Weiterführendes Material zu dieser Folge
Vertiefe dein Studium und reflektiere über die Fragen unter „Jetzt wird’s persönlich“.
Marie Falk: Nancy DeMoss Wolgemuth hat heute eine Botschaft für alle die, die müde sind.
Nancy DeMoss Wolgemuth: Das Mittel gegen Burnout liegt nicht darin, sich auf sich selbst zu konzentrieren. Nach dem Motto „Ich brauche mehr Zeit für mich!“ Die Lösung liegt darin, den Fokus auf Christus zu richten.
Marie: Hier ist Belebe unsere Herzen mit Nancy DeMoss Wolgemuth, gesprochen von Annette Schorre.
Es geht heute weiter mit unserer aktuellen Podcast-Reihe: „Der Geliebte meiner Seele - Jesus im Hohelied“. Hier ist Nancy:
Nancy: Wir wollen nun unsere Betrachtung über das Hohelied, das schönste Lied oder das Lied der Liebe fortsetzen. Ich nenne es gerne: das Lied der Lieder. Die Braut hat zum Ausdruck gebracht, dass sie sich nach einer innigen Beziehung zu ihrem Bräutigam sehnt. Es …
Weiterführendes Material zu dieser Folge
Vertiefe dein Studium und reflektiere über die Fragen unter „Jetzt wird’s persönlich“.
Marie Falk: Nancy DeMoss Wolgemuth hat heute eine Botschaft für alle die, die müde sind.
Nancy DeMoss Wolgemuth: Das Mittel gegen Burnout liegt nicht darin, sich auf sich selbst zu konzentrieren. Nach dem Motto „Ich brauche mehr Zeit für mich!“ Die Lösung liegt darin, den Fokus auf Christus zu richten.
Marie: Hier ist Belebe unsere Herzen mit Nancy DeMoss Wolgemuth, gesprochen von Annette Schorre.
Es geht heute weiter mit unserer aktuellen Podcast-Reihe: „Der Geliebte meiner Seele - Jesus im Hohelied“. Hier ist Nancy:
Nancy: Wir wollen nun unsere Betrachtung über das Hohelied, das schönste Lied oder das Lied der Liebe fortsetzen. Ich nenne es gerne: das Lied der Lieder. Die Braut hat zum Ausdruck gebracht, dass sie sich nach einer innigen Beziehung zu ihrem Bräutigam sehnt. Es ist ihr ernst damit. Aber wenn sie auf sich selbst und auf ihren Hintergrund sieht, was ihre Wurzeln sind, wie ihr Leben bisher aussah und wie sie von anderen behandelt worden ist, dann erkennt sie manche Mängel und Einschränkungen; und so steht sie in einem inneren Konflikt. Sie ist besorgt, dass sie nicht qualifiziert ist, diesen König zu heiraten oder von ihm geliebt zu werden.
Dieser Gedanke ist, denke ich, so wichtig, wenn wir uns als Braut Christi fragen, was dieses Lied über unsere Beziehung zum Herrn Jesus zu sagen hat. Wir erkennen solche Fehler und Begrenzungen ja auch an uns. Und wir stehen in einem Konflikt; wir fragen uns zuweilen, ob wir seiner Liebe würdig sind, ob wir qualifiziert sind, seine Braut zu sein und eine Beziehung zu ihm zu haben. Wie kann das eigentlich sein?
[In einem Lied heißt es:] „Ich sehe voller Erstaunen / Auf Jesus von Nazareth hin / Und frag mich, wie Er mich konnt' lieben, / Der ich solch ein Sünder bin.“[mfn]I Stand Amazed in the Presencevon Robin Mark, Deutsch[/mfn]
Das sind die Gefühle, die auch die Braut hier hat. So kommen wir zu Hohelied 1,5, wo sie die Töchter Jerusalems anspricht. Nun, das ist das erste Mal, dass die Töchter Jerusalems erwähnt werden, doch sie tauchen im gesamten Buch wiederholt auf, und es gibt verschiedene Vorschläge, wen sie repräsentieren.
Für mich macht es am meisten Sinn, und zwar im Licht der Herangehensweise, die wir hier gewählt haben, sie als andere, weniger reife Gläubige zu sehen. Ihnen fehlt das Verlangen, Christus leidenschaftlich nachzufolgen, doch sie werden zunehmend zu ihm hingezogen, wenn sie die Hingabe dieser Braut an ihren Geliebten sehen. Und so werden sie auf dieser Reise mehr und mehr von ihm angezogen.
Ab Vers 5 spricht die Braut nun zu den Töchtern Jerusalems:
„Schwarz bin ich, aber lieblich,
ihr Töchter Jerusalems,
wie die Zelte Kedars,
wie die Vorhänge Salomos.
Seht mich nicht an, weil ich so schwärzlich bin,
weil die Sonne mich verbrannt hat!
Die Söhne meiner Mutter zürnten mir,
sie setzten mich zur Hüterin der Weinberge;
[doch] meinen eigenen Weinberg habe ich nicht gehütet!“
Und dann wendet sie sich an ihren Geliebten:
„Sage mir doch, du, den meine Seele liebt:
Wo weidest du?
Wo hältst du Mittagsrast?
Warum soll ich wie eine Verschleierte sein
bei den Herden deiner Gefährten?“
Und dann spricht der Geliebte zum ersten Mal. In Vers 8 sagt er:
Ist es dir nicht bekannt, du Schönste unter den Frauen,
so geh nur hinaus, den Spuren der Schafe nach,
und weide deine Zicklein
bei den Wohnungen der Hirten!“ (Verse 5−8)
Nun, wir wollen uns diesen Abschnitt näher ansehen und schauen, was er für uns bereit hält.
Zunächst ist hier also die Braut. Sie ist sich gewiss, dass sie ihren Bräutigam liebt. Sie nennt ihn in Vers 7 „du, den meine Seele liebt.“ Aber sie fragt sich, wie er sie nur lieben kann. Sie fühlt sich seiner Liebe nicht würdig. Sie wundert sich, dass er sie auserwählt hat – dass er, der König, sie zu seiner Braut erwählte. Und so sagt sie:
„Schwarz bin ich, aber lieblich,
ihr Töchter Jerusalems,
wie die Zelte Kedars,
wie die Vorhänge Salomos.
Seht mich nicht an, weil ich so schwärzlich bin,
weil die Sonne mich verbrannt hat!“
Schwarz, aber lieblich. Schwarz wie die Zelte Kedars, aber lieblich wie die Vorhänge Salomos.
Hier sehen wir einen Gegensatz. Sie sieht zwei Seiten an sich, die in Konflikt miteinander stehen. Sie ist also eine Frau mit einem inneren Konflikt.
Schwarz wie die Zelte Kedars. Nun, damit können die meisten von uns wahrscheinlich nichts anfangen. Kedar war der Name eines Nomadenstamms, der von Ismael abstammte. Diese Beduinen lebten in Zelten, die aus schwarzen Ziegenhaardecken zusammengenäht und durch die Witterungseinflüsse noch dunkler wurden.
So sagt sie: „Schwarz bin ich.“ „Schwarz (...) wie die Zelte Kedars.“ Warum ist sie dunkel? Nun, ihre Haut ist durch die Arbeit draußen im Weinberg dunkel geworden. Die Sonne hat sie gebräunt. Sie war der Sonne ausgesetzt.
Heute gilt sonnengebräunte Haut als schön, zu jener Zeit hingegen war das Schönheitsideal helle Haut. Sonnenverbrannte Haut oder gebräunte Haut hatten nur die einfachen Landarbeiter. Die schönen Frauen, die königlichen Frauen, hatten diese sehr blasse, helle Haut.
Und so sagt sie: „Ich bin dunkel. Ich war in der Sonne. Die Sonne hat mich verbrannt.“ Nun, diese Sorge hatte sie nicht, bevor sie ihn traf. Erst, als sie in seine Nähe kam, wurde ihr bewusst, wie sie wirklich war. Solange alle anderen um sie herum, alle Menschen, mit denen sie zusammenarbeitete und zusammenlebte und die mit ihr draußen in den Weinbergen arbeiteten, also, solange alle anderen um sie herum diese sonnenverbrannte, ledrige Haut hatten, war für sie alles in Ordnung. Doch als sie ihn sah – seinen Glanz, seine Schönheit –, erkannte sie im Vergleich zu ihm ihren eigenen Mangel.
Kennst du das? Du denkst, du bist ganz okay, wie du bist, und dann triffst du Menschen, die in einer engen Beziehung zum Herrn stehen, und auf einmal erkennst du: „Oh, ich verliere leicht die Beherrschung. Ich habe meine Ecken und Kanten, ich bin oft unwirsch. Ich bin in so vieler Hinsicht nicht wie Jesus.“ Wir empfinden einen innerlichen Zwiespalt, wenn wir merken, wie schön, wie lieblich und wunderbar er ist und wie schwarz und dunkel wir im Vergleich zu ihm sind. In seinem Licht offenbart sich unsere Dunkelheit.
So sagt sie: „Schwarz bin ich wie die Zelte Kedars, aber lieblich wie die Vorhänge Salomos.“ Diese Vorhänge, wie sie auch in der alttestamentlichen Stiftshütte hingen, waren aus feinem Leinen gefertigt. Sie waren wunderschön. Sie waren Meisterwerke der Kunst. Sie waren prächtig.
Ich denke, für einen Gläubigen ist das ein Hinweis auf die Gerechtigkeit Christi, wovon es in Offenbarung 19 heißt, dass die Braut Christi sich in feines Leinen kleidet, welches die gerechten Taten der Gläubigen sind. Es ist die Gerechtigkeit, die sie von Christus empfangen.
Diese Lieblichkeit, die den Vorhängen Salomos gleicht, steht dafür, zu was die Braut durch die Beziehung zu Christus geworden ist. Doch sie empfindet den Zwiespalt zwischen dem, wer sie war und wie sie natürlicherweise ist, und dem, wie sie zunehmend wird − schwarz, aber lieblich. „Schwarz bin ich, aber lieblich.“
An welche Person in der Bibel denkst du, die ähnliche Gefühle ausgedrückt hat? Lasst uns zu Römer 7 gehen, wo Paulus sagte:
„Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt [schwarz bin ich]; das Wollen ist zwar bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten gelingt mir nicht (...). Denn ich habe Lust an dem Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen [an dem, was lieblich ist]; ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das gegen das Gesetz meiner Gesinnung streitet und mich gefangen nimmt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist [das ist schwarz]. Ich elender Mensch! (...) So diene ich selbst nun mit der Gesinnung dem Gesetz Gottes [das ist lieblich], mit dem Fleisch aber dem Gesetz der Sünde [die ist schwarz]“ (Verse 18–25).
Das ist dieses Verständnis, dass unser Fleisch in Adam, von Natur aus, fern von Christus und schwarz ist. Es ist gefallen. Es ist verdorben. Auf uns selbst gestellt, würden wir niemals nach Gott suchen. Wir sind schwarz. Aber wir haben eine neue Natur bekommen, und in Christus wurde unser Geist lebendig gemacht, und aufgrund seiner Gerechtigkeit ist er lieblich geworden.
Wir sind von ihm erwählt worden – nicht wegen irgendwelcher inneren Werte oder einer Schönheit, die in uns wäre, denn die gibt es nicht. Wenn sogar der Apostel Paulus sagen musste: „Ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt“, glaubst du, dass dann in deinem Fleisch etwas Gutes wohnt oder in meinem? Wir haben keinen Wert, keine Schönheit in uns selbst, sondern er hat uns auserwählt und liebt uns, einfach weil er die Liebe ist.
So sind wir also schwarz in uns selbst, aber lieblich in Christus. Und erzeugt das nicht eine gewisse Spannung in deinem Leben? Bei mir ist das zumindest so. Wir sind uns unserer Sünde und unserer Neigung zum Sündigen stets bewusst. Aber genauso sind wir uns auch seiner Gnade und seiner Gerechtigkeit bewusst, mit denen er in uns wirken möchte.
Wer von uns kennt es nicht, das Gefühl, untauglich zu sein, unwürdig, zu Christus zu gehören, von ihm geliebt und gebraucht zu werden? Ich kann euch nicht sagen, wie oft … Es vergeht mit Sicherheit keine Woche, kaum ein Tag, an dem ich nicht die Last meiner eigenen Unwürdigkeit spüre – die Unwürdigkeit, von Christus geliebt und gebraucht zu werden. Ich merke, dass ich schwarz bin.
Nun, viele kennen unseren Podcast oder lesen meine Bücher und sagen: „Ach nein, du bist doch angenehm.“ Aber wisst ihr was? Ihr kennt mich nicht. Ihr lebt nicht mit mir zusammen. Wenn ihr irgendetwas Gutes seht oder gesegnet werdet, dann liegt das daran, dass Christus durch seine Gnade ein Werk in mir tut. Doch ich lebe mit mir zusammen. Ich kenne meine Versuchungen, meine Neigungen, meine Veranlagung und all das, was aus mir herauskommt, das so sehr nicht Jesus-like ist, und ich sage: „Ich bin schwarz. Wie kannst du mich gebrauchen, Herr?“ Und doch bin ich auch lieblich. Ich bin angenommen in dem Geliebten. Und wenn du in Christus bist, dann gilt das auch für dich. Es ist alles aus Gnade.
Wenn wir nun gemeinsam in den nächsten Wochen das Hohelied studieren, dann achte darauf, wie sich das Leben dieser Frau verändert. Sie wird durch seine Gegenwart immer mehr in eine schöne Frau verwandelt – so wie Christi Gegenwart auch uns nach und nach verändert und uns eine Schönheit verleiht, die nicht die unsrige ist. Diese Schönheit spiegelt seine Lieblichkeit wider. So sind wir schwarz, aber lieblich.
In einem Andachtsbuch, in dem ich letzte Woche las, stieß ich auf ein Zitat, das mir einfach perfekt zu diesem Gedanken zu passen scheint. Andrew Bonar sagte: „Zermalme unsere Herzen zwischen diesen beiden Mühlsteinen − dem Bewusstsein der Sünde und dem Bewusstsein der göttlichen Gnade.“
Nun, wie oft werden wir unter dem Mühlstein unseres Sündenbewusstseins zermalmt, aber sollte unser Bewusstsein seiner göttlichen Gnade nicht ein noch größeres, stärkeres Gewicht haben? Deshalb beten wir: „Herr, zermalme unsere Herzen zwischen diesen beiden Mühlsteinen − dem Bewusstsein der Sünde und dem Bewusstsein der göttlichen Gnade.“ Schwarz, und doch lieblich.
Sie sagt: „Seht mich nicht an, weil ich so schwärzlich bin“ (Vers 6). Sie ist verlegen wegen ihrer Unvollkommenheiten. Ist es nicht unsere ganz natürliche Reaktion, uns zu schämen, wenn wir die Dunkelheit in uns wahrnehmen? „Seht mich nicht an.“ Wir wollen uns verbergen, uns verstecken. Wer hat das auch getan? Adam und Eva. „Seht mich nicht an.“
Der Prophet Jesaja rief aus: „Wehe mir (…)! Denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen (…); denn meine Augen haben den König, den HERRN der Heerscharen, gesehen!“ (6,5). Ich bin schwarz, und er ist lieblich.
Petrus kam zu dem Schluss: „Herr, gehe von mir hinweg, denn ich bin ein sündiger Mensch!“ (Lukas 5,8)
Dann erklärt die Braut, warum sie dunkel ist. In Vers 6 fährt sie fort: „(...) weil die Sonne mich verbrannt hat! Die Söhne meiner Mutter zürnten mir, sie setzten mich zur Hüterin der Weinberge (...).“
Es ist die klassische Geschichte einer verschmähten Stiefschwester, wie bei Aschenputtel. „Die Söhne meiner Mutter zürnten mir.“ Wir kennen den Zusammenhang nicht. Doch sie wurde gezwungen, im Weinberg der Familie zu arbeiten – zu ihrem eigenen Nachteil und Schaden.
Nun, vergleiche jetzt einmal die Art, wie ihre Halbbrüder mit ihr umgingen, mit der Art, wie der König sie behandelt. Er liebt sie. Er ist nicht böse auf sie. Er liebt sie.
Manche von euch denken vielleicht, Gott sei wie die Menschen, die euch verletzt haben. Aber das ist er nicht! Der König liebt die Braut. Er führt sie in seine Gemächer. Sie darf an seinem Tisch sitzen, wie wir in Vers 12 sehen werden. Er spricht mit ihr. Er bringt ihr Ruhe und Erfrischung. Es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen der Art und Weise, wie sie von diesen beiden Typen von Mensch behandelt wird.
Was für ein Bild ist das für den Unterschied zwischen den Forderungen des Gesetzes und der Freude an der Liebe!
Die Forderungen des Gesetzes führen dazu, dass wir aus Pflichtgefühl und Angst heraus hart arbeiten. Diese Frau, die gezwungen wurde, im Weinberg der Familie zu arbeiten, kannte keine Liebe, keine Freiheit und keine Freude.
Aber wenn man sich an der Liebe und der Gnade erfreut, wird der Dienst freiwillig und dankbar getan, und das führt zu Segen, Freiheit und Glück.
Deshalb möchte ich dich fragen: Lebst und arbeitest du im Weinberg des Gesetzes oder im Weinberg der Gnade? Dienst du, weil das Gesetz es fordert oder aus Freude an seiner Liebe?
Du kannst viel Gutes für den Herrn tun, indem du eine gute Mutter, eine gute Ehefrau, eine fleißige Arbeiterin bist, viele Dienste übernimmst, eine Kleingruppe leitest, Seelsorgerin oder Mentorin bist – es sind Aufgaben, die Teil deines Dienstes sind. Aber du kannst sie tun, weil die Last der Forderungen des Gesetzes dich drückt, und du erlebst keine Freude dabei. Es ist einfach eine Last, eine schwere Last.
Die Braut sagt: „Die Söhne meiner Mutter zürnten mir, sie setzten mich zur Hüterin der Weinberge.“ Da ist keine Freude.
Sie sagt: „Sie setzten mich zur Hüterin der Weinberge; [doch] meinen eigenen Weinberg habe ich nicht gehütet!“ Da gab es ein Problem.
Wenn sie „meinen Weinberg…“ sagt, und das wirst du selbst im Verlauf dieses Buches feststellen, bezieht sie sich auf sich selbst, auf ihr eigenes Leben. Sie hat ihr eigenes Herz nicht gehütet. Sie ist erschöpft und sie ist ausgebrannt.
Das ist ein Bild von dem Versuch, anderen zu dienen, während man es versäumt, sich um das eigene Herz zu kümmern. An wen erinnert dich das im Neuen Testament? Im Lukas-Evangelium Kapitel 10 dient Martha, sie tut all die richtigen Dinge, sie ist eifrig, aber sie vernachlässigt die persönliche Gemeinschaft und die Beziehung mit Christus. Und welche Folgen hat das? Die Seele wird müde, sie fühlt sich leer und ausgetrocknet an. Man ist überfordert, es ist keine Liebe mehr da, das Herz wird kalt, es wird anspruchsvoll. Kennst du das? Hast du das vielleicht gerade diese Woche erst erlebt?
Vor kurzem erhielt ich eine E-Mail von einer 26-jährigen Mutter von zwei Kleinkindern. Sie und ihr Mann hatten beschlossen, von der Pastorenstelle zurückzutreten, die er innehatte. Sie schrieb: „Ich habe mich selbst an den Rand der Erschöpfung manövriert, indem ich mich völlig verausgabte. Bei jedem Gottesdienst steckte ich in der Kinderbetreuung …“ Steckte in der Kinderbetreuung. Das klingt nach: „Die Söhne meiner Mutter zürnten mir, sie setzten mich zur Hüterin der Weinberge“? „Dadurch, dass ich jeden Gottesdienst in der Kinderbetreuung eingespannt war, trocknete ich geistlich aus. Ich brauchte wirklich eine Erfrischung.“
An dieser Stelle könntest du bestimmt deine eigene Geschichte erzählen, oder? Vielleicht stehst du gerade selbst genau an diesem Punkt. Was tust du dann? Was macht die Braut? Sie sucht ihn. Sie macht sich auf die Suche nach ihrem Geliebten. Sie sagt zu ihm: „Sage mir doch, du, den meine Seele liebt: Wo weidest du? Wo hältst du Mittagsrast?“ Oder in einer anderen Übersetzung: „Sag mir, mein Geliebter, wo lässt du deine Schafe weiden, wo lässt du sie am Mittag lagern?“ (Hfa)
Sie sucht ihn. Sie braucht Nahrung für die Seele und Ruhe. Sie weiß, dass sie ihn liebt. „Geliebter du, den meine Seele liebt.“ Und sie weiß, sie braucht ihn, dass er ihre Seele stärkt und erfrischt oder „erquickt“. Damit hat sie jetzt eine neue Priorität gefunden.
So wie Jesus über Marthas Schwester sagte: „Eins aber ist nötig. Maria aber hat das gute Teil erwählt“ (Lukas 10,42 ELB). Was ist das Eine, das absolut nötig ist? Sich zu Jesu Füßen setzen, in seine Gegenwart treten und ihm erlauben, den eigenen Weinberg zu hüten.
Deshalb fragt sie ihren Bräutigam: „Wo kann ich dich finden? Wo sind die grünen Weiden und die stillen Wasser, die du mir versprochen hast?“
Das Mittel gegen Burnout liegt nicht darin, sich auf sich selbst zu konzentrieren, so nach dem Motto „Ich brauche mehr Zeit für mich!“ Die Lösung liegt darin, den Fokus auf Christus zu richten.
„Sag mir doch, du, den meine Seele liebt: Wo weidest du? Wo hältst du heute Mittag Rast? Ich möchte bei dir sein.“
Er ist der, der erfrischt, der erneuert, der wiederherstellt und unsere Herzen neu belebt. Ich kümmere mich also um meinen Weinberg, ich pflege ihn, indem ich in ihm bleibe, indem ich mich bei ihm aufhalte. Die Nahrung, die Ruhe, die ich brauche, finde ich in ihm. Er ist das lebendige Wasser. Er ist das Brot des Lebens. Er ist es, der sagt: „Wer Durst hat, der komme zu mir und trinke!“ (vergleiche Johannes 7,37).
Und: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken!“ (Matthäus 11,28). Was für wunderbare Worte für eine Frau, die von der Arbeit im Weinberg der Familie ausgebrannt ist, nicht wahr? „Ich werde euch Ruhe geben!“ (ELB)
Sie hat sich unter den Forderungen des Gesetzes abgemüht. Doch er lädt sie ein: „Komm und lebe in der Freude an meiner Liebe! Ich will dich erquicken. Nimm mein Joch auf dich und lerne von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so wirst du Ruhe finden für deine Seele! Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht“ (vergleiche Matthäus 11,28‒30).
Wo würdest du lieber arbeiten? Im Weinberg der Forderungen des Gesetzes oder im Weinberg der Freude an seiner Liebe?
Sie bittet ihn: „Sage mir doch (...), wo weidest du? Wo hältst du Mittagsrast? Warum soll ich wie eine Verschleierte sein bei den Herden deiner Gefährten?“ (Vers 7). Sie meint damit: „Ich möchte mich nicht von dir entfernen.“ Es ist das Bild eines Gläubigen, der sagt: „Ich will nicht von Christus wegdriften. Nichts soll mich von ihm abbringen!“ Sie weiß: Nur er kann ihr die Erleichterung, die Erfrischung und die Ruhe schenken, die sie so dringend braucht.
Weißt du, liebe Freundin, gottesfürchtigen Männern oder Frauen zu folgen, ist immer weniger wert als dem Herrn selbst zu folgen. Ich will nicht, dass du mir folgst. Ich möchte, dass du Christus nachfolgst. Ich möchte auch nicht, dass du deinem Pastor nachfolgst. Ich möchte, dass du Jesus nachfolgst.
Ich selbst möchte Christus nachfolgen. Es gibt viele Männer Gottes, durch deren Dienst am Wort mein Herz berührt wird. Ich höre viele ihrer Predigten und werde durch sie gesegnet. Doch der eigentliche Segen ist, wenn sie mich näher zu Christus bringen. Sag mir, Herr, wo du die Herde weidest, wo lässt du lagern am Mittag, Herr Jesus.
Erwarte nicht, dass dein Ehemann, dein Pastor, deine Freundinnen oder Bücher, TV-Sendungen und Podcasts über Christus deine tiefen Bedürfnisse stillen, die nur Christus selbst stillen kann. „Der HERR ist mein Hirte (...). Er erquickt meine Seele“ (Psalm 23,1.3).
In Vers 8 hören wir zum ersten Mal dann die Stimme des Geliebten. Du erinnerst dich: Die Braut hat gerade gesagt: „Schwarz bin ich, aber lieblich.“ Sie spürte diesen Zwiespalt, diesen inneren Konflikt. Und wie nennt er sie nun, wo er zum ersten Mal mit ihr spricht? „Du Schönste unter den Frauen.“
In seinen Augen ist sie angenehm. Sie ist lieblich. Sie ist schön. Vergleiche jetzt einmal ihre Sicht mit der ihres Geliebten. Wie sieht sie sich selbst? „Schwarz bin ich.“ Das hat sie sich übrigens nicht bloß eingeredet. Es ist wahr. Sie hat nicht einfach ein negatives Bild von sich. Sie ist tatsächlich schwarz. Sie hat Einschränkungen. Sie hat Probleme. Es gibt Bereiche, in denen sie ihm nicht gleicht.
Doch wie sieht er sie? „Du bist die angenehmste, lieblichste und schönste von allen Frauen.“ Er sieht sie mit anderen Augen – mit Augen der Gnade und Liebe. Und nach und nach wird auch ihr Bild, das sie von sich selbst hat, durch seine Sicht geprägt.
Erlaube dem Herrn, das Bild, das du von dir selbst hast, zu prägen. Weißt du, er sieht das Schwarze. Er kennt es – besser als du es kennst. Aber höre einmal, wie er zu dir sagt, wie du in Christus bist: „Du bist die Angenehmste unter den Frauen. Du bist die Schönste von allen.“
Ich denke daran, wie ich mich gestern und vorgestern und am Tag davor verhalten habe. Mir fallen meine Gedanken ein, die Christus nicht würdig waren, die schwarz waren und nicht lieblich. Oder ich denke daran, dass ich an Lügen geglaubt und entsprechend gehandelt habe. Und ich frage mich: Wie kann er so etwas überhaupt sagen? Er kann es sagen, weil er mich nicht sieht, wie ich im Fleisch bin, sondern er sieht mich, wie ich mit seiner Gerechtigkeit bekleidet worden bin. Er hat mir seine Schönheit geschenkt. Deshalb kann er sagen: Ich bin die Schönste unter den Frauen.
Er sagt zu ihr: „Ist es dir nicht bekannt [weißt du nicht, wo ich die Herde weide, wo ich Mittagsrast halte], du Schönste unter den Frauen, so geh nur hinaus, den Spuren der Schafe nach, und weide deine Zicklein bei den Wohnungen der Hirten!“ (Vers 8).
Ich möchte das an dieser Stelle nur kurz anmerken, aber wir werden das noch häufiger sehen: die Sorge um den Zustand der Weinberge und die Sorge um den Zustand der Herde ziehen sich durch das gesamte Hohelied.
In diesem Buch geht es also nicht nur um die persönliche Beziehung zwischen der Braut und ihrem Geliebten. Die Nähe zu Christus zu suchen, bedeutet nicht, die Verantwortung, anderen zu dienen, zu vernachlässigen. In der Tat wird es uns näher zu ihm ziehen, wenn wir, im Bilde gesprochen, mit ihm in die Weinberge gehen und die Herden weiden. Es kann solch ein Segen sein, gemeinsam mit ihm zu dienen.
In Johannes 21 fragte Jesus Petrus: „Liebst du mich?“ (Vers 16). „Wenn ja, dann soll es dir jetzt nicht nur darum gehen, dass deine eigenen Bedürfnisse gestillt werden. Weide die Schafe, die ich deiner Fürsorge anvertraut habe. Kümmere dich um die, die geistlich weniger reif sind als du.“ Und… wenn wir sie weiden, wird er auch uns weiden.
Ich erwähne das, weil du vielleicht als Mutter von drei Kleinkindern denkst: „Entweder bin ich Mutter oder ich habe diese enge Beziehung zu Christus.“ Weißt du was? Wenn du eine engere Beziehung zu Jesus anstrebst, macht er dich zu einer besseren Mutter! Er wird dir Kraft geben, dem Druck standzuhalten. Er wird dich befähigen, mit den Belastungen deines Lebens anders umzugehen. Wenn du in Einheit und Gemeinschaft mit ihm anderen dienst, wirst du erleben, wie dich das näher zu ihm zieht.
Die Braut sagt: „Sie setzten mich zur Hüterin der Weinberge; [doch] meinen eigenen Weinberg habe ich nicht gehütet!“ Die Lösung für diese Situation ist nicht, den Dienst einzustellen, sondern bei ihm Ruhe und Erfrischung zu finden. Dann können wir anderen aus der Fülle heraus dienen, aus Freude an seiner Liebe.
In dem Maße, wie sie ihren eigenen Weinberg – sprich ihr eigenes Leben – hütet, beginnt sie aufzublühen und Frucht zu tragen. Am Ende dieser Geschichte ist die Braut eifrig an der Seite ihres Geliebten, der sich um die Weinberge anderer kümmert. Ihr geht es nicht darum, einfach nur eine selbstsüchtige Beziehung zu ihrem Bräutigam zu haben, in der sie sich nur um sich selbst dreht – nein, sie hat dasselbe Anliegen wie er, die Weinberge anderer zu hüten, damit Frucht und angenehmer Duft entsteht, zu seinem Wohlgefallen, zu seiner Ehre und zu seiner Freude.
Wie steht es um deinen Weinberg? Wenn du so über deinen Alltag nachdenkst – über dein Zuhause, deinen Arbeitsplatz und deine Gemeinde… In welchem Zustand ist dein Weinberg?
Ich glaube, dass die Frauen, die unsere Sendungen hören, zu den fleißigsten, gewissenhaftesten und aufrichtigsten Dienerinnen des Herrn gehören. Aber könnte es sein, dass du dein eigenes Herz vernachlässigt hast, während du dich um die Weinberge anderer kümmerst?
Vielleicht dienst du eher, um den Anforderungen des Gesetzes zu genügen, als aus Freude an der Liebe des Bräutigams? Vielleicht arbeitest du im Weinberg des Gesetzes statt im Weinberg der Gnade. Wenn das so ist, dann möchte ich dich bitten, die Braut als Vorbild zu nehmen. Suche ihn! Bete: „Herr, sag es mir – du, den meine Seele liebt. Wo weidest du deine Herde? Wo lässt du sie ruhen? Ich möchte dort bei dir sein.“ Wenn du ihn suchst, wird er dir zeigen, wie du in ihm Erfrischung, Fülle und Ruhe findest.
Marie: Wir wurden heute ermutigt, unseren eigenen Weinberg zu pflegen, beziehungsweise eine tiefe, persönliche Beziehung zu Christus beizubehalten.
Und weißt du was, wir wünschen uns, dass diese Sendung mehr für dich ist als nur eine schöne Botschaft, die dir Unterhaltung bietet. Wir hoffen, dass du sie als Einladung verstehst – eine Einladung dazu, tiefer in das Hohelied Salomos einzutauchen. Eine Einladung, in der Vertrautheit mit Christus zu wachsen.
Hier ist Nancy nochmal um dir einen Weg aufzuzeigen, wie das gelingen kann.
Nancy: Ich hoffe, dass diese Sendereihe für dich ein Anlass ist, selbst ein Studium des Buches Hohelied zu beginnen. Dieses kleine Juwel im Alten Testament kann dir helfen, mehr über die größte Liebesgeschichte aller Zeiten zu entdecken. Du wirst die Liebe Jesu zu seiner Gemeinde in einem größeren Ausmaß verstehen. Um dich dabei zu unterstützen, haben wir eine kleine Broschüre entwickelt. Sie enthält einige praktische Fragen, die helfen, das Gelesene zu vertiefen, während du das Hohelied liest und darüber nachdenkst. Diese Broschüre beziehungsweise die PDF-Version trägt denselben Namen wie diese Sendereihe: „Der Geliebte meiner Seele - Jesus im Hohelied“.
Marie: Dein himmlischer Bräutigam sagt, dass du schön bist. Fällt es dir schwer, das zu glauben? Ich meine, wir alle wissen um unsere Fehler – wie kann Gott uns da also schön finden? Nancy wird in der nächsten Folge bei Belebe unsere Herzen genau darüber sprechen. Also, sei wieder dabei!
Belebe unsere Herzen ist Teil von Revive Our Hearts Ministries.
Wenn nichts anderes erwähnt wird, sind die Bibeltexte der Schlachter Übersetzung © 2000 Genfer Bibelgesellschaft entnommen.
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Jetzt wird's persönlich!
Tag 5 – Anfängliche Liebe (Wie kann er mich bloß lieben? – Hohelied 1,5-8)
- Welche Fehler oder Aspekte deines Lebens lassen dich glauben, dass du für Christus nicht liebenswert bist – dass du seine Liebe nicht verdient hast?
- „Schwarz bin ich, aber lieblich (...)“ (1,5). Die Braut Salomos fühlte sich in seiner Gegenwart unattraktiv, aber seine Liebe hat sie schön gemacht. Obwohl du dir deiner Sünden und Unzulänglichkeiten bewusst bist, hast du in Christus keinen „Makel“, der deine Lieblichkeit beeinträchtigen könnte (vergleiche 4,7). Wie sollte die Liebe Christi deine Sicht auf dich selbst verändern?
- „(...) Die Söhne meiner Mutter zürnten mir, sie setzten mich zur Hüterin der Weinberge“ (1,6). Arbeitest du im Weinberg der Pflicht (gegenüber dem Gesetz) oder im Weinberg der Liebe? Woran erkennt man das bei dir? Was verändert sich, wenn unser Dienst aus der Freude an der Liebe des Bräutigams entspringt?
- „Sage mir doch (…): Wo weidest du (...)?“ (1,7). Welche „Schafe“ hat Gott deiner Obhut anvertraut? Wie kannst du ihnen heute dienen?
- „(...) Meinen eigenen Weinberg habe ich nicht gehütet!“ (1,6). Kannst du nachvollziehen, was die Braut hier sagt – dass sie sich um die Weinberge anderer gekümmert und dabei ihren eigenen vernachlässigt hat? In welchem Zustand ist dein Weinberg? Was könntest du konkret tun, um deine persönliche Gemeinschaft mit Christus zu pflegen?