ihnen zu helfen, ein stabiler Ort zu werden – so dass Gott etwas ganz Schönes in ihrem Leben darauf aufbauen kann.
So sagt die Braut in Vers 10: „Ich bin eine Mauer, und meine Brüste sind wie Türme; da wurde ich in seinen Augen wie eine, die Frieden gefunden hat.“ Diese Braut erkennt, dass auch sie selbst einmal unreif war. Sie war einmal – geistlich gesehen – ein Baby. Sie ist so dankbar für die Gnade ihres Geliebten, die sie heranwachsen ließ, die sie zu einer Mauer, die sie fest werden ließ. Als Folge ihrer Beziehung zu ihrem Bräutigam hat sie Frieden, Gunst und Segen erfahren. Es ist alles ein Werk der Gnade. „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin“, (1. Korinther 15,10a) sagt der Apostel Paulus.
Wenn du eine Mauer bist, wenn du Gunst und Frieden bei deinem Geliebten gefunden hast, dann kannst du das nicht dir selbst zuschreiben. Es ist nicht dein Verdienst. Es ist wegen der Gnade deines Geliebten. Nachdem sie diese Gnade empfangen hat, möchte sie nun anderen helfen, dieselbe Gnade und Barmherzigkeit zu erfahren.
Marie: Das war Nancy DeMoss Wolgemuth. Sie hat eine scheinbar seltsame Stelle im Hohelied erklärt. Eine Stelle, in der Frauen entweder mit einer Tür oder einer Mauer verglichen werden. Aber Nancy hat uns diese Verse beleuchtet und gezeigt, warum der Gedanke so wichtig ist.
Wenn du dir die gesamte Serie anhörst, wirst du immer wieder diese Art von Einblicken in das Hohelied bekommen – ein Buch, das ja doch viel zu oft übersehen wird.
Falls du eine Folge verpasst hast, kannst du alle Botschaften auf unserer Website Belebeunsereherzen.com nachhören und dann auc die Folgefragen, die wir in einer Broschüre für dich zusammengefasst haben, lesen und auch für dich beantworten. Falls dich diese Reihe bewegt hat, schreib uns doch gern mal, was es in deinem Leben bewirkt hat. Wir freuen uns wirklich immer sehr über Nachrichten dieser Art!
Marie: Sehnst du dich nach der Wiederkunft Jesu? Beim nächsten Mal wird Nancy dir mehr darüber im Hohelied zeigen.
Nancy: Das ist der Herzenswunsch eines jeden wahren Gläubigen: „Komme bald, Herr Jesus!“ (vgl. Offenbarung 22,20).
Marie: Schalte also gern wieder ein, wenn Nancy hier das nächste Mal die Serie über das Hohelied abschließt.
Belebe unsere Herzen ist Teil von Revive Our Hearts Ministries.
Wenn nichts anderes erwähnt wird, sind die Bibeltexte der Schlachter Übersetzung © 2000 Genfer Bibelgesellschaft entnommen.
[su_spacer size="50"]
Jetzt wird’s persönlich!
Tag 24 - Reife Liebe 5: Eine Mauer und eine Tür (Hohelied 8,6-10)
- Welche Merkmale der Liebe Gottes sind in diesem Abschnitt zu erkennen?
- „Große Wasser können die Liebe nicht auslöschen, und Ströme sie nicht ertränken“ (Hohelied 8,7; vgl. Römer 8,35-39). Glaubst du, dass dich wirklich nichts von der Liebe Gottes trennen kann? Hält dich etwas davon ab, seine Liebe anzunehmen, die so stark ist wie der Tod?
- Ist Jesus wirklich an erster Stelle in deinem Herzen und Leben? Wenn nicht, wer oder was konkurriert um diesen Platz?
- Im neunzehnten Jahrhundert betete der Missionspionier David Livingstone: „Löse jedes Band, außer dem Band, das mich mit deinem Dienst und Deinem Herzen verbindet.“ Drückt dieses Gebet deinen ehrlichen Wunsch aus? Gibt es irgendeine „Bindung“, die Gott in deinem Leben durchtrennen möchte, damit du enger mit Christus verbunden sein kannst?
- „Ist sie eine Mauer, so bauen wir eine silberne Zinne darauf, ist sie aber eine Tür, so verschließen wir sie mit einem Zedernbrett!“ (Hohelied 8,9). Bist du, was deinen Glauben betrifft, eher eine „Mauer“ (fest und unnachgiebig in deinen Überzeugungen) oder eine „Tür“ (jemand, der leicht zu beeinflussen ist und Beschränkungen braucht)? Und wie ist es mit deinen Beziehungen zu Männern? Bist du eine „Mauer“ oder eine „Tür“?
- Im Hohelied möchten die Braut und ihr Geliebter ihre Liebe auf eine möglichst reife und tiefe Art ausleben. Was sagen uns die folgenden Verse über Gottes Ziele für die Gläubigen: Kolosser 1,28-29; Epheser 4,13-16; Galater 4,19 und 2. Korinther 11,2? Wie ernsthaft und bewusst strebst du geistliches Wachstum und Reife an?
- „(...) Was tun wir nun mit unserer Schwester (...)?“ (Hohelied 8,8). Reife Gläubige, die Christus lieben, haben den Wunsch, die Gnade, die sie von ihm empfangen haben, mit anderen zu teilen. Sie tragen Sorge um diejenigen, die jünger oder weniger reif im Glauben sind. Sie helfen ihnen zu wachsen und zu reifen und Gläubige zu werden, die ihrerseits Frucht bringen. Wen hat Gott in dein Leben gestellt, den du aufbauen könntest? Wen könntest du in der Nachfolge ermutigen? Welcher Frau könntest du in der Ehebeziehung helfen?